National Health Service

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Logo des NHS in England
Eingang eines Krankenhauses des NHS
Luftaufnahme eines NHS-Krankenhauses

National Health Service (NHS) (deutsch: Nationaler Gesundheitsdienst) bezeichnet das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland. Es besteht aus den vier eigenständigen Organisationen

  • NHS, National Health Service in England
  • NHS Wales in Wales (Walisisch: GIG Cymru, Gwasanaeth Iechyd Gwladol Cymru)
  • NHS Scotland in Schottland (Gälisch: SNS Alba, Seirbheis Slàinte na h-Alba)
  • HSC, Health and Social Care in Northern Ireland in Nordirland.

Der National Health Service wurde 1948[1][2] nach dem Zweiten Weltkrieg gemäß dem so genannten Beveridge-Report gegründet. Er wird aus Steuergeldern (und nicht wie in vielen Ländern über die Sozialversicherung) finanziert[3] und bietet jeder in Großbritannien wohnhaften Person medizinische Versorgung im primären (Hausarzt) und sekundären Bereich (Krankenhäuser). Reisende aus der EU bzw. dem EWR haben im Notfall ebenfalls Anspruch auf gebührenfreie medizinische Versorgung.[4]

International, vor allem im deutschsprachigen Raum, hat der NHS einen eher negativen Ruf. Dies ist u. a. auf die oft sehr langen Wartezeiten für Krankenhausbehandlungen zurückzuführen, die vor allem mit Ärztemangel begründet werden.[5] Großbritannien wird in der deutschen Presse häufig als Auswanderungsland für deutsche Ärztinnen und Ärzte genannt. Von den insgesamt 2.486 im Jahr 2009 aus Deutschland ausgewanderten Ärzten gingen 96 nach Großbritannien (USA 179, Schweiz 701).[6] Die postgraduelle Ausbildung von Ärzten in Großbritannien hat in den letzten Jahren einige tiefgreifende Änderungen erfahren. Ein MMC (Modernising Medical Careers)[7] genanntes Programm hat zu großem Aufruhr innerhalb der Ärzteschaft geführt.

Geplante Gesundheitsreform[Bearbeiten]

Der seit Mai 2010 das UK regierende Premierminister David Cameron betreibt nach eigenen Worten die „radikalste NHS-Reform seit Jahrzehnten”. Im Januar 2011 erfolgte die zweite Lesung eines entsprechenden Gesetzes im Parlament.[8] Cameron will die Ausgaben im Gesundheitswesen von umgerechnet 115 Milliarden Euro pro Jahr bis 2015 um 18 Milliarden Euro senken und vor allem die Verwaltung umstrukturieren: Heute verwalten 151 "Primary Care Trusts" (PCT) 80 Prozent des Budgets aller öffentlicher Krankenhäuser und Arztpraxen. Bis 2013 will die Koalition alle PCT schließen. Auch die zehn "Strategic Health Authorities", die in ihrer jeweiligen Region die Gesundheitsausgaben planen und kontrollieren, sollen aufgelöst werden.

Insgesamt werden dadurch 24.000 Arbeitsplätze abgeschafft. Statt dessen sollen die Allgemeinmediziner direkt aus dem staatlichen Ausgabentopf mit 80 Milliarden Pfund schöpfen und selbst nach den besten Behandlungsangeboten für ihre Patienten suchen sowie den jeweiligen Anbieter bezahlen.

Das geplante Gesetz sieht demzufolge eine stärkere Konkurrenz von Staats- und Privatmedizin vor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: National Health Service – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The NHS at 60: key moments in the NHS and health care history, Financial Times
  2. How the Medical Aid Society started... Tredegar Development Trust (TDT), abgerufen am 30. Januar 2010
  3. Welcome to NHS at 60 from the BMJ and Kings Fund, bmj.com
  4. Vereinigtes Königreich: Reise- und Sicherheitshinweise. Auswärtiges Amt, abgerufen am 30. März 2011.
  5. Luigi Siciliani and Jeremy Hurst: Explaining Waiting Times Variations for Elective Surgery across OECD Countries (PDF; 426 kB) OECD HEALTH WORKING PAPERS NO. 7, 07-Oct-2003
  6. Ärztestatistik 2009: Abwanderung deutscher Ärzte ins Ausland
  7. Modernising Medical Careers
  8. Camerons radikale Gesundheitsreform, bei rp-online.de