Narmer-Palette

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Narmer-Palette
NarmerPalette ROM-gamma.jpg
Narmer-Palette (links Vorderseite, rechts Rückseite)
Material Schiefer
Maße H. 64 cm;
Herkunft Oberägypten, Hierakonpolis
Zeit Prädynastischen Periode, um 3000 v. Chr.
Ort Kairo, Ägyptisches Museum, JE 14716

Die Narmer-Palette ist eine weltbekannte Prunkpalette. Sie erhielt ihren Namen nach der Abbildung des frühägyptischen Königs Narmer, den manche Forscher mit Menes gleichsetzen.

Fundort und Beschreibung[Bearbeiten]

Die Narmer-Palette stammt aus Hierakonpolis. Sie besteht aus poliertem Schiefer und ist etwa 64 Zentimeter groß. Die Palette ist beidseitig verziert und fast gänzlich unbeschädigt. Sie wird heute im Ägyptischen Museum zu Kairo ausgestellt. Sie trägt dort die Listenbezeichnung CG 14716[1] (JE 32169).

Das obere Ende der Palette ist beidseitig mit frontal dargestellten Gesichtern der Kuhgöttin Bat geschmückt.[2] Auf beiden Seiten ist König Narmer abgebildet: Einmal mit der roten Krone von Unterägypten, ein weiteres Mal mit der weißen Krone von Oberägypten. Narmer trägt stets ein prachtvolles Gewand aus Leinen in Kombination mit einem Schurz aus Pantherfell und einem am Gurt befestigten Krokodilschwanz.

Vorderseite[Bearbeiten]

Narmer wird beim traditionellen Erschlagen eines Feindes dargestellt, der durch zwei übereinanderstehende Hierogplyhen als W3š betitelt wird. Zusätzlich sind Papyrusstauden zu erkennen, die aus dem Rücken des Feindsymbols darüber sprießen. Hinter Narmer ist ein Sandalenträger zu erkennen, der dem König auf das Schlachtfeld folgt. Toby Wilkinson hält es für möglich, dass die in der Beischrift stehenden Zeichen (Goldrosette und Wäscheprügel) den Sandalenträger als „Hem“ bezeichnen, ein Titel, der in späteren Zeiten das Amt des Hem-nesut beschreibt. Die Goldrosette liest Wilkinson als Symbol für „König“, weshalb sich daraus der volle Titel des Sandalenträgers als „Hem-nesu“ ergeben würde („Oberster Diener des Königs“).[3]

Rückseite[Bearbeiten]

Ergänzend ist auf der Rückseite der Palette die Siegesfeier Narmers zu sehen. In Begleitung des Horusgeleits, dargestellt als voranschreitende Prozession, die aus Standartenträgern besteht, besichtigt er die getöteten Feinde. Auch diesmal wird er von einem Sandalenträger begleitet. Vor ihm findet sich die älteste Abbildung eines Tjet. Interessant ist die Darstellung zweier „Schlangenhalspanther“ im darunterfolgenden Fenster, die Narmer im Rahmen des Vereinigungsfestes als Herrscher über beide Landesteile Ägyptens repräsentieren. Im untersten Fenster erkennt man einen Mann und eine beschädigte Bastion, welche beide von einem Stier überrannt werden. Der Stier steht dabei stellvertretend für den König.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18633-1.
  • Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. Wiley-Blackwell, London 1996, ISBN 0-631-19396-0.
  • Hartwig Altenmüller: Einführung in die Hieroglyphenschrift. Buske, Hamburg 2005, ISBN 3-87548-373-1.
  • Othmar Keel: Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, ISBN 3-525-53638-0.
  • Barry J. Kemp: Ancient Egypt: anatomy of a civilization. 2. Auflage. Routledge, London 2005, ISBN 0-415-23550-2.
  • Whitney Davis, Richard W. Quinn: Replications: archaeology, art history, psychoanalysis. Penn State Press, Kopenhagen 1996, ISBN 0-271-01524-1.
  • Whitney Davis: Masking the Blow: The Scene of Representation in Late Prehistoric Egyptian Art. Berkeley, Oxford (Los Angeles) 1992, ISBN 0-520-07488-2.
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. (ÄA) Bd. 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James Edward Quibell: Service des antiquités de l'Égypte. Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 1101-1200 et 14001-14754. Archaic objects par M. Quibell. Vol. 1, imprimerie de l'Institut français, Le Caire 1905, S. 312−315, online auf archive.org.
  2. Nicolas-Christophe Grimal: A history of ancient Egypt. S. 39.
  3. Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. S. 191.
  4. Nicolas Christophe Grimal: A history of Ancient Egypt. S. 37 & 38