NSDAP/AO

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die historische Auslandsorganisation der NSDAP. Die 1972 gegründete Neonazi-Organisation wird unter NSDAP-Aufbauorganisation beschrieben.

Die NSDAP/AO war von 1931 bis 1945 die Auslandsorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.

Geschichte

Organisationsschema (1937)

Die außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches lebenden Parteimitglieder waren in einer besonderen Gliederung zusammengefasst, in der Auslandsorganisation der NSDAP. Am 1. Mai 1931 wurde diese Organisationseinheit auf Initiative von Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser gegründet und ihre Leitung Hans Nieland übertragen. Nieland trat jedoch schon am 8. Mai 1933 wieder zurück, weil er inzwischen Chef der Hamburger Polizeibehörde und später Mitglied der Hamburger Landesregierung geworden war. Daraufhin wurde Ernst Wilhelm Bohle zum Leiter der AO ernannt, die als 43. Gau der NSDAP fungierte.

Zu einem ersten Zusammenschluss von NSDAP-Parteimitgliedern im Ausland war es 1929 in Paraguay gekommen. Ähnliche Vereinigungen waren dann 1930 in der Schweiz und den USA entstanden. Die Gruppe in der Schweiz wurde von 1932 bis zu dessen Ermordung 1936 durch Wilhelm Gustloff geleitet. Offiziell von der NSDAP anerkannt wurden diese Gruppen erst nach der Gründung der Auslandsabteilung: am 7. August 1931 die Ortsgruppe Buenos Aires, kurz darauf die Landesgruppe Paraguay (20. August 1931) und die Ortsgruppe Rio de Janeiro (5. Oktober 1931). Von 1932 bis zu ihrem Verbot 1934 bestand eine Landesgruppe in der Südafrikanischen Union, die sich eines regen Zulaufs erfreute (siehe Deutschnamibier) und zahlreiche Büros im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) unterhielt. Ortsgruppen der NSDAP im Ausland umfassten mindestens 25, Stützpunkte mehr als fünf Parteigenossen. Große Ortsgruppen konnten noch in Blöcke von maximal zehn Parteimitgliedern untergliedert werden.

Die Aufgabe der NSDAP/AO war die weltanschauliche Schulung und einheitliche Ausrichtung aller Parteigenossen auf die Belange von deutschem Volk und deutscher Nation. Mitglied der AO konnte nur sein, wer Reichsdeutscher war, also einen deutschen Pass besaß; den Deutschstämmigen, den so genannten Volksdeutschen, welche die Nationalität des Landes besaßen, in dem sie lebten, war der Eintritt in die Partei verwehrt.

Naher Osten

Ab 1926 baute Alfred Heß, ein Bruder des späteren Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, die Landesgruppe Ägypten der NSDAP/AO auf. Da die Gruppe zunächst wenig erfolgreich war, drohten die Deutschen nach der Machtübergabe 1933 erfolgreich mit einem Boykott der ägyptischen Baumwolle, des wichtigsten Exportguts. Die ägyptische Regierung unter König Fu'ad I. nahm daraufhin eine Kehrtwendung ihrer zuvor antinazistischen Politik vor und verurteilte die antideutsche Boykottbewegung im Land. Auch die ägyptische Presse stellte jetzt angesichts der deutschen Drohung die Juden als Zerstörer der ägyptischen Wirtschaft an den Pranger. 1935 eröffneten die Nationalsozialisten in Kairo eine Zweigstelle des Deutschen Nachrichtenbüros als Propaganda- und Geheimdienst-Zentrale. Schon drei Jahre später war Deutschland zum zweitgrößten Importeur für ägyptische Waren aufgestiegen.

Im Herbst 1937 spielte die Gruppe Beirut der AO unter ihrem Leiter Geiger eine wichtige Rolle bei der erneuten Kontaktaufnahme des Mufti mit den Nationalsozialisten in Erwartung des kommenden Krieges. Der Mufti-Vertraute Sa'id Fattah Imam unterschrieb sein entsprechendes Anschreiben nach Berlin mit „Heil Hitler“.[1]

Organisation der NSDAP/AO

  • Gauleiter: Ernst Wilhelm Bohle. Persönlicher Referent Rudolf Tesmann. Adjutant SA Sturmbannführer Willy Gohert
  • Stellvertretender Gauleiter: Alfred Heß.

Im weiteren eine Auswahl der verschiedenen Unterbehörden, genannt Ämter, deren Leiter die Dienstbezeichnung Gauamtsleiter trugen:

Sechs Länderämter für die verschiedenen Regionen der Welt, darunter

Ferner gab es folgende Ämter:

  • Amt Seefahrt: Gauamtsleiter Kurt Wermke
  • Amt für Beamte
  • Amt für Erzieher
  • Kulturamt: Felix Schmidt
  • Arbeitsgemeinschaft der Frau im Ausland: Gauenfrauschaftsleiterin Wera Behr
  • Rechtsamt, bis März 1938: Wolfgang Kraneck, dann: Amtsgerichtsrat Dr. Horst Luebbe, gleichzeitig Gauführer des Gaues Ausland des NSRB
  • Schatzamt: Gauschatzmeister Theodor Leonhardt
  • Schulungsamt: Gauamtsleiter Woldemar Troebst
  • Amt für Technik: Hermann Bohle, Vater des Gauleiters Bohle
  • Gaugericht: Gaurichter Wolfgang Kraneck

Im Ausland waren die Leitungsbezeichnungen Landesgruppenleiter, Ortsgruppenleiter und Stützpunktleiter, anfänglich waren diese auch Landesvertrauensmann und Vertrauensmann.

Auswahl einiger Landesgruppenleiter der NSDAP/AO verschiedener Länder und Perioden

Siehe auch

Literatur

Untersuchungen

  • Louis de Jong: Die deutsche fünfte Kolonne im Zweiten Weltkrieg. Übers. aus d. Holl. von Helmut Lindemann. Stuttgart : Dt. Verl.-Anst. 1959 (Originaltitel: De duitse vijfde colonne in de tweede wereldoorlog).
  • Volker Koop: Hitlers fünfte Kolonne: Die Auslands-Organisation der NSDAP. be.bra Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89809-085-8.[2]
  • Donald M. McKale: The swastika outside Germany. Kent State Univ. Press, XVI., Kent/Ohio 1977, ISBN 0-87338-209-9.
  • Arthur L. Smith Jr.: Hitler's Gau Ausland, in: Political Studies, Volume 14, Issue 1, Februar 1966, S. 90–95

Schriften zu Regionen

  • Ralf Balke: Hakenkreuz im Heiligen Land: die NSDAP-Landesgruppe Palästina. Sutton, Erfurt 2001, ISBN 3-89702-304-0.
    • Jüdische Zeitung 2006: Kurzfassung des Buches, siehe Weblinks
  • Victor Farías: Die Nazis in Chile. Aus dem Spanischen von Kerstin Claussen. Philo, Berlin 2002, ISBN 3-8257-0298-7 (Originaltitel: Los nazis en Chile).[3]
  • Olaf Gaudig: Der Widerschein des Nazismus: das Bild des Nationalsozialismus in der deutschsprachigen Presse Argentiniens, Brasiliens und Chiles 1932–1945. Wissenschaftlicher Verl., Berlin/Mannheim 1997, ISBN 3-932089-01-4. (Zugl. Dissertation: Freie Univ., Berlin 1994/95.)
  • Jürgen Müller: Nationalsozialismus in Lateinamerika – die Auslandsorganisation der NSDAP in Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko, 1931–1945. Akademischer Verlag Heinz, Stuttgart 1997, ISBN 3-88099-672-5. (Historamericana 3; zugl. Dissertation: Heidelberg 1994/95.)
  • Günter Lachmann: Der Nationalsozialismus in der Schweiz 1931–1945: ein Beitrag zur Geschichte der Auslandsorganisation der NSDAP. Ernst-Reuter-Gesellschaft, Berlin-Dahlem 1962. (Zugl. Dissertation: Freie Univ. Berlin, 18. Dezember 1962.)

Zeitgenössische Schriften

  • Jahrbuch für auswärtige Politik. Hrsg. Friedrich Berber. Veröffentlichung des Instituts für außenpolitische Forschung. Verschiedene Jahrgänge
  • Emil Ehrich: Die Auslands-Organisation der NSDAP. Junker & Dünnhaupt, Berlin 1937 (Schriften der Deutschen Hochschule für Politik 2; Der organisatorische Aufbau des Dritten Reiches 13)
  • National Socialism. Basic principles, their application by the Nazi Party’s foreign organization, and the use of Germans abroad for Nazi aims. Prepared in the Special Unit of the Division of European Affairs by Raymond E. Murphy, Francis B. Stevens, Howard Trivers, Joseph M. Roland. United States of America, Department of State, Washington 1943.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wolfgang G. Schwanitz: Safwa, Najda Fathi: Al-'Alam al-'Arabi Fi Watha'iq Sirriyya Almaniyya 1937–1941 (The Arab World In German Secret Documents), Beirut 2006; Wildangel, René: Zwischen Achse und Mandatsmacht. Palästina und der Nationalsozialismus, Berlin 2007 (Rezension). In: H-Soz-u-Kult, 22. Februar 2008.
  2. Kerstin Thieler: Koop, Volker: Hitlers Fünfte Kolonne. Die Auslands-Organisation der NSDAP. Berlin 2009 (Rezension). In: H-Soz-u-Kult, 5. Februar 2010.
  3. Frank-Rutger Hausmann: Farías, Víctor: Los nazis en Chile. Barcelona 2000 (Rezension). In: H-Soz-u-Kult, 9. Januar 2001.