Natascha Kampusch

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Natascha Maria Kampusch (* 17. Februar 1988 in Wien) wurde bekannt nach ihrer Flucht aus einem langjährigen Freiheitsentzug. Im Jahr 1998 wurde die damals zehnjährige Österreicherin von dem arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Přiklopil in Wien entführt und mehr als acht Jahre lang in seinem Haus im Bezirk Gänserndorf, östlich von Wien gefangen gehalten. Als Kampusch 2006 im Alter von 18 Jahren fliehen konnte, führte ihr Auftauchen zu einem weltweiten Medienecho.

Kampusch moderierte 2008 eine eigene Talkshow mit dem Namen Natascha Kampusch trifft. Sie veröffentlichte 2010 ihre sehr erfolgreiche[1] Autobiografie 3096 Tage, die zusammen mit Heike Gronemeier und Corinna Milborn verfasst wurde.[2]

Herkunft und Leben vor der Entführung[Bearbeiten]

Natascha Kampusch wurde als Tochter der gelernten Schneiderin Brigitta Sirny (geborene Kampusch) und des Bäckermeisters Ludwig Koch geboren. Ihre Eltern, die nicht miteinander verheiratet waren, trennten sich, als sie noch ein Kind war. Natascha hat mütterlicherseits zwei erheblich ältere Halbschwestern.[3] Vor ihrer Entführung besuchte sie die vierte Klasse der Volksschule.

Entführung[Bearbeiten]

Am Morgen des 2. März 1998 wurde Kampusch auf dem Weg zur Schule in einen Kleintransporter gezerrt[4] und in der Folge 3096 Tage lang im niederösterreichischen Strasshof an der Nordbahn festgehalten.[5] Sie konnte am 23. August 2006 flüchten. Přiklopil beging daraufhin Selbstmord.[6]

Die Umstände der Entführung und Gefangenschaft sowie mögliche Verfehlungen der Ermittlungsbehörden wurden von den Medien wiederholt aufgegriffen. Die anhaltende Diskussion führte zur Einsetzung einer Evaluierungskommission und zweier parlamentarischer Untersuchungsausschüsse.

Weiterer Weg[Bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten]

Logo der Fernsehsendung Natascha Kampusch trifft

Natascha Kampusch entschloss sich, im Fernsehen vereinzelte Interviews zu geben. Zwischen Juni und Oktober 2008 trat sie als Gastgeberin in ihrer eigenen Fernsehsendung Natascha Kampusch trifft im österreichischen Sender Puls 4 auf. Nach drei Folgen (mit den Gästen Niki Lauda, Stefan Ruzowitzky und Veronica Ferres) wurde die Sendung eingestellt.[7]

Schulausbildung[Bearbeiten]

Im Juni 2008 holte Kampusch den Hauptschulabschluss[8] nach und begann eine Ausbildung zur Goldschmiedin,[9] die sie abbrach.[10]

Autobiografie[Bearbeiten]

Am 9. September 2010 hielt Natascha Kampusch in einer Buchhandlung eine Lesung aus ihrer Autobiografie 3096 Tage[11], die ein Bestseller auf dem deutschen und österreichischen Buchmarkt war.[1] Die Rezensentin Kim Kindermann lobt an dem Buch, dass es nicht schwarz-weiß zeichne und Kampusch keineswegs als bloß hilfloses Opfer darstelle. Sie sei „nicht in den ewigen Misshandlungen, in dem Kummer und der Hilflosigkeit (ertrunken), sondern sie schafft es aus eigener Kraft, Distanz zu wahren, in die innere Immigration zu gehen, ohne sich zu verlieren.“[12]

2013 lief der Film 3096 Tage in den Kinos an, der Kampuschs Geschichte auf Vorlage des von ihr verfassten Buches nacherzählt.

Karitative Unternehmungen[Bearbeiten]

Im Oktober 2011 eröffnete Natascha Kampusch ein Krankenhaus in Sri Lanka, das sie aus den nach ihrer Befreiung erhaltenen Spenden finanzierte und in Zusammenarbeit mit der Hilfsvereinigung Don Bosco errichtete. Das Hospital beherbergt 25 Betten.[13]

Familie[Bearbeiten]

Den Kontakt zu ihrem Vater, Ludwig Koch, hat sie mittlerweile abgebrochen. Dieser erhebt in seinem Buch schwere Vorwürfe gegen seine Tochter. So stellt er ihre Beschreibung der Entführung teilweise in Frage.[14] Außerdem versuchte Koch, die Aufführung des Films "3096 Tage" zu stoppen.[15] Auch zu ihrer Mutter hat Natascha Kampusch den Kontakt weitgehend eingestellt.[16]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikinews: Natascha Kampusch – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Platz eins für Kampuschs Autobiografie in relevant vom 20. September 2010
  2. Woman: Exklusiv-Interview mit der Autorin Corinna Milborn, 6. September 2010
  3. Brigitta Sirny-Kampusch: Verzweifelte Jahre. Mein Leben ohne Natascha
  4. Der Spiegel: Soko prüft Hinweis auf Komplizen, 25. August 2006
  5. Der Spiegel: 3096 Tage hinter einer schalldichten Tresortür, 24. August 2006
  6. Oberösterreichische Nachrichten Kampusch: Nach fünf Jahren sind viele Fragen offen, 5. März 2012
  7. Puls 4: Natascha Kampusch trifft, 2. Juni 2008
  8. Kampusch schließt Hauptschule mit Vorzug ab, oe24.at, 14. Juni 2008
  9. Die Presse.com: Natascha Kampusch: Flucht vor genau fünf Jahren, 23. August 2011, abgerufen am 23. August 2011
  10. Natascha Kampusch: „Einer von uns beiden musste sterben“ bei Focus Online, 18. Februar 2013
  11. Die Presse „Kampusch-Lesung“
  12. Kim Kindermann im Deutschlandradio Kultur vom 10. September 2010: „Eine Frau, die sich nicht zum Opfer machen lässt“
  13. Kampusch-Kinderspital in Sri Lanka eröffnet auf ORF vom 16. Oktober 2011 abgerufen am 16. Oktober 2011
  14. Kampusch "sprachlos" über Buch des Vaters
  15. Kampusch-Vater will den Film stoppen
  16. NATASCHA KAMPUSCH – Hatten Sie Angst, als Sie den Film sahen? – Nächste Woche kommt der Film „3096 Tage“ ins Kino