Nationaldichter

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Nationaldichter (auch „nationaler Dichter“) ist ein ehrendes Attribut ohne feste Definition. Es gibt sowohl offizielle Ernennungen in der Tradition der Dichterkrönung (Gottfried Keller zum Beispiel wurde 1889 vom Schweizer Bundesrat in den Rang eines Nationaldichters erhoben, auch die britische Königin ernennt stets einen Poet Laureate), als auch inoffizielle Zuschreibungen in den Massenmedien. Selbst lokale Berühmtheiten wie der Frankfurter Adolf Stoltze tragen manchmal das Attribut. Gemeinsame Eigenschaft ist die populäre Anerkennung durch die öffentliche Meinung. Eine historische Wurzel für die Kanonisierung als „Nationaldichter/in“ scheint die neuartige Auffassung vom „Volk“ in der Romantik (einflussreich: Johann Gottfried Herder) zu sein, die vor allem auf diejenigen - oft kleinen - europäischen Völker wirkte, welche unter Fürsten- oder Fremdherrschaft standen, und denen die in der eigenen Sprache wirkungsvoll schreibenden Autoren eine Stimme gaben.

Als typische Vertreter gelten etwa Johann Wolfgang von Goethe (Deutschland), William Shakespeare (England), Robert Burns (Schottland), Dante Alighieri (Italien), Alexander Puschkin (Russland), Adam Mickiewicz (Polen), Miguel de Cervantes (Spanien), Alexandre Dumas (Frankreich), Christo Botew (Bulgarien) oder Luís de Camões (Portugal),[1] jedoch werden in manchen Ländern auch mehrere Autoren mit diesem Attribut versehen.

Im 18. und 19. Jahrhundert war die Vereinnahmung der jeweiligen „Nationaldichter“ bzw. der Nationalliteratur ein häufiges Element der nationalistischen Propaganda. In der Zeit des Nationalsozialismus gab es Versuche, qualitativ minderwertige völkische Autoren wie beispielsweise Dietrich Eckart mit Hilfe gleichgeschalteter Medien in den Rang des Nationaldichters zu erheben, wodurch der Begriff im deutschen Sprachgebiet zum Teil entwertet wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Lusiads. 1800. Abgerufen am 31. August 2013.