NKWD-Lager Toszek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenkstein am Massengrab
Gebäude der Psychiatrie
Gedenktafel
Kreuz am Massengrab

Das Internierungslager des NKWD im oberschlesischen Toszek (Tost) bestand vermutlich von Mai bis November 1945. Im Lager wurden deutsche Zivilisten aus Schlesien, Sachsen, dem späteren Sachsen-Anhalt, Brandenburg und dem Sudetenland interniert.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Lager des NKWD wurde in den Gebäuden der Psychiatrischen Klinik (ehemalige Landespflegeanstalt) in Toszek eingerichtet, in dem sich in den Jahren davor ein Lager der Nationalsozialisten befand.

Ab Mai 1945 wurden zunächst etwa 1.000 Personen aus Oberschlesien und Breslau interniert. Im Sommer 1945 kamen weitere 3.600 Gefangene aus einem überfüllten Lager in Bautzen hinzu. Insgesamt wurden nach aktuellem Kenntnisstand im Lager mehr als 4.600 Personen interniert. Die Gefangenen mussten in der Umgebung Zwangsarbeit verrichten.

Von den Internierten starben etwa 3.300 Personen im Lager, weitere starben nach der Freilassung an den Folgen der Internierung. Unter den Opfern war u.a. Hans Rasmussen aus Hainichen, der Sohn des Industriellen Jørgen Skafte Rasmussen (1878–1964).

Die Opfer wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Toszek begraben, etwa 1.000 Personen, und später aus Platzmangel etwa weitere 2.000 in der östlich anliegenden Sandgrube. Internierte, die während der Zwangsarbeit außerhalb des Lagers starben, sollen an ihrem Sterbeort begraben worden sein. Das Massengrab befindet sich heute größtenteils auf einem privaten Firmengelände.

Nach der Auflösung des Lagers Ende 1945 kümmerten sich die örtlichen Ordensschwestern der Ordensgemeinschaft der Borromäerinnen und die Anwohner von Toszek um die freigelassenen Lagerinsassen. Weitere Personen verstarben in den folgenden Wochen an den Folgen der Internierung.

Gedenken und Aufklärung[Bearbeiten]

Zum Gedenken der Opfer wurden nach der politischen Wende von 1989 ein Gedenkstein für die Opfer errichtet und ein Kreuz am jüdischen Friedhof, sowie eine Gedenktafel auf dem katholischen Friedhof an der Barbarakirche aufgestellt, auf der sich u. a. die Angehörigen für die Pflege der Internierten nach ihrer Freilassung bedanken. Eine Tafel an der Klinik weist auf das NKWD-Lager hin.

Die Hintergründe zum Lager liegen bis heute größtenteils im Dunkeln[1], und es gibt kaum Veröffentlichungen über die Geschichte des Lagers. Ein Zugriff auf russische Archive, die eine Aufklärung der Hintergründe ermöglichen würden, wurde bisher nicht gewährt. Im Juni 2010 verkündete die Außenstelle Kattowitz des Instituts für Nationales Gedenken (IPN), dass sie sich darum bemüht Zugang zu Dokumenten zu erhalten, mit denen Näheres zum Lager ermittelt werden kann. Man erhofft sich Informationen zur Gründung und der Funktion des Lagers, sowie die Namen der Todesopfer zu erhalten.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Das Massengrab und Denkmal in Toszek (Tost) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel auf polnisch
  2. Dziennik Polska: IPN chce ujawnić prawdę o obozie NKWD w Toszku

50.45269444444418.522722222222Koordinaten: 50° 27′ 10″ N, 18° 31′ 22″ O