Naomi Oreskes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Naomi Oreskes (2008)

Naomi Oreskes (* 1958 in New York City) ist eine US-amerikanische Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard University; zuvor war sie Professorin für Geschichte und Wissenschaftsforschung (History and Science Studies) an der University of California, San Diego.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Oreskes absolvierte 1981 den Bachelor of Science in Geologie des Bergbaus mit First Class Honours am Imperial College in London. Sie arbeitete anschließend bis 1984 als Geologin bei der Western Mining Corporation in Australien. Es folgten Forschungsaufenthalte und Lehrtätigkeiten an der Stanford University (1984–1989) und dem Dartmouth College (1990–1996). Ihre Promotion für Geologie und Wissenschaftsgeschichte erhielt sie 1990 an der Stanford University. Seit 1991 arbeitete sie nicht nur in der Geologie, sondern auch in Geschichte. Von 1996 bis 1998 war sie Associate Professor für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften an der New York University mit einer Gastprofessur im Herbst 2001 im Fachbereich Geschichte der Wissenschaft an der Harvard University. Seit 2005 war sie Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der University of California in San Diego, seit 2014 an der Harvard University.

Naomi Oreskes ist verheiratet und hat zwei Töchter.[1]

Essay über Konsens zum Klimawandel[Bearbeiten]

Neben einigen Büchern veröffentlichte Oreskes auch regelmäßig Essays zu aktuellen wissenschaftlichen Themen. Ihr bekanntester Essay ist vermutlich Beyond the Ivory Tower: The Scientific Consensus on Climate Change,[2] der im Dezember 2004 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde. Darin behandelt sie die Frage, wie deutlich ein wissenschaftlicher Konsens in Fragen der vom Menschen mit verursachten globalen Erwärmung erkennbar sei.

In einer Auswertung der Abstracts von 928 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Journalen im Zeitraum 1993–2003, welche das Stichwort „global climate change“ enthielten, fand Oreskes keinen Artikel, der offen anzweifelte, dass „ein Klimawandel stattfindet und der Mensch mit seinen Aktivitäten wenigstens zum Teil dazu beiträgt“. Zweifler dieser Hypothese in Fachkreisen sollten sich entsprechend ihrem Gewicht in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung auch in den Abstracts der Fachpublikationen wiederfinden lassen. Knapp mehr als 20 % der Abstracts vertraten die Meinung, der Mensch sei mit Verursacher des Klimawandels, etwas mehr als die Hälfte der Abstracts behandelten die Folgen vom Klimawandel, ohne auf die Fragestellung nach den Ursachen einzugehen. Etwa 25 % der Abstracts behandelten Methoden oder paläoklimatologische Untersuchungen.[3] Dieses Ergebnis wertete sie als ein Indiz dafür, dass in der Klimaforschung ein Konsens in dieser Frage herrscht. Daneben führt sie als Argument an, dass die in dieser Frage wichtigsten wissenschaftliche Vereinigungen und Institutionen ebenfalls entsprechende Positionen veröffentlichten.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • The Rejection of Continental Drift: Theory and Method in American Earth Science. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-511733-6
  • mit James R. Fleming (Hrsg.): Perspectives on Geophysics. Special Issue of Studies in the History and Philosophy of Modern Physics. Vol. 31B, No. 3, 2000
  • mit Homer Le Grand (Hrsg.): Plate Tectonics: An Insider’s History of the Modern Theory of the Earth., herausgegeben mit Homer Le Grand, Westview Press, 2003, ISBN 0-8133-4132-9
  • Science and public policy: what’s proof got to do with it? In: Environmental Science & Policy. 7, 2004, S. 369-383 (PDF; 160 kB)
  • The Scientific Consensus on Climate Change. In: Science. Vol. 306, 4. Dezember 2004, korrigiert 21. Januar 2005 (PDF, 81 KB)
  • mit Erik M. Conway: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming. Bloomsbury Press, 2010, ISBN 978-1596916104 (Offizielle Website zum Buch); deutsch: Die Machiavellis der Wissenschaft - Das Netzwerk des Leugnens, Wiley-VCH, Berlin, 2014, ISBN 978-3527412112, E-Book (PDF) ISBN 978-3527675814[4]
  • mit Erik M. Conway: The Collapse of Western Civilization: A View from the Future. Columbia University Press, 2014, ISBN 978-0231169547.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adam Morton: Secrets behind weird science. In: The Age. 13. November 2010
  2. Naomi Oreskes: The Scientific Consensus on Climate Change. In: Science. Vol. 306, 4. Dezember 2004, korrigiert 21. Januar 2005 (PDF, 81 KB)
  3.  Naomi Oreskes: The scientific consensus on climate change: How do we know we’re not wrong? In: Joseph F. DiMento & Pamela Doughman (Hrsg.): Climate Change. MIT Press, 2007, ISBN 026204241X (PDF; 234 KB).
  4. Buchkritik des Wissenschaftsmagazins "Leonardo", WDR 5, 5.9.2014, abgerufen am 11. September 2014