NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

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Die Dauerausstellung
Zellentrakt im Keller

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln ist ein Museum und eine Forschungseinrichtung zur Geschichte der Stadt in der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) und befindet sich im Kölner EL-DE-Haus am Appellhofplatz 23-25.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Im Vorfeld des Kölner Lischka-Prozesses (Prozessbeginn: 23. Oktober 1979) wurde als Folge von Bürgerhinweisen das ehemalige Kölner Gestapo-Gefängnis im EL-DE-Haus einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Im März 1979 machte Kurt Holl mit einer spektakulären Aktion, in dem er sich über Nacht in den dortigen Keller begab und mit dem Fotograf Gernot Huber die Inschriften hinter den abgerückten Regalen dokumentierte, bekannt, dass im Akten-Keller des von der Stadtverwaltung genutzten Hauses noch die ehemaligen Gestapo-Zellen mit ihren Inschriften erhalten waren. Durch das lautstarke Echo in der Öffentlichkeit und die von Holl bewirkte Intervention von Bundeskanzler Willy Brandt bei Oberstadtdirektor Kurt Rossa führte ein Beschluss der Stadt dazu, dass die Stadtkonservatorin Hiltrud Kier den Keller und die Inschriften restaurieren ließ. Während hieraus die Entscheidung zur Einrichtung der am 4. Dezember 1981 eröffneten Gedenkstätte erwuchs, erfolgte parallel der Aufbau einer beim Historischen Archiv angesiedelten Forschungsstelle zu der Zeit des Nationalsozialismus in Köln, unter der Leitung des Historikers Horst Matzerath.

Im Jahre 1987 beschloss dann der Kölner Rat die Errichtung des NS-Dokumentationszentrum, das Räumlichkeiten im EL-DE-Haus bezog und dort am 19. September 1988 begann. Erst als Folge einer Neuorganisation wurde die Forschungsstelle zum 25. März 1997 aus der Verbindung mit dem Historischen Archiv gelöst und den anderen Städtischen Museen gleichgestellt.[1] Nach dem Abschied des ersten Direktors des NS-Dokumentationszentrums, Matzerath, übernahm zum 5. Dezember 2002 der langjährige Mitarbeiter Werner Jung dessen Stelle. Stellvertretende Direktorin ist seit dem 1. Januar 2003 die Historikerin Karola Fings.

Kern des Museums bildet die Gedenkstätte Gestapo-Gefängnis im Keller des Gebäudes. Dort sind Zellen erhalten, in denen Gestapo-Häftlinge untergebracht waren und deren Wände von den Insassen beschriftet wurden. Seit 2013 steht auch der Innenhof, die ehemalige Hinrichtungsstätte, dem Zentrum als Anschauungsort zur Verfügung.

Auf zwei weiteren Etagen wird in der Dauerausstellung Köln im Nationalsozialismus die Geschichte der NS-Zeit in Köln dargestellt. Neben dieser 1997 eröffneten Dauerpräsentation bietet das NS-Dokumentationszentrum jährlich mehrere Sonderausstellungen zu lokalen und überregionalen Aspekten mit begleitenden Veranstaltungen an. Das Museum verzeichnet unverändert steigende Besucherzahlen. So lagen diese im Jahr 2002 noch bei knapp 26.000 und überschritten 2011 bereits die Marke von 56.000 Besuchern.[2] Die Forschungsabteilung des NS-Dokumentationszentrums erarbeitet historische Grundlagen, die Eingang in Ausstellungen, Publikationen in der hauseigenen Schriftenreihe, interaktiv nutzbare Datenbanken und Internetprojekte finden. Ein Ziel der Arbeit ist es, im Krieg und unmittelbar nach Kriegsende weitestgehend zerstörte Akten zu rekonstruieren. Die Einrichtung verfügt zudem über eine Spezialbibliothek mit Lesesaal sowie Arbeits- und Medienräume.

