Nationalpark Yasuní

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Nationalpark Yasuní
Nationalpark Yasuní (Ecuador)
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-1-76Koordinaten: 1° 0′ 0″ S, 76° 0′ 0″ W
Lage: Napo, Pastaza, Ecuador
Fläche: 9823 km²
Gründung: 26. Juli, 1979
Nationalpark Yasuní (dunkelgrün) und der Huaorani Gebiet (grün).
Nationalpark Yasuní (dunkelgrün) und der Huaorani Gebiet (grün).
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Der Nationalpark Yasuní (spanisch Parque Nacional Yasuní) ist ein Nationalpark in Ecuador mit einer Fläche von 9.820 km² und einer Kernfläche von ca. 5000 km². Der Nationalpark liegt zwischen den Flüssen Napo und Curaray in den Provinzen Napo und Pastaza, 250 km von Quito entfernt. Zum Nationalpark gehört der gleichnamige Fluss Yasuní, ein Nebenfluss des Napo. Der Park wurde 1979 von der ecuadorianischen Regierung ausgewiesen und 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Der Yasuní Nationalpark ist von globaler Bedeutung für den Biodiversitätsschutz. Durch seinen in weiten Teilen unbeeinflussten Wildnis-Zustand, durch seine intakte Vielfalt an höheren Wirbeltieren, durch seinen IUCN Level-II Protection-Status, in einer Region in der sonst strenge Schutzgebiete fehlen und durch den Einfluss, den der Klimawandel schon merklich auf diese Region des Amazonas hat, rückte der Park in das Interesse zahlreicher Forscher und Naturschutz-NGOs.[1]

Innerhalb des Nationalparks leben verschiedene indigene Gruppen weitgehend isoliert von äußeren Einflüssen. Durch die Interessen von Holz- und Ölkonzernen gibt es anhaltende Konflikte zwischen verschiedenen Interessensgruppen, wie Naturschützer, Menschenrechtler, staatliche Behörden und kommerzielle Ausbeuter natürlicher Ressourcen.

Ökologie und Artenvielfalt[Bearbeiten]

Weißbandschwalbe in einem Baumstamm am Ufer des Flusses Tiputini.

Der Nationalpark Yasuní gilt als einer der Orte mit der größten Artenvielfalt weltweit. Die Wissenschaftler sind sich angesichts der außergewöhnlichen Artenvielfalt, dem guten Erhaltungszustand und seines Status als kulturellem Erbe über den einzigartigen Wert des Parks einig. Bei insgesamt 2.274 Baum- und Buscharten finden sich in diesem Park auf einem einzigen Hektar 665 Arten. Das sind mehr als alle einheimischen Baumarten der Vereinigten Staaten und Kanadas zusammen. Man hat zudem 593 Vogelarten registriert, sodass der Park auch in dieser Hinsicht zu den artenreichsten Orten der Welt gehört. Es gibt außerdem 80 Fledermausarten, 150 Amphibien und 121 Reptilienarten, sowie mehr als 4000 verschiedene Gefäßpflanzen pro 1.000.000 Hektar. Nirgendwo sonst auf dem Planeten gibt es mehr Insektenarten als hier. Man schätzt sie auf 100.000 Arten pro Hektar. In der Flora und Fauna gibt es zudem einen hohen Anteil endemischer Arten.

Im Park konzentrieren sich die höchsten Dichten an Amphibien-, Säugetier-, Vogel- und Pflanzenarten im ganzen Amazonasgebiet. Der durch den Klimawandel verursachte Temperaturanstieg wird außerdem vergleichsweise gemäßigt ausfallen, wodurch der Park besondere Bedeutung für den zukünftigen Artenschutz gewinnt. Diese einzigartigen Eigenschaften des Nationalparks haben verschiedene Ursachen wie die Stabilität seines Klimas, die großen Niederschlagsmengen und die hohen und über die Jahreszeiten gleichmäßigen Temperaturen. Die unterschiedlichen Böden haben verschiedenartige Ökosysteme sowohl in den trockenen als auch in den überschwemmten Urwaldgebieten hervorgebracht. Es ist auch zu erwähnen, dass das Gebiet des Parks eines der pleistozänen Refugien bildete. In dieser erdgeschichtlichen Phase kühlte sich das Klima drastisch ab und ein Großteil des Amazonasgebiets verwandelte sich in eine Steppenlandschaft. Die Arten konzentrieren sich an wenigen Orten, den so genannten pleistozänen Refugien, in denen sich - wie in Yasuní - der Regenwald erhielt, und sich neue Arten entwickelten und ausbreiteten. Das Pleistozän begann vor 1.8 Millionen Jahren und endete vor 10.000 Jahren.

Das Gebiet war im Pleistozän nicht von Eis bedeckt und soll auf einem Hektar mehr Baumarten aufweisen als ganz Nordamerika. Es herrschen in dem Gebiet feuchte tropische Regenwälder vor mit Arten wie Macrolobium acaciifolium, Coussapoa trinervia, Licania sp., Eugenia sp.. Auf nicht überschwemmtem Land wächst der Terra-Firme-Wald auf periodisch überschwemmten Flächen, Varzea- und Irapo-Wald in ständig überfluteten Bereichen. In Agroökosystemen wird Kaffee, Maniok, Reis und Zuckerrohr angebaut. Die Fledermaus-Art Lophostoma yasuni ist endemisch in diesem Nationalpark.

Ethnologie[Bearbeiten]

Demonstration eines Blasrohres.

Der Nationalpark Yasuní beherbergt zwei indigene Gruppen, die in freiwilliger Isolation von der restlichen Welt leben: die Tagaeri und Taromenane, die beide zur Ethnie der Huaorani gehören. Alle drei Stämme sind bereits durch die illegale Holzmafia bedroht und wären bei einer Ausbeutung der dort vorhandenen unerschlossenen Ölvorkommen sehr wahrscheinlich zum Untergang verurteilt.[2]

Erdölvorkommen und Yasuní-ITT-Initiative[Bearbeiten]

Um mögliche Erdölvorkommen zu erkunden, wurden in dem Nationalpark Probebohrungen vorgenommen, wobei man drei Ölquellen entdeckte und Ishpingo, Tambococha und Tiputini nannte. Nach den Anfangsbuchstaben wird das Erdölgebiet ITT genannt. Neuesten Schätzungen zufolge enthält der ITT-Block 846 Millionen Barrel förderbares Schweröl Grad 14.7°API.[3] Bei einer Ausbeutung dieses Feldes würden geschätzte 13 Jahre lang ungefähr 107.000 Barrel täglich gefördert werden. Danach würde die Produktion weitere zwölf Jahre lang allmählich auslaufen. Obwohl die bewiesenen Reserven des ITT-Feldes 944 Millionen Barrel ausmachen, gibt es mögliche zusätzliche Reserven in Höhe von 1.53 Milliarden Barrel, deren Umfang jedoch bisher nicht bestimmt werden konnte, da keine seismischen 3D-Prospektionen durchgeführt worden sind.

Mit der Yasuní-ITT-Initiative würde Ecuador sich international bindend verpflichten, die Erdölreserven des ITT-Felds für immer im Boden zu belassen. Auf diese Weise würde die Emission von 407 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre vermieden werden, die sonst durch die Verbrennung des geförderten Erdöls entstünden. Der tatsächliche Wert der vermiedenen Emissionen ist noch größer, wenn die Auswirkungen der mit der Förderung direkt und indirekt einhergehenden Entwaldung, die Emissionen aus der Nutzung und dem Bau der Infrastruktur und das Methan, das durch die Viehwirtschaft der neu besiedelten Gebiete entsteht, sowie weiterer Quellen mitgerechnet werden.

Der Wert der im ITT vermiedenen CO2-Emissionen ist beträchtlich: Er übersteigt die jährlichen Emissionen Brasiliens (332 Mio. Tonnen) und Frankreichs (373 Mio. Tonnen) und entspricht den von Ecuador in 13 Jahren verursachten Emissionen (29 Mio. Tonnen).[4] Wenn man den jüngsten Wert der Emissionsreduktionszertifikate (CER) von US$17.66 pro Tonne auf dem europäischen Markt zugrunde legt, beträgt der finanzielle Wert der durch die Initiative vermiedenen Emissionen US$7.188 Milliarden.

