Narzissmus

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Narziss, Ölgemälde von Caravaggio, 1594–1596, Galleria Nazionale d'Arte Antica, Rom

Mit dem Begriff Narzissmus ist im weitesten Sinne die Selbstliebe als Liebe gemeint, die man dem Bild von sich entgegenbringt. Im engeren Sinn bezeichnet er eine auffällige Selbstbewunderung oder Selbstverliebtheit und übersteigerte Eitelkeit. Der Begriff leitet sich von Narkissos/Narziss, einem Jüngling der griechischen Mythologie ab.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Narzissmus mit Egozentrik, Arroganz sowie einer ausgeprägten Selbstsüchtigkeit in Verbindung gebracht. Als wissenschaftlicher Terminus findet er über den ursprünglich sexualdiagnostischen Sinn hinaus Anwendung in Sozialpsychologie, Kultur- und Gesellschaftskritik bis hin zu Organisationsforschung und Managementtheorie.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Das Wort entstammt der Sexualwissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, es wurde – ursprünglich zur Bezeichnung einer spezifischen Form der Perversion – der altgriechischen Sage vom schönen Jüngling Narkissos entlehnt.[1] Ein erweitertes Verständnis des Narzissmus als wesentliches Moment der normalen sexuellen Entwicklung liefert im Anschluss an Überlegungen von Paul Näcke und Havelock Ellis[2] schließlich die Psychoanalyse Freuds.

Mehrdeutigkeit des Begriffs[Bearbeiten]

Grundsätzlich ist ein psychogenetischer Narzissmus-Begriff (Narzissmus als notwendige Entwicklungsstufe und normales allgegenwärtiges Phänomen) von dem geläufigeren, diagnostisch verwendeten, negativ im Sinne einer Fehlentwicklung konnotierten Begriff zu unterscheiden. Im letzteren charakterpathologischen Sinne verstand Freud unter Narzissmus die Libido, die auf das eigene Ich gerichtet ist, anstatt auf ein Objekt. Dies führe zu einer Charaktereigenschaft, bei der ein geringes Selbstwertgefühl durch übertriebene Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und den großen Wunsch nach Bewunderung kompensiert werde. In dieser Tradition des Begriffsverständnisses bezeichnet Narzissmus die im Zeichen einer Ethik der Reife[3] zu überwindende Entwicklungsphase, die durch genitale, ödipalisierte Objektsexualität abzulösen ist.

In der weiteren Entwicklung des Begriffes kam es jedoch zu einer weiteren Differenzierung der Bedeutung. Narzissmus wurde etwa von Heinz Kohut als wichtiges Element der Persönlichkeit angesehen, nicht nur als Phase, die jeder Mensch durchläuft, sondern auch als wichtige Funktion im Erwachsenenalter, um das Selbst als psychische Struktur zu stabilisieren. Alice Miller sieht den Begriff als positive Eigenschaft, wie sie unter anderem in Das Drama des begabten Kindes erläutert. Narzisstisch zu sein ist für sie etwas Normales, Gesundes und bezeichnet jemanden, der seine Interessen verfolgen kann. Eine narzisstische Störung entsteht laut Miller, wenn ein Kind seine eigenen Gefühle und Interessen nicht artikulieren durfte und später dafür ein „Ventil“ braucht. Das äußert sich meistens in Depression und/oder Gefühlen der Großartigkeit, die aber nur zwei Seiten derselben Medaille darstellen.

Die wissenschaftliche Verwendbarkeit des Begriffs wird aufgrund seiner Vagheit gelegentlich in Frage gestellt.[4]

Überblick der Deutungen[Bearbeiten]

Umgangssprachlich haften dem Wort „Narzissmus“ meist negative Bedeutungen an. Im Alltagsverständnis ist ein Narzisst ein Mensch, der sich sehr auf sich selbst bezieht und dabei andere vernachlässigt. Auf der spirituellen Ebene ist ein Narzisst ein Mensch, der den Kontakt zum Sein verloren hat. Dieser Mensch ist in seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur wie in einem Gefängnis eingesperrt. Das Gefängnis wird jedoch oft erst dann offensichtlich, wenn die Sehnsucht nach dem „Sinn des Lebens“, nach dem „eigentlichen“ und nach dem „Glück“ nicht verstummen will.

Nach der griechischen Mythologie weist der allseits umworbene Jüngling Narziss aus Stolz auf seine Schönheit alle Verehrerinnen zurück. Echo, die aufdringlichste unter ihnen, rief, bevor sie sich das Leben nahm, die Götter an, ihren Tod zu rächen, und so wurde Narziss mit unstillbarer Selbstliebe gestraft und verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild, das ihm im Wasser einer Quelle erschien, und kam darüber zu Tode (bei der Art und Weise unterscheiden sich die verschiedenen Überlieferungen). Ursprünglich hatte dieser Mythos die Selbstüberhebung (Hybris) und ihre Strafe zum Thema. In der Spätantike wurde an der Sage das Motiv der „Vergänglichkeit“ (Vanitas) hervorgehoben.[5]

Die psychoanalytische Theorie ist nicht einheitlich: Sie entwickelt mehr oder minder spekulative oder nachweisbare Modelle zur Deutung des Phänomens „Narzissmus“, das allerdings fixer Bestandteil ihrer Terminologie ist. Hinter dem psychoanalytischen Narzissmusbegriff verbirgt sich ein höchst komplexes und umstrittenes Konzept.

Gelingender Narzissmus entgeht, so vermuten Jean Laplanche und Jean-Bertrand Pontalis, in einem bestimmten Reifungsschritt den Aporien reiner Spiegelbildlichkeit (vergleiche auch Spiegelstadium) durch Übertragung der narzisstischen Libido auf einen realen Anderen als geliebtes Vorbild. Geglückter „Narzissmus wäre dadurch gekennzeichnet, dass sich das Subjekt durch dieses Bild liebend ergreifen lässt“.[6] Damit träte in Form narzisstischer Identifikation an die Stelle reiner Selbstbezogenheit die „Verinnerlichung einer (intersubjektiven) Beziehung“. In diesem Sinn leistet der Narzissmus nicht nur einen notwendigen Beitrag zur Ich-Bildung (Freud) überhaupt, sondern zur innerseelischen Strukturbildung des Selbst, indem es dieses als Instanz etabliert (vergleiche unten Narzissmus in der Selbstpsychologie).

Der typische Narzisst hätte demnach trotz sogenannter „Selbstbezogenheit“ eben kein Selbst, auf das sich ein wirklicher Bezug richten könnte. Sein Selbst basiert einzig darauf, sich die eigene Grandiosität zu spiegeln. Dabei verschließt er sich der wirklichen Begegnung mit anderen, gegenüber denen er sich manisch überlegen fühlt.

Primärer und sekundärer Narzissmus[Bearbeiten]

Jeder Mensch durchläuft narzisstische Zustände. Nach Sigmund Freud unterscheidet man den primären und sekundären Narzissmus. Beim primären Narzissmus richte das Kleinkind seine sexuelle Energie (Libido) ganz auf sich selbst. Da die Mutter als mit dem eigenen Selbst verbunden erlebt wird, kann hier aus der Perspektive des Kleinkindes auch von einer Fusion von Subjekt und Objekt (symbiotische Phase nach Margaret Mahler) gesprochen werden.[7] Der primäre Narzissmus stellt ein normales Duchgangsstadium in der Entwicklung der Objektbeziehungen während der prägenitalen Phasen der frühkindlichen Entwicklung dar. In erkenntnistheoretischer Hinsicht ist davon auszugehen, dass ein Unterschied zwischen Subjekt und Objekt noch nicht vollzogen werden kann (vgl. dazu den Begriff der Subjekt-Objekt-Spaltung).[8]

Beim sekundären Narzissmus wird, so Freud, die sexuelle Energie von äußeren Objekten wieder abgezogen und auf sich selbst bezogen (Regression). Dieser Zustand tritt vor allem nach enttäuschter Liebe oder Selbstwertkränkungen auf. Freud selbst hat die Begriffe nicht immer eindeutig gebraucht, doch wenn man sein Werk daraufhin genau untersucht, wird deutlich, dass der primäre Narzissmus ein spekulatives metapsychologisches Konstrukt ist, das als heuristisches Modell nur gedacht, aber nicht beobachtet werden kann. Dagegen ist der sekundäre Narzissmus ein klinischer Begriff, dessen vielfältige Erscheinungsweisen empirisch nachweisbar sind. Wenn der Analytiker heute von Narzissmus spricht, meint er in aller Regel die sekundäre Form, also die von den Objekten abgezogene libidinöse Besetzung (Dahl).[7]

Kritik am Freud’schen Narzissmus-Begriff in der analytischen Psychologie[Bearbeiten]

Der C.G. Jung-Schüler Erich Neumann nimmt für die Analytische Psychologie erhebliche Korrekturen am Freud' schen Narzissmus-Begriff vor. Der sogenannte primäre Narzissmus, den Freud als intrauterinen Urzustand symbiotischer Verschmelzung eines absoluten Lust-Ichs mit seiner Umgebung behauptet, erfährt im Zeichen der Jung’schen Entwicklungslehre eine Neubewertung: Es handelt sich um ein uranfängliches „Sein in der Einheitswirklichkeit“, der „totalen participation mystique“ (vgl. participation mystique bei Lucien Lévy-Bruhl) jenseits der erst zu entwickelnden Subjekt-Objekt-Spaltung, in welchem das Selbst alles und alles das Selbst ist. Diesen anfänglichen Zustand nennt Neumann die uroborische Phase. Diese sei nicht – wie die Freud’sche Lehre unterstellt – beziehungs-, weil objektlos, sondern als Urbeziehung des Kindes zur Mutter Grundlage der weiteren Entwicklung.[9] Die Freudschen Kennzeichen des primären Narzissmus (Autoerotik, Magisches Bewusstsein und Allmacht) sind, so Neumann, irreführend:

Der Begriff der Macht ist nur sinnvoll, wenn schon ein Ich vorhanden ist, dessen Libidoladung als Willen stark genug ist, um Macht zu wollen, auszuüben und sich eines Objekts zu bemächtigen. Für die Subjekt- und objektfreie Phase der uroborischen Vor-Ich-Zeit gilt all dies nicht. Das lustbetonte Einheitserleben, das zu ihr gehört, hat deswegen nichts mit Macht zu tun und muss anders gedeutet werden. Weil diese Phase als autoerotisch im Sinne einer objektlosen Selbst-Liebe aufgefasst wurde, konnte sie als „primär-narzisstisch“ verstanden und gedeutet werden. Man wird der psychischen Wirklichkeit dieser Phase aber nur dann gerecht, wenn man sie paradox formuliert, weil sie als vor- ichhafte Konstellation nicht durch eine Subjekt-Objekt-Beziehung beschreibbar ist. Wenn man also von objektloser Selbstliebe spricht, muss man gleichzeitig von subjektloser All-Liebe ebenso wie von einem Subjekt- und objektlosen All-Geliebtwerden sprechen.[10]

Narzissmus in der Selbstpsychologie[Bearbeiten]

In Freuds Modell der Psyche kommt das Selbst nicht vor. Erst die Ich-Psychologie entdeckt die inner- und außerseelischen Vermittlungs- und Beziehungsleistungen des Ich und stößt so zum Begriff des Selbst vor, das als eigenständige seelische Instanz gedacht und theoretisch berücksichtigt werden kann. Deren amerikanische Hauptvertreter Hartmann, Kris und Lowenstein schlugen schon 1946 vor, den Begriff „Ich“ bei Freud durch den des „Selbst“ zu ersetzen und Narzissmus als dessen libidinöse Besetzung zu verstehen. Dieser Begriffswechsel ermöglichte drei unterschiedliche Narzissmusbegriffe in einem Konzept zusammenzuführen: Narzissmus als Selbstliebe, als Entwicklungsstadium des Selbst und als Voraussetzung einer neuen Form der Objektbeziehung, nämlich der Anerkennung.[11]

Heute bezeichnet der Begriff Narzissmus innerhalb der psychoanalytischen Theorie nicht nur eine krankhafte Bezogenheit auf sich selbst, sondern ist auch Ausdruck eines gesunden Selbstwertes. Vor allem die selbstpsychologische Schule (innerhalb der Psychoanalyse) von Heinz Kohut hat diesen Wechsel in der Bewertung des Narzissmus als bedeutendes Modell für die psychische Gesundheit eingeleitet. So bezeichnet der Narzissmus ein System von Libidobesetzungen. Hier werden allerdings nicht Objekte wie die eigenen Eltern oder ein Liebespartner libidinös besetzt, sondern eine eigene innerpsychische Instanz. Diese Instanz wird sowohl von Kohut als auch von Kernberg das Selbst genannt. Kohut versteht darunter ein von Beginn an vorhandenes psychisches System, welches sowohl dem gesamten psychischen Apparat als auch dem Körper ein Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit verleiht. Die Besetzung mit psychischer Energie (Libido) dieses Selbst wird von Kohut als Narzissmus angesehen. Diese Besetzung könne pathologische Züge annehmen, wenn die Instanz des Selbst aus verschiedenen Gründen nicht gesund entwickelt ist. Eine große Rolle spiele hierbei die frühe Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson. Wenn die Bezugsperson dem Säugling nicht genügend Einfühlungsvermögen und Bestätigung entgegenbringe, könne es zu einer Fehlentwicklung kommen. So komme es zu den Erscheinungsformen von pathologischem Narzissmus.

Kernberg sieht den Narzissmus ebenfalls mit dem Selbst verbunden. Für Kernberg ist das Selbst ein Teil des Ichs. Dieses Selbst sei ein Resultat aus den frühen Objektbeziehungen. Kommt es zu Störungen in der miteinander verknüpften Entwicklung von frühen Objektbeziehungen und Selbst, könne dies zu dem beschriebenen pathologischen Narzissmus führen. Auch hier spiele die erste Bezugsperson eine ähnliche Rolle.

In der psychoanalytischen Theorie wird nicht nur die Persönlichkeitsstörung aus einer narzisstischen Störung abgeleitet. Auch Depression, Suizidalität, Aggression, Dissoziation, Autoaggression und Hyperaktivität können Symptome narzisstischer Störungen sein.

Psychopathologie[Bearbeiten]

Ursachen narzisstischer Fehlentwicklungen[Bearbeiten]

Nach Theodore Millon und Roger Davis haben manche Menschen in ihrer frühkindlichen Entwicklung unzureichende Liebe und Anerkennung von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen erhalten, sie leiden oft lebenslang darunter und geben ihre Reaktionen auf ihre Entbehrungen an andere weiter. Andere wiederum erlebten eine Kindheit, in der sie und ihre Wünsche im Mittelpunkt standen, z. B. ihre Talente übermäßig bewundert wurden. Für diesen zweiten Entstehungsweg spricht eine empirische Untersuchungen zur Entstehung von Narzissmus bei Kindern.[12] Nicht selten schwanken diese Kinder zwischen einem übersteigerten (Selbst-)Bild und der Furcht, den Fremdansprüchen (resultierend aus der übermäßigen Bewunderung) nicht zu genügen. Der innerseelische Mechanismus des Kindes lautet „Ich bekomme meine lebenserforderliche Liebe für (etwa) meine Talente und Besonderheiten.“, oder „Ich muss viel dafür tun, um geliebt zu werden.“

Das alles muss nicht zwangsläufig zu einer narzisstischen Erkrankung führen. Verhaltensweisen, die von der Psychologie als narzisstische Charakterstörungen eingeordnet werden, können auch vorübergehend auftreten und dann wieder verschwinden. Diese psychologische Deutung versteht den Narzissmus als ein Leiden, weil Betroffene Schwierigkeiten haben, Objektbeziehungen zu führen. Sie versuchen, ihr Gegenüber zu kontrollieren, und suchen nach ständiger Bestätigung ihrer Grandiosität, da sie sich ohne diese leer fühlen.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Narzisstische Persönlichkeitsstörung
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In der Psychiatrie und der Psychologie kommt der Narzissmus in Betracht bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die aber klar abzugrenzen ist von der allgemeinsprachlichen Verwendung des Begriffs Narzissmus als „Selbstverliebtheit“.

Narzisstische Personen sind gekennzeichnet durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, was sie mit einem großartigen äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren versuchen.[13] Häufig hängt das mit ihrem brüchigen Selbstwertgefühl zusammen. Die Goldene Regel „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ ist Narzissten fremd. Sie behandeln Mitmenschen so, wie sie selbst nicht behandelt werden möchten. Sie besitzen einen Blick für das Besondere, können leistungsstark (in Schule, Beruf, Hobby) sein und haben oft gepflegte und statusbewusste Umgangsformen.

Obwohl eine Prädisposition nicht ausgeschlossen wird, ist das Elternhaus ein entscheidender Faktor für die Herausbildung einer narzisstischen Persönlichkeit. In dieser Richtung prägend sind Eltern, die dem Kind wenig Empathie und Anerkennung entgegenbringen und es nicht selten schon früh überfordern. So wird bei diesem ein Verhalten beachtet und verstärkt, das die eigenen Qualitäten betont und sie nach außen wirksam darstellt, was mit einer Intoleranz gegenüber anderen einhergeht. Dabei braucht die Selbstpräsentation der Realität durchaus nicht zu entsprechen. Narzissten überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und können aus Neid zerstören, was begabtere Menschen aufgebaut haben.

Die Pseudologie, der krankhafte Drang zum Lügen, ohne Schuld- und Schamgefühle, zählt zu den Ausdrucksformen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen. Der Narzisst lügt, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen. Wenn Narzissten eine leitende Funktion ausüben, leiden die abhängigen Personen sehr unter ihnen.

Maligner (bösartiger) Narzissmus kann als Zwischenstufe zwischen narzisstischer und antisozialer Persönlichkeitsstörung angesehen werden. Als maligner Narzissmus wird die Kombination von narzisstischer Persönlichkeitsstruktur, antisozialen Verhaltensweisen mit intensiven krankhaften Aggressionen und eventuellen paranoiden Neigungen bezeichnet. Kennzeichnend sind krankhafte Grandiosität (Entwicklung eines übersteigerten Größenselbst oder Realitätsverlust) mit Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe, bis hin zu Sadismus, moralischen oder rechtlichen Grenzüberschreitungen (z. B. Sachbeschädigung, Verleumdung), Abwertung anderer Menschen und Hass. Im Unterschied zur reinen antisozialen Persönlichkeitsstörung, die sich durch das völlige Fehlen von Verantwortungs- und Mitgefühl sich selbst und anderen Menschen gegenüber und Gewissenlosigkeit auszeichnet, sind beim malignen Narzissmus vom Standpunkt der Psychoanalyse noch Anteile des das Gewissen konstituierenden Über-Ichs funktionsfähig. Es existiert beim malignen Narzissmus auch noch ein Gefühl für Mitmenschen, wenn auch oft geleitet von einem ausbeuterischen Interesse. In nahen Beziehungen, besonders in Partnerschaften, kann die selbstbezogene Haltung für beide Partner zu viel Leid führen, da die Beziehung durch die selbstbezogene Haltung auf Kosten des Partners zu eigenen Gunsten gelebt werden kann.

Narzissmus in Kultur und Gesellschaft[Bearbeiten]

Der Umbruch gesellschaftlicher Leitvorstellungen in den 1960er Jahren betraf auch die Bewertung und Einschätzung des Narzissmus. Dieser Wandel war theoretisch vorbereitet in der kritischen Theorie der 1950er Jahre. Die Narzissmus-Debatte innerhalb der Psychoanalyse (Kohut-Kernberg-Kontroverse) reflektierte die allgemeine gesellschaftliche Auseinandersetzung um Autorität, Anerkennung und Identität. Äußere Repression gegen "innere" Verdrängung war das Leitthema der Zeit.[14]

Philosophie[Bearbeiten]

Die Freudrezeption der Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer suchte psychoanalytisches Denken für kultur- und gesellschaftskritisches Denken fruchtbar zu machen.[15] So erfuhr der Narzissmus bei Herbert Marcuse eine folgenreiche Um- und Neubewertung: Seine Rehabilitation des Narziss in Triebstruktur und Gesellschaft (orig. Eros and Civilisation von 1955) hatte großen Einfluss auf die Studentenbewegung und die gesellschaftlichen Umbrüche der 1960er Jahre. Narziss wird bei Marcuse zum neuen Leitbild einer erosfundierten Kultur, die dem angepassten Ödipus und dem prometheischen Leistungsprinzip althergebrachter Zivilisation gegenübergestellt wird: Er mutiert in seinem Entwurf zur greifbaren Utopie einer von überflüssiger Repression (Surplus repression) befreiten Gesellschaft im Zeichen des Lustprinzips.[16]