Ebenfalls im NS-Dokumentationszentrum beheimatet ist die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs).[3] Die ibs soll mit einem breiten Bildungsangebot für Jugendliche - Unterrichtseinheiten, Workshops und Projekttage -, der Ausbildung von Multiplikatoren, Unterstützung von Projektentwicklung und vielen weiteren Aktivitäten zur Förderung der demokratischen Kultur beitragen. Ein Projekt der ibs ist die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Das NS-Dokumentationszentrum wurde vielfach ausgezeichnet:

  • Museum of the Year 2000 (besondere Würdigung)
  • Kölner Architekturpreis 2001
  • NRW-Architekturpreis 2001
  • Einladung zu dem internationalen Kongress in Dubrovnik: “The Best in Heritage. An Annual Presentation of the Best Museum and Heritage Projects” 2002
  • Andrea-Riccardi-Preis 2004
  • History Award 2006 des Geschichtssenders History Channel für das Projekt: Navajos und Edelweißpiraten - Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933 bis 1945
  • “Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung” 2007 des Instituts für Erwachsenenbildung
  • “Freya-Stephan-Kühn-Preis” 2008 des Landesverbandes nordrhein-westfälischer Geschichtslehrer

2004 erhielt zudem eine Mitarbeiterin des NS-Dokumentationszentrum, Elzbieta Adamski, vom Präsidenten der Republik Polen, Aleksander Kwaśniewski, „für ihre außerordentlichen Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen" das Kavalierkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, eine der höchsten Auszeichnungen des polnischen Staates. Elzbieta Adamski betreut im NS-Dokumentationszentrum seit über zehn Jahren das Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.[5]

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • November 1988 bis Januar 1989: Jüdisches Schicksal in Köln 1918–1945
  • November 2002 bis Februar 2003: Besondere Kennzeichen: Neger. Schwarze im NS-Staat
  • Mai 2003 bis November 2003: Bilder einer fremden Stadt. Zwangsarbeit in Köln 1929–1945
  • November 2003 bis Januar 2004: Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden
  • August bis September 2004: Oneg Schabbat. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos - Ringelblum-Archiv. In Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Köln, der Synagogengemeinde und der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
  • September bis November 2004: Das Gedächtnis der Orte. Tatorte nationalsozialistischer Verbrechen in Köln. Ein Fotoprojekt von Sabine Würich
  • Mai bis November 2005: Zwischen den Fronten. Kölner Kriegserfahrungen 1939–1945
  • Mai bis September 2006: Der „Lischka-Prozess“. Drei NS-Täter 1979 in Köln vor Gericht
  • Januar bis August 2008: „Willkommen, Bienvenue, Welcome...“. Politische Revue - Kabarett - Varieté in Köln 1928–1938
  • November 2008 bis Januar 2009: Jüdisches Leben in Köln 1918–1945[6]
  • November 2009 bis Januar 2010: Von wegen Heilige Nacht. Weihnachten in der politischen Propaganda. In Zusammenarbeit mit der „Sammlung Weihnachten - Rita Breuer“.
  • Mai bis September 2010: Köln und seine jüdischen Architekten. In Zusammenarbeit mit Wolfram Hagspiel.
  • November 2011 bis März 2011: Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz

Publikationen[Bearbeiten]

Schriftenreihe[Bearbeiten]

