Nagyágit

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Nagyágit
Nagyagite-163939.jpg
Nagyágit aus Nagyág (Săcărâmb), Rumänien
Andere Namen
  • Nagyagit (nach Haidinger)
  • Nagyagererz oder Nagiakererz (nach Werner)
  • Blättererz (nach Karsten)
  • Blättertellur (nach Hausmann)
Chemische Formel

[Pb(Pb,Sb)S2][Au,Te][1]

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
2.HB.20a[1] (8. Auflage: II/D.15) nach Strunz
02.11.10.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin (pseudotetragonal)[2]
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch \ 2/m[3]
Farbe Grau (Grau-Weiß bis Grau-Schwarz)
Strichfarbe Grau-Schwarz
Mohshärte 1,5
Dichte (g/cm3) 7,35 bis 7,49 [2]
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, sehr vollkommen nach {101}
Bruch biegsam, geringfügig verformbar
Habitus dünntafelige, blättrige Kristalle; körnige bis massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {010}
Zwillingsbildung multiple Zwillinge nach (001)
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten In Salpetersäure unter Abscheidung von Gold, in Königswasser unter Abscheidung von Silberchlorid und Schwefel löslich

Nagyágit[4], in älteren Literaturen unter anderem auch als Nagyagit[5], Blättererz, Blättertellur oder Nagyiakererz[6] beschrieben, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung [Pb(Pb,Sb)S2][Au,Te] [1] und entwickelt meist graue, undurchsichtige und metallisch glänzende Kristalle mit dünntafeligem bis blättrigem Habitus, aber auch körnige bis massige Aggregate. Durch multiple Zwillingsbildung täuscht Nagyágit oft eine pseudoorthorhombische[7] bis -tetragonale[2] Symmetrie vor.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Vor dem Lötrohr auf Kohle ist Nagyágit leicht schmelzbar, wobei sich gelbes Blei(II)-oxid und in einiger Entfernung weiße Tellurige Säure absetzt. Nach längerem Blasen wird schließlich ein Goldkorn ausgeschieden. Aufgelöst in Salpetersäure scheidet Nagyágit Gold ab, und in Königswasser Blei(II)-chlorid sowie Schwefel.[8]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1782 untersuchte der österreichische Chemiker und Mineraloge Franz Joseph Müller von Reichenstein die damals noch unbekannten Minerale Nagyágit und Sylvanit in den Golderzen aus der Grube Mariahilf bei Zlatna (dt. Klein Schlatten, ung. Zalatna) nahe Sibiu (dt. Hermannstadt, Siebenbürgen, Rumänien), die weniger Gold als erwartet enthielten. Er führte dies auf das Vorkommen eines neuen, bislang unbekannten Elementes zurück, und verlieh der metallischen Phase den Namen metallum problematicum (auch aurum problematicum beziehungsweise aurum paradoxum).

1797 untersuchte Martin Heinrich Klaproth in Berlin die Proben von Reichenstein erneut, bestätigte im Jahr darauf dessen Vermutung und verlieh dem neuen Element den Namen Tellur.

Abraham Gottlob Werner führte 1789 die Bezeichnung Nagiakererz[6] bzw. Nagyakker-Silber in seiner Mineralsystematik ein und ergänzte diesen mit der Bemerkung: „Von dem Nagyakker-Silber ist mir zur Zeit noch nichts weiter bekannt, als dass es mit dem Nagyakker-Golderz den Geburtsort, wie schon der Nahme zeigt, gemein hat, auch demselben überhaupt ziemlich ähnlich, jedoch heller von Farbe ist.“[9] Dietrich Ludwig Gustav Karsten übernahm diese Bezeichnung zunächst, änderte diesen aber 1800 mit der Begründung „Der in Wien übliche Gattungs-Name Blättererz ist in mancher Hinsicht vorzüglicher als das geographische Wort Nagyakkererz.“[6]

Haidinger bezeichnete das Mineral 1845 in seinem „Handbuch der bestimmenden Mineralogie“ schließlich als Nagyagit, in Anlehnung an dessen bereits von Werner genannten Typlokalität Nagyág (heute Săcărâmb) in Rumänien.[5]

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde Nagyágit als potentieller Hochtemperatursupraleiter erneut untersucht. Erst im Zuge dieser Forschungen wurde 1999 die Kristallstruktur von Nagyágit von Mineralogen in Wien und Salzburg endgültig geklärt.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik gehört der Nagyágit zur Abteilung der „Sulfide und Sulfosalze mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Buckhornit, Jonassonit und Montbrayit eine eigene Gruppe bildet.

