Nationalpark Gesäuse

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Nationalpark Gesäuse
Nationalpark Gesäuse (Österreich)
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47.59222222222214.648888888889Koordinaten: 47° 35′ 32″ N, 14° 38′ 56″ O
Lage: Steiermark, Österreich
Fläche: 11.054 ha
Gründung: 26. Oktober 2002
Adresse: Webseiten des Nationalparks
Nationalpark Gesäuse GmbH
Weng 2
A-8913 Weng im Gesäuse
Überblickskarte des Nationalparks
Überblickskarte des Nationalparks
Weidendom
Weidendom
i3i6

Der Nationalpark Gesäuse wurde am 26. Oktober 2002 gegründet und erstreckt sich im österreichischen Bundesland Steiermark über die Gemeinden Admont, Johnsbach, Weng, Hieflau, Landl und St. Gallen.

Geographie[Bearbeiten]

Das derzeit 11.054 Hektar (rund 110 km²) große Gebiet befindet sich westlich des Ennsknies in der Obersteiermark. Das Planungsgebiet zu Gründungszeiten umfasste insgesamt 125 km². Über 99 % der heutigen Fläche stehen im Eigentum der Steiermärkischen Landesforste, nur geringe Anteile sind Öffentliches Wassergut oder Privatbesitz. Charakteristisch sind die steilen Gesäuseberge mit ihren markanten Felsen sowie die schluchtartige Talstrecke der Enns zwischen Gesäuseeingang und Hieflau. Die Seehöhe liegt zwischen 490 m bis 2369 m (Hochtor).

Zonierung[Bearbeiten]

Der Nationalpark ist in eine Naturzone und eine Bewahrungzone untergliedert. Die Naturzone umfasst rund 75 % der Fläche und wird nach Abschluss von geplanten Managementmaßnahmen eingriffsfrei bleiben. Die Bewahrungszone erlaubt eingeschränkte Nutzungsformen (wie z.B. extensive Almwirtschaft) und beinhaltet Infrastruktur.

Naturraum[Bearbeiten]

Die Lebensräume Wasser, Wald, Alm und Fels sind die prägenden Elemente im Nationalpark Gesäuse. Auf Grund ihrer besonderen Bedeutung wurden sie in das Logo des Nationalparks in Form des blauen, grünen und grauen Streifens eingearbeitet. [1] Der Fluss Enns bahnt sich beim Naturdenkmal Gesäuseeingang tosend den Weg durch eine Schluchtstrecke. Dahinter wird er von den Zubringern Johnsbach und Hartelsgraben, sowie zahlreichen teils nur temporären Gewässern gespeist. Etwa die Hälfte der Nationalparkfläche ist von Wald bedeckt. Im Tal findet man Auwälder und Ahorn-Eschenwälder. Schneeheide-Kiefernwälder wachsen als Eiszeitrelikte an manchen Standorten. Fichten-Tannen-Buchenwälder bilden flächenmäßig einen großen Anteil, wobei viele Wälder in der Vergangenheit forstwirtschaftlich stark überprägt wurden und darin heute vor allem die Fichte dominiert. In größeren Höhenlagen mischt sich die Lärche bei. Als Besonderheit wachsen hier die östlichsten Bestände der Zirbe. Über der Waldgrenze bildet die Latsche einen geschlossenen Krummholzgürtel. Durch die hohe Reliefenergie wandern aber auch Pflanzen in den Schutt- und Lawinenrinnen talwärts, sodass eine Vielzahl alpiner Pflanzen (und Tiere) im Nationalpark Gesäuse auch talnahe gefunden werden kann.

Besonders geschützte Arten[Bearbeiten]

Nachgewiesene Arten der FFH-Richtlinie sind Apollofalter, Quendel-Ameisenbläuling, Spanische Flagge, Gelbringfalter und Skabiosen-Scheckenfalter, Alpenbockkäfer, Gelbbauchunke, Koppe, Ukrainisches Bachneunauge, Mopsfledermaus, Kleine Hufeisennase und Fischotter. Bei den Pflanzen werden Gelber Frauenschuh, Grünes Gabelzahnmoos und Grünes Koboldmoos aufgezählt.[2]

Unter den 90 vorkommenden Brutvogelarten sind 17 Arten der Vogelschutzrichtlinie Anhang I und 24 österreichweit gefährdete Arten.[2]

Endemiten[Bearbeiten]

Der Nationalpark Gesäuse gilt als Hot-Spot von Endemiten.[3] Die Dichte der Arten mit kleinräumiger geografischer Verbreitung ist in diesem Teil der Nordöstlichen Kalkalpen besonders hoch. Die offizielle Website des Nationalparks listet 15 endemische Pflanzenarten, darunter die Zierliche Federnelke, der Nordöstliche Alpenmohn oder die Österreich-Glockenblume. Bei den Tierarten werden 89 Endemiten genannt, darunter das Nördliche Riesenauge und der Steirische Dammläufer.

Wichtige Orte[Bearbeiten]

  • Die Nationalparkverwaltung befindet sich in Weng.
  • Inmitten des Nationalparks, in Gstatterboden, befindet sich der Nationalparkpavillon. Das Gebäude bietet neben der Gastronomie eine faszinierende Aussicht auf die Hochtorgruppe. Das Gebäude aus Holz, Glas und Beton ist in den Nationalparkfarben gehalten.
  • In Admont befindet sich für Touristen das Infobüro.
  • Bei Johnsbach, an der Enns, findet man den Weidendom, einen aus Weiden und Planen erstellten Komplex, in dem man u. a. Präsentationen und Mikroskopbeobachtungen machen kann.

Geschichte[Bearbeiten]

  • Ende 19. Jahrhunderts kam es zur Gründung der Steiermärkischen Landesforste als Schutz vor Bodenspekulationen.
  • 1913 gab es erste Vorschläge zur Schaffung eines steirischen Naturschutzparks in den Niederen Tauern, aber gleichzeitig auch Pläne zur großräumigen Nutzung der Wasserkraft im Gesäuse.
  • 1958 werden durch Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung das Gesäuse und das anschließende Ennstal bis zur Landesgrenze sowie das Wildalpener Salzatal zu den ersten Naturschutzgebieten des Landes erklärt.
  • 1977 ergeht ein Landtagsbeschluss für die Schaffung eines Nationalparks "Niedere Tauern". Verschiedene Studien und kontroverse Diskussionen folgen.
  • Im Herbst 1997 entsteht der Vorläufer des "Verein Nationalpark Gesäuse", der sich für den Nationalpark einsetzt.
  • 1998 gründet sich eine "Schutzgemeinschaft Nationalpark Gesäuse", die gegen die Einrichtung eines Nationalparks eintritt.
  • 2001 kommt es zu mehreren Volksbefragungen, die nicht einheitlich enden.
  • Am 12. März 2002 erfolgt der Beschluss des Nationalparkgesetzes im Landtag.
  • Am 1. März 2003 treten die Verordnungen, Nationalparkerklärung und Nationalparkplan in Kraft.
  • Am 5. Dezember 2003 erfolgt die Internationale Anerkennung des Nationalparks Gesäuse als Schutzgebiet der Kategorie II durch die IUCN.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Hartmann: Im Reich von Fels und Wasser. Das Gesäuse: ein Prädikat für Oberösterreich. In: Nationalpark. Nr. 121, 2003, S. 16-19.

Weblinks[Bearbeiten]

Hochtor
 Commons: Nationalpark Gesäuse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Seite des Nationalparks Gesäuse (HTML) Abgerufen am 3. September 2014.
  2. a b Kreiner D., Maringer A. (Red.) 2012: Erste Dekade - Schriften des Nationalparks Gesäuse Band 9, Weng im Gesäuse. S. 1-191.
  3. Rabitsch W., Essl F. 2009: Endemiten. Kostbarkeiten in Österreichs Tier- und Pflanzenwelt. In: Ökologie. - Naturwissenschaftlicher Verlag für Kärnten und Umweltbundesamt, Wien, S. 1–923.