  • Barbara Becker-Jákli, Horst Matzerath, Harald Buhlan: Versteckte Vergangenheit. Über den Umgang mit der NS-Zeit in Köln. Aufsätze und Essays. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 1), Emons Verlag, Köln 1994, ISBN 3-9244-9151-8.
  • Thomas Deres, Martin Rüther (Hrsg.): Fotografieren verboten! Heimliche Aufnahmen von der Zerstörung Kölns. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 2). Emons Verlag, Köln 1995. ISBN 3-924491-55-0.
  • Karola Fings: Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 3). Emons-Verlag Köln 1996. ISBN 392449178X
  • Karin Dördelmann: Die Macht der Worte. Denunziationen im nationalsozialistischen Köln. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 4). Emons Verlag, Köln 1997. ISBN 3-924491-15-1.
  • Hiltrud Kier, Karen Lieserfeld, Horst Matzerath (Hrsg.): Architektur der 30er/40er Jahre in Köln. Materialien zur Baugeschichte im Nationalsozialismus. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 5). Emons Verlag. Köln 1998. ISBN 3-89705-103-6
  • Michael Buddrus, Katja Klee, Gerhard Kock, Martin Rüther: »Zu Hause könnten sie es nicht schöner haben!«. Kinderlandverschickung aus Köln und Umgebung 1941-1945. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 6). Emons Verlag. Köln 2000. ISBN 3-89705-174-5.
  • Harald Buhlan, Werner Jung (Hrsg.): Wessen Freund und wessen Helfer? Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 7). Emons Verlag. Köln 2000. ISBN 3-89705-200-8.
  • Barbara Becker-Jákli, Werner Jung, Martin Rüther: Nationalsozialismus und Regionalgeschichte. Festschrift für Horst Matzerath. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 8), Emons Verlag, Köln 2002, ISBN 3-89705-255-5.
  • Jürgen Müller: Ausgrenzung der Homosexuellen aus der »Volksgemeinschaft«. Die Verfolgung von Homosexuellen in Köln 1933-1945. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 9). Emons Verlag. Köln 2003. ISBN 3-89705-275-X.
  • Britta Bopf: »Arisierung» in Köln. Die wirtschaftliche Existenzvernichtung der Juden 1933-1945. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 10). Emons Verlag. Köln 2004. ISBN 3-89705-311-X.
  • Barbara Becker-Jákli: Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869-1945. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 11), Emons Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89705-350-0.
  • Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Mit Beiträgen von Gebhard Aders (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 12). Emons Verlag. Köln 2005. ISBN 978-3-89705-407-3
  • Karola Fings, Frank Sparing: Rassismus, Lager, Völkermord Die national-sozialistische Zigeunerverfolgung in Köln (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 13). Emons Verlag. Köln 2006. ISBN 978-3-89705-408-0
  • Jürgen Müller: »Willkommen, Bienvenue, Welcome...» Politische Revue-Kabarett-Varieté in Köln 1928-1938 (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 14). Emons Verlag. Köln 2008. ISBN 978-3-89705-549-0
  • Thomas Roth: »Verbrechensbekämpfung« und soziale Ausgrenzung im nationalsozialistischen Köln. Kriminalpolizei, Strafjustiz und abweichendes Verhalten zwischen Machtübernahme und Kriegsende. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 15). Emons Verlag. Köln 2010. ISBN 978-3-89705-579-7
  • Sonja Endres: Zwangssterilisation in Köln 1934–1945. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 16). Emons Verlag. Köln 2010. ISBN 978-3-89705-697-8
  • Faye Cukier: Flucht vor dem Hakenkreuz. (=Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 17). Emons Verlag. Köln 2012. ISBN 978-3-89705-987-0

Einzelpublikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gabriele Rogmann (Bearb.), Horst Matzerath (Redaktion): Gedenkbuch. Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Köln =Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln. 77. Heft. Böhlau Verlag. Köln 1995. ISBN 3-412-12694-2.
  • Köln im Nationalsozialismus Ein Kurzführer durch das EL-DE-Haus. Köln 2011. ISBN 978-3-89705-209-3
  • Barbara Becker-Jákli: Das jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart. Ein Stadtführer. Emons Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-89705-873-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: EL-DE-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilungsblatt der Stadt Köln. Nr. 16 vom 22. April 1997. Nr. 075. Neuorganisation des NS-Dokumentationszentrums; bisher bei 4105 Hist. Archiv, mit Wirkung v. 25. März 1997 verselbständigt, jetzt 4104 NS Doku...
  2. NS-Dok weiter auf Erfolgskurs auf report-k.de v. 24. April 2012
  3. http://www.museenkoeln.de/ns-dok/default.asp?s=1147
  4. http://www.mbr-koeln.de
  5. Ehemalige „Zwangsarbeiter“ zu Besuch in Köln – und in unserer Schule auf ursula-kuhr-schule.de
  6. mit B. Becker-Jákli zur Sonderausstellung Jüdisches Leben in Köln 1918-1945 in 2009

50.9406386.950137Koordinaten: 50° 56′ 26″ N, 6° 57′ 0″ O