Nansen-Pass

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Nansen-Pass

Der Nansen-Pass ist ein Pass für staatenlose Flüchtlinge und Emigranten. Er wurde 1922 vom Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen Fridtjof Nansen entworfen, der hierfür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Der Nansen-Pass wurde am 5. Juli 1922 eingeführt und war zunächst von 31, später von 53 Staaten anerkannt.[1] Das Prinzip des Passes wurde 1946 durch das London Travel Document und das Reisedokument der Genfer Flüchtlingskonvention weitergeführt.

Flüchtlingswelle in Folge des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten]

Der Nansen-Pass wurde nach dem Ersten Weltkrieg für staatenlose russische Flüchtlinge als Reisedokument eingeführt; angeblich den ersten Pass bekam allerdings der aus England ausgewiesene politische Publizist Oscar Levy.[2][3] In der Folge wurde der Nansen-Pass auch auf armenische (1922), assyrische und türkische (1928) und Flüchtlinge aus dem Saarland (1935) ausgedehnt. Der Nansen-Pass wurde von der Behörde des Staates ausgefüllt, in dem sich der Flüchtling aufhielt. Er war ein Jahr gültig und musste dann verlängert werden. Der Pass gestattete die Rückkehr in das den Pass ausstellende Land.[4]

Bedeutung[Bearbeiten]

Er war dem gewöhnlichen Pass eines souveränen Staates nicht gleichwertig. Vladimir Nabokov schildert seine Erfahrungen mit dem Nansen-Pass als

„… einem höchst minderwertigen Dokument von kränklich grüner Farbe. Sein Inhaber war wenig mehr als ein auf Bewährung entlassener Verbrecher und hatte die größten Strapazen auf sich zu nehmen, wenn er etwa ins Ausland reisen wollte – je kleiner die Länder, desto mehr Umstände machten sie.[5]

Zu den bekanntesten Passinhabern gehörten Marc Chagall, Igor Strawinski, Aristoteles Onassis und Anna Pawlowa.[6]

Hannah Arendt widmete sich in ihrem Werk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft unter anderem auch dem Problem der Staatenlosigkeit und forderte einen allgemeinen Anspruch, Rechte zu haben, die dem Nansen-Pass sehr nahekommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nansen-Pass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung: Nansen-Pass, abgefragt am 4. Juli 2011
  2. Steffen Dietzsch: Nansenpass One. Oscar Levys andauerndes Exil, IABLIS Jahrbuch für europäische Prozesse, 2002.
  3. Dietzsch belegt allerdings nicht, welcher Staat (Frankreich?) den Pass für Levy ausstellte.
  4. Martin Stiller: Eine Völkerrechtsgeschichte der Staatenlosigkeit, Wien 2011, S. 108
  5. Vladimir Nabokov: Erinnerung sprich. Gesammelte Werke, Band 22, Dieter E. Zimmer (Hrsg.), 4. Auflage, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 375 ff. ISBN 3-499-22547-6.
  6. Huntford: Nansen, S. 638.