Nagasaki

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nagasaki (Begriffsklärung) aufgeführt.
Nagasaki-shi
長崎市
Nagasaki
Geographische Lage in Japan
Nagasaki (Japan)
Red pog.svg
Region: Kyūshū
Präfektur: Nagasaki
Koordinaten: 32° 45′ N, 129° 53′ O32.750277777778129.87777777778Koordinaten: 32° 45′ 1″ N, 129° 52′ 40″ O
Basisdaten
Fläche: 406,40 km²
Einwohner: 433.514
(1. Oktober 2014)
Bevölkerungsdichte: 1067 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 42201-1
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Nagasaki
Baum: Triadica sebifera
Blume: Gartenhortensie
Rathaus
Adresse: Nagasaki City Hall
2-22 Sakura-machi
Nagasaki-shi
Nagasaki 850-8685
Webadresse: http://www1.city.nagasaki.nagasaki.jp/
Lage Nagasakis in der Präfektur Nagasaki
Lage Nagasakis in der Präfektur
Kreuzigung von 26 Christen am 5. Februar 1597 in Nagasaki (Bild aus einer Gedenkschrift anlässlich der Heiligsprechung von vier hingerichteten spanischen Franziskanern; Madrid 1862)

Nagasaki (jap. 長崎市, -shi) ist die Präfekturverwaltung und größte Stadt der Präfektur Nagasaki mit 444.310 Einwohnern (Stand 2009). Ursprünglich ein kleines Fischerdorf im Kreis Nishisonogi wurde es durch die Ankunft der Portugiesen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Hafenstadt. Die Stadt liegt an der Südwest-Küste der drittgrößten japanischen Insel Kyūshū. Bürgermeister ist seit April 2007 Tomihisa Taue.

Weltweite Bekanntheit erlangte Nagasaki als Ziel des zweiten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes am 9. August 1945.

Geografie[Bearbeiten]

Nagasaki erstreckt sich über die südliche Hälfte der Nishisonogi-Halbinsel im Norden und die Nagasaki-Halbinsel im Süden. Im Westen befindet sich das Meeresgebiet Sumō-nada, im Nordosten die Ōmura-Bucht und im Süden das Meeresgebiet Amakusa-nada. Diese gehören zum Ostchinesischen Meer.

Klima[Bearbeiten]

Nagasaki
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Nagasaki
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Max. Temperatur (°C) 9,9 10,6 14,1 19,4 23,1 25,8 29,7 31,3 28,1 23,3 17,9 12,5 Ø 20,5
Min. Temperatur (°C) 3,1 3,7 6,3 11,3 15,4 19,3 24,0 24,7 21,1 15,3 10,1 5,3 Ø 13,3
Niederschlag (mm) 78 86 116 174 193 332 334 187 190 104 85 66 Σ 1.945
Sonnenstunden (h/d) 3,2 3,8 5,0 5,4 5,9 4,8 6,0 7,2 5,7 5,7 4,6 3,4 Ø 5,1
Wassertemperatur (°C) 17 17 17 18 20 23 26 27 26 23 21 19 Ø 21,2
Luftfeuchtigkeit (%) 68 67 67 71 73 80 81 77 75 69 69 69 Ø 72,2
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Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Epoche[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Stadt vor 1500 und war ursprünglich ein unbedeutendes abgelegenes Fischerdorf, dessen Entwicklung erst nach der Ankunft der Europäer um die Mitte des 16. Jahrhunderts einen Aufschwung erlebte. 1543 verschlug es ein Schiff aus Malakka an die Küste der südlichen Insel Tanegashima. Die an Bord befindlichen portugiesischen Kaufleute überreichten zum Dank für die Unterstützung der Einwohner einige Gewehre. Dies gilt als erster direkter Kontakt zwischen Japanern und Europäern und als Beginn der Geschichte der Feuerwaffen in Japan. Sechs Jahre danach erreichte der Mitgründer der Gesellschaft Jesu und Missionar Francisco Xavier Kagoshima im Süden von Kyushu und legte während seines zweijährigen Aufenthaltes die Grundlagen für das Missionswerk der Jesuiten wie auch einen dauerhaften Handelsaustausch mit portugiesischen Händlern aus Macao. Da gute Beziehungen zu den Missionaren die Teilnahme an dem höchst lukrativen Fernhandel mit sich brachten, ließen sich einige Regionalherrscher (Daimyō) taufen. Der wichtigste unter ihnen war Ōmura Sumitada, der großen Gewinn aus seiner Konversion zog. Nach ersten Versuchen mit kleineren Häfen wie Kuchinotsu bestimmte er 1571 das in einer tief eingeschnittenen Bucht windgeschützt liegende Nagasaki zum Anlaufhafen für die portugiesischen Karacken.

Die kleine Siedlung wuchs schnell; die Namen vieler Stadtviertel zeigen noch heute die Herkunft der Umsiedler, die aus allen Teilen Kyushus eintrafen. Eine Reihe portugiesischer Produkte, die über Nagasaki importiert wurden (z. B. Brot, Tempura (fritiertes Gemüse), Knöpfe, Kartenspiele, bestimmte Stoffe und Kleidungsstücke, wie auch Produkte aus portugiesischen Überseeniederlassungen (Tabak und Chininrinde aus Amerika, Obstbäume aus Südostasien)) fanden Eingang in die japanische Alltagskultur. Die Portugiesen führten auch Güter aus dem Kaiserreich China mit sich. Zugleich gründeten die Jesuiten in Nagasaki Kirchen und Pflegeheime und übernahmen die Verwaltung der Siedlung.

1587 geriet Nagasakis Wohlstand erstmals in Gefahr. Nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft über den Archipel hatte Oda Nobunaga die Regionalfürsten unter seine Kontrolle gebracht, war aber 1582 ums Leben gekommen. Toyotomi Hideyoshi, einer seiner Gefolgsleute, übernahm als neuer Kampaku die Macht und trieb die Vereinigung des Reiches weiter voran. Dabei störte der unkontrollierte, lukrative Fernhandel der südlichen Regionalherrscher und die Dominanz der Portugiesen im Seidenimport ebenso wie der Unwille der christlichen Missionare zu einem toleranten Zusammenleben mit den anderen Religionen im Lande. Um den starken christlichen Einfluss in Süd-Japan einzudämmen, befahl Hideyoshi die Ausweisung aller Missionare. Die Jesuiten verloren die ihnen vom Fürsten von Ōmura Sumitada überlassene Verwaltungskontrolle über Nagasaki, die nun an die Zentralregierung ging. Andere Ad-hoc-Edikte folgten. Manche Maßnahme wurde nur lokal und für kurze Zeit durchgesetzt, doch im Laufe der Jahre nahm die Schärfe der Verfolgung japanischer und ausländischer Christen zu. Im Jahre 1597 ließ Hideyoshi 26 franziskanische und jesuitische Missionare, sowie zum Christentum konvertierte Japaner im Alter von zwölf bis 64 Jahren aus Zentraljapan durch die westlichen Landesteile nach Nagasaki führen und dort zur Abschreckung kreuzigen. Die in der Stadt lebenden portugiesische Händler blieben jedoch wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bis auf Weiteres unbehelligt.

Die Ära der Isolation und der Christenverfolgung in Japan[Bearbeiten]

Als Tokugawa Ieyasu knapp 20 Jahre später nach Hideyoshis Tod und der entscheidenden Schlacht von Sekigahara als Shōgun die Macht übernahm, verbesserte sich die Lage von Nagasaki kaum. 1614 erging ein endgültiges Verbot des Christentums. Alle Missionare wurden deportiert, ebenso jene Regionalfürsten, die nicht dem Christentum abschwören wollten. Es folgte eine brutale Verfolgung mit tausenden Getöteten und Gefolterten in Nagasaki und anderen Teilen Japans. Der 1637 in der Region Shimabara, Amakusa auflodernde sogenannte Shimabara-Aufstand war anfangs gegen die extreme Abgabelasten gerichtet, die der Regionalherrscher seinen Untertanen auferlegt hatte. Erst im Laufe der Kämpfe gegen die wachsende Übermacht der regierungstreuen Truppen nahm der Konflikt auch religiöse Züge an. Nach der mühsamen Niederschlagung entschloss sich das Shogunat zur Vertreibung aller Iberer einschließlich der letzten Kaufleute in Nagasaki. Damit endete Japans „christliches Jahrhundert“. Einige Japaner hielten heimlich am Christentum fest, und manche dieser Familien (Kakure Kirishitan) überlebten auch die danach fortgesetzten Verfolgungen bis zur erneuten Öffnung des Landes im 19. Jahrhundert.

Die Niederländer unterhielten mit der Erlaubnis von Tokugawa Ieyasu seit 1609 eine Handelsstation in Hirado. Da sie in Konkurrenz zu den Portugiesen standen, an Missionsaktivitäten kein Interesse zeigten und auch während des Shimabara-Aufstands den Forderungen der Zentralregierung zur Beschießung der Festung Hara mit ihren Schiffskanonen nachkamen, blieben sie von der Ausweisung der Europäer im Jahre 1639 ausgenommen. Allerdings wurde ihre Niederlassung 1640/41 von Hirado nach Nagasaki verlegt, um den durch das Ausbleiben der portugiesischen Schiffe drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern und zugleich ihre Aktivitäten besser zu kontrollieren. Bis 1855 liefen Japans Kontakte mit dem Westen über diese kleine Faktorei (Dejima).

Auch die chinesischen Kaufleute durften fortan nur noch in Nagasaki anlanden. Ab 1688 wurde ihre Bewegungsfreiheit ähnlich wie bei den Niederländern auf eine von einer Mauer eingeschlossene Niederlassung (Tōjin yashiki, „Chinesen-Anwesen“) beschränkt. In der Folge blühte die Stadt wirtschaftlich wieder auf und wurde zugleich zum Drehpunkt in der Vermittlung westlicher Wissenschaft und Technologie nach Japan. Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zogen wissensdurstige Japaner nach Nagasaki, um sich dort Informationen und Materialien bei den Dolmetschern oder anderen zu besorgen, die Zugang zur Faktorei Dejima hatten. Mit der verstärkten Förderung der „Holland-Kunde“ (Rangaku) durch den Shōgun Yoshimune erlebte der Studienaufenthalt in Nagasaki (Nagasaki-yūgaku) im 18. Jh. einen weiteren Aufschwung. Die Häuser von gelehrten Dolmetscherfamilien wie Motoki oder Yoshio mit ihren reichen Sammlungen an Büchern und Objekten entwickelten sich zum Anlaufpunkt unzähliger Besucher und Studenten aus allen Landesteilen.

Die Öffnung der japanischen Gesellschaft bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

Nachdem der US-Commodore Matthew Perry 1853 in Japan landete und das Shōgunat kurz darauf zerfiel, öffnete Japan seine Tore erneut. Nagasaki wurde 1859 Vertragshafen. Europäer ließen sich in Nagasaki nieder, und am 17. März 1865 begegnete der französische katholische Priester Bernard Petitjean in der neuerrichteten Kirche von Ōura etwa 15 in Urakami wohnenden Christen, die bisher ihr Christentum versteckt im Untergrund praktiziert hatten. Dieses Ereignis ist als Wiederbelebung des Christentums in Japan bekannt.

In Nagasaki wurde 1868 eine umfassende Modernisierung begonnen. Mit der Meiji-Restauration erlangte Nagasaki schnell wirtschaftliche Dominanz, vor allem auf dem Gebiet des Schiffbaus. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Bedeutung der örtlichen Industrie als Werftenzentrum für die kaiserliche Kriegsmarine.

