Nachtspeicherheizung

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Die elektrische Speicherheizung, auch Nachtspeicherheizung, Nachtstromspeicherheizung, Nachtspeicherofen oder Niedertarif-Speicherheizung genannt, ist eine elektrisch betriebene Heizung, bei der ein Wärmespeicher in Schwachlastzeiten durch im Vergleich zum Normaltarif günstiger angebotenen elektrischen Strom der Stromversorger aufgeheizt wird. Dieser Tarif wird auch als Nachtstrom bezeichnet.

Zweitarif-Drehstromzähler mit Zählwerken für Nebentarif (oben) und Haupttarif (unten) sowie integriertem Rundsteuerempfänger

Dazu wird der elektrische Strom in den Schwachlastphasen in der Nacht und am Nachmittag genutzt, um den Speicher aufzuheizen. Die Wärme wird dort über einige Stunden gehalten. Um Niedertarifstrom zu nutzen, bedarf es spezieller Stromzähler mit zwei Zählwerken für Hochtarif (HT, Tagstrom oder Normaltarif) und Niedertarif (NT oder Nachtstrom) sowie einer Einrichtung zur Tarifumschaltung. Die Umschaltung wird von den Energieversorgungsunternehmen (EVU) meist mit Tonfrequenz-Rundsteuertechnik oder über Langwellenfunk (Funkrundsteuertechnik) ferngesteuert durchgeführt, vereinzelt auch über Zeitschaltuhren in der Hauptverteilung des Kunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Speicherheizungen wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren als Alternative zu Öfen für Kohle oder Heizöl propagiert. Zentrale Argumente waren eine reduzierte die Staub- und Geruchsbelästigung am Nutzungsort, ein eingesparter Lagerraum für Brennstoff und eine einfachere Haustechnik. So wurden im Gegensatz zu Warmwasserheizungen statt Rohrleitungen nur einfacher nachrüstbare Stromleitungen benötigt.

Hauptmotiv für die Energieversorger war die stetigere Auslastung ihrer Grundlastkraftwerke, zunächst Kohlekraftwerke, später ebenso Kernkraftwerke. Deshalb wurde versucht, nachts mehr Nachfrage zu schaffen. Speicherheizungen ermöglichten den Stromversorgern, weitgehend selbst zu bestimmen, wann Lieferungen erfolgen. Förderprogramme und Strom zu niedrigeren Tarifen förderten den Einsatz der Speicherheizungen in Wohnungen und Wohnhäusern.

Nach der ersten Ölkrise 1973 stiegen die Energiekosten und die Subventionen der NT-Tarife relativierten sich; Speicherheizungen verloren gegenüber konventionellen Zentralheizungen an Wirtschaftlichkeit. Zusätzlich wirkte sich der verglichen mit konventionellen Heizungen niedrige Gesamtwirkungsgrad negativ aus, und damit ebenso die in Summe deutlich höhere Umweltbelastung durch die (immer noch überwiegend konventionellen) Stromerzeugung. Aus Umwelt- und Gesundheitssicht ebenso negativ ist der Umstand, dass viele Jahre lang Asbest in Nachtspeicherheizungen verbaut wurde, dessen Fasern in die Atemluft gelangen können und erhebliche Gesundheitsgefahren bergen.

Mittlerweile stehen Nachtstromtarife in Deutschland nicht mehr flächendeckend zur Verfügung. In anderen Ländern wie beispielsweise Österreich gibt es sie weiterhin; Neuanmeldungen bei einem Landesenergieversorger oder bei privaten Energieversorgern sind möglich.

Deutschland[Bearbeiten]

Die Einführung der Stromsteuer am 1. April 1999 erhöhte die Kosten dieser Heizmethode. Bis Ende 2006 war der Steuersatz für Strom im Niedertarif, mit dem die Speicherheizungen im Allgemeinen betrieben werden, gegenüber dem Regelsteuersatz reduziert; seit 2007 ist der Stromsteuersatz für Hoch- und Niedertarif (Tag- bzw. Nachtstrom) gleich. Auch die Liberalisierung des Strommarktes mit der Aufteilung der vormals integrierten Unternehmen entzieht der Nachtspeicherheizung ihre Existenzgrundlage. Die nachts Auslastung suchenden Kraftwerksbetreiber sind nicht mehr unbedingt die Netzbetreiber, über deren Leitungen die Sondernutzung der Steuerung erfolgen muss, und beide sind nicht mehr unbedingt die Vermarkter für Endkunden, die den zusätzlichen Aufwand doppelter Verbrauchserfassung und -abrechnung einzukalkulieren haben.

Im Hinblick auf Primärenergieverbrauch und CO2-Belastung beschloss die Bundesregierung mit § 10a der Energieeinsparverordnung (EnEV) in der Fassung vom 29. April 2009[1], dass nach einer Übergangsfrist alle Nachtspeicherheizungen nicht mehr betrieben werden dürfen. Diese Regelung wurde 2013 wieder aufgehoben (siehe letzten Absatz).

Die KfW-Bank zahlte bis zum 31. August 2010 bis zu 200 Euro Zuschuss pro Nachtspeicherofen für dessen Entsorgung;[2] vorher ausgestellte Rechnungen wurden noch bis zum 30. November 2010 berücksichtigt.[3]

Beim Demontieren von alten Nachtspeicheröfen können sich mikroskopisch kleine Asbestteilchen lösen. Zum Abtransport sind daher Fachfirmen nötig, welche die Technische Regeln Gefahrstoffe – Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (TRGS 519) zu beachten haben.[4] Alte Nachtspeicheröfen enthalten zudem chromathaltige Speichersteine und PCB-haltige Entstörkondensatoren.

2012 brachten die Energieversorger RWE und EnBW ins Gespräch, das Verbot für Nachtspeicherheizungen aufzuheben, um sie für die gezielte Speicherung von Energie aus regenerativen Quellen zu nutzen. Während Sturmphasen steht Windstrom gelegentlich in großen Mengen zur Verfügung, wodurch konventionelle Kraftwerke gerade nachts aufgrund des Vorrangs erneuerbarer Energien stark gedrosselt oder heruntergefahren werden müssen.[5][6][7] Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung dementierte diesen Bericht zunächst.[8]

Am 17. Mai 2013 beschloss der Bundestag, das aus den Zeiten der großen Koalition (2005–2009) stammende Verbot des Betriebes von Nachtspeicherheizungen nach dem Jahr 2019 außer Kraft zu setzen. Diese dürfen nun auch nach dem 31. Dezember 2019 weiter betrieben werden. Während Vertreter der Koalitionsregierung, der Energiekonzerne sowie des Wohnungs- und Grundeigentümer-Verband Haus und Grund den Beschluss lobten, äußerten Umweltverbände scharfe Kritik daran und bezeichneten ihn als Klientelpolitik für Energiekonzerne. Nachtspeicherheizungen verursachten aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs dreimal so hohe Emissionen wie Gasbrennwertkessel, zudem sei die Rechtfertigung, dass Nachtspeicherheizungen eine notwendige Speichertechnologie für die Energiewende seien, eine Farce. Nachtspeicher verbrauchten jährlich 10–15 TWh elektrischer Energie, es würden jedoch pro Jahr nur ca. 0,42 TWh Windstrom abgeregelt werden. Auch führe der Einsatz von Nachtspeicherheizungen in verbrauchsintensiven, windarmen Stunden zu einer Zusatzbelastung des Stromsystems.[9][10][11][12]

Speicherarten[Bearbeiten]

Zimmerofen (Einzelspeichergerät)[Bearbeiten]

Typischer Nachtspeicher-Zimmerofen
Heizschleifen in Speichersteinen eines Ofens

Ein Nachtspeicherofen ist ein weitgehend wärmeisoliertes, elektrisch betriebenes Heizgerät, in dem Formsteine mit hohem Magnesitgehalt als Wärmespeicher dienen. Der Speicherkern kann Temperaturen von bis zu 650 °C erreichen.

Die Wärme wird stetig durch Wärmestrahlung und Konvektion in den Raum abgegeben, wobei die Wärmeabgabe durch ein Gebläse beschleunigt werden kann, um die gewünschte, höhere Temperatur schneller oder überhaupt zu erreichen. Das Gebläse fördert die Raumluft durch das erhitzte Steinpaket und ist mit einem Thermostat gekoppelt. Für eine an die Außentemperatur angepasste Aufladung des Speicherofens sorgt meist eine von der Außentemperatur abhängige Ladesteuerung.

Feststoff-Zentralspeicher für Warmwasserzentralheizung[Bearbeiten]

Das Funktionsprinzip ist das Gleiche wie beim Zimmerofen, jedoch befindet sich im Unterbau des Zentralspeichers ein Luft-Wasser-Wärmeübertrager. Über diesen Wärmeübertrager wird in einem geschlossenen Luftkreislauf die in den Luftkanälen erwärmte Luft geführt. Die Luft wird von einem Ventilator durch Luftkanäle in den Speichersteinaufbau geblasen, entzieht dabei den Speichersteinen Wärme und erwärmt beim Durchgang durch den Wärmeübertrager das Wasser der Zentralheizung. Das erwärmte Heizungswasser wird von einer Umwälzpumpe durch die Heizkörper innerhalb des Gebäudes geführt und dann zum Wärmeübertrager zurückgeführt.

Fußboden-Nachtspeicherheizung (elektrisch)[Bearbeiten]

Neben der Warmwasserfußbodenheizung mit Wasservorratsspeicher gibt es die elektrische Variante:

Mit mäanderartig verlegten Widerstandsdrähten, die in verschweißten Kunststofffolien zu Matten fixiert sind, wird der Estrich aufgeheizt. Der Aufbau ist wie folgt: Auf dem Untergrund (z. B. einer Betondecke) liegt eine etwa 2 bis 4 cm dicke Polystyrolschicht, darauf folgt wegen der abgegebenen Wärme der Heizdrähte eine 2 cm dicke trittfeste Mineralfaserplatte. Auf die Mineralfaserplatten werden die Heizmatten nebeneinander und kreuzungsfrei verlegt. Auf die Heizmatten folgt eine Lage Kunststofffolie, dann wird der Speicherestrich aufgebracht, in dem sich der Wärmefühler befindet. Je dicker der Estrich, desto größer ist die Speicherwirkung. Der Wärmefühler sollte sich im Schwenkbereich von Türen befinden, da er dort nicht von Möbeln verdeckt wird. Anderenfalls würde ständig eine höhere Temperatur angezeigt werden, als im Rest des Estrichs herrscht, und der Raum würde ungenügend geheizt. Auf den Estrich können Fliesen, geeignete Teppichböden usw. verlegt werden.

Im Bereich vor großen Fensterflächen wird meist dicht unter der Fußbodenoberfläche eine Randzonenheizung verlegt, die über Zimmerthermostat mit Tagheiz- oder Haushaltstrom betrieben werden kann (z. B. bei tieferen Außentemperaturen).

Nachteile dieser Heizungsart:

  • Nur die Aufladung kann beeinflusst werden, die Wärmeabgabe jedoch nicht: morgens am wärmsten, abends am kühlsten.

Vorteile:

  • keine Heizkörper, mehr freie Stellfläche.
  • keine Staubaufwirbelung wie bei Nachtspeicheröfen mit Gebläse.
  • keine Reinigung oder regelmäßige Wartung erforderlich.
  • Wärme von unten dadurch relativ sparsame Heizungsvariante.

Zum Betrieb eignet sich am besten eine Regelung mit Rückwärtssteuerung, d. h. die Aufladung beginnt außentemperatur- und restwärmeabhängig so spät wie möglich bis zum Speicherende am Morgen. Dadurch steht „Nachtwärme“, sofern dieser Niedertarifstrom noch angeboten wird, preisgünstig längstmöglich in den Tag hinein zur Verfügung und die Benutzung der nachmittäglichen Nachladung (teurer) wird auf ein Minimum reduziert. Günstig wirkt sich hier ein vom EVU vorgegebener möglichst später Ladeschluss aus.

Gesetzte Kachel-Nachtspeicheröfen[Bearbeiten]

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden die Öfen zumeist nicht fertig geliefert, sondern als Kachelofen gesetzt. Ein Ofenbauer setzt einen meist quaderförmigen Kachelofen, auch andere Bauarten sind möglich. Dieser wird mit Speichersteinen gefüllt. Ein Elektriker baut die Heizelemente ein, verkabelt diese mit der Steuerung und schließt den Ofen an das Stromnetz an. Abschließend verschließt der Ofenbauer den Ofen mit Kacheln. Da gesetzte Öfen recht schwer sind, muss die Belastbarkeit des Untergrunds beachtet werden. Die Wärmeabgabe erfolgt überwiegend über Strahlung der Kacheln („Kachelofenklima“), oft wird an einer Öffnung an der Unterseite zusätzlich ein meist thermostatgesteuerter Ventilator angebracht, der bei Bedarf zusätzlich Wärme abgibt. Durch die größere Oberfläche des Ofens wird die abgegebene Wärme als gleichmäßiger empfunden als bei kleineren, fertig gelieferten Geräten. Durch die zum größten Teil über Strahlung abgegebene Wärme vermeidet man die dauernde Staubaufwirbelung, trockene Luft usw. durch den Ventilator. Bei entsprechender Bauweise ist pro Wohnung oder pro Stockwerk im Einfamilienhaus nur ein Ofen nötig.

Bauarten[Bearbeiten]

  • statisch: Wärmeabgabe nur über Strahlung
  • dynamisch: Wärmeabgabe bei Bedarf über einen Ventilator
  • statisch und dynamisch kombiniert: Strahlungswärme und zusätzlich bei Bedarf Wärmeabgabe per Ventilator (wie oben beschrieben). Dies ist die am weitesten verbreitete Bauart.
  • Konvektion: An der Ober- und Unterseite sind verschließbare Öffnung vorgesehen, die kühlere Luft erwärmt sich in einem Zwischenraum im Ofen und steigt nach oben.
  • weitere: Zwischen Speicherkern und Kacheln befindet sich ein Zwischenraum, bei Bedarf wird von einem Ventilator heiße Luft von den Speichersteinen an die Kacheln geblasen. Vorteil: die Luft wird nur im Ofen umgewälzt. Dadurch reine Strahlungswärme und keine Staubaufwirbelung und Staubverschwelung. Nachteil ist der geringere Wärmetransport nach außen.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, direkt an der Innenseite der Kacheln, Heizelemente (z. B. Heizdrähte) installieren zu lassen, die mit Tagstrom betrieben werden, um bei plötzlichem Kälteeinbruch rasch Wärme zu Verfügung zu haben.

Wasserspeicher[Bearbeiten]

Auch Wasser ist als Wärmespeicher nutzbar.

  • als Brauch- oder Warmwasserspeicher
    Es wird thermostatgesteuert ein Brauchwasserspeicher auf eine eingestellte Temperatur aufgeheizt. Übliche Volumina liegen in Einfamilienhäusern bei 60–100 Liter je Person, ausreichend für den Tagesbedarf einer Familie.
    Dieser Speicher wird umgangssprachlich fälschlicherweise auch Boiler (engl.: to boil: (ab)kochen) genannt; damit wird eigentlich ein kleinvolumiger Heißwasserbereiter beschrieben, der das Wasser in Abhängigkeit vom Verbrauch heizt und sich nicht an Niederstromtarifzeiten orientiert.
  • als Heizungswarmwasserspeicher
    Dieser findet meistens im Heizungskeller an der Stelle von Ölkessel und Öltank seinen Platz. Vereinzelt wurde auch der Öltank nachträglich mit einer Wärmedämmung versehen und als Heizungswasserspeicher benutzt. Grundsätzlich kann jede Zentralheizung damit betrieben werden. Eine Niedertemperaturheizung ist jedoch wegen der größeren nutzbaren Temperaturdifferenz zu bevorzugen.

Betrieb einer Nachtspeicherheizung[Bearbeiten]

Ermittlung des Tagesbedarfs[Bearbeiten]

Um die am nächsten Tag bereitzustellende Wärmemenge zu ermitteln, wird mittels eines Außentemperaturfühlers die Außentemperatur gemessen und damit die erforderliche Wärmemenge für den nächsten Tag abgeschätzt. Diese Aufgabe übernimmt die Aufladesteuerung. An den Speicherheizgeräten befindet sich der Aufladeregler, der die Aufladung dann abschaltet, wenn das Gerät die für den nächsten Tag erforderliche Wärme gespeichert hat.

Plötzliche Temperaturwechsel werden mit einer einfachen Steuerung nicht berücksichtigt. Komfortabler sind Nachtspeicheröfen mit zusätzlichen Heizelementen für Tagstrom, so dass bei plötzlichem Kälteeinbruch nachgeheizt werden kann.

Die Aufladezeiten einer Nachtspeicheranlage hängen von den Vorschriften des Energieversorgungsunternehmens und der Bauart der Heizung ab und betragen zwischen acht und zehn Stunden. Vom Energieversorger wird die Freigabe zur Aufladung je nach Tarifvertrag und Versorgungsgebiet in einem Zeitbereich von etwa 20 Uhr abends bis 6 Uhr des folgenden Tages erteilt. Diese Freigabezeit kann auch gesplittet werden, um die Netzbelastung zu entzerren, beispielsweise von 21 bis 22 Uhr und von 23 bis 6 Uhr. Die meisten Wärmestromanbieter haben dafür einen gegenüber dem Hochtarif (HT) deutlich günstigeren Niedertarif (NT), der umgangssprachlich als „Nachtstrom“ bezeichnet wird.

Die Versorgungsunternehmen bieten in der Regel mehrere Ladeprogramme an: über 8 Stunden, 8 + 2 Stunden, bis hin zu 10 Stunden oder 10 + 6 Stunden kommen verschiedene Varianten zum Einsatz. Beim letztgenannten Ladeprogramm bedeutet dies eine zehnstündige Nachtaufladung und eine Zusatzfreigabe am Tag für sechs Stunden.

Statische und dynamische Wärmeabgabe[Bearbeiten]

Für den Fall, dass sich in den zu beheizenden Räumlichkeiten ein Raumthermostat an der Wand befindet, vergleicht der sich darin befindende Raumtemperaturfühler die tatsächliche Raumtemperatur mit einem eingestellten Sollwert. Sinkt die Raumtemperatur unter den gewünschten Sollwert, schaltet der Raumtemperaturregler den sich am Gerät befindenden Ventilator zu, über den die im Gerätekern gespeicherte Wärme in den Raum geblasen wird. Bei Erreichen des eingestellten Sollwertes schaltet der Raumtemperaturregler den Ventilator ab.

Derjenige Anteil der Wärme, der über die Geräteoberfläche abgegeben wird, wird als statische Wärmeabgabe bezeichnet, der Teil, der mit Hilfe des Ventilators bereitgestellt wird, als dynamische.

Nachtspeicherheizung im Vergleich mit anderen Heizungsarten[Bearbeiten]

Vorteile[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Vorteile einer Nachtspeicherheizung sind: wenig Abnutzung, kaum Wartungskosten und Strom ist nahezu überall verfügbar; kein Abgaskamin. Keine Kellerräume notwendig für Tanks, Heizanlage o.ä., deshalb ist die Nachtspeicherheizung vergleichsweise gut geeignet für hochwassergefährdete Gebiete.

Nur Einzelöfen[Bearbeiten]

Ein Einzelofen ist günstiger in der Anschaffung als der nachträgliche Einbau einer Zentralheizung. Bei einer Heizung ohne Wasser besteht keine Einfriergefahr, etwa bei Nebenräumen außerhalb einer beheizten Wohnung.

Der nachträgliche Einbau in ein Gebäude ohne Zentralheizung ist deutlich einfacher als der Einbau einer Zentralheizung mit Heizkörpern, weil keine Heizungsrohre zu den Heizkörpern verlegt werden müssen. Daher sind Nachtspeicherheizungen oft in Altbauten anzutreffen, die ursprünglich mit Einzelöfen geheizt wurden.

Nachteile[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Im Vergleich zu Heizungsformen, die direkt mit Brennstoff betrieben werden (etwa Gasheizung, Ölheizung oder Pelletheizung), sind Elektroheizungen mit Abstand am ineffizientesten. Bei modernen Brennwertthermen auf Gas- oder Ölbasis entsteht beim aktuellen Energiemix wesentlich weniger klimaschädliches CO₂. Eine wissenschaftliche Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums belegt die Umweltbelastungen und hohen Kosten von Elektroheizungen.[13]

Für eine komplett mit Strom betriebene Heizungs- und Warmwasseranlage ist ein verstärkter Hausanschluss erforderlich, da die Anschlussleistung sehr hoch ist. Zudem dürfen aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen (Elektrik) die Heizungskörper nicht zum Trocknen aufliegender nasser Wäsche verwendet werden. Auch vor den Luftausströmern ist ein Sicherheitsabstand zu Möbeln und brennbaren Stoffen einzuhalten.

Einzelöfen[Bearbeiten]

Einzelöfen benötigen einen erheblichen Platz in jedem Raum; insbesondere mehr Platz als mit Wasser betriebene Heizkörper.

Der Ofen wird im Betrieb unter Umständen sehr heiß. Wenn Staub in den Ofen gelangt, kann er dort beim Betrieb verschwelen und eine Geruchsbelästigung verursachen, insbesondere an den ersten Tagen einer Heizperiode. Direkt vor und auf dem Ofen abgestellte Gegenstände können einen Wärmestau erzeugen und leicht entzündliche Stoffe können auch Brände auslösen. Die Öfen können so heiß werden, dass bei Berührung Verbrennungsgefahr besteht, besonders für kleine Kinder[14].

Ältere Einzelöfen haben zumeist keine Flexibilität hinsichtlich der Wärmeregulierung. Bei plötzlich steigender oder sinkender Außentemperatur lässt sich die Wärmeabgabe der Heizkörper nicht sofort nachregulieren.

Das Raumklima ist im Vergleich zu anderen Heizungsformen unkomfortabel: Nachtspeicherheizungen heizen in der Nacht den Raum erheblich auf, wenn eigentlich kaum Wärmeenergie benötigt wird. Hierdurch leidet der Schlafkomfort und ein Teil der kostenintensiven Aufladung gibt bereits unerwünscht Wärme ab. Nachtspeicherheizungen verursachen beim Aufheizen/Auskühlen größere Schwankungen der Luftfeuchtigkeit als andere Heizungen. Zudem findet eine Auskühlung am Abend statt, der nur durch eine höhere Nachtaufladung begegnet werden kann. Um also ein ungewolltes Auskühlen bis zum Abend zu vermeiden, ist nachts eine oft übermäßig hohe Raumtemperatur hinzunehmen. Dieser Effekt wird besonders im Frühling und Herbst deutlich: Nur morgens und abends wird beispielsweise Heizung benötigt, der Speicher gibt aber auch in der Nacht und tagsüber Wärme ab.

Neuere Einzelöfen haben meist ein Gebläse, über das die Wärmeabgabe besser gesteuert werden kann. Der Einsatz des Gebläses hat allerdings zusätzliche Nachteile: Das Geräusch des Gebläses kann störend sein, außerdem wirbelt es Staub auf und erhöht dadurch die Staubbelastung der Raumluft.

Probleme[Bearbeiten]

Durch die elektrische Speicherheizung, mit aus fossilen Energieträgern erzeugtem Strom, entstehen bei der Beheizung etwa dreimal mehr CO₂-Emissionen als bei der lokalen Verbrennung fossiler Brennstoffe in Zentralheizungsanlagen. Der Einsatz von Nachtspeicherheizungen wurde dennoch in der Vergangenheit gerechtfertigt und insbesondere in den 1970er-Jahren sogar gefördert, um die nächtliche Grundlast zu erhöhen und so die Auslastung und Effizienz von Grundlastkraftwerken über den gesamten Tag zu erhöhen. Heute wird diese Pufferung im Allgemeinen als nicht mehr notwendig erachtet; die Ausregelung nächtlicher „Löcher“ erfolgt über flexibel einsetzbare Mittellastkraftwerke.[15]

Durch die gelegentlich auftretende dynamische Wärmebereitstellung durch Ventilatoren entstehen Luftwalzen im zu beheizenden Raum, welche mit sämtlichen Staub- und Schmutzpartikeln ständig umgewälzt werden.

An den Ausblasgittern der Geräte können sehr hohe Oberflächentemperaturen auftreten, so dass ein Verletzungsrisiko besteht.

Vor allem ältere Nachtspeicheröfen können schwach gebundenes Asbest, Speichersteine mit hohen Chromatgehalten und PCB-haltige elektrische Bauteile enthalten. Eine Entsorgung auf dem Sperrmüll ist nicht möglich und muss nach TRGS 519 (Technische Regeln für Gefahrstoffe – Asbest / Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten) erfolgen.

Wechsel des Stromanbieters[Bearbeiten]

Nach Recherchen der Stiftung Warentest glauben viele Nutzer von Nacht­speicherhei­zun­gen, dass Sie den Strom ausschließlich beim örtlichen Energieanbieter, dem Grundversorger beziehen können. Tatsächlich bieten mittlerweile aber zahlreiche Firmen Tarife für Nacht­speicherhei­zungen mit gemein­samer Messung an. Ein Wechsel des Anbieters kann laut Stiftung Warentest eine jährliche Ersparnis von mehreren hundert Euro bringen.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EnEV 2009: § 10a Außerbetriebnahme von elektrischen Speicherheizsystemen. auf: www.gesetze-im-internet.de
  2. Formular: Bestätigung zum Antrag CO2-Gebäudesanierungsprogramm (430) auf: kfw-foerderbank.de
  3. Energieeffizient Sanieren – Sonderförderung. auf: kfw-foerderbank.de
  4. www.baua.de: TRGS Asbestarbeiten
  5. RWE will Comeback der Nachtspeicher.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter In: Financial Times. Deutschland, 4. Dezember 2012.
  6. Stromkonzerne planen Comeback der Nachtspeicher. auf: spiegel.de, 3. Dezember 2012.
  7. Regierung streicht Verbot von Nachtspeicheröfen. In: WirtschaftsWoche. 15. September 2012, Abgerufen am 5. November 2012.
  8. Nachtspeicheröfen müssen doch ausgemustert werden www.haufe.de vom 17. September 2012.
  9. Energiewende: Bundestag kippt Verbot von Nachtspeicheröfen. auf: Spiegel online. 17. Mai 2013.
  10. Bundestag hebt Verbot für Nachtspeicherheizungen auf. In: Thüringer Allgemeine. 17. Mai 2013. Abgerufen am 18. Mai 2013.
  11. Laufzeitverlängerung für Stromfresser: Der Nachtspeicher-Irrsinn. In: Spiegel Online. 17. Mai 2013. Abgerufen am 18. Mai 2013.
  12. CDU/CSU und FDP lobbyieren mit RWE für Comeback vorsintflutlicher Nachtspeicherheizungen in Wohn- und Schlafzimmern. Internetseite der Deutschen Umwelthilfe. Abgerufen am 18. Mai 2013.
  13. Studie zu den Energieeffizienzpotenzialen durch Ersatz von elektrischem Strom im Raumwärmebereich auf: erneuerbare-energien.de vom Bundesumweltministerium
  14. Nachtspeicherofen fiel um: Junge verbrannt. Abgerufen am 24. Februar 2015 (deutsch): „Der ältere Junge, damals acht Jahre alt, lehnte sich über den (60 cm hohen, 120 cm breiten und ca. 200 Kilo schweren) Ofen, um das Spielzeug zwischen Ofen und Wand herauszuholen. Dabei kippte der heiße Ofen nach vorne um und klemmte das rechte Bein des Kindes ein.[...]Der Junge erlitt schwere Verbrennungen und einen Fußbruch. Mehrere Monate musste er im Krankenhaus verbringen, viele Operationen und Hauttransplantationen waren nötig.“
  15. Nachtspeicherheizungen. auf: thema-energie.de
  16. Nachtspeicherheizung und Wärmepumpe: Wechsel des Stromanbieters endlich möglich, test.de vom 24. Februar 2015, abgerufen am 24.Februar 2015