Napoleon III.

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Napoleon III., Gemälde von Alexandre Cabanel, um 1865. Es war das Lieblingsporträt Kaiserin Eugénies, weil es seine Person am getreusten darstellte.

Napoleon III. (frz. Napoléon III; * 20. April 1808 in Paris; † 9. Januar 1873 in Chislehurst bei London) war unter seinem Geburtsnamen Charles Louis Napoléon Bonaparte während der Zweiten Republik von 1848 bis 1852 französischer Staatspräsident und von 1852 bis 1870 als Napoleon III. Kaiser der Franzosen. Mit dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 hatte der aus einer Volkswahl hervorgegangene Präsident eine Diktatur errichtet, die ein Jahr darauf in das Zweite Kaiserreich mündete. Nach einer autoritären Anfangszeit trug die Herrschaft Napoleons III. in den 1860er Jahren liberalere Züge. Seiner Absetzung ging die Gefangennahme während des Deutsch-Französischen Krieges voraus.

Biografie[Bearbeiten]

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Die vier Napoleons (Propagandabild, um 1858)

Charles Louis Napoléon Bonaparte war der Sohn von Louis Bonaparte und Hortense de Beauharnais; sein Vater war der Bruder Napoleons I. und von 1806 bis 1810 König von Holland, seine Mutter war die Tochter von Alexandre Vicomte de Beauharnais und Joséphine Tascher de la Pagerie und wurde später zur Stieftochter Napoleons I. Sie trug maßgeblich zu der Entstehung kaiserlicher Ambitionen ihres Sohnes bei.

Obwohl es in der heutigen Forschung keine Zweifel gibt, hält sich hartnäckig das Gerücht, Louis Bonaparte sei in Wirklichkeit nicht der Vater von Charles Louis Napoléon gewesen. Die Vaterschaft wurde Carel Hendrik Graf Verhuell zugeschrieben. Belegt ist, dass Graf Verhuell und Hortense de Beauharnais eine Freundschaft verband, aber ebenso belegt ist dessen Verbleib in Holland, während Hortense und Louis in Paris weilten.

Charles Louis Napoléon war der Cousin von Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte, Herzog von Reichstadt, der von den Bonapartisten als Napoleon II. betrachtet wird. Nach dessen Tod wurde Louis Napoléon der erste Anwärter auf die Kaiserkrone.

Weil Louis Napoléon einen Großteil seiner Jugend abwechselnd in der Schweiz auf Schloss Arenenberg in Salenstein am Untersee im Kanton Thurgau, auf dem Anwesen Seeheim bei Konstanz am Bodensee und in Augsburg verbracht hatte,[1][2] beherrschte er die deutsche Sprache perfekt. Seine Schulzeit verbrachte er in Augsburg, zunächst bei Privatlehrern und dann von 1821 bis 1823 am Gymnasium bei St. Anna. 1829 ging er an die Artillerieschule von Thun, diente später als Artillerieoffizier in der Schweizer Armee und erhielt 1832 die Schweizer Staatsbürgerschaft als Ehrenbürger des Kantons Thurgau. Dies erlaubte ihm, gleichzeitig die französische Staatsbürgerschaft zu behalten.

Kämpfe in Italien, Putschversuche und Exil[Bearbeiten]

Präsident Louis-Napoléon Bonaparte

1829 plante Louis Napoléon, am Russisch-Türkischen Krieg teilzunehmen. Dies wurde ihm von seinem Vater untersagt. Stattdessen schloss er sich gemeinsam mit seinem Bruder Napoléon Louis den italienischen Carbonari an. Dort führte er die Belagerung der Festung Civita Castellana an. Nach der Niederschlagung des Aufstandes und dem Tod seines Bruders floh Louis Napoléon mit seiner Mutter nach Frankreich, das zu dieser Zeit von Ludwig Philipp I. regiert wurde.[3]

