Nationale Maatschappij der Belgische Spoorwegen/Société Nationale des Chemins de fer Belges

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Nationale Maatschappij der Belgische Spoorwegen (NMBS)

Société Nationale des Chemins de fer Belges (SNCB)
Logo der NMBS/SNCB
Rechtsform société anonyme belge de droit public/naamloze vennootschap van publiek recht
Gründung 1. Januar 2005 (in der heutigen Form)
Sitz Brüssel, Belgien
Leitung Marc Descheemaecker, Richard Gayetot, Sabin S’heeren, Michel Jadot
Mitarbeiter 18.300 (2006)[1]
Umsatz 2.217,5 Mio. EUR (2007) EBITDA[2]
Branche Transport
Website www.belgianrail.be

Nationale Maatschappij der Belgische Spoorwegen (NMBS, niederländisch) oder Société Nationale des Chemins de fer Belges (SNCB, französisch) ist der Name für die staatliche Belgische Eisenbahngesellschaft. Sie wird auch manchmal (besonders von Ausländern) nur B-Rail genannt. Übersetzt bedeutet beides Nationale Gesellschaft der belgischen Eisenbahnen. Im Firmensymbol, welches 1936 von Henry van de Velde entworfen wurde, steht sprachlich neutral der Buchstabe B in einem liegenden Oval.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufbauzeit[Bearbeiten]

Belgien schuf sich als erstes Land in Kontinentaleuropa ein zusammenhängendes Eisenbahnnetz. Bis 1842 baute der belgische Staat die Eisenbahnen im Lande selber. Anschließend verkaufte er Konzessionen, zunächst überwiegend an englische Gesellschaften, dann an eine Tochter der französischen Compagnie des chemins de fer du Nord, so dass schließlich etwa 600 Kilometern staatlicher Bahnen eine mehrfache Streckenlänge in privater Hand gegenüberstand. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte er diese jedoch wieder zurück und gründete die sogenannte „Eisenbahnverwaltung“.[3][4]

Um 1900 hatte Belgien 170 m Schienen pro km², gegenüber 103 m/km² in England, 79 m/km² in Deutschland und 70 m/km² in Frankreich.

Streckeneröffnungen[Bearbeiten]

Belgien 1844 mit den ersten Bahnstrecken

1914–1945[Bearbeiten]

1926 wurde die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen gegründet. 1927 wurde diese Gesellschaft bereits privatisiert.

1945–1990[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte dann eine erneute Verstaatlichung der NMBS/SNCB.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine Reduktion auf wichtige Verbindungen statt: Einige in dünn besiedelte Gebiete führende Strecken wurden stillgelegt und durch kostengünstigere Autobusse ersetzt, beziehungsweise einige im Krieg zerstörte Strecken gar nicht erst wieder aufgebaut (z. B. Gouvy – St. Vith). Während man auch in den 1980er Jahren zahlreiche eher schwach frequentierte Haltepunkte schloss, fand zeitgleich – und im Vergleich zu anderen europäischen Bahnen schon recht früh – auch eine Renaissance des Bahnverkehrs in ländlichen Gebieten statt; man eröffnete Strecken neu und attraktivierte den Fuhrpark. Beispiel hierfür sind die Strecken Antwerpen – Neerpelt und Welkenraedt – Eupen.

Ein buntes Farbschema prägt die Züge

Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde ein landesweit einheitliches InterCity/InterRegio-Netz für den Fernverkehr geschaffen. So verbanden – auch recht früh – ab dem 3. Juni 1984 13 vertaktete IC-Linien und 16 vertaktete IR-Linien die 70 wichtigsten Bahnhöfe Belgiens. Für den lokalen Nahverkehr wurden P- und L-Züge eingeführt. Während Letztere – ähnlich den ICs und IRs – vertaktet sind, fahren die P-Züge (Piekuurtrein=Spitzenverkehrszug) als eine Art Eilzug, welcher die Fläche mit Oberzentren, wie Brüssel und Antwerpen verbindet, nur im Zeitraum von 6 bis 9 und 16 bis 19 Uhr. Ergänzend fahren die sogenannten T-Züge (des trains touristiques) in der Urlauberzeit. Dieses Zugsystem hat sich bis heute bewährt und wurde im InterCity- und InterRegio-Bereich um mehrere Linien ergänzt, sodass gegenwärtig 18 IC- und 18 IR-Linien landesweit verkehren (Stand: 2014).[5]

1991 bis heute[Bearbeiten]

Seit 1991 ist die NMBS/SNCB ein sogenannter „selbständiger Betrieb“. Im Zuge der EU-weiten Anpassung und Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs wurde die NMBS/SNCB in drei Geschäftsbereiche aufgeteilt: NMBS/SNCB Holding Group (Kontrollaufgabe, übergeordnete Organisation), Infrabel (Anbieter des Schienennetzes) und NMBS/SNCB (Anbieter von Reisen). Um den weiteren Anforderungen des europäischen Eisenbahnverkehrs gerecht zu werden, entschied man sich in den 1990er Jahren zum völligen Neubau von Strecken, wie der Hochgeschwindigkeitstraße Brüssel-Lüttich-Aachen, zur großzügigen Modernisierung von wichtigen Bahnhöfen und zur weiteren Modernisierung des Fahrzeugparks.

