Nahida Ruth Lazarus

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Nahida Ruth Lazarus, 1899
Moritz Lazarus und Nahida Ruth Lazarus-Remy ca.1895

Nahida Ruth Lazarus (* 3. Februar 1849 in Berlin; † 17. Januar 1928 in Meran) war eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

Leben[Bearbeiten]

Ihre Eltern waren der Kunsthistoriker Max Schasler und die Schriftstellerin Nahida Sturmhöfel. Etwa 1854 zog sie mit ihrer Mutter erst nach Südfrankreich, dann nach Palermo und kehrte 1864 nach Berlin zurück. Sie wurde zur Schauspielerin ausgebildet und hatte ihr erstes Engagement 1866 in Breslau. Nach einem Jahr Tätigkeit als Lehrererin und einem weiteren Bühnenengagement in Warmbrunn kehrte sie nach Berlin zurück und lebte hier als freie Schriftstellerin. Sie schrieb Artikel für die Vossische Zeitung, die Montagszeitung, Westermann's Monatshefte und andere Zeitschriften. Durch ihre Theaterarbeit lernte sie den Kunst- und Theaterkritiker Max Remy kennen, mit dem sie bis zu seinem Tode im Jahre 1881 verheiratet war. Sie konvertierte 1895 nach intensiven Studien zum Judentum und heiratete den Völkerpsychologen Moritz Lazarus und zog mit ihm 1897 nach Meran und lebte dort bis zu ihrem Tode.[1]

In seinen "Erinnerungen an Lazarus und Steinthal" beschreibt Gotthilf Weisstein die "geistreiche Gattin" von Moritz Lazarus und den Salon, den beide in Berlin hielten:

„Oder eigentlich hielt ihn seine Gattin, die sich in ihrer klugen Schlagfertigkeit, ihrem phantasievollen Eingehen auf alles Neue und Hohe in Poesie, Kunst und Wissenschaft, ihrem Wohltätigkeitssinn und ihrem sarkastischen Humor mit jenen Begründerinnen der Berliner 'ästhetischen Geselligkeit' messen konnte, den Henriette Herz, Rahel Levy-Varnhagen, Marianne Somar und Elise von Hohenhausen. Nicht etwa, daß man bei Lazarus’ ästhetisch schwatzte und medisierte, dazu waren beide, er und sie, viel zu kräftige Wirklichkeitsmenschen, aber unausgesprochen wurde dort von Wirten wie Gästen ein Kult des Edlen getrieben, der alles Unvornehme von Anfang an als ausgeschlossen erscheinen ließ und verbannen mußte.“

[2]

Nahida Ruth Lazarus und ihr Mann setzten sich, wie Weisstein berichtet, in Berlin auch als erste für die Meininger ein.

„Auch für die neue große, zuerst verblüffende Kunst der Meininger wurde im Lazarus'schen Hause zuerst eine weittönende Propaganda gemacht . . . Lazarus und seine Gattin brachten der damals zu stürmischen Zeitungsdebatten, Streit- und Fehdeschriften aller Art Anlaß gebenden "Meiningerei", wie man spöttisch sagte, die größte Begeisterung und sympathische Teilnahme entgegen und konnten noch mit Freuden den Umschwung der allgemeinen Meinung zu gunsten der Meininger erleben, deren Regie- und Inscenierungsprinzipien dann durch das hiesige "Deutsche Theater" (1883) geklärt und gemildert, seit jener Zeit zum Kodex der Theaterkunst in der gebildeten Welt geworden sind.“

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Werke[Bearbeiten]

  • Die Rechnung ohne den Wirt. Lustspiel 1870
  • Wo die Orangen blühen, Roman 1872
  • Constanze, Schauspiel 1879
  • Die Grafen Eckardstein, Drama 1880
  • Schicksalswege, Volksschauspiel 1880
  • Domenico, Schauspiel 1884
  • Nationale Gegensätze Drama 1884
  • Sizilianische Novellen 1886 (Neue Ausgabe 1886 mit dem Titel Heißes Blut)
  • Liebeszauber, Drama 1887
  • Geheime Gewalten, Roman in zwei Bänden, 1890
  • Das jüdische Weib 1891
  • Culturstudien über das Judenthum 1893 (2. Aufl. 1898 unter dem Titel Das jüdische Haus)
  • Ich suchte dich! Biographische Erzählung 1898
  • Meine Bildersammlung 1911

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

  • Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen 1906
  • Die Erneuerung des Judentums. Ein Aufruf von Moritz Lazarus 1909
  • Ein deutscher Professor in der Schweiz. Moritz Lazarus. 1910
  • Aus meiner Jugend. Autobiographie von Moritz Lazarus 1913

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, München: Saur, Band 15 (2007), Seite 254-259
  2. Gotthilf Weisstein: Erinnerungen an Lazarus und Steinthal. In: Alt-Berlin in Gotthilf Weissteins Feuilletons. Hrsg. von Ulrich Goerdten, Bargfeld: Luttertaler Händedruck 2007, S. 11-12
  3. Gotthilf Weisstein: Erinnerungen an Lazarus und Steinthal. In: Alt-Berlin in Gotthilf Weissteins Feuilletons. Hrsg. von Ulrich Goerdten, Bargfeld: Luttertaler Händedruck 2007, S. 12

Weblinks[Bearbeiten]