In Straßburg konnte Louis Napoléon einige Offiziere dafür gewinnen, ihm bei einem Putschversuch zu folgen. Am Morgen des 29. Oktober 1836 erklärte er den Männern des 4. Artillerieregimentes, in dem bereits sein Onkel gedient hatte, dass er Frankreichs Größe und Ehre wiederherstellen wolle. Da der Regimentskommandeur, Oberst Vaudrey, auf seiner Seite stand, folgten ihm die Artilleristen. Allerdings wurde der Putsch von den gleichfalls in Straßburg stationierten Soldaten des 46. Infanterieregimentes abgelehnt und niedergeschlagen. Louis Napoléon wurde gefangen genommen und am 9. November nach Paris gebracht. Von König Ludwig Philipp wurde er unter der Bedingung begnadigt, ins Exil in die USA zu gehen. An Bord der Fregatte Andromeda reiste er am 21. November 1836 über Rio de Janeiro nach New York.[4]

Als seine Mutter 1837 im Sterben lag, kehrte er nach Arenenberg zurück. Frankreich verlangte daraufhin von der Schweiz die sofortige Ausweisung Napoleons. Da er jedoch als Offizier in der Schweizer Armee gedient hatte und Ehrenbürger des Kantons Thurgau war, weigerte sich die Eidgenossenschaft (sog. Napoleonhandel). Frankreich mobilisierte sein Heer, aber Napoleon kam einer kriegerischen Auseinandersetzung durch seine Ausreise nach England zuvor. Im Londoner Exil verfasste er sein Werk Idées Napoléoniennes.

Von England aus begann Louis-Napoléon seinen zweiten Putschversuch. Dieser fand am 6. August 1840 in Boulogne-sur-Mer statt und scheiterte ebenfalls. Er wurde nun zu lebenslanger Festungshaft in der Festung Ham verurteilt. Hier verfasste er sein Werk Vertilgung des Pauperismus. Seiner Beziehung zu Eleonore Vergeot in dieser Zeit entstammten zwei Kinder, die er später zu Grafen erhob. Am 25. Mai 1846 konnte er durch eine abenteuerliche Flucht in das Vereinigte Königreich entkommen.

Präsidentschaft, Staatsstreich und Kaiserkrönung[Bearbeiten]

Napoleon III., 1852, Gemälde von Franz Xaver Winterhalter
Empfang der siamesischen Botschaft im Schloss Fontainebleau am 27. Juni 1861

Louis-Napoléon kehrte nach der Februarrevolution 1848 nach Frankreich zurück und versuchte nun, auf demokratischem Wege die Macht zu gewinnen. Im Dezember gewann er bei der Präsidentschaftswahl gegen den bisherigen Präsidenten Louis-Eugène Cavaignac mit 5.430.000 von 7.317.344 abgegebenen Stimmen. Grundlage dafür war sein Programm einer gefestigten Regierung, sozialer Konsolidierung und nationaler Größe. Zudem wollten viele Kleinbürger und Proletarier Cavaignac wegen seines harten Vorgehens gegen den Juniaufstand nicht als Präsidenten. Am 20. Dezember 1848 übernahm er von Cavaignac die Amtsgeschäfte.

Bereits im April 1849 entsandte Louis-Napoléon Truppen nach Italien, um die weltliche Herrschaft des Kirchenstaates wiederherzustellen. Diese konnten nach einer anfänglichen Niederlage am 30. April schließlich am 2. Juli in Rom eindringen.

Durch häufigen Wechsel der Regierungen gelang es ihm, seine Position zu stärken und die Ministerien mit Männern zu besetzen, die ihm gegenüber loyal waren. So bekleideten zum Beispiel seit seinem Amtsantritt bis 1851 Joseph Marcelin Rulhières, Alphonse Henri, comte d'Hautpoul, Jean-Paul, comte de Schramm, Auguste Regnaud de Saint-Jean d'Angely, Jacques-Louis Randon und Armand-Jacques-Achille Leroy de Saint-Arnaud das Amt des Kriegsministers. Gerade das letzte Kabinett wurde hauptsächlich eingesetzt, um mit der Ernennung Saint-Arnauds die Einsetzung eines ergebenen Helfers zu kaschieren.[5]

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit führte Louis-Napoléon am 2. Dezember – an dem Tag, an dem sich Napoleon I. 1804 zum Kaiser gekrönt hatte – 1851 einen Staatsstreich nach dem Vorbild des 18. Brumaire VIII durch. Karl Marx verarbeitete diese Geschehnisse in der detailreichen und präzisen Schrift Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte: „Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.“[6] Infolge des Staatsstreiches kam es zu blutigen Kämpfen in ganz Frankreich, die Napoleon am 5. Dezember schließlich für sich entscheiden konnte. Am 21. Dezember ließ er eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung, die ihm diktatorische Vollmachten gewährte, durchführen. Dabei stimmten 7,5 Millionen Franzosen für, 640.000 gegen ihn.

Am 21. November 1852 wurde ein Plebiszit zur Wiederherstellung des Kaisertums durchgeführt. Dabei stimmten 7.824.000 Franzosen mit Ja, 253.000 mit Nein.[7] Louis-Napoléon ließ sich daraufhin – wiederum am 2. Dezember – 1852 zum Kaiser der Franzosen ausrufen.

Der Hauptgrund für den Erfolg Napoleons liegt in seinem Populismus. So reiste er oft quer durch Frankreich und hielt vor dem Volk Reden, in denen im Falle einer Wiedereinführung des Kaiserreichs große Erfolge und Fortschritte für die Zukunft versprochen wurden. Die auf Prestige abzielende imperialistische Außenpolitik trug zur Mobilisierung der Massen ebenfalls bei. Die überwiegend konservativ gesinnten Bewohner der ländlichen Gegenden, die einen sehr großen Bevölkerungsteil darstellten, waren eine starke Stütze der Macht des Kaisertums. Allerdings erhielt er auch von der kapitalistischen Bourgeoisie Unterstützung, deren Grund hauptsächlich eine durch Arbeiteraufstände in Paris ausgelöste Revolutionsangst war.[8] Marx schrieb darüber: „Die fixe Idee des Neffen verwirklichte sich, weil sie mit der fixen Idee der zahlreichsten Klasse der Franzosen zusammenfiel.“[9]

Das autoritäre Empire[Bearbeiten]

Charles Louis Napoléon Bonaparte nahm den Herrschernamen Napoleon III. an, um eine Kontinuität zu Napoleon Bonaparte zu suggerieren. Dessen Sohn Napoleon Franz Bonaparte, der Herzog von Reichstadt, hatte zwar faktisch nie regiert, war aber von Napoleon I. bei dessen Abdankung als Nachfolger benannt worden. Er ging somit bei der Wahl des Herrschernamens ähnlich wie Ludwig XVIII. vor. Das Zweite Kaiserreich begann als autoritäres Empire. Zunächst regierte Napoleon mit absoluter Macht. Das Parlament (Corps législatif) besaß keine Gesetzesinitiative, sondern konnte lediglich vom Kaiser eingebrachte Gesetze billigen. Es bestand das Mehrheitswahlrecht. Das damalige Wahlsystem beruhte auf Zetteln, deren Farbe den Kandidaten festlegte. Es gab Wahlempfehlungen der Regierung. Die Bürokratie setzte bei Wahlen regelmäßig die Opposition unter Druck, ließ Zettel bestimmter Farben für die Wahldauer nicht verkaufen, Wahlplakate durch Staatsbeamte abreißen etc. Freie Wahlen im heutigen Sinne fanden also nicht statt. Die Minister des Kaisers waren seine ergebensten Anhänger. Säulen des Systems waren Armee und Kirche.

Einen der letzten Verteidiger des Parlamentarismus, Alexis de Tocqueville, ließ er beim Staatsstreich verhaften. Gegner wie Louis-Eugène Cavaignac, Victor Hugo, Adolphe Thiers, Louis Juchault de Lamoricière und Marie-Alphonse Bedeau wurden genötigt, das Land zu verlassen. Im Jahr darauf begann er, politische Gefangene und Kriminelle in Strafkolonien wie die Teufelsinsel (Île du Diable) oder, in weniger schlimmen Fällen, nach Neukaledonien deportieren zu lassen.

Das seit dem Wiener Kongress unter europäischer Kontrolle stehende Frankreich war zu Beginn des Kaiserreiches immer noch ein Staatswesen, das für alle europäischen Mächte als revolutionärer Unruheherd galt. Erstes Ziel der napoleonischen Politik war es, diese außenpolitische Isolation zu überwinden.

Der Krimkrieg[Bearbeiten]

Napoleon III. (Adolphe Yvon, 1868)

Napoleon III. tendierte in der orientalischen Frage dazu, das Osmanische Reich zu erhalten. Er wollte verhindern, dass Russland Zugriff auf geographische Schlüsselpositionen wie den Bosporus bekam. Im religiösen Konflikt um die Nutzung der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem, dem Auslöser des Krimkrieges, versuchten die Katholiken mit Unterstützung Napoleons III. ihre Situation zu verbessern. Der russische Zar Nikolaus I. verlangte daraufhin zum Schutz der orthodoxen Christen im Osmanischen Reich das Protektorat über sie im Heiligen Land. Der osmanische Sultan und Napoleon III. wollten sich mit einer russischen Vorherrschaft über die Christen in Palästina aber nicht einverstanden erklären. Napoleons Infragestellung russischer Ansprüche gegen das Osmanische Reich führte Ende März 1854 zur Kriegserklärung an Russland.

Der Versuch Russlands, sein Gebiet auf Kosten des geschwächten Osmanischen Reiches zu vergrößern, sollte durch den Einsatz einer alliierten Streitmacht unter französischer Führung verhindert werden. Im Mai 1854 landeten die alliierten französisch-britischen Truppen bei Warna und im September 1854 auf der Krim. Nach mehreren Schlachten und fast einjähriger Belagerung konnte im September 1855 Sewastopol eingenommen werden. Nach der Eroberung der Festung plante Napoleon III., ins Landesinnere vorzurücken, um durch einen spektakulären Erfolg aus dem Schatten seines Onkels Napoleon I. zu treten. Seine Generäle rieten aber von einem solchen Abenteuer ab. Auch die Stimmung in Frankreich war durch die Dauer des Feldzuges und die hohen, vor allem krankheitsbedingten Verluste der Truppen gedämpft. Sein Cousin Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte hatte darüber hinaus die Truppe verlassen und gab der französischen Öffentlichkeit zu allerlei Diskussionen darüber Raum. Dies alles führte dazu, dass Napoleon III. schließlich zu Friedensverhandlungen bereit war.[10]

Napoleon bewies sein diplomatisches Geschick, als er auf dem Pariser Friedenskongress als Schiedsrichter auftrat und die Anerkennung des Kaiserreiches in Europa erreichte. Der Pariser Frieden führte zu einer neuen europäischen Mächtekonstellation. An die Stelle der alten Kontinentalmacht Russland trat nun Frankreich. Die Heilige Allianz zerbrach, und die Beziehungen zwischen Russland und Österreich blieben nachhaltig gestört. Russland wendete sich nun Frankreich und Preußen zu. Österreich blieb isoliert.

Während der Verhandlungen zum Pariser Frieden wurde der Sohn Napoleons III., Napoléon Eugène Louis Bonaparte, geboren. Die Geburt war sehr schwierig, da sich das Kind im Leib der Mutter nicht gedreht hatte. Nach dem Erfolg der Zangengeburt defilierten die Vertreter sämtlicher Großmächte, die an den Friedensverhandlungen teilnahmen. Mit der Geburt des Prinzen schien die dauerhafte Herrschaft der Dynastie Bonaparte in Frankreich gesichert zu sein.[11]

Im Jahr 1855 wurden zwei Attentate auf den Kaiser verübt: am 28. April durch den Italiener Giovanni Pianori und am 8. September durch Edouard Bellemare. Beiden Anschlägen entging der Herrscher.[12]

Nach dem Sieg im Krimkrieg, den erfolgreichen Verhandlungen im Pariser Frieden und dem folgenden wirtschaftlichen Aufschwung in Frankreich stieg die Popularität des Kaisers im Land an. Napoleon III. billigte 1858 eine Marineexpedition nach Vietnam und drängte die dortige Regierung, die französische Anwesenheit in diesem Land anzuerkennen (siehe Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft).

Der Sardinische Krieg[Bearbeiten]

Napoleon III. in der Schlacht von Solferino

Am 14. Januar 1858 überlebte Napoleon ein Attentat des italienischen Revolutionärs Felice Orsini. Orsini gehörte zu den Carbonari, denen sich Napoleon 1830 angeschlossen hatte. Dieser war von Orsinis Auftritt bei der folgenden Gerichtsverhandlung so beeindruckt, dass er sich am 20. Juli 1858 in Plombières-les-Bains mit dem Ministerpräsidenten des Königreichs Sardinien-Piemont Camillo Benso von Cavour traf. Napoleon bot Cavour in dem geheimen Treffen an, ihn bei der Einigung Italiens zu unterstützen. Ohne seine Minister zu konsultieren, schloss er mit Cavour einen Geheimvertrag. Dieser sah für den Fall eines österreichischen Angriffs die Unterstützung Frankreichs vor. Cavour beanspruchte Oberitalien für Sardinien-Piemont und ging auf Napoleons Idee einer Konföderation Italiens unter Berücksichtigung des Kirchenstaates ein. Im Gegenzug sollte das Königreich Sardinien-Piemont auf sein Stammland Savoyen und auf die Grafschaft Nizza zugunsten Frankreichs verzichten. Zusätzlich wurde die Allianz durch die Vermählung der Tochter des späteren italienischen Königs Viktor Emanuel mit dem Prinzen Napoléon besiegelt.

Durch seine Neujahrsrede am 1. Januar 1859 vor dem diplomatischen Korps und seine Worte an den österreichischen Gesandten provozierte Napoleon III. Österreich.[13] Nach einer ähnlichen Rede König Victor Emanuels begann von Seiten Österreichs die militärische Aufrüstung. Diese konnte Frankreich den passenden Vorwand abgeben, um das bedrohte Sardinien gegen die Angriffspläne Österreichs zu schützen. Ein darauf folgendes Ultimatum der Österreicher vom 19. April 1859 führte schließlich zum Sardinischen Krieg von Mai bis Juli 1859.

Napoleon III. übernahm selbst den Oberbefehl über die 130.000 Mann starke französische Armee. Allerdings hatte er wenig Anteil an den militärischen Operationen, die von seinen Generälen geführt wurden. Die siegreichen Schlachten von Magenta und Solferino führten zur Niederlage Österreichs. Fortan galt Napoleon III. als Förderer des Panlatinismus.

Umgestaltung von Paris[Bearbeiten]

Die von Haussmann neu bebauten Grands Boulevards, hier Rue de Rome, ca. 1853–70

Ein wichtiger Schritt während seiner Regierungszeit war die Neugestaltung von Paris. Große Teile der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht, und viele der alten, gebogenen Straßen wurden durch breite Alleen ersetzt. Den Stadtumbau leitete Georges-Eugène Baron Haussmann, Präfekt des Département Seine. Kunstgeschichtlich bedeutsam ist seine 1863 gefällte Entscheidung, dass neben dem offiziellen Pariser Salon auch ein Salon des Refusés stattfinden sollte. Damit gab er den Malern, die später den Impressionismus begründeten, die Gelegenheit, ihre Arbeiten erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Gründe, die zu dieser Entscheidung führten, sind umstritten. Von einigen Kunsthistorikern wird darin der Versuch des kaiserlichen Hofs gesehen, die Autorität des in die Kritik geratenen Pariser Salons wiederherzustellen. Andere, wie etwa Édouard Manets Biograph Gottlieb Jedlicka, sehen darin einen Schachzug in einem reichen und ununterbrochenen Spiel von Intrigen zwischen Hof und Opposition, bei dem die vom kaiserlichen Hof unabhängige Ecole des Beaux-Arts geschwächt werden sollte. Haussmann leitete auch den Ausbau des französischen Eisenbahnnetzes, wobei vor allem auf Paris zentrierte Hauptstrecken entstanden. So mussten zum Beispiel Reisende von Marseilles nach Bordeaux lange Zeit den Umweg über die Hauptstadt in Kauf nehmen. Dies erwies sich auch als strategischer Nachteil, da durch die schwach ausgebauten Querverbindungen Truppenbewegungen über dieses Schienennetz viel langsamer zu organisieren waren. Ab 1857 beauftragte er Eugène Viollet-le-Duc mit dem Wiederaufbau des mittelalterlichen Schlosses Pierrefonds als private Residenz.

Wie Napoleon I. zeigte auch sein Neffe großes Interesse an der Archäologie sowie dem Leben bedeutender historischer Persönlichkeiten. 1862 veröffentlichte Napoleon III. eine zweibändige französische „Histoire de Jules César“ plus Atlasband, die bis 1865 auch ins Deutsche und acht weitere europäische Sprachen übersetzt worden ist. Im Zuge dieser Arbeiten beauftragte er einen Oberst mit der Lokalisierung der cäsarischen Lager in Gergovia und Alesia. Moderne Nachgrabungen in den letzten Jahren bestätigten die Ergebnisse dieser frühen archäologischen Sondierungen. Er förderte auch unter anderem die Ausgrabungen im keltischen Oppidum von Bibracte (Mont Beuvray).

Das liberale Empire, Interventionen in Mexiko, Destabilisierung[Bearbeiten]

Der kränkelnde Napoleon III. muss sich auf die Dame Parlamentarismus stützen. Karikatur in Vanity Fair, September 1869.

Ab 1860/61 änderte Napoleon III. seinen Regierungsstil. Das Parlament erhielt mehr Rechte, die Pressefreiheit wurde erweitert und Gewerkschaften zugelassen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die von Beginn des Kaiserreiches an positiv verlaufen war, geriet ab Mitte der 1860er Jahre in eine Krise. Dies führte neben den folgenden außenpolitischen Rückschlägen und der vermeintlichen innenpolitischen Schwäche zur Destabilisierung des imperialen Systems.

Nachdem das mexikanische Parlament im Juli 1861 beschlossen hatte, die Rückzahlung der Auslandsschulden ab sofort einzustellen, unterzeichnete Napoleon III. am 31. Oktober mit Großbritannien und Spanien den Londoner Vertrag. Dieser legte fest, dass die unterzeichnenden Nationen gemeinsam von Mexiko die ausstehenden Schulden mit allen notwendigen Mitteln eintreiben würden. Da die Vereinigten Staaten im Sezessionskrieg gebunden waren, war ihnen ein Eingreifen gemäß der Monroe-Doktrin zugunsten Mexikos unmöglich. Im Dezember 1861 und im Januar 1862 trafen spanische, französische und britische Truppen in Mexiko ein. Als die britische und die spanische Regierung erkannten, dass das Ziel Napoleons III. nicht in einer bloßen Rückzahlung der Kredite, sondern vielmehr in einer Eroberung Mexikos bestand, zogen sie ihre Truppen zurück. Die französische Intervention in Mexiko von Januar 1862 bis März 1867 endete mit einer Niederlage und der Hinrichtung des von den Franzosen von 1864 bis 1867 als „Kaiser von Mexiko“ eingesetzten Maximilian I. Diese Niederlage wirkte nochmals destabilisierend auf das Regime Napoleons. Außerdem sahen die Franzosen ihren Einfluss durch die vernichtende Niederlage Österreichs gegen Preußen im preußisch-österreichischen Krieg (1866) gefährdet.

Im weiteren Verlauf der 1860er Jahre wurden die französisch-preußischen Spannungen weiter verschärft, insbesondere durch Bündnisverhandlungen Frankreichs mit Österreich und Italien. Am 12. Juni 1866 schloss Österreich mit dem französischen Kaiser Napoleon III. einen Geheimvertrag. Darin sagte der Kaiser die Neutralität Frankreichs zu, ließ sich aber für den Fall eines österreichischen Sieges bei einem kriegerischen Konflikt mit Preußen Venetien als Honorierung des Stillhaltens zusagen.[14] Wien reagierte damit auf einen zuvor am 8. April von Preußen geschlossenen Geheimvertrag mit Italien.[15] Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck gewann als Gegenleistung für den Gebietszuwachs Venetiens zu Italien dessen Unterstützung im drohenden Krieg gegen Österreich, der als Deutscher Krieg alsbald folgte.

Karikatur im Kladderadatsch, 1867. Während Bismarck die deutsche Einheit anstrebt, schielt Napoleon nach Luxemburg.

1867 kam es zur Luxemburgkrise. Vor dem Krieg 1866 hatte Napoleon III. mit Preußen über Gebietserwerbungen als Kompensation für seine Neutralität verhandelt. Dabei war auch Luxemburg erwähnt worden. Otto von Bismarck hatte keine Einwände offengelegt, aber angedeutet, dass Frankreich selbst aktiv werden müsse. 1867 wollte Frankreich Luxemburg erwerben. Als dies ruchbar wurde, kam es in den deutschen Fürstentümern zu heftigen Protesten, u. a. zu einer von Bismarck bestellten Anfrage im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Napoleon musste seine Pläne fallen lassen, und Luxemburg wurde im Zweiten Londoner Vertrag von 1867 für neutral erklärt. Für Napoleon III. war dies eine Niederlage, die sein ohnehin schon angekratztes politisches Ansehen weiter minderte. Innenpolitisch musste er sich gegen republikanische Bestrebungen wehren, ruhmreiche Schlachten in der Tradition seines Vorfahren hätten in dieser Situation hilfreich sein können.

Napoleon III. und Bismarck nach der Schlacht bei Sedan
Napoleon III. nach seinem Tod, Illustration aus der Illustrated London News vom 25. Januar 1873

Der Deutsch-Französische Krieg[Bearbeiten]

Um die Hoffnungen seiner Anhängerschaft und seiner Gattin auf imperialen militärischen Ruhm zu erfüllen (und auch durch den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck mit der Emser Depesche herausgefordert), begann Napoleon III. im Juli 1870 den Deutsch-Französischen Krieg. Seine Erwartungen, dass die mit Preußen verbündeten süddeutschen Staaten neutral bleiben würden und die Grande Armee im Alleingang stark genug sei, erfüllten sich nicht. Napoleon, der selbst den Oberbefehl übernommen hatte, reiste zur Festung Metz. Aufgrund starker Blasenschmerzen war er jedoch kaum in der Lage, das Kommando zu führen. Am 13. August übergab er den Oberbefehl an Marschall François-Achille Bazaine und floh aus dem eingeschlossenen Metz. Am 30. August erreichte er die Armee Marschall Mac-Mahons, der von Châlons mit 120.000 Mann abmarschiert war, um sich mit Marschall Bazaines Armee zu vereinigen. Nach der Schlacht bei Beaumont war der Weg nach Metz aber durch preußische Truppen blockiert. Die Schlacht von Sedan fand am 1. September 1870 statt; am Abend wurde der Kaiser durch die Preußen gefangengenommen. Am 2. September kapitulierte die französische Armee. Mit der Ausrufung der Dritten Republik in Paris wurde Napoleon am 4. September abgesetzt. Napoleon wurde von preußischen Truppen nach Kassel gebracht („Ab nach Kassel“). Am 5. September 1870 traf er in Schloss Wilhelmshöhe ein (der ehemaligen Residenz seines Onkels Jérôme); dort wurde er bis zum 19. März 1871 unter Arrest gestellt. Am 30. Oktober 1870 besuchte Kaiserin Eugénie ihn dort.

Lebensende[Bearbeiten]

Napoleon III. ging nach dem Ende des Krieges ins Exil nach Großbritannien. Am 19. März 1871 verließ er Schloss Wilhelmshöhe und erreichte am 21. März Chislehurst, heute Teil des Stadtbezirkes London Borough of Bromley. Von dort aus plante er – nach Vorbild der Herrschaft der Hundert Tage seines Onkels – erneut in Frankreich zu landen. Jedoch verstarb er noch vor der Umsetzung seiner Vorhaben. Am 3. und 6. Januar 1873 hatte Napoleon sich Operationen zur Entfernung seiner Blasensteine unterzogen. Am 9. Januar sollte er erneut operiert werden. Das im Zuge der Operationen verabreichte Chloroform, dessen Nebenwirkungen damals noch nicht bekannt waren, führte aber in Verbindung mit der Schwächung Napoleons durch die Krankheit zum Herzversagen. Seine letzten Worte sollen „Étiez-vous à Sedan?“ („Waren Sie in Sedan?“) gelautet haben, nach einer anderen Quelle sagte er allerdings „Henri, du warst bei Sedan?“ zu seinem Arzt Henri Conneau.

Napoleon III. ist in der kaiserlichen Krypta der Sankt-Michaels-Abtei in Farnborough, Hampshire, England, begraben. Ebenfalls dort bestattet wurden sein einziger Sohn, der 1879 im Zulukrieg gefallene Napoléon Eugène Louis Bonaparte, und Napoleons Frau, die 1920 im Alter von 94 Jahren starb.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Kaiserin Eugénie

Am 29./30. Januar 1853 heiratete Napoleon III. die spanische Gräfin Eugénie de Montijo. Die Hochzeit war eine getreue Kopie der Feierlichkeiten Napoleons I. Eine vorhergehende Brautwerbung um Prinzessin Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg, die spätere Herzogin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, war am Widerstand von Königin Victoria gescheitert, deren Nichte die Prinzessin war, sowie wohl auch deshalb, weil der Brautvater, Fürst Ernst I. zu Hohenlohe-Langenburg, den Bräutigam, der zwar mächtig, aber nicht von altem Adel war, für nicht ebenbürtig hielt.[16]

Die Ehe zwischen Napoleon und Eugénie verlief nicht glücklich. Eugénie litt unter den Affären ihres Gatten, der sich auch keine Mühe gab, seine Seitensprünge zu verbergen. Seine frühe Leidenschaft für die schöne Spanierin war schnell erloschen. Zudem erschöpfte ihre Niederkunft im Jahre 1856 – zuvor hatte sie bereits eine Fehlgeburt erlitten – die Kaiserin so sehr, dass sie nicht nur keine weiteren Kinder mehr bekommen konnte, sondern auch den ehelichen Verkehr mit ihrem Mann stark einschränken und schließlich ganz einstellen musste.

Dagegen engagierte sich Eugénie vor allem seit den 1860er Jahren durchaus mit Duldung ihres Mannes immer mehr im politischen Geschäft. Im Unterschied zu ihm war ihr Standpunkt entschieden konservativ, klerikal und autoritär: So befürwortete sie eine Allianz mit Österreich und trat energisch für die Erhaltung des Kirchenstaates unter französischer Protektion ein. Napoleon, obgleich in vielem uneins mit ihr, setzte sie dennoch sowohl 1859 als auch 1870 als Regentin in Paris ein. Ihrem Wunsch nach einer Aufrechterhaltung der neoabsolutistischen Regierungsform konnte er zusehends weniger entsprechen. 1870 zählte Eugénie zu den erklärten Befürwortern eines Waffenganges gegen Preußen und wirkte entsprechend auf ihren entscheidungsschwachen Mann ein.[17]

Napoleon und Eugénie hatten einen Sohn, Napoléon Eugène Louis Bonaparte (1856–1879), Prince impérial.

Sonstiges[Bearbeiten]

Zu festlichen Anlässen pflegten der Kaiser, die Kaiserin und bestimmte Ehrengäste von Aluminiumgeschirr zu speisen. Da Aluminium erst in den 1880ern günstig erzeugt werden konnte, war es damals wertvoller als Gold.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Werke. Band I–IV, Leipzig 1857.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Napoleonmuseum – Schloss Arenenberg, das schönste Schloss am Bodensee. Labhard, Konstanz 2005, ISBN 3-926937-85-8. Bodensee-Magazin Spezial.
  2. Christina Egli: Der französische Kaiser Napoleon III. – ein „Lausbub“ vom Bodensee. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 127. Jg. 2009, S. 113–138 (Digitalisat)
  3. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 44 ff.
  4. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 62 ff.
  5. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 158.
  6. Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, 1. Kapitel
  7. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 188.
  8. Bonapartismus. Westfälische Wilhelms-Universität.
  9. Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
  10. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 215.
  11. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 217.
  12. Napoleon III. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 12. Band, S. 177.
  13. Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. 2006, S. 231.
  14. Lothar Gall: Europa auf dem Weg in die Moderne 1850–1890, ISBN 3-486-49774-X, S. 55.
  15. Anton Schäfer: Zeittafel der Rechtsgeschichte, ISBN 3-9500616-8-1, S. 174.
  16. Heinz Gollwitzer: Die Standesherren. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1964, S. 267 f.
  17. Octave Aubry: L’impératrice Eugénie. Fayard, Paris 1931.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Napoleon III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig Philipp
(König der Franzosen)
Coat of Arms Second French Empire (1852–1870).svg
französischer Staatspräsident
ab 1852 Kaiser der Franzosen

1848–1870
(Dritte Französische Republik)
Adolphe Thiers