Nationalität Mozarts

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W. A. Mozart, Detail aus einem Gemälde von Johann Nepomuk della Croce (ca. 1780)

Die Frage der Bürger- oder Landsmannschaft im Sinne einer Nationalität des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) wird in der Rezeptionsgeschichte unterschiedlich beantwortet.

Mozarts Geburtsort Salzburg gehörte zum Zeitpunkt seiner Geburt und bis zur Säkularisierung des Fürsterzbistums Salzburg 1803 zum Bayerischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches. Seit der Säkularisierung 1803 und dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches 1806 gehört Salzburg nach mehreren Zwischenstationen seit 1816 endgültig zu Österreich. Mozart wird darum teilweise als Österreicher und teilweise als Deutscher beschrieben.

Vorfahren[Bearbeiten]

Gedenktafel für Mozarts Urgroßvater Franz Mozart in Augsburg
Hauptartikel: Mozart (Familie)

Die Vorfahren von Mozarts Vater Leopold stammen wie dieser aus der Gegend um Augsburg, das dem Schwäbischen Reichskreis zugeordnet war; seine Mutter Anna Maria wurde in St. Gilgen im damaligen Fürsterzbistum Salzburg geboren.

Politischer Status von Salzburg[Bearbeiten]

Mozart wurde in Salzburg geboren. Dieses wurde um das Jahr 696 vom heiligen Rupert von Salzburg im Herzogtum Bayern der Agilolfinger gegründet. Im späten 14. Jahrhundert wurden Stadt und Land Salzburg unabhängig von Bayern und Hauptstadt eines im Wesentlichen unabhängigen[1] Fürsterzbistums namens Erzstift Salzburg,[2] das geistlich dem Heiligen Stuhl in Rom unterstand, weltlich dem Römisch-deutschen Kaiser, nicht aber der „österreichischen“ Habsburgermonarchie. Die Länder (inkl. Bistümer) im Römisch-deutschen Reich verliehen ihre eigene Staatsbürgerschaft, die allerdings eine geringere Bedeutung als heute hatte. Die Bezeichnung deutsch oder Deutscher bezeichnete nicht die Nationalität, sondern die Zugehörigkeit zu den Deutschsprachigen oder zum Römisch-deutschen Reich und stand damit nicht im Widerspruch zur jeweiligen Nationalität. Eine Nationalität lässt sich hieraus nicht ableiten. Im Erzbistum geboren, war Mozart Untertan der Fürsterzbischöfe, und blieb das auch sein Leben lang. Die Landeszugehörigkeit Mozarts könnte daher als „(Fürsterzbischöflich-)Salzburgerisch“ bezeichnet werden[3], jedoch ist diese Umschreibung seiner Landsmannschaft wenig verbreitet.[4]

Wissenschaftliche Praxis[Bearbeiten]

Die Wissenschaftler, die die Biographien und Nachschlagewerke über Mozart schrieben, entschieden bei der Zuordnung Mozarts zu einem heutigen Land unterschiedlich

Der viel verwendete Grove Dictionary of Music and Musicians bezeichnet Mozart als österreichischen Komponisten.[5] Auch das Houghton Mifflin Dictionary of Biography (2003), das Oxford Concise Dictionary of Music (Bourne und Kennedy 2004) und das NPR Listener's Encyclopedia of Classical Music (Libbey, 2006) bezeichnen ihn als solchen. Die Encyclopædia Britannica liefert zwei unterschiedliche Ergebnisse:[6] die kurze anonyme Fassung in der „Micropedia“ bezeichnet ihn als österreichischen Komponisten, der Hauptartikel in der „Macropedia“, geschrieben von H. C. Robbins Landon, befasst sich nicht mit seiner Nationalität.

In früheren Quellen wird Mozart oft als deutscher Komponist bezeichnet, vor allem vor der Gründung des heutigen modernen österreichischen Nationalstaates. Eine Londoner Zeitung berichtete im Jahr 1791 vom Tod des Komponisten. Dort wird er als „der gefeierte deutsche Komponist“ (englisch: „the celebrated German composer“) bezeichnet.[7] In Lieber et al. (1832, S. 78), wird Mozart als „der große deutsche Komponist“ vorgestellt; Ferris (1891) nahm Mozart in seinem Buch „The Great German Composers“ („Die großen deutschen Komponisten“) auf. Andere Bezeichnungen als Deutscher findet man bei Kerst (1906, S. 3), Mathews und Liebling (1896), sowie MacKey und Haywood (1909); viel später auch bei Hermand und Steakley (1981).

Manche Quellen änderten ihre Zuordnungen zu heutigen Staaten im Laufe der Zeit. Grove bezeichnete Mozart nicht immer als "Österreicher"; dies erschien erstmals in der ersten Auflage des New Grove im Jahr 1980. Ähnlich war es auch beim Baker's Biographical Dictionary of Musicians. Ursprünglich erwähnten sie die Landsmannschaft Mozarts nicht. Das Wort „Austrian“ wurde erstmals im Anfangssatz in der achten Auflage von 1992 erwähnt, und wurde seither beibehalten.[8] Die Encyclopædia Britannica, die ihn heute als „Austrian“ bezeichnet, beschrieb ihn früher als deutschen Komponisten.[9]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für Diskussionen zur Unabhängigkeit Salzburgs siehe Beales (2006a, 31) und darunter.
  2. Sadie (2006, 3–4)
  3. Rudolph Angermüller: Mozarts Reisen in Europa, Bock Verlag, 2004, ISBN 978-3870669133 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Mozart scholar Otto Erich Deutsch suggested that Mozart was actually not a citizen of Salzburg, but of Augsburg. Discussing Mozart's baptismal record, he writes that Mozart's father Leopold, born and raised in Augsburg, "remained a citizen of that town, so that Nannerl and Wolfgang, though born at Salzburg, were actually Augsburg citizens" (Deutsch 1965, 9). At the time Augsburg was, like Salzburg, a small independent state; i.e. a Free imperial city.
  5. Online-Version Grove Music Online
  6. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Edition von 1988.
  7. Eisen (2007) (introduction to Niemetschek 2007)
  8. Slonimsky (1984, 1992) und Kuhn (2001)
  9. in der bekannten elften Auflage (1910–11); im Internet aufrufbar

Literatur[Bearbeiten]

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  • Abert, Hermann (2007; originally published 1924). W. A. Mozart. New edition translated by Stewart Spencer and with footnotes by Cliff Eisen. New Haven: Yale University Press.
  • Beales, Derek (2006a) "Austria, Austrian, Austrian Monarchy," in Cliff Eisen and Simon P. Keefe, eds., The Cambridge Mozart Encyclopedia. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Beales, Derek (2006b) "Germany," in Cliff Eisen and Simon P. Keefe, eds., The Cambridge Mozart Encyclopedia. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Bourne, Joyce and Michael Kennedy (2004) The Concise Oxford Dictionary of Music. Oxford: Oxford University Press.
  • Branscombe, Peter (2006) "Wolfgang Amadeus Mozart", in Cliff Eisen and Simon P. Keefe, eds., The Cambridge Mozart Encyclopedia. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Clive, Peter (1993) Mozart and his circle: A biographical dictionary. New Haven: Yale University Press.
  • Deutsch, Otto Erich (1965) Mozart: A Documentary Biography. Stanford: Stanford University Press.
  • Ferris, George T. (1891) The great German composers. New York: D. Appleton. Available on line: [1].
  • Halliwell, Ruth (2006) Colloredo, Hieronymus Franz de Paula von, in Cliff Eisen and Simon P. Keefe, eds., The Cambridge Mozart Encyclopedia. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Hermand, Jost and James Steakley, eds. (1981) Writings of German Composers: Bach, Mozart, Mendelssohn, Wagner, Brahms, Mahler, Strauss, Weill, and others. Continuum.
  • Heartz, Daniel (1995) Haydn, Mozart and the Viennese School: 1740–1780. New York: W. W. Norton & Company.
  • Honolka, Kurt (1990) Papageno: Emanuel Schikaneder, Man of the Theater in Mozart's Time. Hal Leonard Corporation.
  • The Houghton Mifflin Dictionary of Biography (2003) Houghton Mifflin Harcourt.
  • Kerst, Friedrich (1906) Mozart: the Man and the Artist, as Revealed in His Own Words. Translated by Henry Edward Krehbiel. London: Gay and Bird.
  • Kuhn, Laura, ed. (2001) Baker’s biographical dictionary of musicians. New York: Schirmer Books.
  • Leger, Louis (1889) A history of Austro-Hungary from the earliest time to the year 1889. Translated by A. B. Hill. G.P. Putnam's sons.
  • Libbey, Theodore (2006) The NPR Listener's Encyclopedia of Classical Music. Workman Publishing.
  • Lieber, Francis, E. Wigglesworth and T. G. Bradford (1832) Encyclopaedia Americana. Philadelphia.
  • MacKey, Albert G. and Harry LeRoy Haywood (1909) Encyclopedia of Freemasonry 1909.
  • Mathews, William Smythe Babcock Mathews and Emil Liebling (1896) Pronouncing and defining dictionary of music. Cincinnati: The John. Church Company.
  • Mersmann, Hans, ed. (1972) Letter of Wolfgang Amadeus Mozart. Dover Publications.
  • Niemetschek Franz Xaver (2007) Mozart: The First Biography, trans. Helene Mautner, with an introduction by Cliff Eisen. Berghahn Books.
  • Roman, Eric (2009) Austria-Hungary and the Successor States: A Reference Guide from the Renaissance to the Present. Infobase Publishing.
  • Rosselli, John (1998) The Life of Mozart. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Rushton, Julian (2006) Mozart. The Master Musicians Series. Oxford: Oxford University Press.
  • Sadie, Stanley (2006) Mozart: The Early Years 1756–1781. Oxford: Oxford University Press.
  • Slonimsky, Nicolas, ed. (1984) Baker’s biographical dictionary of musicians. 7th edition. New York: Schirmer Books.
  • Slonimsky, Nicolas, ed. (1992) Baker’s biographical dictionary of musicians. 8th edition. New York: Schirmer Books.
  • Solomon, Maynard (1995) Mozart: A Life. New York: Harper Collins.

Weblinks[Bearbeiten]