Nagapattinam (Distrikt)

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Distrikt Nagapattinam
நாகப்பட்டினம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Nagapattinam
Fläche: 2.416 km²
Einwohner: 1.614.069 (2011)
Bevölkerungsdichte: 668 Ew./km²
Website: nagapattinam.tn.nic.in

Der Distrikt Nagapattinam (Tamil: நாகப்பட்டினம் மாவட்டம்; auch: Nagapatnam) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namensgebende Stadt Nagapattinam.

Geografie[Bearbeiten]

Mangrovenwälder bei Point Calimere

Der Distrikt Nagapattinam liegt im Osten des Bundesstaats an der Koromandelküste. Der Distrikt besteht aus zwei Teilen, die durch den zum Unionsterritorium Puducherry gehörigen Distrikt Karaikal voneinander getrennt werden. Weitere Nachbardistrikte sind Cuddalore im Norden sowie Thanjavur und Tiruvarur im Westen.

Die Fläche des Distrikts Nagapattinam beträgt 2.416 Quadratkilometer. Das Distriktgebiet nimmt den östlichen Teil des Kaveri-Deltas ein. Das flache und fruchtbare Land wird von zahlreichen Mündungsarmen dieses größten Stroms von Tamil Nadu durchschnitten. Die Küstenlänge des Distrikts beträgt 187 Kilometer. Die Küstenlinie zum Golf von Bengalen verläuft zunächst in Nord-Süd-Richtung, ehe sie bei Point Calimere (Kodikkarai) nahe Vedaranyam einen scharfen Knick macht. Der südliche Küstenabschnitt grenzt an die zwischen Indien und Sri Lanka gelegene Palkbucht.

Der Distrikt Nagapattinam ist in acht Taluks unterteilt. Im nördlichen Teil des Distrikts liegen die Taluks Sirkazhi, Mayiladuthurai, Tharangambadi und Kuthalam, im südlichen die Taluks Nagapattinam, Kilvelur, Tirukkuvalai und Vedaranyam.

Geschichte[Bearbeiten]

Negapatnam van Choromandel. Niederl. Kupferstich, 18. Jhd.

Das Kaveri-Delta war das Kernland des Chola-Reiches, das vom 9. bis 13. Jahrhundert Thanjavur (Tanjore) als Hauptstadt hatte. Ab dem 16. Jahrhundert beherrschten zunächst die Nayaks und später die Marathen-Könige von Thanjavur das Gebiet. Zur gleichen Zeit begannen die europäischen Kolonialmächte Stützpunkte im Küstengebiet des heutigen Distriktes zu gründen: Die Stadt Nagapattinam war zunächst ab dem 16. Jahrhundert ein Stützpunkt der Portugiesen, 1660 fiel der Ort an die Niederlande. Nagapattinam blieb die wichtigste niederländische Besitzung in Indien, ehe es 1781 von den Briten erobert wurde. Die Dänische Ostindien-Kompanie hatte 1620 Tranquebar (Tharangambadi) gegründet und dort das Fort Dansborg erbaut. 1845 wurde Tranquebar an die Briten verkauft. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich Karaikal, das von 1739 bis 1954 zu Französisch-Indien gehörte.

1799 annektierten die Briten das Königreich Thanjavur und gliederten das Gebiet als Distrikt Thanjavur in die Provinz Madras ein. Nach der indischen Unabhängigkeit kam das Gebiet 1956 zum neuformierten Bundesstaat Madras (heute Tamil Nadu). 1991 wurde der Distrikt Nagapattinam als eigenständiger Distrikt aus dem Distrikt Thanjavur gelöst. Seine heutige Form erhielt der Distrikt, als 1997 der Distrikt Tiruvarur aus Teilen der Distrikte Nagapattinam und Thanjavur gebildet wurde.

Der verheerende Tsunami nach dem Seebeben im Indischen Ozean 2004, der insgesamt rund 165.000 Menschen in Süd- und Südostasien das Leben kostete, forderte im Distrikt Nagapattinam 6.051 Todesopfer. Damit war der Küstenabschnitt um Nagapattinam neben den Andamanen und Nikobaren das am schwersten vom Tsunami betroffene Gebiet Indiens.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Nagapattinam 1.614.069 Einwohner. Im Vergleich zur letzten Volkszählung war die Einwohnerzahl um 8,4 Prozent und somit langsamer als im Durchschnitt Tamil Nadus (15,6 Prozent) gewachsen. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 668 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Mittelwert des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Distrikt Nagapattinam ist ländlich geprägt: Die Urbanisierungsrate ist mit 22,5 Prozent nur weniger als halb so hoch wie im Durchschnitt Tamil Nadus (48,5 Prozent). Die Alphabetisierungsquote ist mit 84,1 Prozent höher als der Mittelwert Tamil Nadus (80,3 Prozent) und Gesamtindiens (74,0 Prozent).[2] Wegen der Fruchtbarkeit des Bodens im Kaveri-Delta spielt die Landwirtschaft eine große Rolle: Nach der Volkszählung 2001 sind 65 Prozent der Bevölkerung im Landwirtschaftssektor beschäftigt.[3]

Unter den Einwohnern des Distriktes stellen die Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 89,2 Prozent eine große Mehrheit. Daneben gibt es Minderheiten von Muslimen (7,6 Prozent) und Christen (3,1 Prozent).[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Distrikt Nagapattinam befinden sich wichtige religiöse Stätten sowohl der Hindus, Christen, als auch Muslime. Die Basilika von Velankanni, wo im 16. Jahrhundert eine Marienerscheinung stattgefunden haben soll, ist der wichtigste christliche Wallfahrtsort in Indien. Allein das elftägige Kirchenfest, das alljährlich im August/September stattfindet, zieht geschätzte zwei Millionen Pilger an. In Nagore bei Nagapattinam befindet sich ein Schrein (Dargah) am Grab des muslimischen Sufi-Heiligen Syed Shahul Hamid Qadir Vali (Nagore Andavar), der im 16. Jahrhundert lebte. Einmal jährlich findet zu Ehren des Heiligen ein 14-tägiges Fest statt. In Vaitheeswarankoil, Tiruvenkadu und Keezhperumpallur befinden sich drei der neun Navagraha-Tempel, einer Gruppe von Hindu-Tempeln im Kaveri-Delta, die mit den Himmelskörpern assoziiert werden. Bedeutende hinduistische Heiligtümer befinden sich auch in Sirkazhi (Brahmapuriswarar-Tempel) und Mayiladuthurai (Mayuranathaswami- und Parimala-Ranganathar-Tempel).

Von touristischem Interesse sind ferner Tharangambadi mit dem Fort Dansborg und zwei Kirchen aus der dänischen Kolonialzeit sowie die als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Mangrovenwälder bei Point Calimere.

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[5]
Kilvelur 7.404
Kuthalam 13.434
Manalmedu 9.254
Mayiladuthurai 84.290
Nagapattinam 92.525
Sirkazhi 32.084
Thalainayar 11.631
Tharangambadi 20.841
Thittacheri 8.484
Vaitheeswarankoil 7.522
Vedaranyam 31.728
Velankanni 10.144

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alpa Sheth, Snigdha Sanyal, Arvind Jaiswal, Prathibha Gandhi: Effects of the December 2004 Indian Ocean Tsunami on the Indian Mainland. (PDF; 4,5 MB) In: Earthquake Spectra. Vol. 22, 2006, ISSN 8755-2930, S. 450–453.
  2. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF; 17,8 MB) und Paper 2. (PDF; 14,1 MB)
  3. Census GIS India
  4. Census GIS India (Religion)
  5. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nagapattinam district – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien