Nationalpark Virunga

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Dieser Artikel behandelt den Virunga-Nationalpark (Demokratischen Republik Kongo), der historisch auch unter dem Namen Albert-Nationalpark bekannt ist. Für andere Bedeutungen, siehe Albert-Nationalpark (Begriffsklärung).
Nationalpark Virunga

IUCN-Kategorie II − National Park

Gorilla im Virunga-Nationalpark

Gorilla im Virunga-Nationalpark

Lage Nord-Kivu, DR Kongo
Fläche 7835 km²
WDPA-ID 166889
Geographische Lage 0° 24′ S, 29° 30′ O-0.3958333333333329.501944444444Koordinaten: 0° 23′ 45″ S, 29° 30′ 7″ O
Nationalpark Virunga (Demokratische Republik Kongo)
Nationalpark Virunga
Einrichtungsdatum 1925
Verwaltung  ?
Besonderheiten Ältester Nationalpark Afrikas.

Der Nationalpark Virunga (franz. Parc national des Virunga) ist ein 7835 km² großer Nationalpark im Osten der Demokratischen Republik Kongo, an der Grenze zu Ruanda und Uganda[1]. Ebenso wie der Volcanoes Nationalpark in Ruanda entstand der Virunga-Nationalpark 1969 aus der Teilung des bereits seit 1925 bestehenden Albert-Nationalparks. Bekannt ist der Virunga-Nationalpark vor allem für die hier vorkommenden Berggorillas.

Geographie[Bearbeiten]

Der schon 1925 gegründete und somit älteste Nationalpark Afrikas befindet sich direkt östlich der großen Zentralafrikanischen Schwelle und größtenteils im langgestreckten Großen Afrikanischen Grabenbruch. Er erstreckt sich auf bis zu 300 km Länge und 150 km Breite vom Kiwusee über die Virunga-Vulkane und den Eduardsee bis in die Grabenbruch-Gegend nördlich des Ruwenzori-Gebirges. Der Park erstreckt sich von Flachland im Norden (798 m) bis ins Gebirge, einschließlich des Margherita Peak mit einer Höhe von 5.109 m.

Der Virunga-Nationalpark grenzt auf einer Länge von etwa 50 km an den Volcanoes Nationalpark in Ruanda, auf etwa 45 Kilometern an den Rwenzori-Mountains-Nationalpark und auf einigen wenigen Kilometern an den Mgahinga-Gorilla-Nationalpark, Letztere beide in Uganda. Durch die gemeinsamen Grenzen bilden die vier Parks ein zusammenhängendes Schutzgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Nyiragongo, ein beständig brodelnder Lavasee

Albert-Nationalpark[Bearbeiten]

Der Vorgänger des Virunga-Nationalparks, der Albert-Nationalpark, wurde bereits 1925 eingerichtet und war damit der erste Nationalpark Afrikas. Zunächst wurde nur ein kleines Gebiet um Karisimbi, Visoke und Mikeno als Nationalpark erklärt, um die hier lebenden Gorillas vor Wilderei zu schützen. Bereits 1929 wurde der Park durch die Kolonialmacht Belgien um weitere Gebiete in Ruanda-Urundi und Belgisch Kongo erweitert. Der Park wuchs damit auf eine Fläche von 8090 km².[2]

Teilung und Kriegszustand[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit des Kongos wurde der Albert-Nationalpark 1969 geteilt. Es entstanden der Volcanoes-Nationalpark in Ruanda und der Virunga-Nationalpark in der DR Kongo. Seit 1979 ist der Nationalpark Weltnaturerbe der UNESCO. Der Park umfasst eine der Regionen mit der größten Artenvielfalt Afrikas. Seit 1994 steht er auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Grund dafür war die riesige Flüchtlingswelle, die damals nach dem Völkermord in Ruanda in die Region drängte. Der Bedarf an Feuerholz und Nahrung von fast einer Million Menschen, die in Camps innerhalb des Parks Zuflucht suchten, bedrohte den Bestand des Parks in seiner Gesamtheit. Mehr als 600 Tonnen Holz wurden in dieser Zeit am Tag geschlagen und über 9000 Nilpferde geschlachtet. Im Flachland wurde von den Flüchtlingen Land für Siedlungen und Ackerbau gerodet. Die zum Schutz abgestellten Soldaten beteiligten sich zum Teil selbst an Wildereien. Seit 1994 wurden mehr als 120 Park-Ranger beim Kampf gegen Wilderei und illegale Landnahme getötet.[3] Die Berggorillas blieben von den Unruhen weitgehend verschont, da sich ihr Lebensraum vor allem hoch an den Berghängen befindet.

