NABU Wasservogelreservat Wallnau

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Blick aus dem „Eck-Hide“ (Beobachtungsstand) Richtung Osten

Das NABU Wasservogelreservat Wallnau ist eines der bedeutendsten Schutzgebiete für ziehende Vögel in Deutschland und das größte Naturschutzzentrum des NABU. Das ehemalige Teichgut Wallnau liegt an der Westküste der Ostsee-Insel Fehmarn und umfasst ein im Kern knapp 300 Hektar großes Gebiet an Teichen, Schilfflächen, Wiesen, sowie einen Teil der Ostsee und des Strandsaumes. Das Naturschutzzentrum beherbergt eine Ausstellung zum Vogelzug, einen kleinen gastronomischen Betrieb und Seminarräume. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter leisten die naturschutzfachliche Betreuungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Leiter des NABU Wasservogelreservat Wallnau ist seit September 2012 Martin Altemüller. Das Zentrum ist als Träger von Bildungsangeboten zur nachhaltigen Entwicklung zertifiziert und Mitglied im Netzwerk Baltic Flyway.

Geschichte[Bearbeiten]

Gustav Kröhnke um 1886

Das aus Teichen, Schilfflächen, Feuchtwiesen und kleineren Gehölzen bestehende Gebiet war ursprünglich eine Bucht in der Ostsee, bevor sich ein Nehrungshaken bildete und den entstehenden Binnensee vor 400 Jahren von der Ostsee trennte.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebiet von dem Ingenieur und Landvermesser Gustav Kröhnke trockengelegt; zahlreiche Fischteiche wurden angelegt. Insgesamt entstand dabei ein 575 Hektar großes Areal.

Der trockengelegte See wurde lange für landwirtschaftliche Zwecke genutzt, bevor er 1975 vom Deutschen Bund für Vogelschutz (heute Naturschutzbund Deutschland NABU e.V.) und dem Kreis Ostholstein erworben wurde. Der NABU kaufte das Gebiet 1976. Schon 1977 wurde das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Damit konnten die in dem Naturschutzgebiet brütenden und rastenden Vogelarten geschützt werden.

Um die Lebensräume dieser Vögel zu optimieren, wurden in einigen Bereichen landschaftsgestalterische Maßnahmen durchgeführt.

Im März 2010 wurden dem NABU Wallnau die Betreuung dreier weiterer Schutzgebiete auf Fehmarn übertragen. Damit wird ein vernetzteres Schutzgebietssystem auf Fehmarn geschaffen. Eine Teilfläche grenzt nördlich an das bereits vom NABU betreute Naturschutzgebiet (NSG) „Wallnau/Fehmarn“ an. Zwei Teilflächen befinden sich zwischen dem NSG „Wallnau“ und dem ebenfalls vom NABU betreuten „NSG Krummsteert-Sulsdorfer Wiek/Fehmarn“. Die Halbinsel Spitzenorth und die Inseln in der Lemkenhafener Wiek, die u. a. eine große Silbermöwenkolonie beherbergen, werden künftig auch vom NABU Wallnau betreut. Die Gebiet fallen unter die EU-Vogelschutzrichtlinie bzw. sind Fauna-Flora-Habitat-Gebiete im europaweiten Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Am Rand des heutigen NABU-Reservats fand 1970 das Love-and-Peace-Festival, ein mehrtägiges Musikfestival, statt, bei dem u. a. Jimi Hendrix seinen letzten Auftritt vor seinem Tod hatte. Ein Gedenkstein erinnert heute daran.

Naturschutzgebiet Wallnau/Fehmarn[Bearbeiten]

Am 23. Dezember 1977 wurden die 298 ha durch das Land Schleswig-Holstein als Naturschutzgebiet ausgewiesen und die Betreuung dem Eigentümer, dem Naturschutzbund Deutschland, übertragen.

Naturschutz[Bearbeiten]

Über 270 Vogelarten nutzen die Flächen des Naturschutzgebietes als Rast- und Ruheort auf ihrem Zug. Rund 100 Arten brüten in Wallnau.

Die Daten aus den kontinuierlichen Wasservogelzählungen und Kartierungen werden archiviert und an die sammelnden Stellen weitergegeben. Mitarbeiter des Reservates nehmen Aufgaben des Naturschutzdienstes des Landes Schleswig Holstein wahr. Das Team des Wasservogelreservats übernimmt neben der fachlichen Betreuung des NSG Wallnau auch die vor Ort-Betreuung, der NSGs Grüner Brink und Krummsteert/Sulsdorfer Wiek auf der Insel.

Seit 2004 werden Aktivitäten zum Amphibienschutz vom NABU Wallnau vorgenommen. In den Gebieten werden Kreuzkröten und Wechselkröten kartiert. Das Reservat nimmt auch an einem EU-Projekt LIFE-BaltCoast zum besseren Schutz von Ostsee-Lagunen teil und kooperiert in diesem Rahmen mit dänischen, estnischen, litauischen und schwedischen Partnern. Im Rahmen des Projektes werden vergleichende Untersuchungen in Gewässern entlang der schwedischen und dänischen Ostseeküste vorgenommen.

Darüber hinaus ist der NABU Wallnau in das Netzwerk Baltic Flyway eingebunden. In dem Zusammenschluss sind dänische und schwedische Vogelschutzgebiete miteinander verbunden, in denen die ziehenden Wasser- und Watvögel rasten.

Informationstafel

Bedeutung[Bearbeiten]

Wallnau ist wegen seiner günstigen Lage an der Fluglinie für Zugvögel ein begehrter Rastplatz und wird im Sommer von seltenen Vogelarten wie Rothalstaucher und Zwergseeschwalbe ebenso gern als Nistplatz genutzt. Das Naturschutzgebiet kann jederzeit von einem Weg auf der Krone des Sommerdeiches eingesehen werden. Von März bis Oktober ist das Informationszentrum des NABU geöffnet und es gibt es auch Führungen durch das Areal.

Weblinks[Bearbeiten]

54.47277777777811.021388888889Koordinaten: 54° 28′ 22″ N, 11° 1′ 17″ O