Nachtkerzen

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Nachtkerzen
Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis), Illustration

Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis), Illustration

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Unterfamilie: Onagroideae
Gattung: Nachtkerzen
Wissenschaftlicher Name
Oenothera
L.

Die Nachtkerzen (Oenothera) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Die 120 bis 200 Arten sind ursprünglich in gemäßigten bis tropischen Gebieten in der Neuen Welt verbreitet. Bereits im 17. Jahrhundert wurden einige Arten als Zierpflanzen nach Europa eingeführt. Sie verwilderten und sind als Neophyten ständiger Bestandteil der mitteleuropäischen Flora[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Rosettenartiger Habitus vor der Bildung des Blütenstandes von Oenothera stricta subsp. stricta

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Nachtkerzen-Arten sind ein-, zweijährige und ausdauernde krautige Pflanzen. Einige Arten bilden Rhizome als Überdauerungsorgane. Manche Arten bilden Pfahlwurzeln. Die einfachen Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette oder wechselständig und spiralig am Stängel verteilt. Der Blattrand ist glatt bis gelappt. Nebenblätter fehlen.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Blütendiagramm von Oenothera.
Blüten von Oenothera albicaulis.

Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in unterschiedlich aufgebauten Blütenständen zusammen. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vierzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die vier grünen bis gelblichen Kelchblätter besitzen oft eine rote oder purpurfarbene Zeichnung und sind röhrig verwachsen. Die vier freien Kronblätter sind weiß, gelb oder rosa- bis purpurfarben. Es sind zwei Kreise mit je vier Staubblättern vorhanden. Die vier Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, vierfächerigen Fruchtknoten verwachsen, der viele Samenanlagen enthält. Die Narbe ist vierlappig.

Es werden gestielte oder ungestielte Kapselfrüchte mit vielen Samen gebildet.

An Chromosomenzahlen wurden 2n = 14, 28, 42, 56 gefunden.

Ökologie[Bearbeiten]

Das Öffnen der Blüte einer Nachtkerze erfolgt normalerweise innerhalb etwa einer Minute (Echtzeit, kein Zeitraffer).
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Die meisten Arten werden durch nachtaktive Insekten bestäubt und duften daher auch nur nachts. Der Nektar in den unterständigen Blütenröhren ist nur für langrüsselige Insekten erreichbar. Besonders häufig finden sich an den Blüten Vertreter der Schwärmer (Schmetterling) ein. So lässt sich an den Blüten beispielsweise das Taubenschwänzchen und der Mittlere Weinschwärmer beobachten, wie sie im Schwirrflug vor den Blüten stehen. Eine Schwärmerart trägt wegen ihrer Vorliebe für den Nektar dieser Pflanzengattung sogar die Bezeichnung Nachtkerzenschwärmer.

Die einzelnen Blüten sind sehr kurzlebig. Sie öffnen sich erst in der Abenddämmerung und sind meistens bis zum nächsten Mittag wieder verblüht. Der genaue Zeitpunkt, zu dem sich die Blüten öffnen, ist abhängig vom Sonnenstand, von der Tagestemperatur sowie von der Luftfeuchtigkeit.

Das Öffnen der Blüten erfolgt häufig innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung. Die Schnelligkeit, mit der das Aufblühen erfolgt, ist bei keiner anderen in Mitteleuropa vorkommenden Pflanze zu beobachten.

Eine sich öffnende Blüte ist dabei in der Regel noch geruchlos. Erst nach ihrem vollständigen Öffnen wird ihr Duft intensiv süßlich, so dass er von Menschen mitunter als aufdringlich und fast stinkend empfunden wird.

Die Nachtkerzen produzieren Hunderte von Samen. Die Samenkammern öffnen sich sobald die Pflanze abgestorben ist. Bereits die Erschütterungen durch leichten Wind reichen aus, die Samen zu verteilen.

Die zweijährigen Nachtkerzen-Arten blühen erst im zweiten Jahr. Im ersten Jahr bildet sich ein flach auf dem Boden liegender Blattteller. Im zweiten Jahr entwickelt sich die Pflanze nach oben und entwickelt den Blütenstängel, der bis zu 2 Meter Wuchshöhe erreichen kann.