Scheitern der ITT-Initiative[Bearbeiten]

Am 16. August 2013 verkündete Ecuadors Präsident Rafael Correa in einer Fernsehansprache, dass die ITT-Blöcke für Ölbohrungen freigegeben werden. Er begründete dies mit dem Scheitern der internationalen Gemeinschaft, die erwarteten finanziellen Mittel bereitzustellen. Zum Zeitpunkt der Verkündung seien nur etwa 335 Millionen Dollar zugesagt und lediglich 13,3 Millionen tatsächlich eingezahlt worden. Die eingezahlten Beiträge sollen nun zurückgezahlt werden.[5] Am 3. Oktober 2013 stimmte das Parlament mit 108 gegen 25 Stimmen dem Regierungsvorschlag zu, die Ölbohrungen unter Auflagen zu erlauben.[6][7] Auch von den Ölbohrungen betroffene Ureinwohner waren skeptisch gegenüber der ITT-Initiative, da sie nicht konsultiert wurden und befürchteten, dass das meiste Geld nicht ihnen zugute gekommen, sondern für politische Projekte von Präsident Correa verwendet worden wäre.[8]

Umwelt, Klimapolitik und internationaler Interessensausgleich[Bearbeiten]

Die ecuadorianische Regierung hegt seit 2007 Pläne, zugunsten von Umwelt, Klimaschutz und der indigenen Bevölkerung auf die Ausbeutung des großen Ishpingo-Tambococha-Tiputini- (ITT-) Erdölfeldes im Osten des Nationalparks zu verzichten und sich von der internationalen Gemeinschaft für die Hälfte der entgangenen Erdöleinnahmen entschädigen zu lassen. Dies würde während 30 Jahren schätzungsweise 350 Millionen US-Dollar pro Jahr ausmachen, welche für die nachhaltige Entwicklung des Landes verwendet werden sollen.

Der amerikanische Biologe Clinton Jenkins von der Duke-Universität sieht in der Angelegenheit einen Testfall für die Weltgemeinschaft zur Bereitschaft, angemessen für Klima- und Umweltschutz zu zahlen.[9] Einige Journalisten und Politiker halten die Drohung des Staates Ecuador, ein eigenes Biosphärenreservat und den Lebensraum der indigenen Bevölkerung des Landes bei Nichtausgleich der wirtschaftlichen Interessen durch die Weltgemeinschaft zu zerstören, für unmoralisch, was eine kontroverse Diskussion über Moral und Ökologie ausgelöst hat.[10]

Die Erdölvorkommen im Nationalpark Yasuní werden bislang (2008) auf 412 Millionen bis 930 Millionen Barrel geschätzt. Wenngleich das einen Milliarden-Wert darstellt, deckt es den Welterdölbedarf bei einer durchschnittlichen täglichen Fördermenge von 72,3 Millionen Barrel im Jahr 2007 nur für wenige Tage.[11] Dieser Sachverhalt spielt in der Diskussion um den Verzicht auf die Ausbeutung des Vorkommens zu Gunsten des Erhalts des Biosphärenreservats eine Rolle.

Der Deutsche Bundestag unterstützte einen Verzicht auf die Ausbeutung des Ölfeldes gegen einen wirtschaftlichen Interessensausgleich.[12]

Da sich künftige Generationen und Regierungen in Ecuador in der Frage der Nutzung der Erdölvorkommen anders entscheiden könnten, soll auch diese Möglichkeit in einem Vertrag berücksichtigt werden. Das gesamte angestrebte Vertragswerk ist auch in juristischer Hinsicht ein Pilotprojekt.

Nachdem Präsident Rafael Correa im Januar 2010 damit drohte, innerhalb von sechs Monaten mit der Ölförderung im ITT-Gebiet zu beginnen, traten der Außernminister sowie die gesamte Verhandlungskommission der Regierung zurück. Das Projekt stand damit auf der Kippe[13] – zumal gleichzeitig die Vorbereitungen für den „Plan B“ (die Förderung des Erdöls) unvermindert weitergingen.[14]

Das Klimabündnis Österreich gab im Februar 2010 eine Unterstützungserklärung ab.[15] Zudem forderte das europäische Städtenetzwerk Klima-Bündnis im April 2010 die EU und ihre Mitgliedsstaaten auf, „die Yasuní-Initiative finanziell so zu unterstützen, dass sie den europäischen Anteil innerhalb der Industrieländer aufbringen“.[16]

