Narzissen-Windröschen

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Narzissen-Windröschen
Hakusanitige.JPG

Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Windröschen (Anemone)
Art: Narzissen-Windröschen
Wissenschaftlicher Name
Anemone narcissiflora
L.

Das Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora), auch Narzissenblütiges Windröschen oder Alpen-Berghähnlein[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Windröschen (Anemone) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Sie ist auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration aus Anton Hartinger: Atlas der Alpenflora, 1882
Blüte im Detail
Sammelfrücht mit geschnäbelten Nüsschen
Habitus im Habitat auf der Schynigen Platte (Schweiz) auf 2000 Metern

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Das Narzissen-Windröschen wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind behaart (Indument). Der aufrechte Stängel ist abstehend zottig behaart.[1] Es sind stets Grundblätter vorhanden, die bei einem Durchmesser von 4 bis 8 Zentimetern drei- bis fünfteilig handförmig sind.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Unterhalb des Blütenstandes befinden sich drei quirlig angeordnete, ungestielte, fingerförmig eingeschnittene Hochblätter (wie bei allen Anemone-Arten), sie sind drei- bis fünffach geteilt. Drei bis acht Blüten stehen in einem doldigen Blütenstand zusammen.[1] Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser 2 bis 3 Zentimetern radiärsymmetrisch. Die freien Blütenhüllblätter sind weiß und zuweilen außen rötlich überlaufen.

Die kahlen Nüsschen[1] besitzen einen geschnäbelten Griffel (im Unterschied zu den Küchenschellen).

Bei der Narzissen-Windröschen liegt Diploidie vor und Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.[2]

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]

Anemone narcissiflora ist auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika weitverbreitet. Das europäische Verbreitungsgebiet des Narzissen-Windröschen umfasst die Alpen, das Jura, die Vogesen und die Sudeten. In Mitteleuropa ist es sehr selten, es kommt aber an seinen Standorten meist in kleineren, auffallenden, aber individuenarmen Beständen vor.[3] Außerhalb der Alpen darf man das Narzissen-Windröschen wohl als Eiszeitrelikt ansehen; dies gilt sicher für seine Standorte im Alpenvorland und im Schwäbischen Jura.[3]

Das Narzissen-Windröschen kommt auf feuchten und schattigen Bergwiesen vor. Als eiszeitliche Reliktpflanze ist sie auf bestimmte Standorte beschränkt, mäßig häufig, und daher geschützt. Das Narzissen-Windröschen ist häufig auf den Wiesen der Alpen, auch in Felsspalten und Felsschutt zu finden. In der Regel trifft man das Narzissen-Windröschen in Höhenlagen von 700 bis 2500 Metern an; es bevorzugt in den Mittelgebirgen Höhenlagen zwischen 700 Meten und am Alpenrand von 1800 Metern. Das Narzissen-Windröschen besiedelt in den Alpen sowie im Schwäbischen Jura, im südlichen Schweizer Jura sowie in den Südvogesen ungedüngte Bergwiesen, lichte Gebüsche und steinige Rasen.[3]

Es handelt sich um eine ausgesprochen kalkliebende Pflanze. Das Narzissen-Windröschen gedeiht am besten auf kalkhaltige, ja kalkreiche, von Sickerwasser durchzogene, lockere, oft steinige Lehm- oder TonBöden, die auch im Sommer eher kühl bleiben sollten.[3]

Sie wurde 1996 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands als gefährdet bewertet.[1] Sie ist nach BNatSchG von 1980 in Deutschland streng bzw. besonders geschützt.[4]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Anemone narcissiflora erfolgte 1753 durch Carl Linné in seinem Werk Species Plantarum in Band 1 auf Seite 542. Wohl infolge eines Druckfehlers steht an dieser Stelle aber der Name Anemone uarcissifolia. Nur das Wort narcissiflora (narzissenblütig) hat aber einen Sinn, da die Blüten wie bei Narcissus tazetta in einer mehrblütigen Dolde angeordnet sind. Das Wort narcissifolia (narzissenblättrig) hätte keinen Sinn, da die Blätter dieser Art überhaupt keine Ähnlichkeit mit denen der Narzissen haben. Um diesen Fehler zu korrigieren, der inzwischen in verschiedenen Werken als Anemone narcissifolia weitergegeben wurde, wurde durch den Internationalen Botaniker-Kongress 1999 in St. Louis (USA) entschieden, dass der Name Anemone narcissiflora nun mit dieser Schreibweise festgelegt wird (nomen conservandum).[5][6][7] Manche Autoren führen sie unter dem Namen Anemonastrum narcissiflorum (L.) Holub.[1]

Anemone narcissiflora tritt in Europa in folgenden Unterarten auf:[2]

  • Anemone narcissiflora subsp. biarmiensis (Juz.) Jalas: Sie kommt in Europa nur im Ural vor.
  • Anemone narcissiflora L. subsp. narcissiflora: Sie kommt in Europa, im Kaukasus und in Westasien vor.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Trivialnamen sind Narzissen-Windröschen, Narzissenblütiges Windröschen, Berghähnchen, Berghähnlein und Berghünlein.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Anemonastrum narcissiflorum (L.) Holub, Alpen-Berghähnlein. In: FloraWeb.de.
  2. a b Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae), Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6. Seite 80-81.
  3. a b c d  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 2: Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  4. Datenblatt bei WISIA.
  5. Werner Greuter et al.: International Code of Botanical Nomenclature (Saint Louis Code). In: Regnum Vegetabile. Band 138, Koeltz Scientific Books, Königstein 2000, ISBN 3-904144-22-7, Online-Version
  6. Anemone narcissiflora im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Februar 2015.
  7. Anemone narcissiflora bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 2. Februar 2015.
  8. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 28, online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien