Nackt unter Wölfen

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Dieser Artikel behandelt das Buch Nackt unter Wölfen von Bruno Apitz. Zum gleichnamigen Film siehe Nackt unter Wölfen (Film)
Bruno Apitz (rechts) während der Dreharbeiten zu „Nackt unter Wölfen

Nackt unter Wölfen ist ein Roman der DDR-Literatur von Bruno Apitz, der 1958 beim Mitteldeutschen Verlag erschienen ist. Er wurde 1963 von Frank Beyer unter dem gleichen Titel für die DEFA verfilmt.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman spielt im Zeitraum Februar bis April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Ein polnischer Häftling schmuggelt ein etwa dreijähriges Kind ins Lager. Das illegale Internationale Lagerkomitee (ILK), eine aus Kommunisten verschiedener Nationalitäten bestehende Widerstandsgruppe, beschließt, das Kind mit einem Transport in ein anderes Lager gehen zu lassen. Die Häftlinge Höfel und Kropinski, die in der Effektenkammer arbeiten, führen diesen Beschluss jedoch nicht aus und verstecken das Kind. Seine Entdeckung durch die SS hätte unweigerlich die Ermordung des Kindes und auch derer, die sein Leben bewahren wollen, zur Folge. Erst wird es in der Kleiderkammer, dann in einer Seuchenbaracke versteckt. Später wird es in einem Schweinekoben untergebracht. Durch das Kind gerät die gesamte Widerstandsbewegung in Gefahr. Dennoch nehmen mehrere Häftlinge große persönliche Risiken auf sich, um das Kind zu retten. Höfel und Kropinski werden wochenlang schwer gefoltert, ohne das Kind und ihre Kameraden zu verraten. Auch der Häftling Pippig schweigt. Er stirbt an schwerer Folter durch die Gestapo. Der Häftling Rose wird aus Angst zum Verräter, der Häftling Wurach lässt sich von der SS zu Spitzeldiensten missbrauchen. Daneben werden die Charaktere der SS-Wächter dargestellt: der Lagerführer Schwahl will alle Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Dachau schicken und die Spuren der Verbrechen im Lager verwischen, Kluttig will alle Häftlinge töten lassen, Reineboth will untertauchen und sich den neuen politischen Gegebenheiten anpassen, Mandrak, genannt Mandrill, ein brutaler Folterer, will vor dem Ende noch seine im Block eingesperrten Gefangenen töten, und Zweiling schwankt zwischen der Furcht vor der Rache der Häftlinge und vor seinen eigenen Kameraden. Als der Informant Wurach eine Todesliste mit 46 Namen zusammenstellt, die angeblich die geheime Widerstandsorganisation leiten, beschließt das ILK, die Gesuchten zu verstecken. Der Lagerälteste Krämer ist keiner der Köpfe des ILK, wird aber von der Lagerleitung dafür gehalten. Durch seine Persönlichkeit wird er von vielen Häftlingen respektiert. Im Unklaren über die Nähe der Front muss das ILK immer wieder abwägen zwischen einander widersprechenden Pflichten, dem Schutz des Einzelnen und der Verantwortung für die Gesamtheit der 50.000 Häftlinge. Die ersten Todesmärsche können nicht verhindert werden. Als die Front nahe ist, befreien die Häftlinge das Lager selbst mit Waffen, die sie gebaut oder ins Lager geschmuggelt haben. Sie holen Höfel und Kropinski aus dem Bunker. Auch das Kind wird aus seinem Versteck geholt. Die Romanfiguren, die im Buch von Apitz erscheinen, tragen teilweise die Namen von ehemaligen Mitgefangenen von Bruno Apitz, die der Autor auf diese Weise ehren möchte. Mit der Wahl der Namen verdeutlicht Apitz auch den Charakter der jeweiligen Person (beispielsweise Hauptscharführer Zweiling). Bei dem im Roman beschriebenen Jungen handelt es sich um Stefan Jerzy Zweig, der mit 3 Jahren nach Buchenwald gebracht wurde. Eine weitere wichtige Person ist Walter Krämer.

Bruno Apitz hat seinen Text in Zusammenarbeit mit dem Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer und seinem Lektor mehrfach überarbeitet. Die Entstehungsgeschichte ist in einer Neuauflage des Romans im Jahr 2012 dokumentiert.

Rezensionen[Bearbeiten]

Ruth Klüger geißelte „Nackt unter Wölfen“ als „Kitschroman“. Er habe den Völkermord an den Juden „infantilisiert, verkleinert und verkitscht“.[1]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Für das Fernsehen der DDR erfolgte die Verfilmung des Romans 1960 unter der Regie von Georg Leopold. Die DEFA verfilmte den Roman unter dem Titel Nackt unter Wölfen im Jahr 1963, u. a. mit Erwin Geschonneck, Fred Delmare, Armin Mueller-Stahl und Gerry Wolff in Hauptrollen unter der Regie von Frank Beyer. Unter Federführung des Mitteldeutschen Rundfunks wird der Stoff gerade in der tschechischen Gedenkstätte Vojna Lešetice neu verfilmt.[2] Als Grundlage dafür sollte das zu DDR-Zeiten nicht veröffentlichte, unzensierte Manuskript von Apitz dienen. Das Drehbuch schrieb Stefan Kolditz, Regie führt Philipp Kadelbach, Produzent ist u.a. Nico Hofmann. Die Premiere des Films ist für 2015 zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald geplant.[3]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Erstausgabe: Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1958.
  • Erweiterte Neuausgabe auf Grundlage der Erstausgabe mit Dokumentation der mehrfachen Bearbeitung und Überarbeitung des Ursprungstextes durch Bruno Apitz und einem Nachwort von Susanne Handtke und Angela Drescher: Aufbau Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-03390-3. Hrsg. von Susanne Hantke und
Übersetzungen
  • Dänisch: Nøgen blandt ulve,
  • Englisch: Naked among wolves, übersetzt von Edith Anderson. Berlin 1960.
  • Esperanto: Nuda inter lupoj, übersetzt von Karl Schulze. Leipzig 1974.
  • Finnisch: Alastomana susien parissa. 1961.
  • Französisch: Nu parmi les loups, übersetzt von Y.-P. Loreilhe. Paris 1961.
  • Italienisch: Nudo tra i lupi, übersetzt von Agnese Silvestri Giorgi. Mailand 1961.
  • Litauisch: Nuogas tarp vilkų, Vilnius 1965.
  • Portugiesisch: Nu entre lobos. Lissabon 1982.
  • Russisch: Golye sredi volkov, Moskva, 1976
  • Schwedisch: Naken bland vargar, übersetzt von Ture Nerman. Stockholm 1960.
  • Türkisch: Kurtlar arasında çıplak, aus dem Englischen übersetzt von Alaattin Bilgi. Ankara 1986.
  • Ungarisch: Farkasok közt védtelen, übersetzt von István Nagy Kristó 1960.

Insgesamt erschien Nackt unter Wölfen in 30 Sprachen und erreichte eine Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bill Niven: Das Buchenwaldkind. Wahrheit, Fiktion und Propaganda Aus dem Englischen von Florian Bergmeier, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 2008, ISBN 978-3-89812-566-6.
  • Zacharias Zweig: Mein Vater, was machst du hier …? Zwischen Buchenwald und Auschwitz. Der Bericht des Zacharias Zweig dipa-Verlag, Frankfurt a.M., 1987, ISBN 3-7638-0471-4 (Bericht des Vaters von Stefan Jerzy Zweig).
  • Eva Reißland: Bruno Apitz in: Hans Jürgen Geerdts (Hrsg.): Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Einzeldarstellungen. Band 1 Volk und Wissen, Berlin 1976.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.tagesspiegel.de/medien/buchenwald-drama-bloss-kein-kz-kitsch/9893556.html
  2. http://www.tagesspiegel.de/medien/buchenwald-drama-bloss-kein-kz-kitsch/9893556.html
  3. DDR-Klassiker „Nackt unter Wölfen“ wird neu verfilmt, auf mdr.de, abgerufen am 21. Februar 2014.