Non-Profit-Organisation

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Als Non-Profit-Organisation bezeichnet man jene Organisationen in frei-gemeinnütziger oder privat-gewerblicher Trägerschaft, welche ergänzend zu Staat und Markt spezifische Zwecke der Bedarfsdeckung, Förderung und/oder Interessenvertretung/Beeinflussung (Sachzieldominanz) für ihre Mitglieder (Selbsthilfe) oder Dritte wahrnehmen. Sie verfolgen keine kommerziellen (Rendite-)Interessen, sondern dienen gemeinnützigen sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Zielsetzungen ihrer Mitglieder. Dies ist in einem Statut festgelegt und wird in Deutschland im Rahmen eines staatlichen Anerkennungsverfahrens bei Beantragung von Gemeinnützigkeits-Status auf Plausibilität überprüft. In Deutschland typische Rechtsformen von Nonprofit-Organisationen sind die Gemeinnützigen GmbH und der eingetragene Verein (e. V.).

Weitere synonyme Bezeichnungen:

  • nichtgewinnorientierte(s) Organisation/Unternehmen
  • Verein ohne Gewinnzweck (VoG) (Luxemburg)
  • Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht (VoG) (Belgien)
  • Gesellschaft ohne Erwerbszweck (GoE) (Belgien; veraltet: 1921-2002)
  • „Not-for-Profit Organization“ und „Non-Business Organization“ in Großbritannien
  • „Nonprofit Corporation“ in den Vereinigten Staaten von Amerika

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Führung

Als Vereine, Verbände, Selbstverwaltungskörperschaften, gemeinnützige Gesellschaften (gGmbH oder gAG), Genossenschaften oder Stiftungen werden sie von gewählten Ehrenamtlichen geleitet und können durch freiwillige Helfer in ihrer Arbeit unterstützt werden. Ihre Leitungsorgane können gewählt oder - so zum Beispiel bei Stiftungen - durch bestimmte Personen oder Institutionen berufen werden.

[Bearbeiten] Finanzierung

Die NPOs finanzieren ihre Leistungen (Individualgüter, meritorische Güter oder Kollektivgüter) über Mitgliederbeiträge, Spenden, Zuschüsse und/oder Preise/Gebühren. International finanzieren sie sich zu 53 % über Entschädigungen für Dienstleistungen, zu 35 % über Staatsbeiträge und nur zu 12 % über Spendeneinnahmen[1].

Allfällig erzielte Überschüsse dürfen nicht als Kapitalrendite direkt an Mitglieder/Träger ausgeschüttet werden. Gewisse Rückvergütungen sind im Verhältnis zur Leistungsbeanspruchung möglich. Übergänge von der Privatautonomie zur Staats- und/oder Marktsteuerung in Teilbereichen sind möglich bzw. häufig[2].

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Bedeutung

Gemäß Zahlen der Johns-Hopkins-Universität, die seit 15 Jahren die Zahlen zum NPO-Sektor in den 40 größten Ländern der Welt erhebt, setzen die NPOs weltweit jährlich fast 2 Billionen US-Dollar um, was dem Bruttoinlandprodukt von Frankreich entspricht[1].

[Bearbeiten] Geschichte

Es gibt gesellschaftliche Voraussetzungen für das Entstehen von Non-Profit-Organisationen, die oft stark vereinfacht mit den Schlagworten Kapitalismus und Demokratie umschrieben werden. Tatsächlich sind aber gerade kapitalistische Prinzipien wie Privateigentum oder Selbstbestimmung der Arbeitskraft Voraussetzungen für das Entstehen von Non-Profit-Organisationen: Eine hypothetische staatliche Organisation, die Staatseigentum einsetzt und dazu die Arbeitskraft der Bürger mehr oder wenig zwangsweise einbezieht, kann selbst bei fehlender Gewinnabsicht nicht als Non-Profit-Organisationen bezeichnet werden. Daher erstaunt es nicht, dass vorwiegend in westlichen Staaten auf eine Geschichte der Non-Profit-Organisationen zurückgeblickt werden kann.

[Bearbeiten] USA

Die Entstehungsgeschichte der Non-Profit-Organisationen in den USA ist die Geschichte der Bestrebung, neben politischer auch kulturelle Unabhängigkeit von Europa zu erlangen. Die Ursprünge der Non-Profit-Organisationen in den USA erwachsen aus der Ablehnung des europäischen Absolutismus im 18. Jahrhunderts. Durch diese Ablehnung der Staatsmacht wird zunehmend nach zivilgesellschaftlichen Konzepten der Selbstverwaltung gesucht. Mit der zunehmenden sozialen Schieflage in Europa zur Zeit der Industrialisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen (z.B. Oktoberrevolution, Sozialgesetze) werden in den USA nach Möglichkeiten gesucht, das Ausweiten der staatlichen Einflusssphäre zu verhindern. Besonders Ende des 19. Jahrhunderts wird das Konzept des sog. Wohlfahrtskapitalismus diskutiert, bei dem Arbeitgeber selbständig Sozialleistungen erbringen. Dies geschieht oft über betriebseigene Non-Profit-Organisationen. Noch heute werden in den USA viele Aufgaben, die in Europa klassisch dem staatlichen Sektor zugeschrieben werden (Bildung, Kultur, etc.), von Non-Profit-Organisationen erfüllt.

[Bearbeiten] Sozialer Bereich

[Bearbeiten] Soziale Arbeit, Unterstützung für Benachteiligte, Fürsorge

In diesem Bereich gibt es eine Fülle von Organisationen, die aus verschiedenen Motiven unterschiedliche karitative Zwecke verfolgen: Unterstützung von Armen, Obdachlosen, Familien, Kindern und Jugendlichen, Frauen, Senioren, Süchtigen und Suchtgefährdeten, Gefangenen, Gewaltopfern, Menschen mit Behinderungen, Kranken, Menschen aus Randregionen, Homosexuellen, Flüchtlingen und anderen.

[Bearbeiten] Schutz und Rettung

Hilfsorganisationen sind im Katastrophenschutz, Sanitätsdienst und Rettungsdienst tätig und betreiben Erste Hilfe (-Ausbildung) und Kriseninterventionen.

[Bearbeiten] Umwelt-, Natur- und Tierschutz

Umwelt-, Natur- und Tierschutz-Organisationen setzen sich für Artenvielfalt, saubere Luft, Böden und Wasser, nachhaltigen Energiegebrauch, Lärmschutz, Strahlenschutz – kurz: für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt – ein.

[Bearbeiten] Entwicklungszusammenarbeit

In der Entwicklungszusammenarbeit tätige Organisationen möchten mit Projekten die Lebensumstände der Menschen in Entwicklungsländern verbessern.

[Bearbeiten] Politische NGOs

Politische NGOs befassen sich Themen wie Globalisierung, Welthandel und sozialen Benachteiligungen.

[Bearbeiten] Menschen- und Bürgerrechte

Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen setzen sich für die Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte ein und versuchen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.

[Bearbeiten] Katastrophenhilfe, Überlebenshilfe, humanitäre Hilfe

In der humanitären Hilfe tätige Organisationen versuchen, Menschen in einer humanitären Notlage (z.B. bei Kriegen und Naturkatastrophen) zu schützen und ihnen zu helfen.

[Bearbeiten] Kultureller Bereich

[Bearbeiten] Künstlerförderung

  • Deutsche Organisationen: Kulturleben in der Studentenstadt e. V. - Studentenstadt Freimann, München, Ausrichtung des studentisch organisierten Festivals StuStaCulum; Förderung von Musikern, Malern, Kabarettisten, Schauspielern usw.
  • Österreichische Organisationen: Kulturverein kunstszene.at - Unterstützung und Förderung von Künstlern (bildende Kunst, Musik und Bodypainting); Verein Unit F büro für mode - Förderung zeitgenössischer österreichischer Modedesigner

[Bearbeiten] Denkmalschutz

Denkmalschutz-Organisationen setzen sich für einen Erhalt der Kultur- und Baudenkmale aus verschiedenen Epochen ein und fördern zeitgemäße, gute Architektur bei Neubauten.

[Bearbeiten] Wissenschaftlicher Bereich

[Bearbeiten] Forschungszentren

  • Verbandsmanagement Institut (VMI) an der Universität Freiburg/CH, Forschung und universitäre Weiterbildung im Bereich Management für Nonprofit-Organisationen seit 1976; Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen
  • Zentrum für Nonprofit-Management, Münster, Beratung, Forschung und Weiterbildung für gemeinnützige Organisationen
  • Center for Social Enterprise (CSE-HSG), Universität St.Gallen, Forschung, Weiterbildung, Wissensplattform.
  • Centrum für soziale Investitionen und Innovationen (CSI), Universität Heidelberg, Forschung, Lehre, politische Analyse und Beratung.

[Bearbeiten] Medien

[Bearbeiten] Weiterbildungen

  • staatl. geprüfte(r) FachwirtIn für Organisation und Führung, Teilzeitweiterbildung an verschiedenen Fachschulen für Sozialwesen.

[Bearbeiten] Studiengänge

[Bearbeiten] Bachelor

  • Public Management (Öffentliches Dienstleistungsmanagement), Vollzeitstudiengang an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW Berlin) und der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR Berlin)
  • Öffentliches Management, Vollzeitstudiengang an der Fachhochschule Osnabrück
  • Nonprofit-, Sozial- & Gesundheitsmanagement, Fachhochschul-Studiengang am Management Center Innsbruck.
  • Public and Non-Profit Management, Vollzeitstudiengang an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt; Spezialisierung im Rahmen des Wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an der Johannes Kepler Universität Linz

[Bearbeiten] Master

  • Master-Programm Nonprofit-Management und Public Governance, Vollzeitstudiengang an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW Berlin) und der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR Berlin) | ab Wintersemester 2009/2010
  • Master of Social Management, Fernstudium mit Präsenzeinheiten (5 Semester, 130 credit points), FH Braunschweig/Wolfenbüttel
  • Executive MBA in NPO-Management, berufsbegleitender Studiengang am Verbandsmanagement Institut (VMI) an der Universität Freiburg/CH
  • International Management in Non-Profit-Organiszations, berufsbegleitender Master-Studiengang an der KFH Freiburg
  • Master-Programm Management in Nonprofit-Organisationen, Vollzeitstudiengang an der Fachhochschule Osnabrück
  • Master-Studiengang Nonprofit-Management and Governance, akkreditierter und berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster
  • Master-Studiengang Betriebswirtschaft für Nonprofit-Organisationen, berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang an der Fachhochschule Nordwestschweiz Olten, Basel
  • Master of Arts - Sozialmanagement, Fernstudium mit Präsenzlehre (5 Semester), Alice Salomon Fachhochschule Berlin
  • Masterstudiengang Sozial- und Gesundheitsmanagement (MBA), berufsbegleitender Master-Studiengang an der HAW Hamburg
  • Master of Nonprofit Management & Governance, berufsbegleitender Master-Studiengang an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

[Bearbeiten] Literatur

  • Renz, Patrick: Project Governance: Implementing Corporate Governance and Business Ethics in Nonprofit Organizations. Heidelberg: Physica-Verl., 2007. (Contributions to Economics); ISBN 978-3-7908-1926-7
  • Peter Schwarz, Robert Purtschert, Charles Giroud, Reinbert Schauer: Das Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen. 5. Auflage. Haupt, Bern; Stuttgart; Wien 2005, ISBN 3-258-06914-X
  • Peter Schwarz: Organisation in Nonprofit-Organisationen. Haupt, Bern; Stuttgart; Wien 2005, ISBN 3-258-06885-2
  • Robert Purtschert: Marketing für Verbände und weitere Nonprofit-Organisationen. 2. Auflage, Haupt, Bern; Stuttgart; Wien 2005, ISBN 3-258-06913-1
  • Reinbert Schauer: Rechnungswesen für Nonprofit-Organisationen. 2. Auflage, Haupt, Bern; Stuttgart; Wien, 2003, ISBN 3-258-06588-8
  • Christoph Badelt: Handbuch der Nonprofit-Organisation: Strukturen und Management. 4., überarb. und erw. Aufl. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2006, 732 S., ISBN 3-7910-2539-2
  • Ekkehart Frieling: Kompetenz- und Organisationsentwicklung in Non-Profit-Organisationen: Gewerkschaften, Bildungsträger und öffentliche Verwaltung im wirtschaftlichen Wandel. Waxmann, Münster u. a. 2002, ISBN 3-8309-1184-X
  • Andreas Georg Scherer (Hrsg.): Balanced Scorecard in Verwaltung und Non-Profit-Organisationen. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2002, ISBN 3-7910-2043-9
  • Michael Urselmann: Fundraising: erfolgreiche Strategien führender Nonprofit-Organisationen. 3. vollst. überarb. und erw. Aufl. Haupt, Bern u. a. 2002, 232 S., ISBN 3-258-06408-3
  • Reinbert Schauer (Hrsg.): Nonprofit-Organisationen und gesellschaftliche Entwicklung: Spannungsfeld zwischen Mission und Ökonomie: 5. Colloquium der NPO-Forscher im deutschsprachigen Raum, Johannes Kepler-Universität Linz, 17.–19. April 2002; eine Dokumentation. Trauner, Linz 2002, 535 S., ISBN 3-85487-435-9
  • Karl-Klaus Pullig: Konfliktberatung in Non-Profit-Organisationen: mit Fallstudien. 2., verb. Aufl. Hampp, München u. a. 2001, 124 S., ISBN 3-87988-536-2
  • Annette Zimmer (Hrsg.): Management in Nonprofit-Organisationen. Eine praxisorientierte Einführung. Leske + Budrich, Opladen o. J., ISBN 3-8100-2295-0
  • Walter Fischer: Sozialmarketing für Non-Profit-Organisationen – Ein Handbuch. Orell füssli Verlag, Zürich 2000, ISBN 3-280-02659-8
  • Dettmann, Joachim; Holewa, Michael: Trendstudie Marketing für Nonprofit-Organisationen. Hrsg.: transfer-project, Berlin, www.efb-consulting.de
  • Bruhn, Manfred (2005): Marketing für Nonprofit-Organisationen. Grundlagen - Konzepte - Instrumente, ISBN 3-17-018281-1
  • Siebart, Particia Corporate Governance von Nonprofit-Organisationen, Bern; Stuttgart; Wien, 2006, ISBN 3-258-07115-2
  • Häusler, Richard; Kerns, Claudia: Unternehmen Umweltbildung, oekom, München 2006, ISBN 3-86581-047-0
  • Stiftung&Sponsoring: Magazin für Nonprofit-Management und -Marketing, Essen 1998 ff., ISSN 1438-0617

[Bearbeiten] Siehe auch

Non-Profit-Marketing - Lowprofit-Organisation - Gemeinnützigkeitnichtstaatliche OrganisationGenossenschaftswesenZivilgesellschaft - Sozialwirtschaft

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. a b NZZ am Sonntag, 15.10.2006, S. 37
  2. Robert Purtschert, Peter Schwarz, Bernd Helmig, Reinbert Schauer, Andrea Haid: Das NPO-Glossar, Bern, Stuttgart und Wien. Paul Haupt Verlag, 2005
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