Nationalratswahl in Österreich 1983

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Nationalratswahl 1983
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Von 183 Sitzen entfallen auf:

Die Nationalratswahl am 24. April 1983 war die 16. Nationalratswahl in der Geschichte Österreichs. Stärkste Partei wurde die SPÖ von Bundeskanzler Bruno Kreisky, die Stimmen und Mandate sowie nach 12 Jahren ihre absolute Mehrheit verlor. Mit leichten Stimmen- und Mandatsgewinnen belegte die ÖVP von Alois Mock den zweiten Platz. Die FPÖ, die mit Norbert Steger als Spitzenkandidaten antrat, musste Stimmenverluste verbuchen, gewann jedoch ein Mandat hinzu. Weder die Vereinten Grünen Österreichs noch die Alternative Liste Österreich erreichten bei ihrem ersten Antreten ein Grundmandat.

Wahlberechtigt waren 5.316.436 Menschen. Die Wahlbeteiligung betrug 91,29 Prozent (1971: 91,18).

Hintergrund[Bearbeiten]

Kreiskys vierte Regierungsperiode gestaltete sich schwierig. Der Gesundheitszustand des Bundeskanzlers verschlechterte sich stetig, was dazu führte, dass er im Wahlkampf bereits mehrmals pro Woche zur Dialyse musste.

Modell des AKH

Der von Kreisky ursprünglich als sein Nachfolger favorisierte Hannes Androsch war nach persönlichen Differenzen mit Kreisky Ende 1980 aus der Regierung ausgeschieden.[1] Der AKH-Skandal hatte die regierende SPÖ stark unter Druck gebracht. Zudem wurde der Bau eines Konferenzzentrums (siehe Austria Center Vienna), trotz massiven Widerstandes der Bevölkerung, realisiert. Ein Volksbegehren, das die ÖVP-Abgeordneten initiiert hatten, richtete sich gegen das Projekt und war mit 1.361.562 Unterschriften das erfolgreichste der Zweiten Republik (Liste der Volksbegehren in Österreich).

Aus der erfolgreichen Protestbewegung gegen das gebaute, aber nie in Betrieb genommene Kernkraftwerk Zwentendorf entstanden zwei grüne Parteien, die bei der Nationalratswahl 1983 gegeneinander antraten. Während sich die ALÖ links positionierte, fanden sich beim VGÖ konservative Teile der Ökologiebewegung zusammen.

Die VGÖ scheiterten nicht zuletzt aufgrund einer Medienkampagne gegen ihren Spitzenkandidaten, den Schauspieler Herbert Fux. Dieser wurde mittels eines Interviews in der von Wolfgang Fellner herausgegebenen Zeitschrift Basta sexuell verunglimpft. Später wurde gerichtlich festgestellt, dass das Interview inhaltlich entstellt und teilweise frei erfunden[2] war, der Image-Schaden für Fux war jedoch enorm und führte zu seiner Ablösung als VGÖ-Spitzenkandidat.[3]

Endergebnis[Bearbeiten]

Wahlwerber Stimmen Anteil Mandate
1983 ± 1983 ±
Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) 2.312.529 47,6 % -3,4 % 90 -5
Österreichische Volkspartei (ÖVP) 2.097.808 43,2 % +1,3 % 81 +4
Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) 241.789 5,0 % -1,1 % 12 +1
Vereinte Grüne Österreichs - Liste Tollmann (VGÖ) 93.798 2,0 % n.k. 0
Alternative Liste Österreichs (ALÖ) 65.816 1,4 % n.k. 0
Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) 31.912 0,7 % -0,7 % 0 ±0
Österreich-Partei (ÖP) 5.851 0,1 % n.k. 0
Ausländer-Halt-Bewegung (AUS) 3.914 0,0 % n.k. 0

n.k. = nicht kandidiert

Folgen[Bearbeiten]

Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit trat der zu diesem Zeitpunkt bereits sehr kranke Bundeskanzler Bruno Kreisky zurück. Es kam zu einer Regierungskoalition zwischen SPÖ und FPÖ. Neuer Bundeskanzler wurde Fred Sinowatz, der seit 1971 Bundesminister für Unterricht und Kunst sowie seit 1981 Vizekanzler war. FPÖ-Obmann Norbert Steger wurde Vizekanzler und Handelsminister. Die Bundesregierung Sinowatz nahm am 24. Mai 1983 ihre Arbeit auf. Bis zur nächsten Nationalratswahl amtierte ab 16. Juni 1986 die Bundesregierung Vranitzky I.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. spiegel.de: 15. Dezember 1980, Hannes Androsch
  2. Der Spiegel 48/1983: Herbert Fux
  3. Robert Kriechbaumer: Zeitenwende: Die SPÖ-FPÖ-Koalition 1983 - 1987. Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 2008 ISBN 978-3-205-77770-0 S. 246f.

Weblinks[Bearbeiten]