Nachbarschaftswache

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Ein auf eine Nachbarschaftswache hinweisendes Warnschild
Englischsprachiges Nachbarschaftswachenschild

Eine Nachbarschaftswache ist eine privat organisierte Gruppe von Bürgern, die auf freiwilliger Basis in ihrer Nachbarschaft Vandalismus und sonstige Kriminalität zu verhindern sucht. Dabei handelt es sich nicht um Vigilantismus: Die Bürger sollen bei verdächtigen Vorkommnissen nicht selbst einschreiten, sondern die Behörden informieren. Die Mitglieder sind weder staatlich bestellt noch stehen ihnen Befugnisse zu, die über die Rechte jedes anderen Bürgers (zum Beispiel Notwehr) hinausgehen. Auch Waffen dürfen sie nur tragen, soweit dies in dem jeweiligen Land auch sonst zulässig ist.

Dieses Konzept ist nicht zu verwechseln mit dem deutschen Freiwilligen Polizeidienst bzw. der Sicherheitswacht (Bayern u. a.), der Teil der regulären Landespolizei oder zumindest ihr unterstellt ist. Nachbarschaftswachen sind auch von den historischen, paramilitärischen Bürgerwehren abzugrenzen.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA geht das Konzept auf die Kolonialzeit zurück. Damals wurden Bürger als Stadtwachen eingesetzt. Ab den 1960er Jahren entwickelte sich durch erste Gründungen das heutige System der Nachbarschaftswachen, nachdem Kitty Genovese vergewaltigt und ermordet worden war, ohne dass anwesende Zeugen eingeschritten wären. Die National Sheriffs’ Association trieb das Konzept ab den 1970er Jahren bundesweit voran.

Am 26. Februar 2012 wurde in Sanford, Florida der unbewaffnete Afroamerikaner Trayvon Martin von George Zimmermann, einem Mitglied einer Nachbarschaftswache, nach dessen Angaben in Notwehr erschossen, was in den USA zu bundesweiten Protesten gegen Rassendiskriminierungen führte.[1][2] Am 13. Juli 2013 wurde Zimmerman von einer sechsköpfigen Jury nach 16-stündiger Beratung bezüglich der Anschuldigung des Mordes mit bedingtem Vorsatz (second degree murder) für unschuldig (not guilty) erklärt und freigesprochen.[3][4][5]

The New York Times berichtete im Juni 2012, dass Nachbarschaftswachen in New York City nach Jahrzehnten des Rückgangs wieder zunähmen.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es mit proNACHBAR eine von Karl Brunnbauer[6] gegründete bundesweite Initiative. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kommunikation zwischen den unmittelbaren Nachbarn und der Polizei zu verbessern.[7] Die Aufmerksamkeit der Bürger gegenüber Eigentumsdelikten in ihrer unmittelbaren Nähe verringert messbar kriminelle Aktivitäten.[8] Seit der Gründung 2007 zählt der Verein mehrere tausend Mitglieder. Regelmäßig werden die Mitglieder über neue Kriminalitätsformen sowie Präventions- und Verhaltensmaßnahmen informiert.

proNACHBAR beruht auf drei Säulen:

  • Information – diese wird auf der Website von proNACHBAR angeboten, aktuelle Lagemeldungen kommen per Newsletter in das E-Mail-Postfach der Mitglieder.
  • Prävention – Einbindung der Nachbarschaft steht im Mittelpunkt, ebenso eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den Behörden, Vereinen oder privaten Initiativen, um aktive Vorsorge gegen Eigentumsdelikte treffen zu können.
  • Kommunikation – grundlegender Kernpunkt, erforderlich für alle oben beschriebenen Aktivitäten sowie der Zusammenarbeit mit Behörden oder Partnern. Als Mittel dienen Online-Formulare, die „Hotline“ des Vereines, E-Mail, die proNACHBAR-Koordinatoren oder einfach das nachbarschaftliche Gespräch über den Zaun.

Namibia[Bearbeiten]

In der namibischen Küstenstadt Swakopmund wurde Mitte 2012 die Swakopmund Neighbourhood Watch eingeführt. Seitdem ist die Kriminalität in Swakopmund um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.[9] Bisher haben sich etwa 300 Personen der Nachbarschaftswache angeschlossen.[10] Diese patrouillieren jede Nacht sowie zur Hauptferienzeit im Dezember und Januar auch tagsüber in allen Stadtteilen mit Ausnahme von DRC, Mondesa und Tamariskia.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frances Robles: Shooter of Trayvon Martin a habitual caller to cops. In: The Miami Herald, 17. März 2012. 
  2. Neighbors describe watch leader, CNN. 13. März 2012. 
  3. SPON vom 14. Juli 2013: Urteil im Fall Trayvon Martin: Freispruch für Nachbarschaftswächter Zimmerman
  4. FAZ 14. Juli 2013: „Eine Ohrfeige für das amerikanische Volk“ – Bürgerrechtler vor allem aus der schwarzen Bevölkerung sprechen von einer „Tragödie“ – die amerikanische Rechte hingegen gibt sich erleichtert.
  5. Süddeutsche Zeitung: Im Reich der unbegrenzten Selbstverteidigung
  6. Interview mit dem Präsident und Gründer von proNACHBAR auf ORF Konkret Das Servicemagazin - über proNACHBAR. ORF TVTHEK, 5. Februar 2010
  7. Kriminalität: Polizei sucht Bürgernähe. Die Presse, 22. Dezember 2009 abgerufen am 22. Februar 2013
  8. Vergleichende Ergebnisse der Sicherheitsumfragen 2007 und 2009 in den Bezirken HERNALS und HIETZING Bundeskriminalamt (.BK) Büro 1.6 – Kriminalprävention und Opferhilfe, 12. April 2010
  9. Ruhige Feriensaison in Swakopmund. Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2013 abgerufen am 4. Februar 2013
  10. Sicherer Stadtbummel. Allgemeine Zeitung, 10. Januar 2013 abgerufen am 4. Februar 2013
  11. Interview mit dem Leiter der Nachbarschaftswache auf Hitradio Namibia am 19. Dezember 2012

Weblinks[Bearbeiten]