Als Psychoanalytiker und Sozialphilosoph übertrug Erich Fromm in kritischer Auseinandersetzung mit Freud die psychoanalytischen Begriffe vom Individuum auf die Gesellschaft. Er bezeichnete Narzissmus als Gegenpol zur Liebe und unterschied neben dem Narzissmus des Einzelnen auch den Gruppennarzissmus (siehe Patriotismus oder Fanatismus). Narzissten neigen laut Fromm dazu, einen Bezug zu ihrer Umwelt dadurch zu gewinnen, dass sie Macht über sie erlangen.[17] In Die Kunst des Liebens (orig. 1956) unterscheidet er Selbstliebe als produktive Form des Narzissmus von Selbstsucht als destruktivem Narzissmus: Freud folge der im westlichen Denken tradierten, calvinistischen Vorstellung, die beide Formen ohne weiteres in eins setze: Selbstliebe sei die schädlichste Pestilenz (Calvin). Fromm beruft sich in seiner differenzierenden Auffassung auf das biblische Gebot der Nächstenliebe:

„Die Liebe zu anderen und die Liebe zu uns selbst stellen keine Alternativen dar; ganz im Gegenteil wird man bei allen, die fähig sind, andere zu lieben, beobachten können, daß sie auch sich selbst lieben.“

Erich Fromm: 1956

Selbstsucht als destruktiver Narzissmus sei im Gegenteil gerade Zeichen mangelnder Selbstliebe und zuletzt des Selbsthasses. Unfähig, Freude an sich und seiner Kreativität zu empfinden, betrachte der selbstsüchtige Narzisst die Welt nur als Gelegenheit egoistischer Vorteilsnahme und eigensüchtiger Ausbeutung.[18]

Kultur- und Sozialkritik[Bearbeiten]

Kultur- und Sozialkritiker benutzen den Begriff der "narzisstischen Gesellschaft", um der modernen kapitalistischen Gesellschaft ein Vorherrschen egoistischer Werte und eine allgemeine Sucht nach Selbstdarstellung, Prominenz und Berühmtheit vorzuwerfen. Die narzisstische Gesellschaft wird als eine Gesellschaft verstanden, in der sich Personen mit narzisstischen Charakterzügen oder Charakterstörungen immer stärker ausbreiten, wobei die pathologische Konnotation des Begriffs dazu dient, die allfälligen Krisen in den sozialen Subsystemen nicht nur mit einer Krankheit zu vergleichen, sondern buchstäblich als Krankheit zu begreifen.

Der amerikanische Historiker und Sozialkritiker Christopher Lasch lieferte mit einem Buch, das in den späten 70er Jahren zu einem vieldiskutierten Bestseller wurde und weltweite Beachtung fand, die Blaupause für alle weiteren Gesellschaftsdiagnosen, die mit dem Narzissmus-Konzept arbeiten. In The culture of narcissism: American life in an age of diminishing expectations (1979), vertrat er die damals noch provokante These, die amerikanische Gesellschaft zeichne sich zunehmend durch „narzisstische Tendenzen“ aus. Die 68er-Bewegung, mit der er selbst sympathisiert hatte, deutete er jetzt als eine „narzisstische Kulturrevolution“. Diese sei zunächst im Zeichen der Selbstverwirklichung angetreten, habe sich dann aber – als „therapeutische Gesellschaft“ – in die Sackgasse eines durch den Mangel an Bindungsfähigkeit und Generativität gekennzeichneten Hedonismus begeben. Die Ursachen der narzisstischen Deformation der amerikanischen Gesellschaft sah er in der Auflösung der traditionellen Familienbindungen und der damit einhergehenden Kindheitstraumata.[19] Laschs Argumentation war eine Kombination aus psychoanalytischen, marxistischen und konservativen Elementen, aus einer auf Freud basierenden Kapitalismus- und Modernismus-Kritik.

Der deutsche Psychiater und Autor Hans-Joachim Maaz griff das von Lasch vorgegebene Denkmuster auf und formulierte eine ähnliche Kritik. In Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm bescheinigt er den westlichen Konsumgesellschaften einen Mangel an Orientierung und Moral. Die Menschen dieser Gesellschaft seien von einer Gier nach Konsumgütern oder sonstigen Vorteilen in Schule, Beruf und Privatleben getrieben. Zwar sei der Narzissmus bei den Prominenten (Politiker, Manager, Stars) besonders stark ausgeprägt, er betreffe aber die Bevölkerung im Ganzen. Die Gier sei Ausdruck einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung; immer mehr Menschen würden zu Narzissten, d. h. zu Persönlichkeiten, die um Anerkennung und Bestätigung rängen, in Wahrheit aber tief verunsichert seien. Das narzisstische Defizit bedürfe einer Kompensation durch die Ablenkungen der im Leben der Menschen allgegenwärtigen Konsum-, Unterhaltungs- und Tourismusindustrie. Das „den Hals nicht voll kriegen können“, die unaufhörliche Suche nach dem „Kick“ sei auch die tiefere Ursache der anhaltenden Krisen in den Finanz-, Wirtschafts- und Sozialsystemen der modernen Gesellschaften; diese ließen sich letztlich nur beheben, wenn Mittel und Wege gefunden würden, das Problem des Narzissmus in den Griff zu bekommen.[20]

2013 legte der österreichische Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller ein Buch mit dem Titel die „Narzissmus-Falle“ vor, worin er den Narzissmus als ein Phänomen mit soziokultureller, nicht nur individualpsychologischer Tragweite darstellt. Der Autor bescheinigt den heutigen Führungseliten in Wirtschaft und Gesellschaft, die gleichen Charakterstrukturen aufzuweisen, die er in seiner Praxis als Gerichtsgutachter an Schwerverbrechern feststellen könne. Haller fordert eine Rückkehr zu altruistischen Werten.[21]

Die Konjunktur des sozialpsychologischen Narzissmus-Begriffs zeigt sich auch an einer 2012 erschienenen Publikation des GEO-Verlags mit dem bezeichnendemn Titel: Narzissmus: Werden wir zur Gesellschaft auf dem Ego-Trip?[22].

Organisationsforschung und Managementtheorie[Bearbeiten]

Der Begriff wird auch in der Organisationsforschung und der Managementtheorie benutzt, wo untersucht wird, wie sich die Einstellungen und das Handeln von „narzisstischen“ Persönlichkeiten in Führungsetagen auf den Unternehmenserfolg auswirken.[23]

Neuerdings wird Narzissmus auch als ein kollektiver Charakterzug verstanden, wonach ganze Gruppen und Organisationen in ihren Anschauungsweisen und in ihrem Handeln narzisstische Wesenszüge aufweisen können.[24][25]

Dabei stellt sich - wie im allgemeinen auch - die schwierige Frage, wie produktive Formen des Narzissmus (z.B. visionäres Handeln) von destruktiven (z. B. Größenwahn) a priori unterschieden werden können.

Die zuletzt genannte Schwierigkeit zeigt, wie der Begriff beliebig wird, wenn er zu plakativ und abgelöst von seiner ursprünglichen Verwurzelung im Mythos und in der modernen Psychoanalyse gebraucht wird.

Klassische Märchen mit Narzissmus-Inhalten[Bearbeiten]

Märchen thematisieren regelmäßig narzisstische Grundfragen; neben dem „Spieglein, Spieglein an der Wand“ in Schneewittchen sei hier unter anderem auf die Märchen Aschenputtel sowie Der Eisenofen hingewiesen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Psychologische Fachliteratur[Bearbeiten]

  • Martin Altmeyer: Narzissmus und Objekt. Ein intersubjektives Verständnis der Selbstbezogenheit. 2. Auflage. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-45872-X.
  • G. Dahl: Primärer Narzissmus und inneres Objekt. In: PSYCHE. Band 55. Stuttgart 2001.
  • Johanna J. Danis: Narzissmus bei Mann und Frau. 2. Auflage. München 1996, ISBN 3-925350-67-5.
  • H. J. Eilts: Narzissmus und Selbstpsychologie. Zur Entwicklung der psychoanalistischen Abwehrlehre. edition diskord, Tübingen 1998, ISBN 3-89295-645-6.
  • Kurt Eissler: Todestrieb, Ambivalenz, Narzissmus. Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-10568-4.
  • Sigmund Freud: Zur Einführung des Narzissmus. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig u. a. 1924.
  • Béla Grunberger: Vom Narzissmus zum Objekt. Psychosozial-Verlag, Gießen 2001, ISBN 3-89806-057-8.
  • H. Henseler: Narzisstische Krisen. Zur Psychodynamik des Selbstmordes. 4., aktualisierte Auflage. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000, ISBN 3-531-23058-1.
  • Stephen M. Johnson: Der narzisstische Persönlichkeitsstil. Integratives Modell und therapeutische Praxis. 5. Auflage. EHP, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-926176-16-4.
  • Karl König: Kleine psychoanalytische Charakterkunde. 10. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-01417-2.
  • R. Mugerauer: Narzissmus. 2., verbesserte und um ein Vorwort erweiterte Auflage. Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2459-1.
  • E. Neumann, H. W. Bierhoff: Ichbezogenheit versus Liebe in Paarbeziehungen. In: Zeitschrift für Sozialpsychologie. Band 1. 2004.
  • Wilhelm Reich: Zwei narzisstische Typen. In: Frühe Schriften I. Aus dem Jahre 1920 bis 1925. Fischer Verlag, Frankfurt 1977, ISBN 3-462-01228-2.
  • A. B. Renger, (Hrsg.): Narcissus. Ein Mythos von der Antike bis zum Cyberspace. Metzler Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01861-X.
  • H. A. Rosenfeld: Zur Psychopathologie des Narzissmus. Ein klinischer Beitrag. In: H. A. Rosenfeld: Zur Psychoanalyse psychotischer Zustände. Psychosozial-Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-89806-119-1.
  • Heinz-Peter Röhr: Narzissmus. Das innere Gefängnis. 8. Auflage. Walter-Verlag, Zürich u. a. 2005, ISBN 3-530-40059-9. dtv-Taschenbuch 2005, ISBN 3-423-34166-1.[26]
  • H. J. Roth: Narzissmus. Selbstwerdung zwischen Destruktion und Produktivität. Juventa Verlag, Weinheim u. a. 1990, ISBN 3-7799-0821-2.
  • N. Symington: Narzissmus. Neue Erkenntnisse zur Überwindung psychischer Störungen. 2. Auflage. Psychosozial Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-932133-82-X.
  • M. Thielen (Hrsg.): Narzissmus. Körperpsychotherapie zwischen Energie und Beziehung. Leutner Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-934391-13-3.
  • Vamik Volkan: Spektrum des Narzissmus. Eine klinische Studie des gesunden Narzissmus, des narzisstisch-masochistischen Charakters, der narzisstischen Persönlichkeitsorganisation, des malignen Narzissmus und des erfolgreichen Narzissmus. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u. a. 2002, ISBN 3-525-45770-7.
  • H. Wahl: Narzissmus? Von Freuds Narzissmus-Theorie zur Selbstpsychologie. Kohlhammer Verlag, Stuttgart u. a. 1985, ISBN 3-17-008841-6.
  • B. Wardetzki: Weiblicher Narzissmus. Der Hunger nach Anerkennung. 21., überarbeitete Auflage. Kösel Verlag, München 2009, ISBN 978-3-466-30765-4.
  • Hans-Jürgen Wirth: Narzissmus und Macht. Zur psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik. Psychosozial-Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-89806-044-6.
  • T. Ziehe: Pubertät und Narzissmus. Sind Jugendliche entpolitisiert? Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main u. a. 1975, ISBN 3-434-20089-4.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung[Bearbeiten]

  • N. Hartkamp, W. Wöller, M. Langenbach, J. Ott: Narzisstische Persönlichkeitsstörung. In: W. Tress u. Mitarb. (Hrsg.): Persönlichkeitsstörungen. Leitlinie und Quellentext. Schattauer Verlag, Stuttgart u. a. 2002, ISBN 3-7945-2142-0.
  • Otto F. Kernberg: Hass, Wut, Gewalt und Narzissmus. W. Kohlhammer, Stuttgart, 2011, ISBN 978-3-17-021582-5.
  • Otto F. Kernberg (Hrsg.): Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie. Schattauer, Stuttgart u. a. 2005, ISBN 3-7945-2241-9.
  • Otto F. Kernberg: Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus. 12. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-28029-5.
  • Otto F. Kernberg (Hrsg.): Narzisstische Persönlichkeitsstörungen. 2. korr. Nachdruck. Schattauer Verlag, Stuttgart u. a., 2001, ISBN 3-7945-1692-3.
  • Heinz Kohut: Narzissmus. Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen. 14. Nachdruck, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-27757-7.
  • Rainer Sachse: Histrionische und Narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Hogrefe, Göttingen 2002, ISBN 3-8017-1446-2.

Literatur zum Mythos[Bearbeiten]

  • Ovid: Metamorphosen. In der Übersetzung von Erich Rösch, München, 1980.
  • Almut-Barbara Renger (Hrsg.): Mythos Narziß. Reclam, Leipzig 1999.
  • Friedrich Wieseler: Narkissos. Eine kunstmythologische Abhandlung nebst einem Anhang über die Narcissen und ihre Beziehung im Leben, Mythos und Cultus der Griechen. Göttingen 1856.
  • Mirko Gemmel: Überlegungen zum Spiegelmotiv im Narziss-Mythos. In: Kritische Berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaft. Heft 2/2004: Spiegel und Spiegelungen. S. 67–75.

Literatur zum Narzissmus als kollektivem Phänomen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Narzissmus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Narzissmus – Zitate
 Commons: Narcissism – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Entstehung und turbulenten Karriere des Begriffs vgl. die Polemik von K. Schlagmann: Narzissmus: Sprachverwirrung von babylonischem Ausmaß. Vorbegriffliche Überlegungen zum Narzissmus finden sich bereits in Platons Dialog Menon; Platon: Menon, 80 c Vgl. Menon 13
  2. vgl. H. Ellis: Auto-erotism: A psychological Study. (1898)
  3. Vgl. Eli Zaretzky: Freuds Jahrhundert. Die Geschichte der Psychoanalyse. dtv, München 2009; hier v.a. Teil Drei, Von der Psychologie der Autorität zur Politik der Identität, Kap. 12: Die sechziger Jahre, Postfordismus und die Kultur des Narzißmus. S. 436–471.
  4. Vgl. hierzu K. Schlagmann, ebd.; Schlagmann beruft sich auf neuere Untersuchungen zur terminologischen Unschärfe des Narzissmus-Begriffs: „Zepf & Nitzschke, Wutke sowie Orlowsky & Orlowsky erheben – aus der breiten Übersicht der psychologischen Fachliteratur – gegen den Gebrauch des Begriffes Narzissmus schwerwiegende Einwände (...) Das Konzept des Narzissmus erweist sich als babylonisches Turmbau-Projekt mit einer gewaltigen Sprachverwirrung.“
  5. Der Mythos enthält noch einen weiteren tiefenpsychologisch deutbaren Aspekt. So ist Narziss die Frucht einer Vergewaltigung der Nymphe Leiriope durch den Flussgott Kephisos (vergleiche Ovid, Metamorphosen III, Vers 342 ff.[1]).
  6. Vgl. hierzu u. d. folgenden: Jean Laplanche/Jean-Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. Frankfurt am Main 1984, Erster Band S. 317 ff.
  7. a b Gerhard Dahl: Primärer Narzissmus und inneres Objekt. In: Psyche. Band 55. Stuttgart 2001, S. 577–628.
  8. Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München 1984; Lemma „Narzißmus“, S. 366.
  9. Die Jung’sche Schule setzt sich ab vom sexualgenetischen Ansatz Freuds. Neumann beschreibt die seelische Entwicklung im Wesentlichen als Herausbildung der Ich-Selbst Achse im Hinblick auf die sogenannte Zentroversion (erste Lebenshälfte, Entwicklung des Ich) und der Individuation (zweite Lebenshälfte, Selbstwerdung, Integration von Ich und Selbst im Sinne der Ganzheit der Persönlichkeit)
  10. Erich Neumann: Narzissmus, Automorphismus und Urbeziehung(Pdf. 100 Kb) (abgerufen am 31. Januar 2013) hier S.4. Erstmals erschienen in: Studien zur Analytischen Psychologie C. G. Jungs I. Zürich: Rascher 1955.
  11. Eli Zaretzky (2009), S. 443.
  12. Eddie Brummelman u. a.: Origins of narcissism in children. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, Jg. 112 (2015), S. 3659–3662; doi:10.1073/pnas.1420870112. Deutschsprachige Magazinartikel: Eltern-Lob macht Kinder narzisstisch (spektrum.de, 9. März 2015); Wie sich Eltern kleine Narzissten züchten (Wissenschaft.de, 9. März 2015).
  13. Eveline List: Psychoanalyse: Geschichte, Theorien, Anwendungen. 2009, S. 107.
  14. Vgl. Eli Zaretzky (2009): Teil Drei, Von der Psychologie der Autorität zur Politik der Identität, Kap. 12: Die sechziger Jahre, Postfordismus und die Kultur des Narzissmus. S. 436–471.
  15. Vgl. dazu Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte, Theoretische Entwicklung, Politische Bedeutung. dtv, München 1988; insbes. Kap. 6, Marcuses „Dialektik der Aufklärung“: Eros and Civilisation. S. 553–565.
  16. Vgl. dazu: Dr. Marc-Pierre Möll: Kulturkritik von Herbert Marcuse. Totalitarismuskritisches Denken von links, (Pdf, 38,1 Kb; abgerufen am 4. März 2013), S. 7 ff.; Klaus Laermann: Narziss gegen Ödipus. In: Die Zeit. 19. März 1993 (abgerufen am 27. Februar 2013)
  17. Erich Fromm: Sigmund Freuds Psychoanalyse. Größe und Grenzen. 3. Auflage. dtv, München 1984, Kap. Der Narzissmus. S. 48–58 (orig. Greatness and Limitations of Freud’s Thought. N.Y. 1980)
  18. Vgl. Erich Fromm: Die Kunst des Liebens. Hayne, München 2001, Kap. Selbstliebe. S. 71–77; (orig.: The Art of Loving. Harper and Row, New York 1956)
  19. C. Lasch: The culture of narcissism: American life in an age of diminishing expectations. New York 1979; deutsch: Das Zeitalter des Narzissmus. Aus dem Amerikanischen von Gerhard Burmundt, München. Steinhausen, 1980; vgl. Referat der Grundthesen auf single-generation.de. Zur Beachtung in Deutschland: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40349012.html. Eine neuere Publikation aus den USA mit einer ähnlichen Stßrichtung ist z. B. D. Pinsky, S. M. Young: The Mirror Effect: How Celebrity Narcissism Is Seducing America. Harper, 2009, ISBN 978-0-06-158233-2.
  20. Beck Verlag, 2. (durchgesehene) Auflage. 2012, ISBN 978-3-406-64041-4.
  21. Reinhard Haller: Die Narzissmusfalle: Anleitung zur Menschen- und Selbstkenntnis. ecowin 2013. Dazu auch: https://www.youtube.com/watch?v=mZn7d3aqu0Y
  22. Narzissmus: Werden wir zur Gesellschaft auf dem Ego-Trip? 2012
  23. Vgl. G. Dammann: Narzissten, Egomanen, Psychopathen in der Führungsetage. Fallbeispiele und Lösungswege für eine wirksames Management. Haupt, Bern 2007.
  24. A. D. Brown: Narcissism, identity, and legitimacy. In: The Academy of Management Review. Band 22 (3), 1997, S. 643–686.
  25. W. K. Campbell, B. J. Hoffman, S. M. Campbell, G. Marchisio: Narcissism in organizational contexts. In: Human Ressource Management Review 21 (4), S. 268–284.
  26. Leseprobe
  27. Leseprobe
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