NATO-Draht

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NATO-Draht mit langer Schneide in typischer Verlegung als „Zieharmonika“, kombiniert mit und befestigt an herkömmlichem Stacheldraht

NATO-Draht ist eine Variante des Stacheldrahtes, der als Drahtrollen gedreht ist und dessen Aufgabe es ist, ein unerlaubtes Passieren von Personen und in gewissem Umfange auch Fahrzeugen stark zu erschweren beziehungsweise zu verhindern. Im Vergleich zu gebräuchlichem Stacheldraht ist der Zeitaufwand, NATO-Draht zu überwinden, höher. Er wird daher bei Anlagen und in Situationen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis eingesetzt. Weiterhin ist NATO-Draht gefährlicher als Stacheldraht, da die rasiermesserähnlichen Schneiden stärkere Verletzungen als die Stacheldrahtdornen verursachen. Die private Verwendung auf Grundstücken ist grundsätzlich nicht verboten, mit Verweis auf eine erhöhte Gefährdung von Kindern und Jugendlichen wurde allerdings von der Rechtsprechung die Demontage von NATO-Draht-Umzäunungen um Privatgrundstücke verlangt.[1]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Im Deutschen wird dieser Typ Stacheldraht NATO-Draht genannt, da dieser vom NATO-Verbündeten USA nach Deutschland eingeführt worden ist und über viele Jahre ausschließlich im Militärbereich verwendet wurde. Bezeichnungen wie „S-Draht“, „Z-Draht“, „Klingendraht“ werden ebenfalls verwendet. Die offizielle deutsche Bezeichnung lautet „Widerhakensperrdraht“.

Geschichte[Bearbeiten]

NATO-Draht mit kurzer Schneide: 1977 in Verbindung mit Tschechenigeln als Absperrung der Baustelle des Kernkraftwerks Kalkar

Die ersten Versionen dieser Stacheldrahtart wurden im Ersten Weltkrieg von Deutschland hergestellt. Grund hierfür war ein kriegsbedingter Mangel an Draht, um herkömmlichen Stacheldraht herzustellen. Daher begann man, aus Stahlbändern Flachdraht mit dreieckigen Schneiden auszustanzen. Ein willkommener Nebeneffekt war, dass man eine vergleichbare Stacheldrahtlänge dieses neuen Typs in kürzerer Zeit produzieren konnte. Diese Vorläufer des NATO-Drahtes besaßen noch keinen Innendraht zur Stabilisierung, waren daher mit Blechscheren leicht zu zerschneiden und waren auch nicht so robust wie normaler Stacheldraht. Jedoch widerstanden sie den damaligen Drahtschneidern zum Zerschneiden von normalem Stacheldraht, wie sie zu diesem Zeitpunkt an der Front gebräuchlich waren.

Ende der 1960er Jahre und zu Beginn der 1970er Jahre fand der unverstärkte NATO-Draht kommerzielle Anwendung. Zuerst wurde er an US-Gefängnissen als äußere Grenzbefestigung verwendet. Etwa 1981 begannen verschiedene Firmen, nachdem der NATO-Draht mit einem Innendraht verstärkt worden war, diesen erfolgreich zu vermarkten. Hierbei gab es allerdings auch Patentstreitigkeiten.

Nachdem NATO-Draht ausreichend weiterentwickelt worden war, wurde er in vielen Staaten militärisch angewendet, da er im Vergleich zum Stacheldraht leichter ist und so mit weniger Gewicht die gleiche Schutzstufe erreicht.

In der Regel wird NATO-Draht heutzutage als Rolle mit 1 m Durchmesser geliefert. Auseinandergezogen lassen sich dann Längen bis etwa 15 Meter erreichen. Er findet Anwendung unter anderem als Krone auf Sicherheitszäunen und für mobile Schnellsperren, bei Seiten-Toren beziehungsweise -Eingängen und Sicherheitssperren, meist durch Wachen gegen „Wiederaufnahme“ gesichert.

Herstellung[Bearbeiten]

NATO-Draht im Detail

Die Klingen des NATO-Drahtes werden mit speziellen Stanzmaschinen aus normalem oder verzinktem, zumeist ca. 19 x 1 mm breiten Flachdraht aus Stahl gefertigt, aus dem langlochförmige Stücke herausgestanzt werden. Die so entstandenen Grate sind sehr scharf. Während früher die Klingen zunächst vereinzelt, in regelmäßigen Abständen an einer DrahtSeele aus Federstahl angebracht und durch Widerstandspressschweißungen mit dieser verbunden wurden, wird der gestanzte Flachdraht heutzutage meist unzerteilt verarbeitet und solcherart mit der Seele verschweißt. Anschließend wird der fertige NATO-Draht feuerverzinkt. Wie auch gewöhnlicher Stacheldraht wird NATO-Draht in glatter oder gerollter Ausführung gefertigt.

Bandstacheldraht

Darüber hinaus wird NATO-Draht aus Korrosionschutzgründen in einer Version aus rostfreiem Stahl hergestellt. Dabei ist der so genannte Seelendraht verzinkt und nur die äußeren Schneiden bestehen aus Edelstahl. Eine Herstellung aus rostfreiem Stahl ist teuer und kommt nur bei langfristigen Befestigungen oder speziellen Einsatzbedingungen, wie beispielsweise unter Wasser, zum Einsatz.

Bei sogenanntem Bandstacheldraht wird auf die Einarbeitung einer Drahtseele verzichtet. Um einen Korrosionsschutz zu gewährleisten, wird der Bandstacheldraht brüniert. Abschließend wird das Band flach auf eine Rolle aufgewickelt (gängige bei der deutschen Bundeswehr verwendete Länge: 50 m). Häufig ist die Verwendung eines Verlegegeräts, insbesondere in Verbindung mit Baumbewuchs.

Die verschiedenen Typen NATO-Drahts werden u. a. nach der Länge ihrer Klingen unterschieden:

  • kurz, 10 bis 15 Millimeter Schneidlänge
  • mittel, 20 bis 25 Millimeter Schneidlänge
  • lang, 60 bis 66 Millimeter Schneidlänge

Es gibt keine gesicherten Untersuchungen, ob längere Schneiden effektiver gegen eine Überwindung sind. Unbestritten ist jedoch ein größerer Abschreckeffekt bei größerer Schneidlänge.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: NATO-Draht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. VG Minden Beschluss vom 10. Juli 2003, Az. 11 L 603/03