Natural Born Killers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel: Natural Born Killers
Originaltitel: Natural Born Killers
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1994
Länge: Kinofassung: 114 Minuten
Director's Cut: 117 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 18 (Kinofassung)
SPIO/JK (Director's Cut)
Stab
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Quentin Tarantino
David Velzoz
Richard Rutowski
Oliver Stone
Produktion: Rand Vossler
Musik: Trent Reznor
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Brian Berdan
Hank Corwin
Besetzung

Natural Born Killers ist ein Spielfilm von Oliver Stone aus dem Jahr 1994.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Ein junges Paar, Mallory und Mickey, befinden sich in einer Gaststätte in New Mexico. Mallory tanzt an der Jukebox, während Mickey an der Theke einen Kuchen isst. Als einer der anwesenden Männer beginnt, mit Mallory zu flirten, erschlägt sie den Mann. Im folgenden Kampf töten Mickey und Mallory alle Anwesenden, bis auf einen, damit dieser die Geschichte ihrer Tat weitererzählen kann.

In einer im Stil einer Sitcom erzählten Rückblende lebt Mallory zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einem Einfamilienhaus in den USA. Mallorys Vater missbraucht seine Tochter häufig und ihre Mutter unternimmt aus Angst nichts dagegen. Die Familie erhält durch den Fleischergesellen Mickey eine Lieferung und zwischen ihm und Mallory beginnt eine Affäre. Nach einem Zeitsprung ist Mickey im Gefängnis. Nachdem es ihm gelingt zu fliehen, tötet er gemeinsam mit Mallory ihre Eltern.

Der Film springt zurück in die Gegenwart. Auf ihrer Flucht durch die USA ermordet das Paar in drei Wochen 52 Menschen. Der sadistische Polizist Jack Scagnetti hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beiden Serientäter aufzuhalten. Die Medien machen die Ereignisse zu einer Topstory, die beiden Killer werden zu Stars, ihre Taten von Teilen der Öffentlichkeit verherrlicht. Nachdem das junge Paar in der Wüste strandet, weil ihr Wagen kein Benzin mehr hat, kommen sie bei einem alten Navaho-Indianer unter. Mickey erschießt den Indianer versehentlich in einem vermutlich durch Zauberpilze ausgelösten Rausch, in dem die Erinnerungen an Misshandlung durch seine Eltern und den Selbstmord seines Vaters zu Tage treten. Beim Verlassen der Hütte werden Mickey und Mallory von Klapperschlangen gebissen. Um an ein Gegengift zu bekommen überfallen sie einen Drugstore. Der Angestellte löst den stillen Alarm aus, worauf die Polizei eintrifft, unter ihnen auch Scagnetti. Dieser bringt Mallory in seine Gewalt und beginnt sie mit einem Messer zu verletzen, woraufhin Mickey aufgibt. Die beiden werden als Polizistenmörder beschimpft und durch Tritte und Taser mishandelt.

Nachdem Mallory und Mickey bereits ein Jahr lang im Gefängnis verbracht haben, will Fernsehmoderator Wayne Gale ein Live-Interview mit Mickey durchführen. Nachdem er dem Leiter der Anstalt, Dwight McClusky, verspricht, durch dieses Ereignis berühmt zu werden, stimmt auch dieser zu. Während das Interview stattfindet besucht Scagnetti Mallory in ihrer Zelle in einem anderen Flügel des Gefängnisses. Er schickt die Wachen raus und beginnt sich ihr zu nähern. Durch die Fernsehsendung bricht im Gefängnis eine Revolte aus. Mickey kann seine Wachen überrumpeln und macht sich auf den Weg zu Mallory. Gale begleitet ihn mit seinem Fernsehteam und sendet weiterhin live. Als Scagnetti und Mallory beginne sich zu küssen, schlägt sie seinen Kopf gegen die Zellenwand. Als die Wachen eingreifen wollen, stoßen Mickey und das Fernsehteam hinzu. Unter den Kommentaren Gales tötet Mickey die Wachen und Mallory erschießt Scagnetti. Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Gefängnis werden diverse Wachmänner als Geiseln genommen und das Fernsehteam in einem Schusswechsel getötet. McClusky befielt seinen Wachen, alles daran zu setzen, die beiden Serienkiller aufzuhalten, anstatt die Revolte unter Kontrolle zu bekommen. Gale fühlt sich inzwischen als Komplize des Paares, erschießt selbst Sicherheitskräfte und beschließt, ein neues Leben anzufangen. Mit der inzwischen stark beschädigten Fernsehkamera begleitet er die beiden bei ihrer Flucht aus dem Gefängnis, McClusky wird von den Insassen getötet. In einem Wald entscheiden sich Mallory und Mickey, Gale zu erschießen. Sie begründen dies damit, dass sie niemanden am Leben lassen zu müssen, der die Geschichte erzählen kann, da die Kamera alles aufzeichne.

[Bearbeiten] Reaktionen

Nach dem Erscheinen des Films kam es weltweit zu einer Reihe von Kriminalfällen, die unmittelbar durch den Film inspiriert schienen und deren Täter die Hauptfiguren des Films selbst als direkte Vorbilder angaben.[1][2] Die Macher von Natural Born Killers, allen voran Oliver Stone und die Time-Warner-Gesellschaft sahen sich mit Gerichtsprozessen konfrontiert, wurden aber mit dem Hinweis auf mangelnde Rechtsgrundlagen und Redefreiheit freigesprochen.

Für diese Auswirkung des Films werden neben der extremen Gewaltdarstellung eine Kombination aus unterschiedlichen Gründen verantwortlich gemacht [3]:

  • die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren, die mit ihrer tragischen Vorgeschichte, ihrer stürmischen Verliebtheit, ihrem attraktiven Äußeren und ihrem Medienruhm ein zu großes Identifikationspotential besitzen.
  • die vom Film suggerierte Verbindung zwischen extremen Gewalttaten und medialem Ruhm im Allgemeinen – so wird am Ende des Films die fiktive Medienkarriere der Serienmörder durch eine Collage von Tätern und Opfern, die durch Verbrechen zu Medienstars der 1990er Jahre wurden, untermauert. Zu sehen ist der des Mordes angeklagte O. J. Simpson, Tonya Harding, die Elternmörder Lyle und Erik Menendez, Lorena Bobbitt und der von Polizisten verprügelte Rodney King.
  • die für Stone typische von der Videoclip-Ästhetik abgeleitete stroboskopartig schnelle Schnittfolge mit unablässig wechselnden Kameraeinstellungen und verstörenden subliminalen Zwischenbildern, sowie die psychedelisch und stark desorientierend wirkende komplexe Überlagerung von Bild und Ton-Ebenen tragen zu einer emotionellen Verunsicherung des Zuschauers bei, in der die extrem agierenden Hauptfiguren die einzige verlässliche Konstante darstellen.

Eine wissenschaftlich stichhaltige Erklärung für die zahlreichen Nachahmungstaten gibt es allerdings nicht. In einigen Ländern ist der Film indiziert.

[Bearbeiten] Kritiken

„[…] Stones Bildsprache ist extrem eindrucksvoll. Es ist einer von Hollywoods stylistisch wagemutigsten Filmen überhaupt. Schade jedoch, dass all diese brillanten Ideen auf eine verfehlte Satire verwandt werden, die außer Wut kaum etwas zu vermitteln vermag.“

Christian Science Monitor[4]

„Oliver Stones ‚Natural Born Killers‘ hätte wohl eher den Eindruck eines verworrenen Alptraums erweckt, wäre da nicht der O. J. Simpson-Fall. Vielleicht war Stones Film als eine Warnung gedacht, über die Richtung in die sich unsere Gesellschaft bewegen könnte, aber aufgrund des O. J. Simpson-Falles wird sie nun zur Anklage ihres aktuellen Zustandes. Wir werden eine Gesellschaft, die an Verbrechen und Skandalen mehr interessiert ist als an allem Anderen – sicher mehr als an Politik, Kunst und vielleicht sogar Sport. […] Natural Born Killers ist nicht so sehr über die Mörder selbst, sondern über den (Medien)-Wahn (‚Feeding frenzy‘) den sie auslösen […] Den Film einmal zu sehen ist nicht genug. Das erste Mal ist für das Bauchgefühl sehen, das zweite Mal ist für die Bedeutung. Während wir uns durch den Herbst bewegen, dessen Nachrichten vom O. J. Simpson-Fall dominiert sind, wirkt ‚Natural Born Killers‘ wie ein Schlag ins Gesicht, eine Warnung, die uns die Wirklichkeit vor Augen hält.“

Roger Ebert[5]

„Stone nennt seinen Film eine bittere Satire. Aber Satire zielt sorgfältig, (Natural Born) Killers hingegen ist ein alles umwerfendes Streugeschoss. In dem er virtuose Technik in den Dienst von Denkfaulheit stellt, macht Stone seinen Film zu dem Dämon, den er eigentlich verspotten will: Grausamkeit als Unterhaltung.“

Rolling Stone[6]

„So können Sie den Film nun als brillante Extremsatire oder als gewaltverherrlichende Perversion sehen. Alles mit Recht.“

Cinema[7]

[Bearbeiten] Trivia

  • Der Film enthält Bezüge auf Stanley Kubricks Filme. So hat sich Mallorys Bruder an einem Auge große Wimpern gemalt – wie Alex in Uhrwerk Orange; des Weiteren erinnert die Szene, in der sich Mickey den Kopf schert, an die Anfangsszene von Full Metal Jacket.
  • In der Hotelszene, in welcher Mickey sich fragt, wer denn bloß solche Filme drehe, ist 'Scarface' auf dem TV-Schirm zu sehen.

[Bearbeiten] Filmmusik

Die Filmmusik wurde von Trent Reznor zusammengestellt und beinhaltet folgende Lieder:

  1. Waiting For The Miracle – Leonard Cohen
  2. Shitlist – L7
  3. Moon Over Greene County – Dan Zanes
  4. Rock N Roll Nigger – Patti Smith
  5. Sweet Jane – Cowboy Junkies
  6. You Belong To Me – Bob Dylan
  7. The Trembler – Duane Eddy
  8. Burn – Nine Inch Nails
  9. Route 66 – Depeche Mode
  10. Apple Pie – Dale Cooper
  11. Totally Hot – Orchestre Super Matimila& Remmy Ongala
  12. Back In Baby's Arms – Patsy Cline
  13. Taboo – Peter Gabriel & Nusrat Fateh Ali Khan
  14. Sex Is Violent – Jane's Addiction & Diamanda Galas
  15. History Repeats Itself – AOS
  16. Something I Can Never Have – Nine Inch Nails
  17. I Will Take You Home – Russel Means
  18. Drums A Go-Go – The Hollywood Persuaders
  19. Hungry Ants – Barry Adamson
  20. The Day The Niggaz Took Over – Dr. Dre
  21. Born Bad – Film Dialogue
  22. Fall Of The Rebel Angels – Sergio Cervetti
  23. Forkboy – Lard
  24. Batonga In Batongaville – Budapest Philharmonic Orchestra
  25. A Warm Place – Nine Inch Nails
  26. Allah, Mohammed, Char, Yaar – Nusrat Fateh Ali Khan & Party & Diamanda Galas
  27. The Future – Leonard Cohen
  28. What Would U Do? – Tha Dogg Pound
  29. Bombtrack – Rage Against the Machine
  30. Take the Power Back – Rage Against the Machine
  31. Size Queen – Betty Blowtorch

Zusätzlich tauchen im Film die Titel Anthem von Leonard Cohen, Ghost Town von den Specials und Musik von Klaus Buhlert auf, welche auf dem Soundtrack nicht vorhanden sind.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. www.salon.com, abgerufen am 20.Dezember 2007
  2. www.crimelibrary.com, abgerufen am 17. Dezember 2007
  3. www.mediaknowall.com, abgerufen am 20.Dezember 2007
  4. Kritik vom 26. August 1994 Online-Wiedergabe auf metacritics.com
  5. (4 von 4 Sternen) http://rogerebert.suntimes.com/apps/pbcs.dll/article?AID=/19940826/REVIEWS/408260302/1023
  6. http://www.rollingstone.com/reviews/movie/5948089/review/5948090/natural_born_killers
  7. (Redaktionbewertung: 100%) http://www.cinema.de/kino/filmarchiv/film/natural-born-killers,1302404,ApplicationMovie.html

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen