Nationale Progressive Front (Irak)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flagge der Baath-Partei, des Seniorpartners in der Koalition

Die Nationale Progressive Front (arabisch ‏الجبهة الوطنية التقدمية‎, DMG al-Ǧabha al-Waṭaniyya at-Taqaddumiyya, englisch National Progressive Front, auch Nationale Fortschrittsfront genannt) war eine Koalition zwischen der regierenden Baath-Partei, Nasseristen und mehreren Blockparteien im Irak. Sie bestand von 1973 bis 1979 und lehnte sich an die Nationale Progressive Front in Syrien an, welches durch die syrische Baath-Partei regiert wird. Durch die sollte im Land, das von der Baath-Partei regiert wurde, ein Mehrparteiensystem eingeführt werden. Im Kommandorat waren allerdings keine Nichtbaathisten vorhanden.

Struktur und Mitglieder[Bearbeiten]

Bereits am Vorabend der Machtübernahme der irakischen Baath-Partei im Juli 1968 hatte Fuad ar-Rikabi für eine Koalition aus Nasseristen, linken Baathisten (prosyrischer Flügel der irakischen Baath) und Kommunisten geworben. Er wurde jedoch verhaftet und kam 1971 im Gefängnis ums Leben.[1]

Nach Abschluss des irakisch-sowjetischen Freundschaftspaktes von 1972 begann auch die irakische Baath-Führung, die bisher verfolgte Irakische Kommunistische Partei einzubinden. 1973 wurde eine formale Koalition vereinbart, die Demokratische Partei Kurdistans zerbrach jedoch an der Frage einer Regierungsbeteiligung. Ubaidallah Barzani, der älteste Sohn des Parteigründers, gründete eine rivalisierende Parteiführung und wurde Staatsminister in Bagdad (1974-1980). Hinter weiteren DPK-Abspaltungen standen zumeist nur kurdische Einzelpersönlichkeiten.[2]

Der 1974 formal gebildeten Progressiven Patriotischen Nationalen Front (al-Dschabha al-Wataniyya al-Qaumiyya al-Taqaddumiyya, Abkürzung PPNF) gehörten neben der irakischen Baath-Partei an:[3]

Offenbar (so Sluglett) hatten sich die Kommunisten dem Glauben hingegeben, die Baath-Partei nach links ziehen zu können. Wie in Syrien war den nichtbaathistischen Parteien verboten, Agition in den Streitkräften und Sicherheitsorganen zu betreiben. 1976 wurde ein Gesetz verabschiedet, daß eine solche nichtbaathistische Agition in den Streitkräften unter Todesstrafe stellte, und 1978 wurden mehrere Kommunisten hingerichtet, die versucht hatten, eine Parteizelle in der Armee zu bilden. Nach dem Austritt der Kommunisten wurde die Führung der Nationalen Front 1980 erneut anders zusammengesetzt. Eine Splittergruppe der Irakischen Kommunistischen Partei - die Irakische Kommunistische Avantgarde-Organisation - hielt jedoch an der Zusammenarbeit mit der Baath-Partei fest und war bis 2003 mit einem Abgeordneten im Parlament vertreten.

Trotz einiger kommunistischer und kurdischer Minister in der irakischen Zentralregierung wurde jedoch kein nichtbaathistisches Mitglied der Nationalen Front jemals in der Revolutionären Kommandorat, die eigentliche Führung des Irak, aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marion und Peter Sluglett: Der Irak seit 1958 – Von der Revolution zur Diktatur. Suhrkamp, Frankfurt 1991.
  • Saddam Hussein: Eine gemeinsame Frontlinie oder zwei gegensätzliche Fronten?. Ministry of Information (Iraq), Varese (Italien), Juli 1977.
  • Arabische Sozialistische Ba'th-Partei (Irakische Region): Der Politische Bericht (verabschiedet vom Achten Regionalen Kongress), Seiten 85–89 und 207f. Informationsministerium der Republik Irak, Januar 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel Dishon: Middle East Record 1968 , Seite 512. Tel Aviv 1973
  2. Iraq: The National Progressive Front
  3. Lothar Rathmann (Hrsg.): Geschichte der Araber - Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 6, Seite 215-219. Akademie-Verlag Berlin 1983