Nation of Islam

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Fahne der Nation of Islam.
Die Buchstaben bedeuten Justice, Freedom, Equality, Islam (Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, Islam).

Die Nation of Islam – eigentlich „The Lost-Found Nation of Islam“ („Die verlorene-gefundene Nation des Islam“) oder auch The Lost-Found Nation of Islam in the Wilderness of North America („Die verlorene-gefundene Nation des Islam in der Wildnis Nordamerikas“), auch bekannt als Black Muslims („Schwarze Moslems“) ist eine im Jahr 1930 durch Elijah Muhammad gegründete religiös-politische Organisation schwarzer US-Amerikaner außerhalb der islamischen Orthodoxie. Der Name deutet auf die separatistischen Gründungsziele hin, unter anderem die Einrichtung eines getrennten afroamerikanischen Homelands in den Vereinigten Staaten. Bis in die 1970er Jahre vertrat die Organisation auch die Black-Supremacy-Ideologie, die dann unter Warith Deen Mohammed kurzzeitig aufgegeben wurde. Die ideologischen Differenzen führten zur Spaltung in die gemäßigte American Society of Muslims unter Mohammed und die radikale „neue“ Nation of Islam, die die rassistische Tradition der Black Supremacy (schwarze Vorherrschaft) weiterführte.[1] Laut der Anti Defamation League vertritt die Bewegung bis heute auch antisemitische Standpunkte.[2][3]

Seit 2010 empfiehlt Louis Farrakhan, der jetzige Führer der Organisation, den Mitgliedern, Dianetics zu studieren.[4] Heute hat sie 1055 trainierte Auditoren.

Ideologie[Bearbeiten]

Masjed Aqsa in Harlem
Muhammad Mosque #65 in Baton Rouge, Louisiana

Die Glaubenspraxis des Moorish Science Tempel lag der Nation of Islam zwar zugrunde, jedoch war der Moorish Science Tempel nicht auf einem Nationalstaatsgedanken gegründet. Auch wurden die Weißen beim Moorish Science Tempel nicht mit dem Teufel gleichgesetzt. Übernommen wurde jedoch die Verbindung aus „pseudo-islamischem“ Glauben und der Idee, die soziale Situation der afro-amerikanischen Bevölkerung zu thematisieren und zu verbessern.

Nachdem 1975 W.D. Muhammad die Führung der „originalen“ Nation of Islam übernahm, führte er die Organisation zum orthodoxen Islam, was vielen nicht gefiel. Die, die den Lehren Elijah Muhammads treu blieben, traten aus der Nation aus, einige von ihnen gründeten eigenständige Organisationen und lehrten die Lehren des verstorbenen Führers Elijah Muhammad. Der erste, der dies tat, war Silis X oder Silis Muhammad, der seine Organisation the Lost Found Nation of Islam nannte. Der aber wohl Bekannteste ist Louis Farrakhan, einer der wichtigsten Prediger in der Nation zu Lebzeiten von Elijah Muhammad. Seine Organisation nennt sich the Nation of Islam. Die Organisationen lehren nicht dasselbe, es gibt Abweichungen, sowohl was Glaubensprinzipien als auch religiöse Praktiken betrifft. So wird z. B. die Yacub-Geschichte weiterhin von allen Organisationen gelehrt, und die Forderung nach einem eigenen Staat besteht noch immer, aber was z.B. das Gebet angeht sowie den Glauben an Fard Muhammad, gibt es gravierende Unterschiede. Die originale Nation of Islam existiert seit 1976 nicht mehr unter dem Namen, sie wurde öfters umbenannt. Heute ist sie als The American Society of Muslims bekannt, W.D. Muhammad trat aber schon am 31. August 2003 als Führer zurück. Am 9. September 2008 verstarb auch er.

