Nationale Sicherheitsdirektion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Nationale Sicherheitsdirektion (persisch ‏ریاست امنیت ملی‎, Riyāsat-e amniyat-e mellī, kurz Amaniyat, engl. Bezeichnung „National Directorate of Security“) ist der afghanische Inlandsgeheimdienst, der sowohl nachrichtendienstliche wie polizeiliche Aufgaben ausführt.[1][2]. Seine derzeitige Hauptaufgabe ist die nachrichtendienstliche Unterstützung der afghanischen Regierung, der Truppen der Operation Enduring Freedom (OEF) und der internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) beim Krieg gegen die radikal-islamischen Taliban und Al-Qaida-Gruppierungen. Finanziert wird das NDS von Deutschland, Großbritannien und den USA.[3] Der derzeitige Geheimdienstchef ist Rahmatullah Nabil.[4] Der Hauptsitz befindet sich in Kabul. Das NDS hat 30 Abteilungen und über ganz Afghanistan verteilte Zweigstellen. Es beschäftigt geschätzte 15.000 bis 30.000 Mitarbeiter.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wurzeln des Afghanischen Geheimdienstes reichen zurück bis in die Präsidentschaft von Daoud Khan. Im Laufe der Geschichte wurde die Bezeichnung mehrmals geändert: Der ursprüngliche Name AGSA (Da Afghanistan da Gato da Satalo Adara) wurde in KAM (Kargarano Amniyyati Mu'assassa) umgeändert. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan wurde der Geheimdienst mit Unterstützung des KGB reformiert und in Khadamat-e Etela'at-e Dawlati (KhAD) umbenannt.[5] Am 29. Januar 1981 wurde das KhAD-Hauptquartier in Kabul von Mudschahidin-Kämpfern angegriffen und zerstört. Der letzte KhAD-Direktor (Ghulam Faruq Yakubi) wird im Zuge des Zusammenbruchs von Mohammed Nadschibullahs Regierung im April 1992 getötet. Nach dem Sturz der Taliban 2001 wurde unter Präsident Hamid Karzai der KhAD wieder ins Leben gerufen und vom amerikanischen Geheimdienst CIA[6] neu aufgebaut. Seitdem ist die Organisation unter dem Namen National Directorate of Security bekannt, wird umgangssprachlich aber weiterhin „Khad“ bezeichnet.[7]

Eine Studie aus dem Jahr 2004 schätzt, dass über 50 % der NDS-Mitarbeiter ehemalige KhAD-Agenten sind.[8][9] Erster Direktor nach dem Fall des Taliban-Regimes war Mohammad Arif Sarwari, ein General der Vereinigten Front (Nordallianz). Auf ihn folgte 2004 Amrullah Saleh. Nach dem Rücktritt von Amrullah Saleh im Juni 2010 war Ibrahim Spinzada übergangsweise Direktor des NDS bis er von Rahmatullah Nabil, einem Vertrautem Hamid Karzais, abgelöst wurde.

Das Durchschnittsgehalt eines NDS-Mitarbeiters beträgt 4800 Afghani im Monat (ca. 64 Euro).[10]

Im September 2009 wurde der stellvertretende Geheimdienstchef Abdullah Laghmani bei einem Sprengstoffattentat östlich von Kabul getötet.

Mitte April konnte der NDS den bis dahin größten Erfolg verbuchen, da ein Sprengstoffanschlag auf das Zentrum von Kabul mit mehr als 10 t Sprengstoff vereitelt werden konnte.[11]

Kontroversen[Bearbeiten]

Human Rights Watch kritisierte eine vom NDS im Juni 2006 veröffentlichte Anordnung als Einschränkung der Pressefreiheit.[12] In dem Dokument[13] wird unter anderem erklärt, dass die Medien die Veröffentlichung von Material einschränken oder unterlassen müssen, wenn dabei die öffentliche Moral verletzt wird oder dabei die öffentliche Sicherheit oder das nationale Interesse gefährden wird.

Organisationen wie das Rote Kreuz, Human Rights Watch und Amnesty International werfen dem NDS Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Gefangenen vor.[14][15]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Lieutenant General Karl W. Eikenberry: An Assessment of Security and Stability in Afghanistan, United States House of Representatives, 13. Februar 2007, S. 9.
  2. David Pugliese: Afghans open controversial interrogation facilities, Canwest News Service, 12. Mai 2007
  3. worldbank.org, PDF, S. 27.
  4. Islamic Republic of Afghanistan/Office of the President:National Directorate of Security Must be the Protector of National Interests 13. September 2010
  5. a b Amnesty International: Afghanistan. Detainees transferred to torture: ISAF complicity? (PDF), 13. November 2007, S. 38.
  6. Los Angeles Times: CIA expanding presence in Afghanistan, latimes.com, 20. September 2009
  7. Hannoversche Allgemeine Zeitung: Afghanistan: Rückkehr ins wilde "Talibanistan", 19. Juli 2008
  8. Stefan Christoff: Reporting on torture in Afghanistan, rabble.ca, 4. Mai 2007
  9. Eric S. Margolis: Canada's Dirty Hands, 4. Mai 2007
  10. John Ivison: Torture allegations are lies, Afghan official says; Detention staff 'should be praised not punished, National Post, 28. April 2007
  11. http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan2782.html
  12. Afghanistan: Remove New Restrictions on Media, Human Rights Watch, 22. Juni 2006
  13. PDF bei hrw.org
  14. Deutsche Folter-Komplizen am Hindukusch?, FOCUS-Online, 12. November 2007
  15. Foltervorwürfe gegen Karzais Geheimdienst, SPIEGEL-Online, 22. Dezember 2009

Weblinks[Bearbeiten]