Seit der 2001 überarbeiteten 9. Auflage der Strunz'schen Systematik der Minerale ist die Klasse der Sulfide und Sulfosalze zum einen erweitert auf die Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite und Sulfbismuthite und zum anderen teilweise präziser unterteilt nach der Art der an der Verbindung beteiligten Kationen. Der Nagyágit ist somit jetzt in der Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ zu finden, wobei das Mineral zusammen mit Buckhornit, Museumit und Watkinsonit in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe, Sn und Pb“ steht.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nagyágit ebenfalls in die Klasse der Sulfide, dort allerdings in die Abteilung der „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der (allgemeinen) Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:3“. Hier bildet er als einziges Mitglied die unbenannte Unterabteilung „02.11.10“.


Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Nagyágit findet sich in gold- und tellurhaltigen hydrothermalen Gängen. In der Typlokalität bei Sǎcǎrîmbu tritt es zusammen auf mit Altait, Petzit, Stützit, Sylvanit, Tellurantimon, Coloradoit, Krennerit, gediegen Arsen und Gold, Proustit, Rhodochrosit, Arsenopyrit, Sphalerit und Tetraedrit. Eine andere Paragenese mit Calaverit, Gold, Tellurobismuthit, Altait, Galenit, Pyrit findet sich z.B. in der Bohuliby–Mine in Tschechien.

Weltweit konnte Nagyágit bisher an rund 50 Fundorten nachgewiesen werden (Stand: 2010): In der „El Sid Mine“ bei Koptos in Ägypten; der Farallón Negro Mine im argentinischen Departamento Belén; der armenischen Provinz Kotajk; Western Australia (Australien); der „Chelopech Au-Cu Mine“ bei Panagjurischte in Bulgarien; der „El Hueso Mine“ bei Diego de Almagro in der chilenischen Región de Atacama; der „Emperor Mine“ bei Vatukoula in Fidschi; der „Kawazu Mine“ bei Shimoda in Japan; im „Olive Mabel claim“ (British Columbia) und der „Huronian Mine“ (Ontario) in Kanada; der „Sahuayacan Mine“ im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua; der „Sylvia Mine“ bei Thames in Neuseeland; der österreichischen Gemeinde Schellgaden bei Muhr (Salzburg); Brad (Hunedoara) und Baia de Arieș (Offenbánya) in Rumänien; bei Gondo in der Schweiz; Böhmen in Tschechien; im ehemaligen Bergwerk Clogau bei Bontddu in Wales (UK) sowie in mehreren Regionen der Vereinigten Staaten (USA).[10]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Nagyágit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/m mit den Gitterparametern a = 4,22 Å; b = 4,18 Å; c = 15,12 Å und β = 95,4° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[11]

Verwendung[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Seltenheit besitzt Nagyágit nur eine geringe Bedeutung als Golderz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Effenberger et al. (1999): Toward the crystal structure of nagyagite, [Pb(Pb,Sb)S2][(Au,Te)], American Mineralogist 84, 669-676 (PDF; 134 kB)
  • Z. Johan, I. Dódony, P. Morávek, J. Pašava (1994): Buckhornite, Pb2AuBiTe2S3, from the Jilove gold deposit, Czech Republic., Abstract in: John L. Jambor, Andrew C. Roberts: New Mineral Names, American Mineralogist, Band 80, S. 184-188, 1995 (PDF 474,3 kB)
  • Y. Moëlo et al.: Sufosalt systematics: a review. Report of the sulfosalt sub-committee of the IMA Commission on Ore Mineralogy. PDF 1,56 MB; S. 5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nagyágite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c IMA/CNMNC List of Mineral Names - Nagyágit (englisch, PDF 1,8 MB; S. 197)
  2. a b c John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Nagyágite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (64 PDF kB)
  3. Mindat - Nagyágite (englisch)
  4. Ernst A.J. Burke: Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks, Reproduced by permission from the Mineralogical Record, vol. 39, no. 2 (March–April 2008) (PDF 2,64 MB)
  5. a b Wilhelm Ritter von Haidinger: Handbuch der bestimmenden Mineralogie, Verlag Braumüller & Seidel, Wien 1845, S. 566 (PDF 440 kB; S. 5)
  6. a b c  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, S. 189-190.
  7.  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 454.
  8. von Kurr's Mineralreich in Bildern (3. Auflage; PDF; 3,7 MB); S. 45
  9. MVSEVM LESKEANVM REGNVM MINERALE von D.L. GVSTAVVS KARSTEN
  10. Mindat - Localities for Nagyágite
  11.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 124.