Weiße als Teufel[Bearbeiten]

Die Entstehung der weißen Rasse wurde als Ergebnis von Jahrhunderte langer „Züchtung“ eines „bösen“ schwarzen Wissenschaftlers (Yacub) erklärt. Das Urvolk soll nach dieser Genese der Stamm von Shabazz sein, von welchem die Afroamerikaner (und alle dunkelhäutigen Menschen) direkt abstammen. Yacub soll seine „Züchtung“ auf der durch die Offenbarung des Johannes bekannten griechischen Insel Patmos betrieben haben, wohin er mit 59.999 Gefolgsleuten von Mekka aus ging. Auf Patmos soll er nach und nach die braune, die rote, die gelbe und schlussendlich die weiße Rasse gezüchtet haben, die das absolut Böse und den Teufel repräsentiert (Adam und Eva sollen demnach die ersten Weißen gewesen sein) und in den Texten der Nation of Islam auch als „ausgebleichte Rasse“ bezeichnet wird. In der Folge soll es den Weißen gelungen sein, von der Insel, auf welche sie verbannt waren, zu entfliehen. Sie unterwarfen und versklavten den Stamm von Shabazz (die Schwarzafrikaner), aber auch die „Braunen, Roten und Gelben“. Moses soll von Gott geschickt worden sein, um die Weißen zu zivilisieren, was ohne Erfolg geblieben sei.

Erst durch die Nation of Islam und Master Fard Muhammad als „Gott“ sei es möglich, die Schwarzen aus ihrer Unterdrückung zu befreien.[5]

Nationsidee[Bearbeiten]

Nation of Islam in Indianapolis.jpg

Aus dieser Sicht auf die weiße Rasse basierte auch die Forderung nach einem eigenen Staat für die Afro-Amerikaner im US-amerikanischen Staatsgebiet. Diese Idee fußt auf den Grundannahmen, dass die US-amerikanischen Schwarzen direkte Nachfahren des genannten Stammes von Shabazz wären bzw. deren eigentliche „Nationalität“ „Asiatic Black“ („asiatisch-schwarz“) sei. Der eigene Staat wird nicht bloß aus dieser Nationalitäts- bzw. Abstammungsidee begründet, sondern auch aus der Annahme, dass ein US-amerikanischer Schwarzer niemals dieselben Privilegien erhalten würde wie ein US-amerikanischer Weißer. Hinzu kommt die historische Tatsache, dass die US-amerikanischen Schwarzen vornehmlich nicht freiwillig, sondern als Sklaven in die USA gebracht wurden.[6]

Aus diesem Grund der fehlenden „echten“ Identität, dem fehlenden Wissen über die eigentliche Vergangenheit und, als offensichtlichstes Zeichen, dem Fehlen des eigenen Nachnamens, wurde das „X“ als Ersatz für den „Sklavennamen“ (den Nachnamen, den Afrikaner von ihren Sklavenhaltern übernahmen) eingeführt.

Muslim-Programm[Bearbeiten]

Weitere Grundsätze und Forderungen wurden im so genannten „Muslim-Programm“[7] formuliert. In der angeführten Form entspricht dies dem „Muslim Program“ unter Elijah Muhammad (1897-1975; Führer der Nation of Islam von 1934 bis zu seinem Tod). Die Punkte sind im Namen „der Muslime“ formuliert, haben dennoch nur für Anhänger der Glaubenslehre der Nation of Islam eine gewisse Verbindlichkeit und stellen (bis heute) einen ideologischen Leitfaden der Nation of Islam dar.

Was Muslime wollen:

  1. Wir fordern Freiheit, uneingeschränkte Freiheit.
  2. Wir fordern eine gerechte Justiz unter der Hoheit des Rechts, unabhängig von Glaube, Klasse und Hautfarbe.
  3. Wir fordern gleiche Möglichkeiten.
  4. Wir fordern einen eigenen Staat innerhalb der USA für die Nachfahren von Sklaven.
  5. Wir wollen Freiheit für alle „believers of Islam“ (Gläubige des Islam), welche nun in Bundesgefängnissen sitzen
  6. Wir fordern ein sofortiges Ende von Polizeibrutalität und gewalttätigen Übergriffen von Bürgern gegen „so called Negroes“ ("die sogenannten Neger") in den ganzen USA.
  7. So lange wir nicht einen eigenen Staat errichten dürfen, fordern wir nicht nur eine gleiche, gerechte Justiz, sondern auch gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
  8. Wir fordern die Regierung dazu auf, unsere Leute von allen Steuerverpflichtungen zu entbinden, solange es keine gleiche, gerechte Judikative gibt.
  9. Wir fordern gleiche Ausbildung – aber getrennte Schulen bis 16 für Jungen und bis 18 für Mädchen unter der Bedingung, dass Mädchen auf Frauen-Colleges und -Universitäten geschickt werden. Wir wollen, dass alle schwarzen Kinder von ihren eigenen Lehrern unterrichtet werden.

Was Muslime glauben:

  1. Wir glauben an Gott, dessen wahrer Name Allah ist.
  2. Wir glauben an den heiligen Koran und an die Schriften der Propheten.
  3. Wir glauben an die Wahrhaftigkeit der Bibel, aber sie muss neu interpretiert werden, um die Menschheit vor den Falschheiten, welche dazugedichtet wurden, zu bewahren.
  4. Wir glauben an Allahs Propheten und die Schriften, welche sie den Menschen gebracht haben.
  5. Wir glauben an die Auferstehung der Toten – nicht in physischer Auferstehung, aber in geistiger. „We believe that the so-called Negroes are most in the need for mental resurrection. Therefore, they will be resurrected first.” („Wir glauben, dass die sogenannten Neger die geistige Auferstehung am nötigsten haben. Darum werden wir zuerst auferweckt werden.“) Des Weiteren glauben wir, dass wir das von Gott erwählte Volk sind. (Äthiopismus)
  6. Wir glauben an göttliche Rechtsprechung. Diese wird das erste Mal stattfinden, wenn sich Gott in den USA offenbart.
  7. „We believe in justice for all, whether in God or not; we believe as others, that we are due equal justice as human beings.” („Wir glauben an Gerechtigkeit für alle, ob in Gott oder nicht; wir glauben wie andere, dass uns gleiche Gerechtigkeit als Menschen zusteht.“) Wir glauben an Gleichheit – als eine Nation – von Gleichen. Wir glauben nicht, dass wir als „befreite Sklaven“ mit unseren Sklavenhaltern gleich sind. Wir respektieren amerikanische Bürger, erkennen sie als unabhängiges Volk an und respektieren deren Gesetze.
  8. Wir glauben, dass das Angebot der Integration scheinheilig ist. Dass dieses Angebot von jenen formuliert wird, welche versuchen, die Schwarzen zu täuschen und ihnen weiszumachen, ihre 400 Jahre alten Feinde von Freiheit, Recht und Gleichheit seien nun auf einmal ihre „Freunde“.
  9. Wir glauben, dass wir, welche wir uns als rechtschaffene Muslime ansehen, nicht an Kriegen teilnehmen sollen, wenn diese Menschenleben kosten.
  10. Wir glauben, dass unsere Frauen respektiert und beschützt werden sollen, ebenso wie Frauen anderer Nationen.
  11. Wir glauben, dass Allah (Gott) in Master W. Fard Muhammad im Juli 1930, als der lang erwartete Messias der Christen und der Mahdi der Muslime erschien.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Moorish Science Temple (1913–1929)[Bearbeiten]

Der „Moorish Science Temple“, die Vorgängerorganisation der „Nation of Islam“, wurde 1913 von Noble Drew Ali (Timothy Drew) in New Jersey ins Leben gerufen. Die Ideologie fußte nicht auf Panafrikanismus (d.h. im Unterschied zu Marcus Garvey, nicht auf der Emigration nach Afrika), sondern auf dem Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und rassistische Diskriminierung. Dieser Kampf beruht auf zwei zentralen Punkten: Das Wissen über die eigene (afrikanische) Abstammung und die Konversion zum Islam (da das Christentum die Religion der Europäer sei, und der Islam die der Afrikaner). Das zugrunde liegende religiöse Werk war eine von Noble Drew Ali selbst verfasste Version des „Koran“, welcher eine Vermischung von muslimischer und christlicher Lehre sowie Emanzipationsideen von Marcus Garvey enthält. Die Bewegung hatte zum Zeitpunkt des Todes Noble Drew Alis im Jahr 1929 etwa 30 000 Mitglieder in zehn Städten ausgehend von Chicago und spaltete sich nach seinem Ableben. Einige sahen John Givens El als den rechtmäßigen Nachfolger an („Moorish Americans“), andere Fard Muhammad („Nation of Islam“).

Master Fard Muhammad (1929–1934)[Bearbeiten]

Der Name „Nation of Islam“ wurde von Wallace Fard Muhammad (1877-1934) eingeführt. (W. F. Muhammad ist unter vielen Alternativnamen bekannt, darunter W.D. Fard, David Ford-el, Wali Farad, Farrad Mohammed und F. Mohammed Ali. Innerhalb der Nation of Islam ist er allgemein unter „Master Fard Muhammad“ bekannt.) 1934 verschwand Fard Muhammad und Elijah Muhammad übernahm die Führung der Nation of Islam. Um das Verschwinden ranken sich Gerüchte. So lautet die offizielle Version der Nation of Islam, dass er in Richtung Mekka verschwunden sei, jedoch gibt es auch die Behauptungen, dass es sich um eine Flucht vor dem FBI gehandelt hätte und dass er bis vor kurzem noch in den USA gelebt habe. Des Weiteren wird die Version der Nation of Islam über dessen Leben an vielen Stellen bezweifelt. Stimmen über den Geburtsort, dessen Eltern usw. gehen weit auseinander (so wird unter anderem behauptet, er hätte eine jüdische Mutter gehabt, stamme nicht aus Mekka, sondern sei pakistanischer oder neuseeländischer Abstammung).[9]

Master Elijah Muhammad (1934–1975)[Bearbeiten]

Elijah Muhammad

Elijah Muhammad übernahm 1934 die Führung der Nation of Islam. Unter ihm wurden diverse Teilorganisationen („University of Islam“ und „Fruit of Islam“) sowie ein Wirtschaftsprogramm eingeführt. Dennoch hatte die Nation of Islam während des Zweiten Weltkrieges mit einigen Problemen zu kämpfen. So wurden Elijah Muhammad und Mitglieder seiner Familie verhaftet, da sie den Kriegsdienst verweigerten. Während dieser Zeit wurde die Nation of Islam von Clara Muhammad (Elijah Muhammads Frau) weitergeführt. Es gab damals nur vier Tempel (Chicago, Detroit, Washington D.C. und in Milwaukee), was sich in den 1950ern rigoros änderte vor allem durch die Öffentlichkeit, die durch Malcolm X, welcher 1952 nach seiner Zeit im Gefängnis der Nation beitrat, geschaffen wurde.[10]

Malcolm X

Zwischen 1950 und 1970 erreichte die Nation of Islam ihre erste tatsächliche Relevanz, als eine große afroamerikanische meinungsbildende Organisation. Während dieser Zeit wurden in den ganzen USA neue Tempel eröffnet, wodurch die Zahl der Mitglieder (bei variierender Schätzung) von Ende der 50er von 70.000 bzw. 250.000[11] auf (laut Angaben der Organisation) eine Million in den 1970er Jahren stieg. Etwa ein Viertel davon hätte aktiv mitgearbeitet.[12]

Malcolms Bruch mit der Nation of Islam[Bearbeiten]

In den 1960ern entwickelte sich ein Konflikt zwischen Malcolm X und anderen Mitgliedern der Nation of Islam einerseits und ihrem ideologischen Führer Elijah Muhammad andererseits. Malcolm X wurde unterstellt, einen Machtwechsel zu forcieren und sich an die Spitze der Nation of Islam setzen zu wollen. Er versuchte daraufhin, öffentliche Auftritte eher zu vermeiden bzw. bat er Journalisten, welche über die Nation of Islam schrieben, nicht sein Bild zu verwenden, sondern jenes von Elijah Muhammad.[13] Öffentliche Anschuldigungen gegen Elijah Muhammad gab es wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf Sekretärinnen und unehelicher Kinder. Zum endgültigen Bruch kam es, als Malcolms Stellungnahme über die Ermordung John F. Kennedys (am 22. November 1963) teilweise veröffentlicht wurde. Er wurde mit „a case of ‘chicken coming home to roost’” (frei übersetzt: man erntet was man sät) zitiert, ohne den Nachsatz zu publizieren, in welchem er den Mord mit denen an Patrice Lumumba, Medger Evers und Ngo Dinh Nhu verglich.[14]

Daraufhin wurden ihm öffentliche Auftritte untersagt, und er musste von dem New Yorker Tempel No.7 zurücktreten. Er gab seinen Austritt aus der Nation of Islam am 8. März 1964 bekannt und gründete die Organisation „Muslim Mosque, Inc“.

Das Time-Magazine fasste im Juli 1964 diese turbulente Zeit folgendermaßen zusammen:

„The Black Nationalists, too, are split every which way. Spiritual heirs of that flamboyant fake Marcus Garvey, the Jamaican Negro who paraded through Harlem under a banner with a black star in the 1920s calling for a return to Africa, scores of outfits exist. There are Elijah Muhammad's Black Muslims and Malcolm X's offshoot Organization of Afro-American Unity, the Ethiopia Coptic Orthodox Mission and the House of Common Sense and Home of Proper Propaganda, which displays a sign advertising the book The God Damn White Man. All told, they probably have no more than 5,000 members.“

– Time-Magazine am 31. Juli 1964[15]

Ob hinter dem Mord an Malcolm X am 21. Februar 1965 im Audubon Ballroom tatsächlich wie zunächst angenommen die Nation of Islam oder doch eine Regierungsbehörde steht, ist bis heute nicht geklärt. Der Anwalt eines der gefassten Attentäter bezeichnete das FBI und die New Yorker Polizei als Drahtzieher des Mordes. Nach Malcolm X' Ermordung überfielen seine Anhänger Tempel und andere Einrichtungen der Nation of Islam.

Letzte Jahre unter Elijah Muhammad[Bearbeiten]

Die nächste Dekade zeichnete sich vor allem durch zwei Aspekte aus. Zum einen wurden Tempel in Bermuda, Jamaika, auf den Jungferninseln, in Ghana, Großbritannien, Trinidad und in Zentralamerika eröffnet. Zum anderen erzielten die angeschlossenen Agrar- und Viehzuchtbetriebe sowie Kühl- und Warenhäuser, die Zeitung Muhammad Speaks und zwei Banken (Guaranty Bank und Trust Company), große wirtschaftliche Erfolge.

Organisationsintern zeichnet sich diese Zeit durch die Nachfolgediskussion um den gesundheitlich angeschlagenen Elijah Muhammad aus. Wallace Muhammad, der Sohn, welcher die Nachfolge (laut einer Prophezeiung von Fard Muhammad) antreten sollte, gehörte der Gruppe um Malcolm X an, welche Elijah Muhammad hinsichtlich seiner Sexaffäre und seiner Auslegung des Islam schwer in Bedrängnis brachte. Wallace Muhammad wurde zunächst exkommuniziert, dann wieder aufgenommen, jedoch mit einem Redeverbot belegt. 1974 wurde das Redeverbot aufgehoben, und er selbst einem Tempel zugeteilt, in dem er predigen sollte. Nachdem Elijah Muhammad den Mitschnitt einer Predigt seines Sohnes gehört hatte, soll er über dessen Wandel – sein Wechsel zurück zu der Nation of Islam – und dessen Loyalität überzeugt gewesen sein. Somit war die Nachfolge nach dem Willen von Elijah Muhammad gesichert. Der langjährige Führer der Nation starb am 25. Februar 1975.[16]

Bis zu seinem Tod soll die Nation of Islam 75 Tempel in ganz Amerika eröffnet haben.[17]

World Community of Al-Islam in the West[Bearbeiten]

Unter der Führung von Wallace Deen Muhammad wurde die Ideologie der Organisation tiefgreifend verändert. Die rassistische Genese wurde insofern umgedeutet, dass Yacub zwar „das Böse“ in die Welt gebracht hätte, aber dieses nicht nur an weiße Hautfarbe gebunden wäre, die Glaubenspraxis mehr dem sunnitischen Islam zugewandt, die Forderung nach einem eigenen Staatsgebiet aufgegeben – die Mitglieder wurden sogar angehalten sich an Wahlen zu beteiligen, darüber hinaus wurde die „Nationalität“ – um eine Brücke zum orthodoxen Islam zu schlagen – in „Bilalians“ umgeändert. Fard Muhammad wurde nicht länger als Inkarnation Gottes sondern nur mehr als „wise man“ angesehen, und Malcolm X wurde nicht länger als abtrünnig geächtet. Die Moscheen wurden „orientalisiert“, d.h. es wurden die anti-christlichen und anti-amerikanischen Slogans, welche an den Moscheen angebracht waren, durch arabische Ornamente und Schriftzüge ersetzt und die fünf Säulen des Islam zu einem zentralen Glaubensinhalt. Die untergeordnete Stellung der Frauen wurde aufgehoben, und Mädchen erhielten das Recht auf die gleiche Ausbildung wie Jungen. Im wirtschaftlichen Bereich wurden die Unternehmungen der vormaligen Nation of Islam von der religiösen Arbeit getrennt (d.h. es wurden z.B. Farmen auch an nicht-Muslime verpachtet). Wallace Muhammad trat bald nach der Gründung als religiöser Führer zurück und agierte als „ambassador at large“. Die Führung übernahm daraufhin eine Gruppe aus sechs Imamen, welche in sechs Gebieten von den Gläubigen gewählt wurden.[18]

Mit diesen radikalen Veränderungen waren nicht alle einverstanden, und es bildete sich eine Gruppe um Louis Farrakhan, dem Sprecher der Nation of Islam bzw. der WCIW, welche den Weg, den Elijah Muhammad eingeschlagen hatte, folgen wollte, und die die „Orientalisierung“ der Organisation als Abkehr von dem eigentlichen Ziel der früheren Nation of Islam sahen. Im Dezember 1977 gab er seinen Austritt aus der WCIW bekannt und formte eine „neue“ Nation of Islam auf der Doktrin von Elijah Muhammad, auf den „alten“ Dogmen.[19]

Louis Farrakhan

Louis Farrakhan (seit 1977)[Bearbeiten]

Louis Farrakhan führte die Ideologie der Organisation wieder an ihren politischen, schwarz-nationalistischen Kern zurück. Anstatt der religiösen Bewegung mit Gewicht auf einer entsprechenden Lehre einer amerikanischen Version des sunnitischen Islams zu folgen, wollte er den traditionellen politisch-propagandistischen Kampf der Nation of Islam weiterführen. Die Rückkehr zu den Grundsätzen von Elijah Muhammad wurde anhand von sieben Punkten in einem Artikel der New York Amsterdam News aus dem Jahr 1978 erklärt.

  • Der Verlust einiger Errungenschaften von Schwarzenführern der Vergangenheit.
  • Die Veränderung Amerikas „from benign neglect to a malignant neglect“[20] hinsichtlich der tatsächlichen Probleme von amerikanischen Schwarzen (Arbeitsplätze, Polizeiübergriffe, Sozialleistungen, Wohnungsstiuation, etc.)
  • Das Aufkommen von faschistischen Ideen innerhalb der weißen Gesellschaft (Nazis, Ku Klux Klan, etc.)
  • Der Mangel an öffentlichen und privaten Wirtschaftsinitiativen.
  • Der moralische Verfall innerhalb der schwarzen Gesellschaft (Prostitution, Drogen, etc.)
  • Die Gewalt (Überfälle, Mord etc.) gegen Alte und die Respektlosigkeit gegenüber Frauen.
  • Der Verlust von moralischer Stärke unter den schwarzen Muslimen bzw. der Mangel an Disziplin.[21]

Der afroamerikanische Wissenschaftler und Autor Clifton E. Marsh schreibt dazu in seinem Buch „The Lost-Found Nation of Islam in America“:

„The American Muslim Mission, formerly WCIW, does not represent the ideas of the Hornorable [sic] Elijah Muhammad or the founding fathers of this race conscious ideology. Minister Louis Farrakhan, however, continues a legacy of African nationalist thought, which calls for black Americans to ‚rise up you mighty race‘.“

Clifton E. Marsh: [22]

In den 1980er Jahren machte die Nation (abgesehen vom ideologisch-religiösen Disput mit der American Muslim Mission) vor allem durch die Unterstützung des christlichen schwarzen Predigers Jesse Jackson bei dessen Bewerbung als Präsidentschaftskandidat für die Demokraten im Jahr 1984 Schlagzeilen. So schrieb das Time-Magazine unter dem Titel „Farrakhans fulmination“ folgendes:

„He [Louis Farrakhan] is a bit player who will not get offstage. Minister Louis Farrakhan, the black-separatist leader of the Nation of Islam movement and a supporter of Jesse Jackson, has threatened a black newspaper reporter with death and called Hitler a ‚great man‘, albeit a ‚wicked‘ one. His latest provocation is to embrace Muammar Gaddafi. After returning from a visit with the Libyan dictator this month, Farrakhan reportedly told a congregation in Boston, ‚America, you should be ashamed of yourself. […] It is you who are the outlaw. How can a leader of a little country like Libya terrorize the world?‘ He told the Boston Herald, ‚Since it is not divinely backed […]. the state of Israel is an outlaw state.‘“

– Time-Magazine am 2. July 1984[23]

Jesse Jackson versuchte sich nach der öffentlichen Kritik an den Aussagen Farrakhans, im Laufe seines Wahlkampfes von Louis Farrakhan zu distanzieren – ohne sich tatsächlich von seinem Unterstützer zu trennen.[23] Er verlor die primary elections (Vorwahlen) und wurde nur Dritter.

Bei den Vorwahlen zu den Präsidentschaftswahlen 2008 war keine klare Position der Nation of Islam erkennbar, jedoch soll es Tendenzen zu Barack Obama gegeben haben. So wurde Barack Obama ein relativ großer Platz in der Zeitung der Organisation Final Call eingeräumt. Eine kritische Sicht auf Obama wird in den Berichten nur unterschwellig deutlich, so etwa in einem Artikel vom 14. Januar 2008:

„Our hope is that America will take the best of the Obama message, commit herself to and begin the long and arduous journey to reverse her present course, which cannot be done without justice for the children of her ex-slaves and all who still yearn to breathe free.“

– FinalCall.com[24]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Nation of Islam wird von Kritikern als rassistisch eingestuft, unter anderem wegen der Sicht auf Weiße. Zunehmende Integration durch Aufstieg von Mitgliedern in die Mittelklasse und an calvinistischen Geist erinnernde Schaffenskraft haben Black Muslims manches von ihrer ursprünglichen Radikalität genommen. Schätzungen der Mitgliederzahl schwanken zwischen 20.000 und 50.000.[25]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gardell, Mattias: In the Name of Elijah Muhammad: Louis Farrakhan and The Nation of Islam, Duke University Press: 1996, ISBN 978-0822318453.
  • Marsh, Clifton E.: The lost-found Nation of Islam in America, Scarecrow Press: Lanham, Maryland, London, 2000, ISBN 1-57886-008-3.
  • Walker, Dennis: Islam and the search for African-American nationhood. Elijah Muhammad, Louis Farrakhan, and the Nation of Islam, Clarity Press: Atlanta, 2005, ISBN 0-932863-44-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nation of Islam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AP/MSNBC: Former Nation of Islam leader dies at 74
  2. Anti Defamation League: Nation of Islam Leader Reprises "Vintage" Anti-Semitism; ADL Says Farrakhan's Racism 'As Ugly As It Ever Was'
  3. Southern Poverty Law Center: Nation of Islam
  4. Asahed Mohammed: Nation of Islam Auditors graduation held for third Saviours’ Day in a row. Final Call. 28. Februar 2013. Abgerufen am 27. Dezember 2013.
  5. Vergl. Marsh, Clifton E.; The lost-found Nation of Islam in America; Lanham, Maryland, London; 2000; S. 41f
  6. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 31f
  7. Muslim Program
  8. Übersetzung (und Zitate im Englischen) nach: Marsh, Clifton E.; ebd. S. 46f
  9. Vergl. Kavanaugh, Kelli B.; Mystery man; At the root of the Nation of Islam, a cipher and a controversy.; 2003; (Zugriff: 22. August 2006)
  10. Vergl. Haley, Alex ; The Autobiography of Malcolm X as told to Alex Haley; New York; 1973; S. 195 ff.
  11. Vergl. The Black Supremacist, Time-Magazine am 10. August 1959; (Zugriff: 2. September 2007)
  12. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 68
  13. Vergl. Haley, Alex; ebd. S. 296ff
  14. Haley, Alex; ebd. S. 307
  15. No Place Like Home, Time-Magazine am 31. Juli 1964; (Zugriff: 2. September 2007)
  16. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 68f
  17. Muhammad's Temple of Islam, Information taken from the October 4, 1974 edition of Muhammad Speaks Newspaper
  18. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 69ff
  19. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 73
  20. Vergl. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 97
  21. Übersetzt nach Marsh, Clifton E.; ebd. S. 97f
  22. Marsh, Clifton E.; ebd. S. 98
  23. a b Farrakhans fulminations, Time-Magazine am 2. July 1984; (Zugriff: 9. September 2007)
  24. FCN Editorial – Is America’s attitude changing?, FinalCall.com am 14. Januar 2008; (Zugriff: 11. Februar 2008)
  25. New York Times: Nation of Islam at a Crossroad as Leader Exits, veröffentlicht am 26. Februar 2007