Nancy-Affäre

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Der heroische Mut des jungen Désilles am 31. August 1790. Gemälde von Jean-Jacques Le Barbier 1794
Gedenktafel auf der porte Désilles in Nancy

Die Nancy-Affäre (fr:Affaire de Nancy) war eine Meuterei der in Nancy liegenden Garnison. Sie steht exemplarisch für den Konflikt zwischen revolutionären Soldaten und konterrevolutionären Offizieren während der Zeit der Französischen Revolution. Sie dauerte vom 5. bis zum 31. August 1790.

Hintergrund[Bearbeiten]

Seit 1789 hatte es bereits mehrere Insubordinationen in der französischen Armee gegeben. Die Gründe waren vielfach, sei es, daß Beförderungen und Soldzahlungen nicht erfolgten, oder sich Royalisten oder Jakobiner unter den Soldaten gegen ihre Offiziere stellten. Am 5. August 1790 begann in Nancy eine regelrechte Meuterei. Die Infanteriegimenter du Roi, de Châteauvieux[1] und das Kavallerieregiment Mestre de Camp Général verlangten ihre ausstehenden Soldzahlungen und setzten ihre Offiziere unter Arrest, darunter den General Alexandre Ferdinand Thomas Guyot de Malseigne, der von Lafayette aus Besançon geschickt worden war, um die Lage zu bereinigen.[2]. Dabei spielte das Schweizer Regiment de Châteauvieux die tragende Rolle.

Am 16. August 1790 veranlasste La Tour du Pin ein Dekret der Nationalversammlung: „...zur Regelung der Maßnahmen zur Bestrafung der Urheber und Anstifter der Ausschreitungen von den in Nancy stationierten Regimentern“[3]. Am 18. August wurde von Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette der Befehl zur Niederschlagung der Revolte und zur statuierung eines Exempels erlassen.[4].

Mit der Niederschlagung der Meuterei wurde der François-Claude-Amour de Bouillé, Gouverneur der Trois-Évêchés beauftragt. Dafür standen ihm die folgenden Truppenteile zur Verfügung:

- 200 Grenadiere und Jäger des Infanterierégiment d'Auxerrois

- 200 Grenadiere und Jäger des Infanteriegiment d'Auvergne

- 2 Bataillone (800 Mann) des Infanterieregiment de Castella

- 1 Bataillon (470 Mann) des Infanterieregiment de Vigier

- 1 Bataillon (350 Mann) des Infanterieregiment Royal-Liégeois

- 500 Mann der Garde Nationale aus Metz

- 300 Mann der Garde Nationale aus Pont-à-Mousson

Total 3020 Mann Infanterie und 8 Geschütze

- 3 Escadrons (340 Reiter) des Régiment Royal Normandie dragons (340 cavaliers)

- 2 Escadrons (240 Reiter) des Régiment Royal Allemand cavalerie

- 2 Escadrons (200 Reiter) des Régiment de Lauzun Hussards

- 1 Détachement (200 Reiter) des Régiment de Royal Dragons

- 1 Détachement (200 Reiter) des Régiment de Monsieur Dragons

- 1 Détachement (200 Reiter) des Régiment de Condé Dragons

- 1 Détachement (100 Reiter) des Régiment des chasseurs d'Hainaut

Total 1480 Reiter[5].

Die Kämpfe forderten an die 300 Tote und Verwundete[6].

Der Tod von Désilles[Bearbeiten]

An der Porte Stainville [7] wo die Truppen von Bouillé und die Meuterer aufeinadertrafen stellte sich der Sous-lieutenant André Désilles aus dem Régiment du Roi zwischen die Kämpfenden und soll gerufen haben: « Ce sont des Français, vos amis et vos frères […] Le boulet ne parviendra que teint de mon sang.[8] » (deutsch: „Das sind Franzosen, eure Freunde und Brüder […] Die Kugel wird nur mit meinem Blut befleckt ankommen.“) Bei dieser Aktion wurde er schwer verwundet und starb zwei Monate später an diesen Verletzungen.[9].

Bestrafungen[Bearbeiten]

Gemäß den Vereinbarungen zwischen der Armee des Königs und den schweizer Regimentern wurde aus den Offizieren der Regimenter Castella und de Vigier ein Kriegsgericht gebildet, dessen Vorsitz der Lieutenant-colonel François Joseph de Girardier innehatte. Insgesamt waren 138 Soldaten des Regiments de Chateauvieux der Rebellion angeklagt. In einem ersten Verfahren wurden alle zum Tode verurteilt. In einer erneuten Verhandlung wurden die Urteile jedoch am 4. September aufgehoben und wie folgt umgewandelt:

72 Soldaten wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt
41 Soldaten wurden für 30 Jahre auf die Galeeren geschickt
22 Soldaten wurden gehängt
der Soldat André Soret aus Genf wurde als einer der fünf Haupträdelsführer gerädert [10]
über beiden verblieben Angeklagten ist nichts bekannt[11]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Die Ereignisse lösten in Paris ein starkes Echo aus. Jean-Paul Marat veröffentlichte ein Pamphlet « L’affreux réveil » (Das schrckliche Erwachen) - mit den Jakobinern ergriff er Partei für die Meuterer. Während die Nationalversammlung noch am 3. September de Bouillé schriftlich gratulierte, verlangten aufgebrachte Pariser die Absetzung der Verantwortlichen.

Am 20. September wurde auf dem Champ de Mars zu Ehren der Bürger, die als Angehörige der Nationalgarde in Nancy um das Leben gekommen waren, eine Ehrenveranstaltung abgehalten.[12]. In ganz Frankreich fandenn weitere Zeremonien zu Ehren der Truppen von Bouillé statt. In Paris wurden zwei Theaterstücke aufgeführt: am 15. Oktober Le nouveau d'Assas von Jean-Élie Bédéno Dejaure und Henri Montan Berton, sowie am 3. Dezember Le tombeau de Desilles von Desfontaines-Lavallée.

Das Schicksal des jungen Offiziers und die harten Strafen für die Meuterer bewegten ganz Frankreich und nährten die Angst vor einer militärischen Konterrevolution. In der Folgezeit wurde, auch von gemäßigter Seite, vom «massacre de Nancy» gesprochen und die Hauptschuld für die Todesopfer dem überharten Vorgehen de Bouillés zugesprochen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ein schweizer Fremdenregiment
  2. Mémoires, 1760-1820, de Jean-Balthazar de Bonardi du Ménil, gentilhomme normand
  3. Procès-verbal de l'Assemblée Nationale, Volume 27
  4. Memoires, correspondance et manuscrits du general Lafayette
  5. LEONARD (de), Relation Exacte et impartiale de ce qui s'est passé à Nancy le 31 août et les jours précédents, Nancy, chez Mme Henry, 1790, 188 p.
  6. La mutinerie de Nancy, août 1790
  7. seit 1867 Porte Désilles
  8. http://www.significative.fr/wp-content/uploads/file/Andre_Desilles_DOSSIER_DE_PRESSE.pdf Prospekt für das Wohnheim André Désilles, S.13 (PDF-Dokument)
  9. restaurations et dépôts, domaine de Vizille
  10. der letzte Mensch in Frankreich über den so eine Strafe verhängt wurde
  11. Un régiment à travers l'histoire, le 76e, ex-1er léger p.373 Henri Victor Dollin Du Fresnel, 1804
  12. La garde nationale (1789-1871) : Une force publique ambiguë S.91 Georges Carrot 2001