Nationalpark Jasmund

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Nationalpark Jasmund
Teil der Kreideküste mit Victoria-Sicht und Königsstuhl von der Ostsee gesehen
Teil der Kreideküste mit Victoria-Sicht und Königsstuhl von der Ostsee gesehen
Nationalpark Jasmund (Deutschland)
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54.560213.6538Koordinaten: 54° 33′ 37″ N, 13° 39′ 14″ O
Lage: Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Fläche: 3.003 ha
Gründung: 1. Oktober 1990
Adresse: Stubbenkammer 2a
D–18546 Sassnitz
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Der Nationalpark Jasmund liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und besteht seit dem 12. September 1990. Er ist 3.003 Hektar (ha) groß und ist damit Deutschlands kleinster Nationalpark. Seit 25. Juni 2011 gehört ein Teil des Buchenwalds des Parks zum UNESCO-Welterbe.[1]

Das Gebiet des Nationalparks Jasmund umfasst den mit ursprünglichem Buchenwald bestockten Höhenrücken der Stubnitz nördlich der Hafenstadt Sassnitz mit der Kreide-Kliffküste (2.200 ha) (charakteristisch vor allem die Stubbenkammer), einem 500 Meter weit in die Ostsee hinein reichenden Wasserstreifen (603 ha) sowie 200 ha im Westen des Nationalparks, die sich aus den ehemaligen Quoltitzer Kreidebrüchen, Wiesen, Mooren und Trockenrasen zusammensetzen. Die höchste Erhebung Rügens, der 161 Meter hohe Piekberg, befindet sich ebenfalls im Nationalpark.[2]

Die Geschichte des Nationalparkes[Bearbeiten]

Das natürliche Kreidevorkommen auf der Halbinsel Jasmund wurde in Kreidebrüchen seit langem abgebaut. Als 1926 die Wiedereröffnung eines bereits stillgelegten Kreidebruchs drohte, wies man die Küste nördlich von Sassnitz als Naturschutzgebiet aus. Am 12. September 1990 wurde dieser Küstenabschnitt im Rahmen des Nationalparkprogramms zum Nationalpark erklärt.

Die Kreidefelsen des Nationalparks Jasmund[Bearbeiten]

Königsstuhl, südliche Sicht

Die Kreidefelsen der Insel Rügen sind einer ständigen Erosion ausgesetzt. Mit jedem Sturm brechen große Stücke aus den Felsen und reißen gelegentlich auch Bäume und Sträucher mit ins Meer. Herausgelöst werden dabei auch Fossilien: Hier sind versteinerte Reste von Seeigeln, Schwämmen und Austern zu entdecken. Die Erosion der Küste hat zugenommen, seitdem im 19. und 20. Jahrhundert größere Findlinge vor der Küste entnommen wurden, um sie für den Ausbau von Häfen zu verwenden. Die Findlinge wirkten vor den Kreidefelsen als natürliche Wellenbrecher; seit ihrem Abtransport dringt das Wasser der Ostsee mit ungebrochener Gewalt an die Steilküste vor.

Der markanteste Punkt des Nationalparks ist der 118 Meter hohe Kreidefelsen Königsstuhl, der 2004 mit in das Gelände des neuen Besucherzentrums einbezogen wurde. Die Plattform dieses aus der Küstenlinie herausragenden Kreidefelsens betreten im Schnitt jährlich 300.000 Menschen, um von dort aus auf die Ostsee und die benachbarten imposanten Küstenabschnitte blicken zu können.

Als besondere Erscheinung haben auch die Wissower Klinken Weltruhm erlangt, die allerdings seit dem 24. Februar 2005 nach einem großen Uferabbruch weitgehend zerstört wurden. Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass diese von Caspar David Friedrich 1818 in seinem Gemälde Kreidefelsen auf Rügen verewigt wurden. Zu seiner Zeit, also vor rund 200 Jahren, existierten aber auch andere Kreidefelsformationen an Jasmunds Küste, etwa die Kreidesäulen in der Großen Stubbenkammer – also der Schlucht direkt nördlich des Königsstuhls – und die, den Kreidevorsprüngen der abgestürzten Wissower Klinken damals sehr ähnliche, Kleine Stubbenkammer direkt südlich des Königsstuhls. So entspricht die Ansicht seiner Kreidefelsen auf Rügen fast exakt dem Stahlstich Kleine Stubbenkammer von Johann Friedrich Rosmäsler (im Stadtarchiv Stralsund), den dieser 1834 schuf.

Die Kreidefelsen des Nationalparks Jasmund sind Motiv einer Sonderbriefmarke (Sonderpostwertzeichen), die vom Bundesfinanzministerium im Januar 2012 in der Serie „Deutsche National- und Naturparke“ herausgegeben wurde.

Die Kreideküste von Jasmund wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen.[3]

Gewässer[Bearbeiten]

Wasserfall des Kieler Baches am Kieler Ufer

In den Mooren des Nationalparks entspringen mehrere Bäche, wie etwa (von Südwesten nach Norden) Steinbach und Lenzer Bach, Wissower Bach, Leescher Bach, Kieler und Brisnitzer Bach sowie Krietbach und Kollicker Bach. Mehrere von ihnen münden über die Kreidekliffs in die Ostsee und bilden einige der wenigen Wasserfälle des norddeutschen Tieflands.

Ursprünglicher Buchenwald im Nationalpark Jasmund

Fauna und Flora[Bearbeiten]

Nationalparkzentrum am Königsstuhl

Der Nationalpark Jasmund bietet aufgrund seiner besonderen geologischen Bedingungen zahlreichen seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Insbesondere schützt er das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet an der deutschen Ostseeküste.

In den Wäldern der Stubnitz sind zahlreiche mit Wasser gefüllte, abflusslose Senken und Mulden zu finden, die meistens als eiszeitliche Toteislöcher entstanden. Wo diese Wasserflächen verlanden, entstehen sogenannte Kesselmoore. Zahlreiche Schwarzerlen sind an diesen Senken und Kesselmooren zu finden. An trockeneren Stellen sind Wildbirne, Wildapfel, Elsbeere und Eiben zu finden. Zu den hier vorkommenden Orchideenarten zählt auch der Frauenschuh. Eine weitere Besonderheit ist die Salzvegetation an der Nordküste des Nationalparks.

Die Tierwelt im Nationalparkgebiet ist artenreich und vielfältig. Es leben allein 1.000 Käferarten im oder vom Holz. In den klaren Bächen, die die Stubnitzwälder durchziehen, findet sich mit dem Alpenstrudelwurm ein ungewöhnlicher Bewohner, der sonst nur im Gebirge vorkommt. An diesen Bächen kann auch der Eisvogel beobachtet werden.

In den Kliffs der Kreidefelsen nisten Mehlschwalben und die Kreideeule, ein cremefarbener Nachtfalter, hat ihr einziges Vorkommen in Deutschland auf Jasmund.

Aufgrund des hohen Besucherdrucks sind allerdings Wanderfalke und Seeadler im Nationalpark nur noch selten zu beobachten.

Besucherlenkung[Bearbeiten]

Seit seiner Entstehung 1990 zieht der Nationalpark Jasmund jährlich Hunderttausende von Besuchern an. Eine der wesentlichen Aufgaben der Nationalparkverwaltung besteht deshalb auch darin, diese Besucherströme zu lenken, um eine weitgehend ungestörte Entwicklung der vielfältigen Lebensräume des Nationalparks zu gewährleisten und den Besuchern dennoch Einblicke in die Natur des Nationalparks zu ermöglichen. Im März 2004 wurde das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl eröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

Filmographie[Bearbeiten]

  • Im Nationalpark Jasmund. Dokumentarfilm, 45 Min., Deutschland, 1998, von Ina Knobloch und Manfred Praxl, Produktion: City Media TV Frankfurt, Vertrieb: Komplett-Media-GmbH, Grünwald (ISBN 3-89672-491-6), Kurzbeschreibung des MDR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nationalpark Jasmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung in der ARD-Tagesschau vom 25. Juni 2011; die Anmeldung dazu (PDF; 8,7 MB) erfolgte im Dezember 2009
  2. Vgl. Faltblatt Kreidefelsen am Meer
  3. Hans-Dieter Krienke, Hilmar Schnick: Aufgebaut aus kleinen Kalkschalen - Die Kreideküste von Jasmund auf Rügen. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, 26f.