Heutzutage sind nach Schätzungen noch 90.000 Siedler auf dem Gebiet des Parks. Mehrere bewaffnete Gruppen operieren seit dem Ende des Zweiten Kongokrieges dort, zu deren Bekämpfung wiederum die kongolesische Armee 2006 bis zu vier Brigaden in der Region zusammengezogen hatte. Auch nach dem offiziellen Ende des Krieges 2002 finden immer wieder bewaffnete Auseinandersetzungen statt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Zwei Löwen im Nationalpark nahe Rwindi
Kobantilope im Nationalpark

Am bekanntesten sind die im Park lebenden, sehr seltenen Berggorillas. Trotz des Bürgerkrieges und der Flüchtlingswellen blieb die Population zwischen 1994 und 2004 weitgehend stabil. Neben den Berggorillas finden sich aber noch weitere seltene Tierarten im Park. Im Jahr 1901 wurde hier das erste Okapi entdeckt. 2006 wurden erstmals seit 1959 wieder Okapi-Spuren im Park gesehen, 2008 gelangen erste Kamera-Aufnahmen von Okapis.[4][5] Des Weiteren leben noch eine unbekannte Anzahl von Waldelefanten im Park. Daneben gibt es Giraffen, verschiedene Büffel sowie mehrere endemische Vogelarten.[6] Neben diesen Raritäten leben 22 weitere Großsäugerarten (>20 kg) im Park . Darunter finden sich typische Arten der zentralafrikanischen Regenwälder, wie Schimpanse, Bongo, Gelbrückenducker, Schwarzrückenducker, Riesenwaldschwein und Pinselohrschwein aber auch echte Savannentiere, wie Löwe, Leierantilope, Wasserbock, Kobantilope, Gemeiner Riedbock, Warzenschwein, Anubispavian und Stachelschwein. Daneben gibt es auch anpassungsfähige Arten, wie Leopard, Buschbock und Buschschwein, die verschiedenste Lebensräume besiedeln. Die Sitatunga-Antilope bewohnt die Sumpfgebiete des Parks[7].

Wilderei und Naturschutz[Bearbeiten]

Die Ranger im Nationalpark wurden in die politischen Konflikte der Region verwickelt. Die Rebellen hätten jeglichem Dialog mit den Nationalparkrangern der ICCN verweigert, berichtete ein Mitarbeiter der ZGF und begonnen, deren Posten anzugreifen. Trotz der Tatsache, dass im Laufe des Bürgerkrieges mehr als 100 Ranger im Dienst getötet wurden und die Bezahlung sehr unregelmäßig erfolgte, sind die Ranger im Virunga NP engagiert und von ihrer Sache überzeugt. Die Bedrohung für die Ranger nahm ab 2006 massiv zu. Damals forderten die Ranger eine Kooperation mit den UN Friedenstruppen vor Ort.

2006 bildete die deutsche Zoologische Gesellschaft Frankfurt mit finanzieller Unterstützung der EU, der Unesco und des US Fish and Wildlife Service 480 Ranger in Virunga aus. Doch diese Ranger sehen sich Wilderern im Verhältnis 5:1 gegenüber, die teilweise mit Maschinengewehren und Panzerfäusten bewaffnet sind. Die Ranger sind generell schlecht mit Ausrüstung und Essen versorgt und erhalten unregelmäßig ihr Gehalt. 150 von ihnen sind mittlerweile (Ende 2012) ums Leben gekommen. Im überwiegenden Teil des Nationalparks sind Konzessionen für Erdöl gegeben. [8] Die britische Firma SOCO ist eine der Firmen, die Konzessionen erhalten haben. [9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lageplan
  2. Philip Briggs & Janice Booth (2001) Rwanda: The Bradt Travel Guide p171. Bradt Travel Guides Ltd. and The Globe Pequot Press Inc. ISBN 1-84162-034-3
  3. Gorilla Warfare (Newsweek article)
  4. WWF, Rare Okapi Sighted in Eastern Congo Park, 8. Juni 2006
  5. Photo Reveals Rare Okapi Survives Poaching Onslaught, 10. September 2008
  6. UNEP: Informationblatt zum Virunga-Nationalpark
  7. John C. Morrison, Wes Sechrest, Eric Dinerstein, David S. Wilcove, and John F. Lamoreux: Persistence of Large Mammal Faunas as Indicators of Global Human Impacts. Journal of Mammalogy, 88(6):1363-1380, 2007.
  8. http://www.theguardian.com/environment/2013/aug/01/congo-mountain-gorillas-virunga-wwf
  9. http://www.theguardian.com/environment/2013/aug/01/congo-mountain-gorillas-virunga-wwf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nationalpark Virunga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien