Natalie Bauer-Lechner

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Natalie Bauer-Lechner (* 9. Mai 1858 in Penzing, heute zu Wien; † 8. Juni 1921 in Wien) war eine Bratschistin und langjährige Vertraute von Gustav Mahler. Ihre „Mahleriana“, die auf einem nicht erhaltenen privaten Tagebuch der Jahre 1890–1912 basieren, bieten wertvolle Einblicke in Mahlers berufliches und privates Leben jener Jahre.

Leben[Bearbeiten]

Natalia Anna Juliana Bauer-Lechner war die älteste Tochter des Wiener Universitätsbuchhändlers Rudolf Lechner und der Julia, geb. von Winiwarter. Sie studierte am Wiener Konservatorium, wo sie 1872 absolvierte. Am 27. Dezember 1875, mit siebzehn Jahren, heiratete sie den am 16. Februar 1836 in Mosonmagyaróvár geborenen verwitweten Professor für chemische Technologie an der Technischen Hochschule Wien, Alexander Bauer (1836–1921). Bauers kleine Töchter waren damals elf, acht und ein Jahr alt. 1885 wurde die Ehe einverständlich geschieden.

Ab 1885 bis zu ihrem Tod lebte Natalie Bauer-Lechner als Bratschistin und Violinpädagogin in Wien. Von 1895 bis 1913 spielte sie Bratsche im Damen-Streichquartett von Marie Soldat-Roeger (1. Violine), zusammen mit Elly Finger-Bailetti (2. Violine, ab 1898 Elsa von Planck) und Lucy Herbert-Campbell (Violoncello, ab 1903 Leontine Gärtner). Das Quartett debütierte am 11. März 1895 im Wiener Bösendorfer Saal. Bauer-Lechner schloss sich nach ihrer gescheiterten Ehe Gustav Mahler an, das Naheverhältnis endete nach Mahlers Verlobung mit Alma Schindler.

In fortgeschrittenen Jahren entwickelte sich Natalie Bauer-Lechner zur Feministin und Pazifistin. Ein 1918 publizierter Artikel gegen den Krieg führte zu einer Haftstrafe wegen Hochverrat. Sie soll in Armut verstorben sein.

Bruchstücke der „Mahleriana“ wurden in Der Merker[1] (April 1913) anonym und in „Musikblätter des Anbruch“ (April 1920) publiziert. „Erinnerungen an Gustav Mahler“ kam 1923 heraus. Das Material befindet sich derzeit im Eigentum des Mahler-Forschers Henry-Louis de La Grange. Das Manuskript ist nicht intakt. Zahlreiche Seiten wurden von unbekannter Hand herausgerissen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Natalie Bauer-Lechner war die Großtante von Herbert Killian, dem „Nestor der Forstgeschichte“ in Österreich.[2] Killian gab 1984 ihre gesammelten „Erinnerungen an Gustav Mahler“ (Gustav Mahler in den Erinnerungen von Natalie Bauer-Lechner) heraus. [3]

Werke[Bearbeiten]

  • Fragmente: Gelerntes und Gelebtes. Wien 1907
  • Erinnerungen an Gustav Mahler. E. P. Tal & Co., Leipzig 1923. – Internet Archive. (Revidierte und erweiterte Ausgabe: Herbert Killian (Hrsg.), Knud Martner (Anmerkungen): Gustav Mahler in den Erinnerungen von Natalie Bauer-Lechner. Wagner, Hamburg 1984, ISBN 3-921029-92-9).

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Brenner/Reinhold Kubik: Mahlers Menschen. Freunde und Weggefährten. Sankt Pölten - Salzburg - Wien 2014. S. 17-20. ISBN 978-3-7017-3322-4
  • Rezension von Erinnerungen an Gustav Mahler. In: Hermann Bahr: Liebe der Lebenden. Tagebücher 1921/23. Band 3. (Tagebuch. 15. September [1923]). Borgmeyer, Hildesheim 1925, S. 222–223.

Filme[Bearbeiten]

  • Meine Zeit wird kommen. Gustav Mahler in den Erinnerungen von Natalie Bauer-Lechner. Spiel-Dokumentarfilm, Österreich 2010. (Regie: Beate Thalberg. Darsteller: Petra Morzé und Robert Ritter).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ZDB-ID 799323-7.
  2. Herbert Killian – 85 Jahre, Seite auf: BauernZeitung.at, abgerufen am 18. Juni 2014.
  3. Library Of Congress Authorities: Seite über Herbert Killian, abgerufen am 18. Juni 2014.