N’Guigmi

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Stadtgemeinde N’Guigmi
Stadtgemeinde N’Guigmi (Niger)
Stadtgemeinde N’Guigmi
Stadtgemeinde N’Guigmi
Koordinaten 14° 15′ N, 13° 7′ O14.25277777777813.110833333333Koordinaten: 14° 15′ N, 13° 7′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Diffa
Departement N’Guigmi
Einwohner 47.198 (2012)

N’Guigmi (auch: Nguigmi) ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements N’Guigmi in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Klimadiagramm von N’Guigmi

N’Guigmi liegt in der Sahelzone am früheren Ufer des Tschadsees. Das Stadtgebiet ist in sechs Stadtviertel, 51 administrative Dörfer, sieben traditionelle Dörfer, 24 Lager und 21 Wasserstellen gegliedert. Die sechs Stadtviertel sind Administratif, Cameroun, Djoulari, Garin Dolé, Kanembouri und Saban Carré.[1] N’Guigmi grenzt im Osten an den Nachbarstaat Tschad. Die Nachbargemeinden in Niger sind N’Gourti im Norden, Bosso im Süden und Kabléwa im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der Stadt kommt vom Kanuri-Wort n’jié kimé, das einen großen roten Tonkrug bezeichnet.

Eine aus dem Reich Kanem vertriebene Gruppe von Kanembu gründete rund drei Kilometer nordwestlich des heutigen N’Guigmi unter ihrem Anführer Lottoy Abouloumi den Ort N’Guigmi-Din („Alt-N’Guigmi“). Sie legten hier einen Palmenhain mit aus dem Jemen eingeführten Pflanzen an. Um das Jahr 1730 übersiedelte die Bevölkerung von N’Guigmi-Din nach N’Guigmi.[2] Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts litt das Gebiet unter regelmäßigen Überfällen der Tuareg und Tubu.[3] Die britischen Afrikaforscher Dixon Denham und Hugh Clapperton erreichten N’Guigmi im Jahr 1822. Am 28. Juni 1870 betrat der deutsche Afrikaforscher Gustav Nachtigal den Ort.[4] Anfang des 20. Jahrhunderts geriet N’Guigmi unter britischen Einfluss. Französische Truppen besetzten den Ort am 13. April 1903 und richteten 1904 einen Militärposten ein, den sie aber 1905 wieder aufgeben mussten. Erst am 10. November 1906 erlangte Frankreich die dauerhafte Kontrolle über N’Guigmi.[5] 1911 wurden im Zuge einer Verwaltungsreform, bei der das französische Militärterritorium Niger in sechs Kreise eingeteilt wurde, sowohl N’Guigmi als auch Bilma zu Hauptorten von jeweils nach ihnen benannten Kreisen. Bereits 1912 wurde der Kreis N’Guigmi durch einen Kreis mit Hauptort in Maïné-Soroa ersetzt und der Ort N’Guigmi war nur noch einer von zwei Sektoren des Kreises Maïné-Soroa.[6]

In den 1980er Jahren zogen Araber aus dem Tschad mit ihren Viehherden in das Gebiet um N’Guigmi, was zu Konflikten bei der Nutzung der Weideflächen und Brunnen führte. In den 1990er Jahren kam es zu bewaffneten Aufständen der Tubu, die sich insbesondere angesichts der schlechten Versorgungslage von der Regierung in Niamey vernachlässigt fühlten. Die Tubu organisierten sich in der paramilitärischen Organisation Front démocratique pour le renouveau. Außerdem gab es interne Konflikte zwischen verschiedenen Tubu-Clans sowie zwischen Tubu und Fulbe, denen von den Tubu der als ehrenvoll geltende Besitz von Kamelen untersagt wurde.

N’Guigmi war neben Mayahi die zweite Stadt in Niger, in der der Kapitalentwicklungsfonds der Vereinten Nationen ab Ende 2000 ein Projekt zur Schaffung einer dezentralen lokalen Verwaltung durchführte. Das Projekt umfasste unter anderem informelle „Schattenregierungen“ und die Überwachung informeller Wahlen, um den Aufbau funktionierender offizieller kommunaler Gremien vorzubereiten.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte N’Guigmi 8267 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 9537 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 15.807 Einwohner.[8] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 47.198.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kamelreiter in N'Guigmi

Der Norden der Gemeinde liegt in einem Gebiet, in dem Agropastoralismus vorherrschend ist, während im Süden die Zone des Regenfeldbaus beginnt.[10] N’Guigmi ist ein wichtiges Handelszentrum insbesondere für den Transsaharahandel, der allerdings durch die schlechte Sicherheitslage seit den Tubu-Aufständen in den 1990er Jahren beeinträchtigt wurde. Die Nationalstraße 1 von N’Guigmi nach Diffa und die Grenzregion zwischen Niger und Tschad sind häufige Schauplätze von Raubüberfällen durch Wegelagerer. In der Stadt findet jeden Sonntag ein großer Kamelmarkt statt, der vor allem von Tuareg, Tubu und Arabern besucht wird. N’Guigmi ist der Sitz eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[11] In der Stadt gibt es einen lokalen Bürgerhörfunk (radio communautaire).[12] Das 2004 in N’Guigmi gegründete Centre pour la Promotion Féminine widmet sich der Bildung und insbesondere der Alphabetisierung von Frauen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: N’Guigmi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 112.
  3. Niger 2009. Nouvelle édition de l'Université, Paris 2009, ISBN 2746916401, S. 157.
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 63–64.
  5. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 223.
  6. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 236.
  7. Angelo Maliki Bonfiglioli: Empowering the Poor: Local Governance for Poverty Reduction. United Nations Capital Development Fund, 2003, S. 85.
  8. World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bevoelkerungsstatistik.deNiger: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung, abgerufen am 30. Dezember 2009.
  9. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 21. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  10. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. Save the Children UK, London 2009 (Online-Version; PDF; 2,6 MB), S. 8.
  11. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLa situation de la communication pour le développement au Niger (Etat des lieux). Tome 1. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2003, S. 124, abgerufen am 2013-04-35 (PDF-Datei; 461 KB, französisch).