Nagda (Rajasthan)

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Nagda
Nagda (Rajasthan) (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Rajasthan
Distrikt: Udaipur
Lage: 24° 44′ N, 73° 43′ O24.73611111111173.720833333333678Koordinaten: 24° 44′ N, 73° 43′ O
Höhe: 678 m
Tempelbezirk von Nagda
Tempelbezirk von Nagda

Nagda (Hindi: नागदा, nāgadā oder auch naga-hrada) ist ein ehemaliger Ort im indischen Bundesstaat Rajasthan. Er ist für zwei Hindu-Tempel aus dem 10./11. Jahrhundert bekannt.

Eingangsportal

Lage[Bearbeiten]

Nagda liegt an der NH8 etwa 24 Kilometer nördlich von Udaipur bzw. 2,5 Kilometer von Eklingji – einer weiteren Tempelstätte – entfernt. Die Atmosphäre der ehemals idyllisch in den Aravalli-Bergen an einem kleinen See gelegenen Tempelstätte hat durch den Bau von Wohnkomplexen entlang der Hauptstraße deutlich gelitten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die unter dem Namen Nagahrida oder auch Nagadraha im 6. Jahrhundert von Nagaditya von Guhilot gegründete Stadt war einstmals die Hauptstadt des Reiches Mewar und wurde durch muslimische Invasoren der Sklavendynastie (Iltutmish) des Sultanats von Delhi fast vollständig zerstört. Übriggeblieben sind die beiden im 10. Jahrhundert erbauten Heiligtümer Sas-Bahu („Schwiegermutter-Schwiegertochter“), die einstmals Bestandteil einer weiträumigen Stadtanlage waren.

Tempelanlage[Bearbeiten]

Die beiden Tempel verfügen über einen Portikus (antarala) mit einem pyramidalen Dachaufbau, der Zutritt zu einer offenen Pfeilerhalle (mandapa) mit seitlichen Vorsprüngen gewährt. Der – mit einem innenliegenden Umgang ausgestattete – Sanktumsbereich (garbhagriha) ist nach außen geschlossen und von einem Shikhara-Turm, der von mehreren kleineren Stütztürmen (urahshringas) begleitet wird, überhöht. An den Nebentürmen sind noch die unverzichtbaren Ringsteine (amalakas) mit ihren aufsitzenden Vasen (kalashas) erhalten.

Im Innern der Tempel ist die dekorative Fülle nochmals gesteigert – kein Bauteil bleibt undekoriert. Durch die äußerst filigranen Steinmetzarbeiten wirken beide Tempelbauten wie Schmuckkästchen.

Skulpturenschmuck[Bearbeiten]

Der teilweise zerstörte Figurenschmuck an den Außen- und Innenwänden bietet einen Einblick in die hinduistische Geisteswelt der damaligen Zeit. Vor allem die von Miniatur-Toranas gerahmten Außenwandskulpturen von Göttern sind beachtenswert. An den Eingangstoren finden sich Reliefs von Himmelsmädchen (surasundaris), Liebespaaren (mithunas) sowie Glockenschnurmotive. Die Glocke ist ein wichtiges Ritualgerät, das zu Beginn der Andachten angeschlagen wird; die Glockenform ist in Indien ursprünglich von der Lotosknospe abgeleitet und versinnbildlicht das weibliche Prinzip, den Mutterschoß der Natur, aus dem sich das Leben entfaltet.

Wie an vielen nordindischen Tempeln des 7. bis 12. Jahrhunderts (z. B. Kalika-Mata-Tempel in Chittaurgarh, Lakshmana-Tempel und Kandariya-Mahadeva-Tempel in Khajuraho, Sonnentempel in Konarak u. a.) so finden sich auch in Nagda mehrere erotische Motive.

Weblinks[Bearbeiten]