Naturwein

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Als Naturwein (Natural wine, Artisant wine, Naked wine, Vin vivant, Naturreiner Wein) werden häufig Weine bezeichnet, die möglichst ohne Zusätze und ohne aufwändige Kellertechnik produziert wurden. Der Begriff ist nicht gesetzlich geregelt. Daher gibt es keine Regeln, welche önologischen Verfahren zu Naturwein führen, und welche nicht. Am häufigsten werden heute darunter jene Weine verstanden, die unter kontrolliert organisch-biologischen oder biologisch-dynamischen Gesichtspunkten erzeugt werden. So erzeugte Weine können heute unter Bio- oder Ökowein, wenn der Betrieb zertifiziert ist, vermarktet werden.[1]

Die Weingesetze der Länder gehen prinzipiell davon aus, dass Wein durch alkoholischen Gärung von Weintrauben, ein Naturprodukt ist und nicht als solches bezeichnet werden muss.[2][3] Auch wenn verschiedene weinbauliche Produktionsmethoden und önologische Verfahren angewendet werden, bleibt Wein ein Naturprodukt. Natürlich gibt es hier unterschiedliche Ansichten, da man sowohl im Weingarten als auch bei der Vinifikation auf die Weinqualität Einfluss nehmen kann.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts bildeten sich Winzergruppen vornehmlich aus den Bereich des biologisch-dynamischen Weinbaues, die noch mehr "Bio" wollen, zu der Bewegung der Naturweine (Natural wines). Die Herstellung dieser Weine wird unter anderem von folgenden Gedanken beeinflusst: Suche nach einem ursprünglichen Geschmack natürlicher Weine, Respekt von der Natur und Opposition zu industriellen Methoden im Weinbau und der Weinherstellung, zurück zu den alten önologischen Verfahren, Protest gegen die zunehmende Anonymisierung durch die Technisierung des konventionellen, integrierten wie auch aus dem organisch-biologischen Anbau stammender Weine.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff ist historisch in Deutschland eng verbunden mit der Lebensreformbewegung. Im Weingesetz von 1909 wurde unter anderem Chaptalisation und Nassverbesserung (→Ludwig Gall) großzügig geregelt. Es durfte Trockenzucker zur Erhöhung des Alkoholgehaltes hinzugefügt werden. In schlechten Jahrgängen, die von hohen Säurewerten bei nicht vollständig ausgereiftem Lesegut geprägt waren, durfte gar bis zu einem Viertel Zuckerwasser zur Alkoholerhöhung und Säureregulierung hinzugefügt werden. Dies wurde als notwendig angesehen, um die wirtschaftliche Existenz der Weinbranche auch in schlechten Jahren zu sichern. Von solchen unselbständigen Weinen grenzte sich der Naturwein ab, der selbständig, ohne kellertechnische Eingriffe, ein stabiles Produkt ergab. Dies waren die Spitzenweine aus sehr guten Jahrgängen.

1910 schloss sich der Verband deutscher Naturweinversteigerer aus mehreren regionalen Verbänden zusammen, der heutige Verbandes Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP). In der Folgezeit beeinflussten weitere önologische Neuerungen den Naturweingedanken. So wurde der Begriff im Weinrecht von 1930 als “Wein, dem irgendwelche andere Stoffe, als sie zur Kellerbehandlung notwendig sind, nicht zugesetzt worden sind” definiert. Zu der Zeit wurde die Schwefelung des Weines als absolut notwendig betrachtet.

Mit der Novellierung des Weingesetzes 1969/1971 wurde Begriff Naturwein durch den Prädikatswein ersetzt. Ungezuckerte Weine durften nicht mehr als Naturwein bezeichnet werden. Statt dessen die Begriffe Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) und Qualitätswein mit Prädikat geprägt. Die Qualitätsangabe bezog sich nicht mehr auf den Herstellungsprozess, da sich dies durch zahlreiche önologische Neuerungen als schwierig erwies. Es wurden auch Begriffe wie "Durchgegoren" abgeschafft. Statt dessen wurde das Mostgewicht des Lesegutes als wesentliches Qualitätsmerkmal herangezogen und Geschmacksangaben basierend auf den Restzuckerwerten definiert. Erst ab dem Prädikat Kabinett ist Alkoholerhöhung (Anreicherung) nicht mehr zulässig.

Der Begriff Naturwein verschwand, der 'Verband der Naturweinversteigerer benannte sich in Verband der Prädikatsweingüter um. [4] Heute bezieht sich der Begriff nicht mehr so sehr auf den Verzicht auf Kristallzucker, sondern auch auf zahlreiche andere önologischen Verfahren, die bewusst eingesetzt oder bewusst nicht eingesetzt werden. Neu ist dabei, dass sehr häufig die Schwefelung abgelehnt wird. Daneben werden auch historische Methoden der Weinbereitung wiederbelebt (Beispiel:Quevri) oder önologische Verfahren außerhalb der Weinbautradition (Beispiel: Maischegärung beim Orange Wine) eingeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicolas Joly: Der Wein, die Rebe und die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, Verlag Gebrüder Kohrmayer, Dreieich, 2008, ISBN 978-3-938173-46-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Andreas Essl: Naturwein – eine Auseinandersetzung, Österreichische Weinakademie.
  2. Weinrecht Deutschland
  3. [1] Österreichisches Weingesetz
  4. Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter