Našiměřice

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Našiměřice
Wappen von ????
Našiměřice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 603 ha
Geographische Lage: 48° 58′ N, 16° 21′ O48.96194444444416.351111111111236Koordinaten: 48° 57′ 43″ N, 16° 21′ 4″ O
Höhe: 236 m n.m.
Einwohner: 213 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 76
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Karel Smutný (Stand: 2009)
Adresse: Našiměřice 83
671 76 Olbramovice
Gemeindenummer: 594512
Website: www.nasimerice.cz

Našiměřice (deutsch Aschmeritz) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo (Bezirk Znaim) in Tschechien. Das Dorf wurde als ein Straßendorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Süden Suchohrdly u Miroslavi (Socherl), im Osten Branišovice (Frainspitz) und im Norden Olbramovice (Wolframitz) und Bohutice (Bonitz).

Geschichte[Bearbeiten]

Die bis 1945 gesprochene "ui"-Mundart [2] (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weist auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[3] Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes war im Jahre 1236. In der Urkunde wird der Ort „Nasmeriz“ geschrieben. 1252 taucht Aschmeritz unter dem Namen „Naschmiritz“ erneut auf. Die heutige Schreibweise ist erst ab dem Jahre 1643 geläufig. Auch wurde schon immer in und um Aschmeritz der Weinbau betrieben.[4] Am Ende des 16. Jahrhunderts lassen sich radikal-reformatorische Täufer in der Ortschaft nieder. Bald darauf gilt Aschmeritz als lutherisch, so dass bis zum Jahre 1619 ein protestantischer Pastor belegbar ist. Erst nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg und der nachfolgenden Gegenreformation wird der Ort wieder katholisch. Die täuferischen Hutterer werden im Jahre 1622 ausgewiesen und lassen sich großteils in Siebenbürgen nieder.[5] Ab dem Dreißigjährigen Krieg gehörte Aschmeritz bis ins 19. Jahrhundert zur Herrschaft Kromau. Im Krieg selbst wurde die Kirche ausgeraubt und das Dorf selbst mehrmals geplündert. Am Ende des Krieges, im Jahre 1648, sind nur noch acht Hofstellen besetzt. Der Wiederaufbau geht langsam voran, so dass 1657 im Ort nur 40 Personen leben. Während des Siebenjährigen Krieges lagerten bei Aschmeritz preußische Truppen.[6] Aschmeritz bleibt bis zum Jahr 1823 in Wolframitz eingepfarrt. Bis dahin wurde nur an jeden 3. Sonntag eine Messe im Ort abgehalten. Der Ort führte seit dem Jahre 1631 Matriken, ursprünglich wurden diese bei Wolframitz geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[7] In den Jahren 1884 bis 1888 wird ein Teil der Ernte durch Hagelschläge vernichtet. Im 19. Jahrhundert wurden Mauerreste gefunden, welche darauf schließen lassen, dass das Dorf früher befestigt war.[8] Der größte Teil der Bewohner von Aschmeritz lebte von der Vieh- und Landwirtschaft. Aufgrund des Klimas wurden neben verschiedenen Getreidesorten auch Rüben, Linsen, Hirse, Birnen, Marillen, Zwetschgen und Kirschen angebaut. Der angebauten Weinmengen übertrafen nie den Eigenbedarf.[9] Neben der Landwirtschaft gab es noch das übliche Kleingewerbe im Ort.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[10] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dort lebenden Deutschsüdmährer der Tschechoslowakei zu. In der Zwischenkriegszeit verstärkten die Arbeitslosigkeit, Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung die wachsenden Autonomiebestrebungen der deutschen Bürger und führten zu Spannungen innerhalb des Ortes. Als auch die von den deutschsprachigen Einwohnern der Tschechoslowakischen Republik geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich noch die Unstimmigkeiten zwischen den Volksgruppen im Lande. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der von Sudetendeutschen (überbegriffliche Zuordnung nach Ausrufung der CSSR, 1919) bewohnten Randgebiete, die im Münchner Abkommen [11] geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Aschmeritz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[12]

Einen Tag vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird der Ort bombardiert. Beim Einmarsch der sowjetischen Truppen am 8. Mai 1945 kommt es zu Vergewaltigungen und Plünderungen. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 15 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Aschmeritz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Bei antideutschen Maßnahmen durch tschechische Revolutionsgarden kommt es zu einem Ziviltoten.[13] Das Beneš-Dekret 115/1946 schützte vor einer juristischen Aufarbeitung des Geschehens. Bald werden die Häuser der deutschen Einwohner von sogenannten „tschechischen Hausverwaltern“ aus Wolhynien in Besitz genommen. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [14] die Nachkriegsordnung. Die auch in den umliegenden Orten beginnenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung wurden darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert [15] und unter staatliche Verwaltung gestellt.

Die in Österreich befindlichen Aschmeritzer wurden, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen,[16] bis auf eine Familie, alle 371 Ortsbewohner nach Deutschland weiter transferiert.[17]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Es ist nicht bekannt, ob Aschmeritz ein Siegel geführt hat. Man konnte nur feststellen, dass um das Jahr 1750 die 44 Hofstelleninhaber des Ortes ein Siegel führten. Dieses zeigte in einer Umschrift eine Pflanze.[18]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 445 442 13 0
1890 418 418 0 0
1900 470 456 14 0
1910 482 482 0 0
1921 448 415 28 5
1930 457 372 85 0

[19]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Saalkirche St. Aegydius, nach einem Brand im Jahre 1893 renoviert, eine Glocke aus dem Jahre 1370. Unter der Kanzel ist das Grab des im Jahr 1656 verstorbenen Johann Kranz, welcher Leibarzt des poln. Königs Johann II. Kasimir war.

[20]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Felix Judex (1885-1973), Heimatforscher

Brauchtum[Bearbeiten]

  • Bis zur Vertreibung der deutschen Einwohner wurde der Brauch des Osterreitens gepflegt. Nach der Segnung des mitgeführten Kreuzes und der Pferde begann er bei der Kirche und führte über die Gemarkung des Ortes wieder zur Kirche zurück.[21]
  • Zu Stefani machen die Knechte nach dem Essen mit dem Dienstherrn ihre Abrechnung, zu Drei Könige treten sie wieder ein. Manche bleiben jahrelang am Platz. Manches Haus kommt durch häufigen Wechsel in Verruf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregor Wolny: Die Wiedertäufer in Mähren, Wien 1850
  • Felix Judex: Aschmeritz-Gedenkblätter und Erinnerungen, Zeitlarn, 1964
  • R. Piewetz:Ortsgeschichte Aschmeritz
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Aschmeritz, s. 2, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Aschmeritz, s. 28, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 262f (Aschmeritz).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Sudetendeutsches Wörterbuch
  3. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.9
  4. Gregor Wolny:Die Markgrafschaft Mähren,1837,s.328
  5. Bernd G. Längin: Die Hutterer, 1986, s.237
  6. Friedrich Wilhelm von Gaudi, Jürgen Ziechmann, Georg Ortenburg:Journal vom Siebenjährigen Kriege, Band 5 Forschungen und Studien zur Fridericianischen Zeit Journal vom siebenjährigen Kriege,2003, s.61
  7. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. April 2011.
  8. Anthropologische Gesellschaft in Wien:Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band 80-82,2006,s.171
  9. Hans Zuckriegl:Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 259
  10. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  11. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  12. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  13. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2010, Totenbuch S.378
  14. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  15. Ignaz Seidl-Hohenveldern: Internationales Konfiskations- und Enteignungsrecht. Reihe: Beiträge zum ausländischen und internationalen Privatrecht. Band 23. Berlin und Tübingen 1952
  16. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  17.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 262f (Aschmeritz).
  18. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band IV, S.149
  19. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  20. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Aschmeritz S.40
  21. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z,2009