Nathanael West

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Nathanael West (* 17. Oktober 1903 in New York City als Nathan Wallenstein Weinstein; † 22. Dezember 1940 in El Centro, Kalifornien) war ein amerikanischer Schriftsteller. Er veröffentlichte zu Lebzeiten nur vier Novellen bzw. kurze Romane, die recht erfolglos blieben. Erst seit den 1950er Jahren fanden sie den Beifall der Kritiker und wurden einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Heute gilt er als einer der Klassiker der modernen amerikanischen Literatur und einer der Wegbereiter der Postmoderne.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Nathanael West wurde 1903 als Nathan Wallenstein Weinstein in New York geboren. Seine Eltern waren deutschsprachige Juden aus dem damals russisch beherrschten Litauen, die um 1890 nach Amerika ausgewandert waren. Sein Vater Max Weinstein hatte innerhalb kurzer Zeit ein florierendes Bau- und Immobilienunternehmen aufgebaut und es zu einigem Wohlstand gebracht, und so verbrachten West und seine Schwestern Laura und Hinda eine behütete Kindheit. Die Weinsteins legten bei der Erziehung Nathans und seiner Schwestern Hinda und Laura großen Wert auf Schulbildung, kaum jedoch auf Religion; so wurde Nathan zwar wohl rituell beschnitten, wurde aber nie Bar Mitzwa. Weil sie im zaristischen Russland Antisemitismus und Ausgrenzung ausgesetzt gewesen waren, erträumten sie für ihre Kinder eine völlige Integration in die amerikanische Gesellschaft. Im Sinn dieser angestrebten Assimilation schickten sie ihre drei Kinder auf öffentliche Schulen in Manhattan und begeisterten den jungen Nathan Weinstein für Baseball. Die Sommer seiner Jugend verbrachte er meist im Camp Paradox, einem Ferienlager für Kinder vermögender Eltern in den Adirondacks. Gleichwohl sahen sich die Weinsteins auch in Amerika als Teil des Bildungsbürgertums und gaben ihrem Sohn die europäischen Klassiker wie Shakespeare, Dickens, Hardy, Tschechow und Dostojewski zu lesen.

Umso mehr enttäuschte es seine Eltern, dass sich Nathan zu einem bemerkenswert schlechten Schüler und notorischen Schwänzer entwickelte. Ab 1917 besuchte er die renommierte DeWitt Clinton High School, verließ sie aber 1920 ohne Schulabschluss. Mit einem eigenhändig gefälschten Abschlusszeugnis schrieb er sich 1921 am Tufts College ein, wurde aber wegen seiner schlechten akademischen Leistungen und häufiger Fehlzeiten bereits nach einem Semester zwangsexmatrikuliert. In dieser Notlage kam ihm der Zufall zu Hilfe: Am College studierte ein weiterer Nathan Weinstein, dessen Zeugnisse auf ungeklärtem Weg in die Hände seines Namensvetters gerieten. Mit den Unterlagen des anderen Nathan Weinstein immatrikulierte sich der spätere Nathanael West nicht nur erfolgreich an der Brown University, einer der ältesten und renommiertesten Hochschulen der USA, sondern sie ermöglichten es ihm auch, seine Seminare weitgehend auf die Geisteswissenschaften zu beschränken; die erforderlichen credits in den ungeliebten Naturwissenschaften hatte sein Namensvetter bereits erbracht.

In seiner Zeit auf der Brown University wandelte sich West zu einem wenn nicht vorbildlichen, so doch passablen Studenten. Die Zuwendungen seiner Eltern ermöglichten ihm ein angenehmes Leben. Er kultivierte einen Ruf als Campus-Dandy, kleidete sich in teure Brooks-Brothers-Anzüge und war häufiger Gast auf Tanzveranstaltungen. Auch den Frauen war er offenbar zugeneigt, allerdings hatte er sich schon vor seiner Immatrikulation die Gonorrhö zugezogen. Er las viel, insbesondere Werke der europäischen wie amerikanischen Avantgarde, und zeigte großes Interesse an recht abwegigen und grotesken Themen; so war er bewandert in der mystischen Literatur des Mittelalters und Spezialist für die Militärstrategien von der Antike bis zur Neuzeit. Bei aller Popularität litt er jedoch sehr darunter, dass ihm als Jude der Beitritt zu einer der vielen Studentenverbindungen verwehrt blieb. Er selbst wurde zunehmend zum Antisemiten – so verschmähte er jüdische Frauen und nannte sie verächtlich bagels.

Namensänderung[Bearbeiten]

Sein kompliziertes Verhältnis zu seiner jüdischen Herkunft zeigt sich deutlich in seinem Unbehagen mit seinem Namen, der ihm zu eindeutig jüdisch erschien. Bereits bei seiner Immatrikulation am Tufts College hatte er seinen Namen als „Nathaniel Weinstein“ angegeben – ein klassischer Vorname der WASP-Elite Neuenglands. Während seiner Zeit an der Brown-Universität gab er seinen Kommilitonen oft diskret zu verstehen, er sei adligen Blutes, und nannte sich fortan „Nathanael von Wallenstein Weinstein“. Wallenstein war tatsächlich der Geburtsname seiner Mutter Anna, und in ihrer Familie wurde seit Generationen über eine mögliche Verwandtschaft mit dem Herzog von Friedland und Mecklenburg spekuliert; Nathanael galt als eine besonders distinguierte Schreibweise des Vornamens. Am 16. August 1926 änderte er seinen Namen dann amtlich zu Nathanael West. Über die Wahl des Nachnamens ist viel spekuliert worden. West selbst gab an, Horace Greeleys berühmter Empfehlung Go West, young man! gefolgt zu sein. Tatsächlich war wohl aber sein Cousin Sam Weinstein das Vorbild; er hatte den Namen „West“ schon einige Zeit im Geschäftsverkehr verwendet.

Nach 1924[Bearbeiten]

Nach seinem Studium überredete er seine Eltern, ihm einen Parisaufenthalt zu finanzieren. Zu dieser Zeit zog es Tausende künstlerisch ambitionierte Amerikaner, die so genannte Lost Generation, nach Paris, um sich dort dem Leben der Bohème hinzugeben. West verbrachte nur knapp drei Monate in Frankreich. West, der von seinen Zeitgenossen und Biografen oftmals als notorischer Lügner und zwanghafter Rollenspieler beschrieben wurde, sollte in späteren Jahren oft behaupten, er habe dort ganze drei Jahre verbracht. In den 1930er Jahren schlug er sich mehr schlecht als recht als Drehbuchschreiber in Hollywood durch. Er war mit Schriftstellern wie Dashiell Hammett oder William Carlos Williams befreundet; der Humorist S. J. Perelman war sein Schwager. Nathanael West starb 1940 in Kalifornien zusammen mit seiner Frau bei einem Autounfall.

Schaffen[Bearbeiten]

Nathanael West hat in seiner kurzen Schaffenszeit vier kleinere Romane bzw. Novellen verfasst. The Day of the Locust gilt als das beste Buch, das je über Hollywood geschrieben wurde. Die Story spielt während der Great Depression und beschreibt die Entfremdung und Verzweiflung einer inhomogenen Gruppe von Menschen, deren Träume von Erfolg gescheitert sind. Eine der Hauptpersonen im Roman heißt „Homer Simpson“. Auf ihn geht wohl der Name der Hauptfigur aus der bekannten Zeichentrickserie Die Simpsons zurück. Verfilmt wurde The Day of the Locust 1975; das Drehbuch schrieb Waldo Salt, Regie führte John Schlesinger. Die Rolle des Homer Simpson wurde von Donald Sutherland gespielt; weiter wirkten mit Billy Barty, Karen Black und Burgess Meredith.

Werke[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]