Napoleon Chagnon

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Napoleon A. Chagnon (* 1938 in Port Austin, Michigan) ist ein US-amerikanischer Anthropologe. Er lehrte an der Pennsylvania State University und der University of California, Santa Barbara.

Schriften[Bearbeiten]

  • 1966 - Yanomamö Warfare, Social Organization and Marriage Alliances -, (Unveröffentlichte Dissertation), Department of Anthropology, University of Michigan 1966
  • 1968 - Yanomamö: The Fierce People -, 1968.
  • 1974 - Studying the Yanomamö -, Holt, Rinehart & Winston, New York 1974
  • 1976 - Die Krieger vom Orinoco (Yanomamö) Geo Magazin 12/1976 Seiten 4,5 und 54-74 Verlag Gruner + Jahr, Hamburg
  • 1992 - Yanomamo - The Last Days Of Eden -, 1992
  • 2002 - Adaptation and Human Behavior: An Anthropological Perspective -, (Co-Autoren: Lee Cronk & William Irons), 2002.
  • 2013 - Noble Savages: My Life Among Two Dangerous Tribes -- the Yanomamo and the Anthropologists -, 2013.

Kritik[Bearbeiten]

Chagnons Buch „Noble Savages (Edle Wilde)“ löste Proteste unter Experten und dem Volk der Yanomami aus. Bereits in Chagnons Buch „Yanomamö: The Fierce People“ (Yanomamö: Das kriegerische Volk) wird das Volk der Yanomami als „listig, aggressiv und furchterregend”, „kriegerisch”, „untereinander fortlaufend am Krieg stiftend” und in einem Zustand „chronischer Kriegsführung” lebend beschrieben.

Um dieses falsche Bild zu belegen, zeigte er in seinem Film „The Ax Fight" (1968) nur Szenen, die aggressives Verhalten dokumentieren und die überdies größtenteils gestellt waren.[1]

Das Buch „The Fierce People" war in den USA nach dem Erscheinen ein Bestseller und ist heute immer noch einen Standardtext für Anthropologie-Studenten. Das Buch ist auch eine Hauptquelle in vielen aktuellen populärwissenschaftlichen Büchern von Autoren wie Jared Diamond und Steven Pinker, die ebenfalls den Mythos des “brutalen Wilden” fördern. Trotz der Popularität seines Buches wurden Chagnons Studien scharf kritisiert. Viele Anthropologen (darunter Marshall Sahlins, Philippe Descola und der führende brasilianische Anthropologe Eduardo Viveiros de Castro), Ärzte und Missionare, die Jahrzehnte mit den Yanomami gearbeitet haben, erkennen seine Darstellung nicht an und lehnen seine Schilderung in vollem Umfang ab. Eine Anzahl von Anthropologen hat daraufhin einen offenen Brief unterschrieben, der Chagnons Darstellung der Yanomami kritisiert.[2]

In dem Film „Die Yanomami - Missbrauch im Urwald“ (OT: Segredos da Tribo von José Padilha, 2010) kommt Chagnon an vielen Stellen im Interview selbst zu Wort, ebenso einige seiner Kollegen und Kritiker, darunter James Neel und Jacques Lizot. Die Kritiker hinterfragen die Arbeitsweise und Motivationen Chagnons, so zum Beispiel seine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie und Atombehörden, ebenso wie die Praxis, Forschungsergebnisse durch große Mengen materieller Güter, z. B. Messer, zu erkaufen. Chagnon im Gegenzug kritisiert in den Interviews andere Wissenschaftler ebenfalls sehr hart.[3][4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Haller (Text), Bernd Rodekohr (Illustrationen): Dtv-Atlas Ethnologie. 2. Auflage. dtv, München 2010, S. 153
  2. Debatte um Gewalt bei Indigenen geht weiter. Website globalmagazin.com. Abgerufen am 27. Juni 2013.
  3. Die Yanomami - Missbrauch im Urwald (Kurzbesprechung), abgerufen am 15. November 2013
  4. Die Yanomami - Missbrauch im Urwald, abgerufen am 15. November 2013

Weblinks[Bearbeiten]