Atombombenabwurf[Bearbeiten]

Hauptartikel: Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Die Schiffbauindustrie, die Nagasaki zu wirtschaftlicher Bedeutung verhalf, ließ die Stadt zum Ziel der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg werden: Am 9. August 1945 um 11:02 Uhr warf ein amerikanischer B-29 Bomber, die Bockscar, die Fat Man genannte Kernwaffe über der Mitsubishi-Waffenfabrik ab, als sich gerade eine Wolkenlücke auftat. Ursprüngliches Ziel waren die Schiffswerften. Obwohl die Bombe ihren geplanten Zielpunkt um mehr als 2 km verfehlte, weil der Abwurf wegen starker Bewölkung radargesteuert erfolgen musste, ebnete sie fast die Hälfte der Stadt ein und tötete etwa 36.000 der 200.000 Einwohner. (Nach Schätzungen des Committee for the Preservation of Atomic Bomb Artifacts im Dezember 1945, fast vier Monate nach dem Abwurf, wurden 74.000 Menschen getötet und noch einmal so viele verletzt). Viele Menschen starben infolge der Strahlenkrankheiten (Schätzungen: 1946 ≈ 75.000, 1950 ≈ 140.000). Die Überlebenden werden als Hibakusha bezeichnet. Fat Man (20 kt TNT-Äquivalent) war nach der über Hiroshima abgeworfenen „Little Boy“ die zweite Atombombe, die über Japan explodierte.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde die Stadt wieder aufgebaut, jedoch wegen der großen Zerstörungen völlig anders, als sie vor dem Krieg aussah. Neue Tempel und Kirchen wurden gebaut – das Christentum fand nach dem Krieg sogar noch signifikanten Zulauf, und Nagasaki hat bis heute den höchsten christlichen Bevölkerungsanteil von allen japanischen Großstädten. Einige Trümmer wurden als Mahnmal stehengelassen, wie z. B. das einbeinige Torii und ein Steinbogen nahe dem Bodennullpunkt (Ground Zero). Auch neue Gebäude wurden als Mahnmale errichtet, wie z. B. das Atombomben-Museum.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Atombombenmuseum[1]
  • Doppelbogenbrücke (眼鏡橋, megane-bashi)
  • Chinatown
  • Dejima (出島)[2]
  • Friedenspark (平和公園, heiwa kōen)
  • Fukusai-ji (福済寺), ein Zen-Tempel, der auch unter dem Namen Nagasaki Universal Tempel bekannt ist. Das Gebäude hat die Form einer Schildkröte, auf dem 18 Meter hohen Rücken befindet sich eine Statue der Göttin Kannon. Das Originalgebäude wurde 1628 fertiggestellt und beim Atombombenabwurf durch das Feuer zerstört. Das heutige Gebäude wurde 1979 fertiggestellt. Die Tempelglocke wird täglich um 11:02 geläutet, dem Zeitpunkt der Atombombenexplosion.
  • Glover Garden (グラバー園, guraba-en)
  • Huis Ten Bosch (ハウステンボス), Vergnügungspark mit Niederlande-Thematik
  • Kōfuku-ji (興福寺)
  • Monument der 26 Märtyrer (日本二十六聖人記念館, Nihonjin-nijūroku-shōnin-kinenkan)
  • Museum für Geschichte und Kultur[3]
  • Ōura-Kirche (大浦天主堂, Ōura Tenshudō)
  • Sōfuku-ji (崇福寺)
  • Suwa-Schrein (鎮西大社諏訪神社, Chinzei-Taisha-Suwa-jinja)
  • Urakami-Kathedrale (浦上天主堂, Urakami Tenshudō)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Angrenzende Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Takashi Nagai: Die Glocken von Nagasaki. Geschichte d. Atombombe. Rex-Verlag, München 1955, Bericht eines überlebenden Arztes

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nagasaki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nagasaki Atombombenmuseum
  2. [1]
  3. PDF bei www.nmhc.jp