In den 90er-Jahren wurde die NMBS/SNCB Gründungsmitglied der Eurostar Group und der Thalys International.

Seit dem 1. Januar 2005 ist der belgische Eisenbahnverkehr liberalisiert. Die NMBS/SNCB ist seither ein eigenständiges staatliches Unternehmen. Die ehemalige Staatsbahn war dabei auch in mehrere Geschäftsbereiche unterteilt worden[6].

Die NMBS/SNCB war 2007 Gründungsmitglied des Railteam.

Elektrifizierung[Bearbeiten]

1935 wurde die erste Elektrifizierung zwischen Brüssel und Antwerpen durchgeführt. Hierbei wurde 3000 Volt Gleichstrom angewendet. Seit den 1950er Jahren kam es zu einem zeitlichen Verzug bei den Elektrifizierungen, da man aus Kostengründen dieselelektrische Lokomotiven bevorzugte. Inzwischen jedoch strebt man eine vollständige Elektrifizierung des Streckennetzes an.

Die NMBS/SNCB verwendet im weitaus überwiegenden Teil des Streckennetzes weiterhin 3000 Volt Gleichstrom. Nur bei einigen Modernisierungen (Athus-Meuse) und auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken wird grundsätzlich mit 25.000 Volt Wechselspannung (50 Hertz) elektrifiziert.

Streckennetz[Bearbeiten]

Belgien hat eines der dichtesten Streckennetze der Welt. Die unterirdische, sechsgleisige Brüsseler Nord-Süd-Verbindungsbahn ist mit ca. 1200 Zügen pro Tag der am stärksten befahrene Eisenbahntunnel der Welt. Für den weiteren Ausbau des Netzes ist die Infrabel zuständig.

Schnellfahrstrecken werden in Belgien als ligne à grande vitesse oder hogesnelheidslijn bezeichnet. Das Liniennetz verläuft von der französischen (und weiter zur englischen), deutschen und niederländischen Grenze sternförmig auf die Hauptstadt Brüssel zu.

Strecke Vmax Länge Inbetriebnahme Zugtyp Stromsystem Zugsicherung
In Betrieb HSL 1, Brüssel–Lille (Anschluss an LGV Nord) 300 km/h 88 km 1997 TGV, Eurostar, Thalys 25 kV, 50 Hz TVM430
In Betrieb HSL 2, Löwen–Ans (Strecke Brüssel–Lüttich) 300 km/h 62 km 2002 Thalys, ICE 3M, IC 25 kV, 50 Hz TBL2
In Betrieb HSL 3, Chênée–Walhorn (Strecke Lüttich–Aachen) 260 km/h 42 km 2009 Thalys, ICE 3M 25 kV, 50 Hz ETCS Level 2
In Betrieb HSL 4, Antwerpen–Rotterdam (Anschluss an HSL-Zuid) 300 km/h 40 km 2009 Thalys, IC 25 kV, 50 Hz ETCS Level 2

Verkehr[Bearbeiten]

Thalys und ICE International im Brüsseler Südbahnhof

Der Eisenbahn-Personenverkehr in Belgien wird fast ausschließlich durch die NMBS/SNCB durchgeführt, sie betreibt außerdem die Regionalzüge auf den Strecken Lüttich–Aachen (euregioAIXpress), Antwerpen-Roosendaal und Lüttich–Maastricht. Zwischen Deutschland und dem Antwerpener Hafen wird eine Frachtlinie von der privaten „Dillen en Lejeune Cargo“ (DLC) betrieben.

Es gibt folgende Zuggattungen:

  • Thalys: Hochgeschwindigkeitszug Richtung Paris, Amsterdam, Köln und Ostende
  • Eurostar: Kanaltunnelzug nach London
  • ICE International nach Köln und Frankfurt am Main
  • TGV überwiegend nach Südfrankreich
  • INT (Internationale Trein / Train international): Zwei Zugpaare Brüssel – Luxemburg – Basel – Zürich
  • IC Intercity: 18 im Stundentakt verkehrende Linien mit den Bezeichnungen IC A bis IC R, Halteabstände geringer als in anderen Ländern, Durchschnittsgeschwindigkeit 70 bis 90 km/h
    • ICT: touristisch orientierter InterCity (vormals: T-Trein)
  • IR Interregio: 18 überwiegend im Stunden- oder 2-Stundentakt verkehrende Linien mit den Bezeichnungen IR a bis IR r
  • P-Trein (Piekuurtrein / Train d´heure de pointe): Spitzenverkehrszug, ähnlich dem Regionalexpress oder Eilzug, verkehrt allerdings nur im Zeitraum von 6 bis 9 und 16 bis 19 Uhr
  • L-Trein (Stoptrein): Lokalzug, Grundangebot im Nahverkehr, Regionalbahn
  • CityRail/CR: Städte-Schnellverkehr
  • RER: Vorortbahn für Brüssel (in Planung), siehe auch: Gewestelijk ExpresNet/Réseau Express Régional (Brüssel)

Tarife[Bearbeiten]

Rail Pass

Eine tarifliche Trennung zwischen Nahverkehr und Fernverkehr, mit Ausnahme von ICE und Thalys, gibt es in Belgien nicht. Die Personenbeförderungstarife richten sich nach der Entfernung mit einem Maximaltarif bei mehr als 150 km. Bestimmte Personengruppen bekommen (zum Teil nur an bestimmten Tagen und auf bestimmten Strecken) Ermäßigungen (Rentner, Schwerbehinderte, Kinder, Kriegsinvaliden, …). Außerdem existieren spezielle touristische Tages- und Wochenendfahrkarten mit Ermäßigungen zwischen 40 % und 60 % wie auch die im Dreiländereck um Lüttich/Aachen/Maastricht gültige Tageskarte EUREGIO-Ticket. Pendler bekommen außerdem durch den Arbeitgeber Teile des Monatskartenpreises erstattet. Eine weitere Besonderheit stellt der Rail Pass dar; hierbei handelt es sich um eine Fahrkarte, die der Fahrgast sich 10-malig selbst ausstellen kann (Eintrag von Start- und Zielbahnhof, Wochentag und Datum) die 76 € für die 2. Klasse und 117 € für die 1. Klasse kostet. Das Ticket ist zwischen zwei beliebigen Abfahrts-/Ankunftsbahnhöfen gültig; Grenzbahnhöfe ausgenommen. Dieses Ticket gibt es auch für junge Leute (bis zum Alter von einschließlich 25 Jahren), der sogenannte Go Pass 10, für nur 50 € und auch für 10 Fahrten in der 2. Klasse, bzw. 6,50 € als nur online erhältlicher Go Pass 1 für eine einfache Fahrt. Für kurze Strecken (z. B. von Eupen nach Verviers, aber nicht gültig innerhalb der Zone Brüssel) gibt es die Key Card für 20 € für die 2. Klasse und 30 € für die 1. Klasse, ebenfalls für 10 Fahrten. Alle genannten Pässe sind ein Jahr lang ab Kaufdatum gültig.

Aktueller Betrieb[Bearbeiten]

IC-Linie A im Bf Eupen
IR im Bahnhof Liège-Guillemins vor dessen Umbau

Die staatliche Belgische Eisenbahn betreibt eines der dichtesten Eisenbahnnetze weltweit.

Brüssel ist ein Zentrum des europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs mit Eurostarverbindungen nach London, Thalys-Verbindungen nach Amsterdam, Köln und Paris sowie Intercity-Express-Verbindungen nach Frankfurt am Main. Weitere Knotenpunkte des Belgischen Eisenbahnverkehrs sind Antwerpen, Löwen, Gent-St.-Pieters, Brügge, Lüttich-Guillemins, Namur und Charleroi.

Planungen[Bearbeiten]

In den letzten Jahren wird eine umfassende Modernisierung des Fahrzeugparks durchgeführt. Für Brüssel ist ein RER-Netz (S-Bahn) in Vorbereitung (Gewestelijk ExpresNet/Réseau Express Régional (Brüssel)).[7]

Zahlen[Bearbeiten]

2001 beförderte die Gesellschaft 160 Millionen Reisende auf einem Streckennetz mit einer Gesamtlänge von 3.454 Kilometern. Vom Gesamtstreckennetz sind 2.701 km elektrifiziert. Die Netzdichte beträgt 112,6 m/km² und liegt damit weit über dem EU-Durchschnitt von 51,2 m/km². Die SNCB verfügt über 537 Bahnhöfe und Haltestellen – jährlich kommen neue hinzu.

Die SNCB war im Jahr 2004 mit 1,27 Milliarden Euro der größte belgische Investor, der Umsatz der SNCB beläuft sich auf etwa 2,21 Milliarden Euro (Stand: 2004).

Wichtige Bahnhöfe[Bearbeiten]

Bahnhofspersonal in Oostende

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • belg. Kursbuch
  1. „NMBS-structuur“
  2. „NMBS realiseert verdere groei“
  3. http://home.base.be/vt6368640/belgique.html Michel Marin: Histoire des Chemins de Fer en Belgique
  4. Brockhaus’ Konversationslexikon, 14. Auflage, 1894–1896, S. 688: Belgische Eisenbahnen
  5. Brochures IC-IR auf b-rail.be, abgerufen am 6. Juni 2014.
  6. Meldung Neue SNCB erfolgreich. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 5/2006, ISSN 1421-2811, S. 238.
  7. Zur RER Brüssel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nationales Eisenbahnunternehmen von Belgien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien