Nationalhymne

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Die Nationalhymne ist das Lied oder Musikstück (Hymne) eines Staates, mit dem er sich zu besonderen Anlässen präsentiert. Diese Staatshymne (bei Bundesstaaten auch Bundeshymne genannt) wird beispielsweise bei Staatsempfängen, bei internationalen Sportereignissen oder bei besonderen staatlichen Ereignissen gespielt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Welche Nationalhymne die älteste der Welt ist, hängt von der Definition ab. Die japanische Nationalhymne Kimi Ga Yo hat einen Text von spätestens 905; ihre Melodie wurde jedoch erst am Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Definiert man eine Nationalhymne als Einheit von Text und Melodie, so ist vermutlich die seit dem 16. Jahrhundert gesungene niederländische Hymne Het Wilhelmus die älteste der Welt.

Veröffentlichung der niederländischen Hymne von 1626

Eine Nationalhymne besteht in der Regel aus Melodie und aus Text. Die Melodie der britischen Nationalhymne God Save the King/Queen wurde von einigen anderen Ländern übernommen, wie zum Beispiel von Preußen (Heil dir im Siegerkranz − ab 1871 deutsche Kaiserhymne), der Schweiz (Rufst du mein Vaterland − heute nicht mehr Nationalhymne) oder Liechtenstein (Oben am jungen Rhein). Ähnlich wurde die Melodie der österreichischen Kaiserhymne für das Deutschlandlied (ab 1922 deutsche Nationalhymne) übernommen. Zu den Nationalhymnen ohne Text gehören Marcha Real (Spanien), Intermeco (Bosnien und Herzegowina), Inno Nazionale della Repubblica (San Marino) und historisch Auferstanden aus Ruinen (DDR – der Text wurde seit Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr gesungen).

Bei einem Wechsel der Staatsform wird oft auch die Nationalhymne geändert oder durch eine Parteihymne ergänzt.

Viele Nationalhymnen haben einen militärischen Ursprung, beispielsweise das US-amerikanische Star-Spangled Banner, das irische Soldier's Song oder das französische Kriegslied La Marseillaise. Eine weitere Gruppe sind Hymnen an einen Monarchen, wie das britische God Save the Queen. Dänemark, Schweden und Norwegen haben sowohl eine Königs- als auch eine Landeshymne. Andere Nationalhymnen haben einen ausgeprägten sakralen, choralartigen Charakter, so der Schweizerpsalm und die isländische Hymne Lofsöngur, die beide auch in kirchlichen Gesangbüchern des Landes abgedruckt sind.

Empfang mit militärischen Ehren im Jahre 2005: der brasilianische Präsident Lula schreitet die Front einer Ehrenformation der französischen Garde Républicaine ab.

Verwendung der Nationalhymne[Bearbeiten]

Die Repräsentation der Staaten bei Staatsbesuchen ihrer Vertreter und ähnlichen diplomatischen Ereignissen erfolgte seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch das Abspielen so genannter Nationalhymnen. Dies ist oft auch mit militärischen Zeremonien verbunden.

Bei internationalen Sportveranstaltungen wird anlässlich der Siegerehrung die Nationalhymne des jeweiligen Heimatlandes gespielt. Auch bei der Eröffnung der Olympischen Spiele wird zum Einmarsch der Teilnehmer aus den einzelnen Nationen ins Stadion die Nationalhymne des Landes gespielt.

Verhalten beim Spielen einer Nationalhymne[Bearbeiten]

Beim öffentlichen Spielen einer Nationalhymne ist es üblich, sich zu erheben und in aufrechter Haltung so lange stehenzubleiben, bis die Musik verklungen ist. Männer nehmen gegebenenfalls ihre Kopfbedeckung ab, Frauen ist dies freigestellt.Für Soldaten in Uniform gelten verschiedene Vorschriften, wann der militärische Gruß zu erweisen ist. Diese Respektbezeugungen sind grundsätzlich bei jeder Nationalhymne zu erweisen, unabhängig davon, ob es sich um die Hymne des eigenen oder eines anderen Landes handelt; ausgenommen sind Musikveranstaltungen, bei denen Nationalhymnen im Rahmen einer Konzertvorführung gespielt werden wie beispielsweise bei der Musikschau der Nationen.

Darüber hinaus gibt es länderspezifische Besonderheiten beim Abspielen einer Nationalhymne. So wird z. B. in den Vereinigten Staaten und in vielen mittel- und südamerikanischen Ländern die rechte Hand aufs Herz gelegt. Bei geeigneten Anlässen (v. a. bei Sportereignissen oder öffentlichen Feiern) wird die Nationalhymne mitgesungen.

Inoffizielle Nationalhymnen[Bearbeiten]

Einige Staaten verfügen auch über mehrere nationale Hymnen, von denen zwar nur eine offiziell Nationalhymne ist, die anderen jedoch in der Öffentlichkeit dieselbe starke Symbolkraft besitzen und teilweise ebenfalls bei offiziellen Anlässen gespielt werden.

Besonderes[Bearbeiten]

Ergänzung durch Parteihymnen[Bearbeiten]

Besonders in den rechtsgerichteten Diktaturen des 20. Jahrhunderts war es gebräuchlich, dass der Nationalhymne unmittelbar die jeweilige Parteihymne folgte, welche somit einen ähnlichen Status wie die Nationalhymne selbst beanspruchte. So folgte zum Beispiel

In vielen kommunistischen Ländern war beziehungsweise ist es üblich, nach der entsprechenden offiziellen Nationalhymne auch Die Internationale zu spielen; in der Sowjetunion fungierte Die Internationale von 1917 bis 1944 zugleich als Nationalhymne.

In der Volksrepublik China nahm zur Zeit der Kulturrevolution das Lied Der Osten ist rot, eine Hymne auf die Person Mao Zedongs (aber auch auf die Partei), eine dominante Position ein und überschattete fast die Nationalhymne Marsch der Freiwilligen.

In der Republik China ist die Nationalhymne San Min Chu-i zugleich Parteihymne der Kuomintang, weshalb daneben noch das Nationale Flaggenlied als inoffizielle Hymne gebräuchlich ist.

Musik[Bearbeiten]

Verschiedene Werke der zeitgenössischen Musik widmen sich dem Thema „Nationalhymnen“, zum Beispiel

  • Karlheinz Stockhausen: Hymnen
  • Die Soloklavier-Komposition Hämmerklavier XIX: Hymnen der Welt von Moritz Eggert enthält sämtliche Nationalhymnen der Welt, in alphabetischer Reihenfolge

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nationalhymnen. Texte und Melodien. 11. Auflage. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010595-1 (mit Noten).
  • Harry D. Schurdel: Nationalhymnen der Welt. Entstehung und Gehalt. Atlantis, Mainz 2006, ISBN 3-254-08221-4.
  • Jakob Seibert (Hrsg.): Nationalhymnen. Songbook. Schott, Mainz 2006, ISBN 3-7957-5773-8 (Noten und Texte von 50 Hymnen).
  • Jakob Seibert (Hrsg.): Nationalhymnen. 50 Hymnen für Klavier und Gesang. Schott, Mainz 2006, ISBN 3-7957-5772-X (Klavierarrangements zum Spielen und Mitsingen).
  • Peter Häberle: Nationalhymnen als kulturelle Identitätselemente des Verfassungsstaates. 2. Auflage. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-14224-8.
  •  W. L. Reed, M. J. Bristow: National Anthems of the World. 10. Auflage. 2002, ISBN 0304363820.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Nationalhymne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland Zoss: Härzland (Mundart)
  2. Informationen auf der Webpräsenz des griechischen Präsidenten (griechisch)
  3. In der Fassung des Triple Himno gingen die carlistische und die falangistische Hymne der Marcha Real sogar voran.