Nachtkerzen sind vielfach und oft dominierend in Ruderal-Gesellschaften entwickelt, die auf trockenen und sonnigen (warmen) Standorten stehen. Da ohne weitere Störung des Bodens diese zweijährigen Pflanzen bereits nach wenigen Jahren von ausdauernden Pflanzen verdrängt werden, sind die Vorkommen oftmals sporadisch.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Gattungsname Oenothera wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 346 erstveröffentlicht. Synonyme für Oenothera L. sind: Anogra Spach, Baumannia Spach, Blennoderma Spach, Calylophis Spach orth. var., Calylophus Spach, Galpinsia Britton, Gaura L., Gaurella Small, Gauridium Spach, Gauropsis C.Presl, Gauropsis (Torr. & Frém.) Cockerell, Hartmannia Spach, Kneiffia Spach, Lavauxia Spach, Megapterium Spach, Meriolix Raf. ex Endl., Onagra Mill., Onosuris Raf., Onosurus G.Don orth. var., Pachylophus Spach, Peniophyllum Pennell, Raimannia Rose, Salpingia (Torr. & A.Gray) Raim., Schizocarya Spach, Stenosiphon Spach, Usoricum Lunell, Xylopleurum Spach; einige davon haben heute den Rang von Sektionen oder Untersektionen. Typusart ist Oenothera biennis L.[2]

Als Besonderheit ist zu vermerken, dass durch Bastardierung in Mitteleuropa spontan oder in Kultur Hybriden entstanden, die in der ursprünglichen Heimat der Nachtkerzen nicht vorkommen. Die neu entstandenen Hybriden verhalten sich wie eigenständige Populationen und werden daher als Arten aufgefasst.[1][3]

Sie stammen ursprünglich aus den gemäßigten Gebieten Nord-, Mittel- und Südamerikas. Das Zentrum der Artenvielfalt ist das südwestliche Nordamerika. Viele Arten sind inzwischen in vielen anderen Ländern eingebürgert.

Oenothera deltoides subsp. deltoides

Die Gattung Oenothera gehört zur Tribus Onagreae in der Unterfamilie Onagroideae in der Familie der Onagraceae. Die Gattung Oenothera wird in 18 Sektionen gegliedert. [2]:

  • Sektion Anogra
  • Sektion Calylophus:
    • Untersektion Calylophus
    • Untersektion Salpingia
  • Sektion Contortae
  • Sektion Eremia
  • Sektion Gaura:
    • Untersektion Campogaura
    • Untersektion Gaura
    • Untersektion Gauridium
    • Untersektion Schizocarya
    • Untersektion Stenosiphon
    • Untersektion Stipogaura
    • Untersektion Xenogaura
    • Untersektion Xerogaura
  • Sektion Gauropsis
  • Sektion Hartmannia
  • Sektion Kleinia
  • Sektion Kneiffia
  • Sektion Lavauxia:
    • Untersektion Australis
    • Untersektion Lavauxia
  • Sektion Leucocoryne
  • Sektion Megapterium
  • Sektion Oenothera:
    • Untersektion Candela
    • Untersektion Emersonia
    • Untersektion Munzia (Serie: Allochroa, Clelandia, Renneria)
    • Untersektion Nutantigemma
    • Untersektion Oenothera
    • Untersektion Raimannia
  • Sektion Pachylophus
  • Sektion Paradoxus
  • Sektion Peniophyllum
  • Sektion Ravenia
  • Sektion Xanthocoryne

Zu den 120 bis 200 Nachtkerzen-Arten zählen unter anderem:[2]

Nutzung[Bearbeiten]

Viele Oenothera-Arten wurden und werden in der Volksmedizin genutzt. Pharmakologische Untersuchungen bestätigen je nach Art unterschiedliche medizinische Wirkungen.[6]

Quellen[Bearbeiten]

  • Jiarui Chen, Peter C. Hoch, Warren L. Wagner: Oenothera. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 13: Clusiaceae through Araliaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2007, ISBN 978-1-930723-59-7, S. 423., online. (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Peter C. Hoch, Peter H. Raven: Oenothera. In: Peter C. Hoch (Hrsg.): Flora of Pakistan 139: Onagraceae. Islamabad 1981, online. (Abschnitt Beschreibung)
  • W. L. Wagner et al.: Revised classification of the Onagraceae., In: Syst. Bot. Monogr., Volume 83, 2007, S. 138–192.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 4: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Haloragaceae bis Apiaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3315-6, S. 36ff..
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Oenothera im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3.  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 329ff..
  4. a b c d e f g h Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  5. Krzysztof Rostanski, Lenz Meierott: Zur Gattung Oenothera L. in Franken – mit besonderer Berücksichtigung von Oenothera stucchii Soldano (neu für Deutschland) - The Genus Oenothera in Franconia – with special reference to Oenothera stucchii Soldano (new for Germany). In: Forum Geobotanicum. Band 2, 2006, S. 19–23, doi:10.3264/FG.2006.0310.
  6. S. Singh et al.: An updated review on the Oenothera genus. In: J. Chin. Integr. Med., Volume 10, 2012, S. 717-25. Volltext-PDF.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nachtkerzen (Oenothera) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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