Am 10. Oktober 2012 hat das BMZ im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Ecuador eine Vereinbarung zum Schutz des Yasuní-Gebietes getroffen, die sich auf das REDD-Modell („Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“, dt. etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“) stützt. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel betonte dabei, dass sich Deutschland nicht an Zahlungen zur Unterlassung der Waldvernichtung beteiligen würde, sondern ein Modell erarbeitet habe, das aktives Tun belohne. Deutschland wird 24,5 Millionen Euro für den Schutz der Biodiversität und der indigenen Völker bereitstellen. Damit wird das ecuadorianische Waldschutzprogramm „Socio Bosque“ unterstützt, das neben dem Naturschutz auch Maßnahmen zur Stärkung einer nachhaltigen Entwicklung der lokalen Wirtschaft der Region vorsieht.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margot S. Bass, Christian C. Voigt et al (2010): Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasunı´National Park. PLoS One
  • Greenberg, J. A., S. C. Kefauver, H. C. Stimson, C. J. Yeaton, and S. L. Ustin. 2005. Survival analysis of a neotropical rainforest using multitemporal satellite imagery. Remote Sensing of Environment 96(2):202-211.
  • Hennessy, L. A. (2000). Whither the Huaorani? competing interventions in indigenous Ecuador. Master’s thesis, Berkeley, University of California, Berkeley.
  • Lu, F. E. (1999). Changes in subsistence patterns and resource use of the Huaorani Indians in the Ecuadorian Amazon. PhD dissertation. Chapel Hill, University of North Carolina at Chapel Hill.
  • Ministerio del Ambiente & Ministerio de Relaciones Exteriores, Comercio e Integración (2007). Yasuní-ITT-Initiative. Der große Vorschlag eines kleinen Landes.
  • Pitman, N. C. A. (2000). A large-scale inventory of two Amazonian tree communities. PhD dissertation. Durham, Duke University.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Margot S. Bass; Clinton N. Jenkins; Holger Kreft; Diego F. Cisneros-Heredia; et. al.: Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuní National Park. In: Public Library of Science. 5, Nr. 1, 2010. doi:10.1371/journal.pone.0008767. Abgerufen am 6. Juli 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLeah Temper und Joan Martinez Alier: Das Öl soll in der Erde bleiben. In: Le Monde diplomatique. 9. Mai 2008, abgerufen am 10. Dezember 2008.
  3. [Actualización del Estudio ITT] Beicip Franlab (2004). Actualización del Estudio ITT. Evaluación Económica Upstream. Informe Final. Proyecto 202 105; Petroproducción (2009) Proyecto ITT. (Presentación Powerpoint, abril).
  4. [1] UNDP (2008). Human Development Report.
  5. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ecuador-erlaubt-oelbohrungen-im-yasuni-nationalpark-im-amazonas-a-916917.html
  6. Ecuador: Parlament erlaubt Ölförderung in Nationalpark - tagesschau.de, 4. Oktober 2013
  7. Ecuadors Parlament für Ölförderung im Yasuní-Nationalpark | Aktuell Amerika - DW.DE, 4. Oktober 2013
  8. Der Boden unter den Füssen - Neue Zürcher Zeitunh, 14. Januar 2012
  9. Drohung mit dem Bohrturm. In: Süddeutsche Zeitung online, 1. Dezember 2008
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDer Wert des Waldes. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Dezember 2008, abgerufen am 23. Februar 2010.
  11. Erdöl- Erdgasdaten 2007 (PDF; 381 kB)
  12. Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode. Drucksache 16/9758 (PDF; 156 kB) Antrag von Abgeordneten der CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen zum Yasuní-Nationalpark und dem Vorschlag Ecuadors, 25. Juni 2008
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGerhard Dilger: Dschungel-statt-Öl-Projekt auf der Kippe. klimaretter.info, 1. Januar 2010, abgerufen am 9. November 2011.
  14. José Olmos, María Alejandra Torres: Erdölmaschinerie am Rande des ITT. In: El Universo, 24. Januar 2010, übersetzt in: Quetzal, April 2010, abgerufen am 14. April 2010
  15. Unterstützungserklärung für Yasuni-Nationalpark. In: Der Standard, 3. Februar 2010, abgerufen am 14. April 2010
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLasst das Öl im Boden! In: Klima-Bündnis. 15. April 2010, abgerufen am 9. November 2011 (pdf; 50 kB).
  17. Pressemeldung des BMZ vom 11. Oktober 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nationalpark Yasuní – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien