Nachhaltige Entwicklungsziele

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Nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.[1] Die Ziele sollen in Anlehnung an den Entwicklungsprozess der Millennium-Entwicklungsziele (MDG) entworfen werden und diesen nach dessen Ablauf im Jahr 2015 unter verstärktem Fokus auf Nachhaltigkeitsaspekte weiterführen.[2] Im Unterschied zu den MDG, die insbesondere Entwicklungsländern galten, sollen die SDG für alle Länder konzipiert werden.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Obwohl noch keine konkreten Ziele ausformuliert oder beschlossen wurden, konnten sich die UN-Mitgliedsstaaten auf der Rio+20 Konferenz, auf der die Entwicklung von SDG beschlossen wurde (siehe Abschnitt unten), bereits auf Grundsätze einigen, aus denen die thematischen Prioritäten der künftigen Nachhaltigkeitsziele hervorgehen. Im Gegensatz zu den MDG, bei denen die soziale Entwicklungsdimension sehr stark im Vordergrund stand, sollen die SDG das Thema Nachhaltigkeit wesentlich stärker betonen. Damit werden neben sozialen auch ökonomische sowie insbesondere ökologische Aspekte mit in die Entwicklungsagenda aufgenommen.[3] Zentrale Aspekte sind dabei das Voranbringen des Wirtschaftswachstums, die Reduzierung von Disparitäten im Lebensstandard und die Schaffung von Chancengleichheit, sowie ein nachhaltiges Management von natürlichen Ressourcen, das den Erhalt von Ökosystemen gewährleistet und darüber hinaus deren Resilienz stärkt.[4]

Ein weiterer wesentlicher Punkt in der Ausgestaltung der Ziele ist die Betonung der Bedeutung der Menschen innerhalb des Entwicklungsprozesses, die "das Zentrum einer nachhaltigen Entwicklung sind".[5] Dabei ist vor allem die Wahrung von Menschenrechten bisher ein wichtiger Aspekt.[6] Um die Menschen mit den Zielen besser ansprechen zu können, sollen die SDG zudem eine starke regionale bzw. lokale Dimension bekommen. Dies soll vor allem ermöglichen, dass die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in konkrete Tätigkeiten gewährleistet werden kann.[7]

Die SDG sollen von der Anzahl her limitiert werden, um u. a. auch deren Kommunikation zu erleichtern.[8] Die Themen für potenzielle Zielsetzungen, die im Ergebnisdokument des Rio+20-Gipfels aufgelistet sind, umfassen jedoch eine Reihe von Gebieten. Eine Umfrage des UN-Generalsekretärs unter den Mitgliedsstaaten ergab die folgenden zehn Themen, die als am wichtigsten für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess empfunden wurden[9] (sortiert nach absteigender Priorität):

  • Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft
  • Wasser und Verbesserung der Hygiene
  • Energie
  • Bildung
  • Armutsbekämpfung
  • Gesundheit
  • Mittel zur Durchführung des SDG-Prozesses
  • Klimawandel
  • Umwelt/ Management natürlicher Ressourcen
  • Beschäftigung

Aus diesen Prioritäten und unter Einbezug von Beiträgen anderer Akteure erarbeitet die Offene Arbeitsgruppe (Open Working Group, OWG) derzeit Zielsetzungen für eine nachhaltige Entwicklung.

Der Beschluss zur Entwicklung von SDG im Kontext einer post-2015-Agenda[Bearbeiten]

Schaubild über die verschiedenen Meilensteine in den (Post-)MDG/SDG-Arbeitssträngen

Entwicklungsziele (MDG und post-MDG-Prozess)[Bearbeiten]

Auf dem Millennium-Gipfel der Vereinten Nationen in New York im Jahr 2000 wurden acht konkrete Entwicklungsziele (MDG) beschlossen, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollen.[10] Damit Länder auch nach Ablauf des MDG-Zeitraumes weiterhin konkreten entwicklungspolitischen Leitlinien folgen, wurde auf dem MDG-Gipfel 2010 ein post-2015-Prozess angestoßen. Dabei wurde der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beauftragt, in seinem jährlichen Bericht zur Evaluation der Millenniums-Entwicklungsziele auch Vorschläge zu weiteren Schritten zur Verbesserung der post-2015-Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen einzubringen und so einen Denkprozess anzustoßen.[11] Durch die Gründung des UN Task Teams (UN TT) im Januar 2012 und dessen Beauftragung mit einem Bericht zur post-2015-Agenda wurden die Bestrebungen weiter verschärft.[12] Dieser Bericht wurde im Juni 2012 unter dem Titel "Realizing the Future we want for all" veröffentlicht.[13] Einen Monat später wurde eine weitere Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Entwurf einer post-MDG Agenda befassen soll. Dieses so genannte Hochrangige Gremium (High-level Panel of Eminent Persons) ist aus bedeutenden Personen, wie etwa dem britischen Premierminister David Cameron, der zu einem der drei Co-Vorsitzenden ernannt wurde, oder dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler zusammengesetzt.[14][15] Die 27 Mitglieder dieses Gremiums haben auf Anweisung des UN-Generalsekretärs einen Bericht ausgearbeitet, der im Mai 2013 unter dem Namen "A New Global Partnership"[16] veröffentlicht wurde.[17] Durch dieses Dokument wurde die konzeptionelle Wegbereitung für eine spätere Zusammenlegung der verschiedenen Arbeitsstränge geschaffen.

Nachhaltigkeitsziele (SDG-Prozess)[Bearbeiten]

Parallel zur Entwicklung einer post-2015-Agenda wurde im Juni 2012 durch die Rio+20 UN-Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung ein weiterer Prozess angestoßen. Auf dem Gipfel wurde das Ergebnisdokument "The Future We Want" erarbeitet, in dem sich die Mitgliedsstaaten der UN darauf einigten, nachhaltige Entwicklungsziele zu entwerfen, die nach dem Auslaufen der MDG Ende 2015 verfolgt werden sollen.[18] Als einer der zentralen Schritte in diesem Dokument zur Entwicklung von SDG ist der Antrag zur Gründung einer Offenen Arbeitsgruppe (OWG), die an der Konkretisierung und Ausformulierung der nachhaltigen Entwicklungsziele arbeiten soll.[19] Die Gründung wurde am 22. Januar 2013 durch die Entscheidung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (decision 67/555[20]) vollzogen.[21]

Die OWG wurde durch die Rio+20-Einigungen beauftragt, einen Entwurf zur Weiterentwicklung und Konkretisierung der SDG zu erstellen und diesen der Generalversammlung zum Ende ihrer 68. Sitzungsperiode im Herbst 2014, vorzulegen.[22] Dieser Bericht soll dann während der darauffolgenden einjährigen Sitzungsperiode der Generalversammlung der Vereinten Nationen (September 2014 - September 2015) als Grundlage für die Verhandlungen zur post-2015-Agenda dienen. Den Abschluss des Prozesses zum Entwurf der UN-Entwicklungsziele soll dann ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs bilden, der für September 2015 geplant ist und auf dem eine integrative post-2015-Agenda verabschiedet werden soll.[23]

Darüber hinaus wurde in der Rio+20-Erklärung ebenfalls festgelegt, dass die OWG über ihre Arbeitsweise und Methodik unmittelbar nach der Aufnahme ihrer Arbeit selbstständig entscheiden soll.[24] Dabei soll sie einen bestmöglichen Einbezug relevanter Akteure schaffen, um die Berücksichtigung einer Vielzahl von Perspektiven und Erfahrungen zu gewährleisten.[25] Damit nimmt die Arbeitsgruppe eine vermittelnde Rolle zwischen verschiedenen Akteuren wie der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft sowie anderen UN-Organen und der Generalversammlung der Vereinten Nationen ein. Inhaltliche Unterstützung erhält die OWG zudem aus dem Arbeitsstrang der UN zur post-2015-Agenda selbst. So wurde ein technisches Unterstützungsteam (Technical Support Team, UN TST), das dem UN TT untergeordnet ist, gegründet.[26] Das UN TST legt der Arbeitsgruppe beispielsweise Informationspapiere (so genannte issues briefs) vor, die zu den verschiedenen Themen des Rio+20-Ergebnisdokuments verfasst wurden und neben einem Status-Quo Bericht auch Vorschläge und Ansätze in Bezug auf die Formulierung von Zielsetzungen und deren Konkretisierung beinhalten (vgl. bspw. Informationspapier zur Armutsbekämpfung).[27] Auch vom Generalsekretär, der in enger Rücksprache mit den einzelnen Regierungen steht, erhält die OWG Unterstützung bei ihrer Arbeit.[28]

Zusammenführung der Arbeitsstränge[Bearbeiten]

Durch die Gründung der OWG wurde neben dem bereits laufenden post-MDG Prozess ein weiterer Arbeitsstrang, der sich mit einer post-2015-Agenda beschäftigt, ins Leben gerufen. Die einzelnen Arbeitsstränge arbeiten inhaltlich unabhängig voneinander, werden aber durch ein Sekretariat und eine Koordinierungsgruppe (informal senior coordination group) betreut, die eine kohärente Arbeit zwischen den Strängen gewährleisten sollen.[29] Um eine einheitliche und übersichtliche post-2015-Agenda zu entwickeln, wurden Überlegungen zu einer Zusammenlegung der Arbeitsstränge angestellt, die vor allem auf das Wirken des hochrangigen Gremiums zurückzuführen sind. Auf einer Sonderveranstaltung zur Konzeptualisierung einer Reihe von nachhaltigen Entwicklungszielen, die einen Tag vor Beginn der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2013 stattfand, beschlossen die Teilnehmer, die verschiedenen Arbeitsstränge zusammenzuführen und somit in einen einzigen Strang konvergieren zu lassen.[30]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rio+20 Ergebnisdokument "The future we want" (A/RES/66/288)
  2. TST Issues Brief: Conceptual Issues
  3. Rio+20 Ergebnisdokument "The future we want" (A/RES/66/288)
  4. ebd., para 4
  5. ebd., para 6
  6. ebd., para 8, 9
  7. ebd., para 97
  8. UN Sustainable Development Knownledge Platform
  9. Secretary-General’s Initial Input to the Open Working Group on Sustainable Development Goals
  10. UN Millennium Development Goals and beyond 2015
  11. Ergebnisdokument des 2010er MDG-Gipfels (A/65/L.1)
  12. UN System Task Team to support the preparation of the Post-2015 UN Development Agenda (Draft Concept Note)
  13. "Realizing the future we want for all"
  14. UN Press Release
  15. Website High-level Panel
  16. "A new global partnership"
  17. Website High-level Panel
  18. Rio+20 Ergebnisdokument "The future we want" (A/RES/66/288)
  19. ebd., para 248
  20. Draft decision submitted by the President of the General Assembly. Open Working Group of the General Assembly on Sustainable Development Goals(A/67/L.48/Rev.1)
  21. UN Sustainable Development Knownledge Platform
  22. Rio+20 Ergebnisdokument "The future we want" (A/RES/66/288)
  23. NGOs beyond 2014: UNGA Special Event outcome document – the road map for moving forward
  24. Rio+20 Ergebnisdokument "The future we want" (A/RES/66/288), para 248
  25. edb., para 248
  26. UN Sustainable Development Knownledge Platform
  27. UN TST Informationspapier zur Armutsbekämpfung
  28. UN Sustainable Development Knownledge Platform
  29. ebd.
  30. Summary of the special event of the Second Committee of the UN General Assembly. Conceptualizing a Set of Sustainable Development Goals