Namenstag

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Rudolph Blättler, Holzschnitt: Gemeinschaft der Heiligen mit dem Auferstandenen[1]

Der Namenstag einer Person ist der liturgische Gedenktag des Heiligen, dessen Namen diese Person trägt (Namenspatron). In manchen katholischen und orthodoxen Regionen oder Ländern ist die Feier des Namenstags bedeutender als oder wenigstens ebenso wichtig wie die des Geburtstages. Die Feier des Namentages gestaltet sich ähnlich wie die Feier eines Geburtstages, so wird die Person von Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskollegen beschenkt. In Ordensgemeinschaften feiert das Mitglied nicht seinen Geburtstag, sondern den Gedenktag des Heiligen oder des Festgeheimnisses, nach dem er im Orden benannt ist (Ordensname).

Im Zuge der Christianisierung der Völker außerhalb des alten Römerreiches wurden die christlichen Namen zum unterscheidenden Kennzeichen und bezeichneten meist eine besondere Verbindung zu dem Heiligen, dessen der Katechumene in der Taufe angenommen hatte. Der Gedenktag des Heiligen im liturgischen Kalender der Kirche hatte für den Namensträger eine besondere Bedeutung, das Geburtsdatum war hingegen oft gar nicht bekannt.

Im Mittelalter wurde bei der Taufe (überwiegend am Tag nach der Geburt) dem Täufling gerne der Name des Tagesheiligen gegeben. Das Taufdatum, zugleich Namenstag, wurde danach im Kirchenbuch eingetragen. Martin Luther, geboren am 10. November 1483, getauft am 11. November, erhielt somit den Namen des hl. Martin von Tours.

Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) legte im Rituale Romanum fest:

„Der Pfarrer möge dafür sorgen, dass den Kindern keine anstößigen oder lächerlichen Namen gegeben werden oder gar solche, die den Sagen entnommen wurden oder solche von Götzen oder Heiden. Stattdessen sind, soweit irgend möglich, die Namen von Heiligen vorzuziehen.“

Die Bedeutung des Namenstages nahm in der katholischen Kirche in der Zeit der Gegenreformation noch zu. Auch um sich von Protestanten abzuheben, sollten sich die katholischen Gläubigen regelmäßig und festlich einer innigen Verbindung mit dem jeweiligen Namenspatron vergewissern.

Der Geburtstag wurde in vielen katholischen Landstrichen zugunsten der Feier des sogenannten Dies natalis („Geburtstag im Himmel“ = Sterbetag) des Namenspatrons verdrängt. Die Empfehlung, Täuflingen den Namen eines Heiligen zu geben, findet sich 1566 im Catechismus Romanus sowie ebenfalls 1614 im Rituale Romanum der römisch-katholischen Kirche. Der Klerus förderte daher die Bevorzugung der Feier des Namenstages gegenüber der Feier des Geburtstages. Besonders die Franziskaner und Jesuiten trugen später zur Verbreitung neuerer Heiligennamen in der Bevölkerung bei.

Da die Zahl der Heiligen viel größer ist als die der Tage eines Jahres, fallen auf einen Tag meist mehrere Namenspatrozinien. Darüber hinaus gibt es für viele Namen mehrere heilige Namensträger. Das Datum der Feier des Namenstages hängt dann davon ab, nach welchem Heiligen man benannt ist. Die Liste der Namenstage bezieht sich in erster Linie auf den Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet der katholischen Kirche; demgegenüber weisen der Heiligenkalender der orthodoxen Kirche und der Evangelischen Namenkalender teilweise Abweichungen auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Namenstag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto Bitschnau: Das Leben der Heiligen Gottes. Einsiedeln, New-York, Cincinnati und St. Louis (Karl & Nikolaus Benziger), 2. Aufl. 1883, S. 815.