Naturgeschichte

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Naturalist ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen von Naturalist finden sich unter Naturalismus.
Naturkunde-Unterricht (1947)

Naturgeschichte (auch Naturkunde oder Naturlehre) ist eine Sammelbezeichnung für Wissensgebiete, die heutzutage gewöhnlich mehreren verschiedenartigen Wissenschaften, überwiegend Naturwissenschaften, zugeordnet werden. Die meisten Definitionen enthalten die Erforschung der Lebewesen (Biologie, darunter Botanik und Zoologie); andere Definitionen weiten das Gebiet aus und zählen sowohl Paläontologie, Ökologie und Biochemie als auch zum Teil Archäologie, Geologie, Astronomie, Physik und sogar Meteorologie dazu.

Naturgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Tables of natural history aus der 1728 erschienenen Cyclopaedia, or an Universal Dictionary of Arts and Sciences

Allgemein galt ein an der Naturgeschichte Interessierter als Naturforscher oder Naturalist. Dies war im Wesentlichen eine Laien-Beschäftigung und nicht ein Beruf. Im 18. Jahrhundert und weit ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Begriff Naturgeschichte verwendet, um alle wissenschaftlichen Studien, im Gegensatz zur politischen oder kirchlichen Geschichte, zu bezeichnen. Diese umfassende Bezeichnung wird auch heute noch für einige Museen und Gesellschaften verwendet. Traditionell wurde die vorwiegend beschreibende Naturgeschichte der mehr erklärenden Naturphilosophie entgegengestellt.

Charakteristika der Naturgeschichte sind:

  • Die Vorstellung einer „Kette der Wesen“[1]: Gott hat die größtmögliche Anzahl verschiedenartiger Dinge erschaffen. Diese bilden (insbesondere hinsichtlich ihrer Morphologie) eine kontinuierliche Abfolge, sodass sich zwischen allen distinkten Wesen Mittelglieder finden lassen.
  • Die Naturgeschichte verfügt über keinen temporalisierten Begriff der Entwicklung.[2] Sofern von „Entwicklung“ die Rede ist, meint man entweder im Sinne des lateinischen evolvere wortwörtlich die Aus-/Ent-wicklung oder Ent-faltung bereits bestehender Strukturen oder die Realisierung vorherbestimmter Möglichkeiten, nicht aber die Entstehung von unvorhersehbarem Neuem (wie in der modernen, darwinistischen Evolutionsbiologie).

Bekannte Naturkundemuseen sind das Natural History Museum in London, das Museum für Naturkunde in Berlin, das Naturhistorische Museum in Wien und das Muséum national d’histoire naturelle in Paris.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albrecht von Haller: Onomatologia medica completa... oder Vollständiges Lexicon... der Naturgeschichte, Frankfurt am Main, 1758
  • Wolf Lepenies: Das Ende der Naturgeschichte. Wandel kultureller Selbstverständlichkeiten in der Wissenschaft des 18. und 19. Jahrhunderts, Hanser, München/Wien 1976, ISBN 3446121854.
  • Herbert H. Egglmaier: Naturgeschichte. Wissenschaft und Lehrfach. Akademische Druck- u. Verlangsanstalt, Graz 1988.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arthur O. Lovejoy: Die große Kette der Wesen. Geschichte eines Gedankens. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1993; engl. Originalausgabe: The great chain of being. A study of the history of an idea, 1936.
  2. Wolf Lepenies: Das Ende der Naturgeschichte. Wandel kultureller Selbstverständlichkeiten in den Wissenschaften des 18. und 19. Jahrhunderts. Hanser, München 1976, hier: S. 45.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naturgeschichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien