National-Demokratische Partei Deutschlands

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der DDR-Blockpartei. Zur NPD in der Bundesrepublik Deutschland siehe Nationaldemokratische Partei Deutschlands. Siehe auch Nationaldemokratische Partei.
Haus der NDPD in Ost-Berlin, 1950. An der Fassade ist eine Losung angebracht, die die Freilassung der von der französischen Besatzungsmacht in Westberlin verhafteten 15-jährigen Aktivistin Erika Thürmer fordert.

Die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) war eine Blockpartei in der DDR. Sie wurde 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstützte die Politik der SED. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen FDP auf.

Gründung[Bearbeiten]

Gedenktafel am Gründungsort der NDPD in Potsdam, Lindenstraße 44[1]

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) ließ im Sommer 1945 vier Parteien zu, die KPD, die SPD, die CDU und die LDP. Die SPD wurde im April 1946 mit der KPD zur SED zwangsvereinigt. Bei den Wahlen 1946 schnitten die CDU und die LDP gut ab; darum bemühte die SED sich, diesen Parteien künstliche Konkurrenz zu bereiten. Dazu gründete sie im April 1948 eine Bauernpartei (DBD) und am 25. Mai 1948 die National-Demokratische Partei Deutschlands. An diesem Tag trafen sich die Vorsitzenden der Gründungsausschüsse; das wurde später als Gründungsdatum festgelegt.[2]

Stalin äußerte im März 1948, es sei an der Zeit, „die Trennlinie zwischen ehemaligen Nazis und Nichtnazis aufzuheben“.[3] Bereits am 26. Februar 1948 beendete der SMAD-Befehl Nr. 35 die Entnazifizierung in der Sowjetzone; dadurch erhielten „nichtbelastete“ NSDAP-Mitglieder die Chance, „an der Sicherung der Einheit und der demokratischen Entwicklung Deutschlands ehrlich mitzuarbeiten“.[2] Am 22. März 1948 erschien erstmals die neue National-Zeitung, das spätere Presseorgan (Zentralorgan) der NDPD.

Neben alten NSDAP-Mitgliedern sollten auch ehemalige Offiziere und Vertriebene von der neuen Partei aufgefangen werden. Der SED-Vorstand erläuterte auf seiner Tagung im Mai 1948, „diese politisch unklaren Menschen“ sollten bei der nächsten Wahl nicht „das Stimmvieh“ für die bürgerlichen Parteien CDU und LDP abgeben.[4]

Erster Vorsitzender der NDPD wurde Lothar Bolz, seit 1928 KPD-Mitglied und später Mitarbeiter beim Nationalkomitee Freies Deutschland in der Sowjetunion. Die Partei trat im September 1948 dem Demokratischen Block bei. Klaus Schroeder zufolge waren in die SED wesentlich mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder eingebunden als in die NDPD.[5]

Arbeit im SED-Staat[Bearbeiten]

Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht und Heinrich Homann, 1968

In ihrem Parteiprogramm forderte die NDPD unter anderem die Förderung des Mittelstands, die Eingliederung der einstigen Berufsbeamten, ein Ende der Diskriminierung der kleinen NSDAP-Mitglieder und der Offiziere der Wehrmacht, eine vollständige Bodenreform und die Enteignung der Konzerne. Die nationalkonservativen Angehörigen des Mittelstands und Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft stellten den überwiegenden Anteil der Mitglieder. Die NDPD war nach dem Muster der SED und dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus organisiert. Höchstes Gremium war der im fünfjährigen Rhythmus zusammentretende Parteitag, der einen Hauptausschuss wählte. Ein Sekretariat erledigte die laufenden Geschäfte.

Die NDPD entsandte 52 Abgeordnete in die Volkskammer und stellte je einen Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats und des Vorsitzenden des Staatsrats der DDR.

Das Parteimitglied Ferdinand Graf von Thun und Hohenstein war ein hochrangiger Diplomat der DDR.[6]

Nach eigenen Angaben hatte die NDPD folgende Mitgliederzahlen:

  • 1949: 17.000
  • 1953: 232.605
  • 1975: 80.000
  • Ende der 1980er: etwa 110.000[7]

Wendezeit 1989/90[Bearbeiten]

Am 7. Dezember 1989 trat die Partei aus dem „Demokratischen Block“ aus. Die Partei war mit drei Vertretern am Runden Tisch beteiligt.

Auf dem 14. Parteitag am 20./21. Januar 1990 wurde Wolfgang Glaeser mit 32 Prozent Gegenstimmen zum Vorsitzenden gewählt; er vertrat in seinem Schlusswort einen stark reformorientierten Standpunkt. Führungskräfte und Teile der Mitgliederschaft distanzierten sich davon, und Glaeser trat zwei Tage später zurück.[8] Auf dem Parteitag am 11. Februar 1990 wurde Wolfgang Rauls zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt.

Die NDPD erhielt bei der freien Volkskammerwahl vom 18. März 1990 nur 0,39 % der Stimmen und zwei Mandate. Sie trat im Wahlkampf für eine soziale Marktwirtschaft, einen Stufenplan zur deutschen Einheit über eine Wirtschafts- und Währungsunion und den Beitritt der DDR zur Europäischen Gemeinschaft (EG) ein.

Ein von der NDPD vorgeschlagener Wahlverbund der nationalen und liberalen Parteien in der DDR wurde von den im Bund Freier Demokraten zusammengeschlossenen Parteien abgelehnt. Daraufhin schloss sich die NDPD auch dem Bund Freier Demokraten an und ging mit ihm am 12. August 1990 in der Freien Demokratischen Partei (FDP) auf.

Parteitage[Bearbeiten]

Parteitag der NDPD, 1950
  • 1. Parteikonferenz im September 1948 in Potsdam
  • 1. Parteitag im Juni 1949 in Halle
  • 2. Parteitag im Juni 1950 in Leipzig
  • 3. Parteitag im Juni 1951 in Leipzig
  • 4. Parteitag im Juni 1952 in Leipzig
  • 5. Parteitag im Oktober 1953 in Leipzig
  • 6. Parteitag im September 1955 in Leipzig
  • 7. Parteitag im Mai 1958 in Leipzig
  • 8. Parteitag im Mail 1963 in Erfurt
  • 9. Parteitag im September 1967 in Magdeburg
  • 10. Parteitag im April 1972 in Potsdam
  • 11. Parteitag im April 1977 in Leipzig
  • 12. Parteitag im April 1982 in Leipzig
  • 13. Parteitag im Mai 1987 in Leipzig
  • 14. Parteitag im Januar/februar 1990 in Ost-Berlin
  • Letzte Parteikonferenz im März 1990 in Ost-Berlin

Personen[Bearbeiten]

Parteivorsitzende[Bearbeiten]

Vorsitzende der Landesverbände 1948–1952[Bearbeiten]

Vorsitzende der Bezirksverbände[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Frölich (Hrsg.): „Bürgerliche“ Parteien in der SBZ, DDR. Zur Geschichte von CDU, LDP(D), DBD und NDPD 1945 bis 1953. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1995, ISBN 3-8046-8813-6.
  • Josef Haas: Die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD). Geschichte, Struktur und Funktion einer DDR-Blockpartei, Bamberg 1988 (Dissertation).
  • Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2, Rowohlt, Hamburg 1994, s.v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“.
  • Peter Joachim Lapp: Ausverkauf. Das Ende der Blockparteien. Edition Ost, Berlin 1998, ISBN 3-932180-58-5.
  • Christoph Wunnicke: Die Blockparteien der DDR. Kontinuitäten und Transformation 1945–1990. Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Band 34. Berlin 2014 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: National-Demokratische Partei Deutschlands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Erhart Hohenstein: Wie aus Wache Wachtel wurde. Potsdamer Neuste Nachrichten, 14. August 2009
  2. a b Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2, Rowohlt: Hamburg 1994, s.v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 714.
  3. Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990, 2. Auflage, Propyläen: München 2000 (1998), S. 42.
  4. Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990, 2. Auflage, Propyläen: München 2000 (1998), S. 41/42.
  5. Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990, 2. Auflage, Propyläen: München 2000 (1998), S. 42/43.
  6. Helmut Müller-Enbergs: Thun, Ferdinand. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  7. Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2, Rowohlt: Hamburg 1994, s.v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 715.
  8. Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2, Rowohlt: Hamburg 1994, s.v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 717.