Naqa

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Ansicht von Naqa von Karl Richard Lepsius (1810–1884)

Naqa (auch Naga; altägyptisch twjlkt[1]; meroitisch Tolkte[1]; arabisch ‏النقعة‎ an-Naqʿa, sudanesisch-arabisch: in-Nagʿa) ist der Name einer Ruinenstätte im heutigen Sudan.

Es ist eine der größten des Landes und lässt auf eine bedeutende antike Stadt an dieser Stelle schließen. Sie war zeitgleich mit dem Ptolemäerreich und mit den römischen Kaisern rund ein halbes Jahrtausend eines der Zentren des Königreichs von Meroe, dem als südlichen Nachbarn Ägyptens eine Brückenfunktion zwischen Mittelmeerwelt und Afrika zukommt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Naqa (Sudan)
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Lage von Naqa in Sudan

Der Ort liegt etwa 170 Kilometer nord-nord-östlich von Khartum und etwa 35 Kilometer süd-süd-östlich des Nils. Hier treffen kleinere Wadis auf das Wadi Awateib, das aus dem Zentrum der Region Butana kommt und weiter nördlich bei Wad ban Naqa am Nil endet. Naqa war nur eine Kamel- oder Eselsreise vom Nil entfernt und könnte als Handelsstation auf dem Weg nach Osten strategische Bedeutung gehabt haben.

Erforschung[Bearbeiten]

Erste europäische Reisende erreichten Naqa seit 1822, so unter anderem 1837 Hermann von Pückler-Muskau. 1843 wurde es von Richard Lepsius und seiner preußischen Ägypten-Sudan-Expedition besucht, die einige Inschriften und Darstellungen der hier stehenden Tempel kopierte. 1958 war ein Team der Humboldt-Universität Berlin vor Ort, welches den Tempel 500 z.t. dokumentierte. Seit 1995 gräbt in Naqa ein deutsches Team des Ägyptischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin.

Bauten[Bearbeiten]

Der römische Kiosk

In Naqa finden sich die Reste verschiedener Tempel. Der sogenannte römische Kiosk ist ein kleiner Tempel, der starke hellenistische Elemente aufweist. Neuere Grabungen an dem Bau haben gezeigt, dass es sich wohl um eine Hathor-Kapelle handelte. König Natakamani gründete den Amun- und den Apedemak-Löwentempel, die beide noch recht gut erhalten sind. Der wuchtige Frontpylon des Löwentempels zeigt König Natakamani und Kandake Amanitore (um 50 n. Chr.), die ihre Feinde unterwerfen, zu Füßen je ein Löwe. Auf den beiden Seitenwänden befinden sich sehr gut erhaltene Reliefs von Horus, Amun und Apedemak.

Löwentempel Naga

Im Tempel fand sich auch eine Stele der Königin Amanishakheto, von der bisher angenommen wurde, dass sie vor Natakamani regierte. Der Fund der Stele in diesem von dem König Natakamani gebauten Tempel macht diese Datierung jedoch unsicher, da Königin Amanishakheto die Stele in der eigenen Regierungszeit dem Tempel gestiftet haben könnte. Jedoch kann auch damit gerechnet werden, dass ein älteres Monument, das vorher anderswo stand, im Tempel aufgestellt worden ist. Hier fand sich unbeschädigt ein bemalter „Altar“, der als in Sudan und wahrscheinlich auch in Ägypten einzigartig gilt. Nach Ausgrabung, Rekonstruktion und Vermessung wurde der Amuntempel am 1. Dezember 2006 den sudanesischen Kulturbehörden übergeben.

Widdersphinxreihe vor dem Amun-Tempel von Naqa
Der Apedemak-Tempel von Naqa mit dem Kiosk

Ein weiterer Amun-Tempel (Naqa 200) wird seit 2004 ausgegraben. Der Erbauer ist Amanichareqerem. Hier fanden sich zahlreiche erstklassige Reliefs. Die Dekoration ist dem Löwen-Tempeln von Natakamani sehr ähnlich, so dass dieser Herrscher Amanichareqerem, der bisher auf das 2. oder 3. nachchristliche Jahrhundert datiert wurde, wohl sehr nahe bei Natakamani regierte. Auch hier zeigt sich, wie neue Erkenntnisse die wacklige nubische Chronologie verändern können. Drei rekonstruierte Wandreliefelemente aus dem Tempel 200 sind als Dauerleihgabe seit der Neueröffnung im Neuen Museum zu sehen.

Schließlich steht zu Füßen der Sandsteinberge des Jebel Naqa (arabisch für Berg Naqa) noch der Tempel 500. Er wurde von der Kandake Shanakdakheto um 135 v. Chr. errichtet und ist damit das älteste Gebäude der Stätte. Die Texte an den Tempelwänden, die sie nennen, sind die ältesten bekannten Schriften in meroitischen Hieroglyphen. Den Reliefs nach zu urteilen, war der Tempel der thebanischen Triade Amun, Mut, und Chons sowie Apedemak geweiht. 1834 wurde der Tempel von Giuseppe Ferlini bei der Suche nach Schätzen erheblich beschädigt. Eine Ausgrabung und Restaurierung steht bislang aus.

Ausstellung[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Inge Hofmann: Die meroitische Religion. Staatskult und Volksfrömmigkeit. In: Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Teil II Principat (= Heidentum: Die religiösen Verhältnisse in den Provinzen (Forts.). Band 18.5). De Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014238-4, S. 2801–2868.
  •  Dietrich Wildung, Karla Kroeper: Naga - Royal City of Ancient Sudan. Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2006, ISBN 3-88609-558-4.
  •  Karla Kröper, Sylvia Schoske, Dietrich Wildung (Hrsg.): Königsstadt Naga. Grabungen in der Wüste des Sudan. Berlin, München 2011, ISBN 978-3-9814386-0-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naqa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Inge Hofmann: Die Meroitische Religion: Staatskult und Volksfrömmigkeit. In: Wolfgang Haase: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Teil II: Principat, Band 18.5 Heidentum: Die religiösen Verhältnisse in den Provinzen (Forts.). De Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014238-4, S. 2819.
  2. Staatliches Museum Ägyptischer Kunst: Königsstadt Naga.
  3. Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank: Königsstadt Naga.
  4. Ulf von Rauchhaupt: Afrikas Tor zur antiken Welt. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5. Juni 2011, S. 66.

16.26944433.275Koordinaten: 16° 16′ N, 33° 17′ O