Nausicaä aus dem Tal der Winde (Manga)

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Nausicaä aus dem Tal der Winde
Originaltitel 風の谷のナウシカ
Transkription Kaze no Tani no Naushika
Genre Science-Fiction, Fantasy, Drama
Manga
Land JapanJapan Japan
Autor Hayao Miyazaki
Verlag Tokuma Shoten
Magazin Animage
Erstpublikation Januar 1982 – Februar 1994
Ausgaben 7
Film
Nausicaä aus dem Tal der Winde (1984)

Nausicaä aus dem Tal der Winde (jap. 風の谷のナウシカ, Kaze no Tani no Naushika) ist eine Manga-Serie von Hayao Miyazaki. Das Werk handelt vom Kampf mehrerer Völker gegeneinander und gegen eine ihnen feindlich gesinnte Natur in ferner Zukunft. Nausicaä, Prinzessin eines kleinen Volkes, erkennt dass die Natur wegen der Verschmutzung durch die Menschen so wurde und wird in einen Krieg hineingezogen.

Der Manga ist in die Genres Science-Fiction, Fantasy und Drama einzuordnen und wurde 1984 mit dem Anime-Kinofilm Nausicaä aus dem Tal der Winde verfilmt. Der Erfolg des Films, dessen Handlung auf Grund der frühen Verfilmung stark von der des Mangas abweicht, führte zur Gründung des Studio Ghibli.[1][2]

Handlung[Bearbeiten]

In der Zukunft wurde die Welt durch die Menschen so sehr verschmutzt, dass nach einem großen Krieg, den „Sieben Tagen des Feuers“, sich ein riesiger giftiger Pilzwald ausbreitete, das „Meer der Fäulnis“. Die Ausbreitung des Waldes wird als „große Flut“ bezeichnet. Dieser ist von riesigen Insekten und ähnlichen Tieren bewohnt, dehnt sich immer weiter aus und verschlingt ein Land nach dem anderen. Versuche, den Wald zu vernichten, führen nur zu Angriffen der Tiere, vor allem der riesigen, asselartigen Ohmu, und damit der weiteren Ausdehnung des Waldes. So ist die Menschheit im Niedergang begriffen.

Nausicaä ist die Prinzessin des „Tals der Winde“, das durch vom Meer kommende Winde vor den Pilzsporen geschützt ist. Sie ist bei ihren Volk beliebt und hat ein besonderes Gespür für die Natur. Bei der Untersuchung des Meers der Fäulnis entdeckt sie, dass dessen Pflanzen in der Lage sind, den durch die Menschen verseuchten Boden zu reinigen. Als das große Nachbarreich Torumekia gegen das Fürstentum Doruk in den Krieg zieht, muss Nausicaä mit einigen Kriegern aus ihrem Tal, darunter der alte Kämpfer Mito, unter der torumekischen Prinzessin Kushana in den Kampf ziehen. Auch andere kleine Länder müssen Truppen schicken. Kushana jedoch griff zuvor heimlich das ebenso verbündete Pejite an, da dort ein funktionsfähiger Kriegstitan aus den Sieben Tagen des Feuers gefunden wurde. Mit diesem soll Doruk angegriffen werden, doch flieht die Prinzessin von Pejite und bringt ein wichtiges Teil des Titanen zu Nausicaä, ehe sie stirbt.

Auf dem Weg über das Meer der Fäulnis nach Doruk wird die Flotte Kushanas von Asbel, Prinz von Pejite, angegriffen, der sich rächen will. Schließlich wird er abgeschossen und landet gemeinsam mit Nausicaä, die ihren ebenso abgestürzten Kameraden erst folgte und sich dann von ihnen trennte, in der untersten Schicht des Meers der Fäulnis. Hier ist tatsächlich alles rein und die Luft nicht von giftigem Miasma erfüllt. Nausicaä übergibt Asbel das Teil aus dem Titanen. Als die beiden das Meer der Fäulnis verlassen wollen, werden sie von einem dorukischen Schiff des Mani-Stammes gefangen genommen. Diese greifen mit den Ohmus Kushanas Lager an, indem sie diese mit einer verletzten Ohmularve wütend machen und zum Lager locken. Nausicaä kann fliehen und das Lager warnen, aber wenige entkommen, darunter Nausicaäs Kameraden und Kushana mit einigen ihrer Männer. Kushana weiß nun, dass sie von ihren Brüdern und ihrem Vater verraten wurde. Um die Ohmu zu beruhigen, rettet Nausicaä die Larve, wofür sie die Ohmu heilen. Der Bischof der Mani erkennt, dass es sich bei ihr um das Mädchen aus einer alten Prophezeiung handelt, das die Menschen wieder miteinander und der Natur versöhnen soll, die „Trägerin des blauen Gewandes“, wie auch Nausicaä eines trägt. Nausicaä befürchtet, dass die Dorukianer die kleinen Länder kolonisieren wollen und dass der Krieg zu einer weiteren Ausbreitung des Waldes, einer neuen „großen Flut“ führen wird. Die Doruk-Flotte zieht ab und Nausicaä fliegt mit Kushanas Männern weiter nach Süden.

Mito kehrt mit den anderen in das Tal der Winde zurück und berichtet dort. Während sich die Häuptlinge der Länder beraten, stirbt Nausicaäs Vater. Mitos Gruppe soll Yupa finden, einen berühmten Krieger aus dem Tal der Winde und Lehrer Nausicaäs. Dieser forscht den Insektenbändigern nach, die die Dorukianer für ihre Zwecke einsetzen. In deren Dorf trifft er auf die Mani, in deren Begleitung sich noch immer Asbel befindet. Gemeinsam mit dem Priester der Mani zerstören sie die Zuchtanlage der Insektenbändiger, doch greift sie nun der dorukische Priesterrat und der just eingetroffene Bruder des dorukischen Kaisers an. Der Bischof stirbt, gibt Yupa, Asbel und seiner Assistentin Kecha aber die Möglichkeit der Flucht und seinem Volk die Nachricht von der Ankunft des Mädchens aus der alten Prophezeiung. Die drei werden bald darauf über dem Wald abgeschossen, aber von den Waldmenschen gerettet. Diese leben in Frieden mit der Natur mitten im Meer der Fäulnis, sie wurden einst von einer „Trägerin des blauen Gewandes“ zu dieser naturnahe Lebensart gebracht. Als Yupa, Asbel und Kecha aus dem Wald herauskommen, treffen sie dort auf Mitos Gruppe. Diese haben zuvor gesehen, wie die dorukische Flotte mit dem Volk der Mani den Kriegstitanen aus Pejite nach Doruk bringt, in die heilige Stadt Shuwa.

Miralupa, Bruder des Kaisers, will nun Nausicaä finden und vernichten, da sie seinen Zielen und seiner Autorität im Wege steht. Doch der Geist des verstorbenen Bischofs schützt sie vor dem Zugriff durch Miralupas übernatürliche Fähigkeiten. Kushana und Nausicaä stoßen in Doruk angekommen auf einen seltsamen Pilzwald. Schließlich erreichen sie Kushanas Armee, die eingeschlossen ist. Miralupas Flotte trifft ein, doch unter Kushanas Kommando und mit Nausicaäs Hilfe können die Torumekier die Belagerung aufbrechen. Kushana macht sich zum Lager der Armeen ihrer Brüder auf, um deren Schiffe zu stehlen und ihre Armee zu retten. Nausicaä zieht dagegen weiter nach Süden und trifft in einer Oase den Jungen Chikuku. Der kümmert sich um einen alten Mönch, der hier in einem geheimen Tempel einer vom dorukischen Kaiser verbotenen Religion dient. Auch er erkennt Nausicaäs besondere Fähigkeiten und will sie schützen. Als er stirbt, bricht Nausicaä mit dem übernatürlich begabten Chikuku auf. Während dessen sind die giftigen Schleimpilze, die die Dorukianer für den Kriegseinsatz gezüchtet haben, nahe der Front in Doruk außer Kontrolle geraten. Beim chaotischen Versuch, die Pilze noch zu vernichten, flieht Miralupa nach Shuwa. Sein Oberbefehlshaber Chalka rettet kurz darauf Nausicaä, da auch er von ihr beeindruckt ist. Der Pilz verschlingt in dieser Zeit immer mehr, zerstört und vergiftet Städte und Dörfer und die Truppen Doruks flieht vor ihm. Die Tiere des Meers der Fäulnis ziehen nach Doruk, um die auch für sie giftigen Pilze aufzuhalten.

Auch des Lager der torumekischen Armee wird von den einfallenden Insekten angegriffen. Kushana und einige ihrer Männer überleben den Angriff nur knapp, werden von Yupas und Mitos Gruppe gefunden und von ihnen gefangen genommen. Vor allem Asbel und Kecha stehen ihnen feindlich gegenüber. In Shuwa angekommen wird Miralupa von seinem Bruder Namris getötet, nun selbst die Regierung übernimmt. Für den Krieg will er den Titanen einsetzen und hat die Hydras, künstlich geschaffene, übermenschliche Kämpfer, aus dem heiligen Grab in Shuwa geholt. Mit ihnen bringt der Kaiser Kushana in seine Gewalt, Yupa folgt ihm auf sein Schiff. Namris will Kushana zu seiner Frau machen und ein neues Kaiserreich gründen, denn große Teile Doruks werden vom Pilz zerstört. Während dessen haben Nausicaä und Chalka mit seinen Mönchssoldaten die Pilze beobachtet. Diese wollen sich vereinigen und werden von den Tieren des Waldes bereits erwartet. Nausicaä begibt sich allein zum Ort der Vereinigung. Sie erkennt, dass die Insekten dem Pilz nicht feindlich gesinnt sind, sondern sich von ihm fressen lassen, ihn friedlich stimmen und so einen neuen Wald bilden wollen. So lässt auch sie sich fressen, ein Ohmu aber schützt sie davor.

Als aus den Schleimpilzen und den Insekten ein neuer Wald entsteht, strömen die Insektenbändiger her, um das früher dorukische Land unter sich aufzuteilen. Nausicaä, die in einem tiefen Schlaf verfallen ist, wird von Chalka, Chikuku und dem Waldmenschen Selm gefunden. Als Chalka zu seiner Truppe zurückkehrt, bleiben die anderen bei ihr, um sie zu wecken. Selm dringt in ihren Traum ein und zeigt ihr den „Wald in ihrem Herzen“ und das Land, das vom Wald gereinigt wurde. Dort leben wieder normale Pflanzen und Tiere und es gibt kein giftiges Miasma. Nausicaä erwacht, lehnt Selms Einladung in den Wald zu gehen aber ab. Sie möchte bei den Menschen bleiben und einen weiteren Krieg verhindern. So fliegt sie zum Schiff des Kaisers, der dort den Priesterrat, darunter Chalka, töten will. Sie kann ihn retten und die versammelten Völker vor dem Krieg, den Namris plant, warnen. Die anwesenden Mani, unter ihnen Kecha und Asbel, helfen ihr daraufhin gegen das Schiff des Kaisers, der Nausicaä angreift. Auch Mito erreicht mit seinen Männern die Flotte, wie auch das Schiff mit dem Titanen. Nausicaä versucht den Titanen zu zerstören, erweckt ihn aber dadurch. Im Chaos des Kampfes übernimmt Kushana mit ihren Soldaten das Schiff des Kaisers und Namris stirbt.

Der Titan hält Nausicaä für seine Mutter und sie kann ihn bändigen. Gemeinsam reisen sie zur Stadt Shuwa, um das heilige Grab, aus dem die Kriegstechniken der Dorukianer stammt, zu verschließen. Als sie fort ist, kommt es fast zu Kämpfen zwischen den Torumekiern unter Kushana und den Dorukischen Soldaten. Yupa kann dies verhindern, verliert dabei jedoch sein Leben. Auf dem Weg nach Shuwa zeigt der Titan Intelligenz und eine eigene Persönlichkeit. Er sagt, dass er als Krieger und Richter erschaffen worden ist. Bei einer Rast gelangt Nausicaä in einen versteckten Garten. Hier werden Pflanzen, Tiere und kulturelle Errungenschaften der Menschheit aus der Zeit vor den Sieben Tagen des Feuers aufbewahrt. Sie erfährt, dass das Meer der Fäulnis und alle seine Pflanzen und Tiere während der Sieben Tage des Feuers von Menschen geschaffen wurden, um die Erde zu reinigen. Auch die nun lebenden Tiere und die Menschen selbst wurden so verändert, dass die auf der vergifteten Erde leben können. In einer gereinigten Umwelt können diese Menschen und Tiere nicht mehr leben. Für diese Zukunft wurden Lebewesen und Künste in dem Garten erhalten. Nausicaä will dennoch weiter nach Shuwa, um herauszufinden was sich in dem Grab befindet. Vor dem Garten trifft sie die Gruppe Mitos und die Insektenbändiger, die ihr gefolgt sind, und gemeinsam mit den Insektenbändigern zieht sie nach Shuwa. Der Titan ist bereits ohne Nausicaä dort angekommen, wie auch Mito und Asbel. Die anderen kehren ins Tal der Winde zurück.

In Shuwa, in der auch Torumekias König und dessen Armee eingetroffen sind, kommt es zum Kampf zwischen dem Titan und dem sich selbst verteidigendem Grab, bei dem die Stadt eingeebnet wird, die Armee vernichtet und der Titan besiegt. Der König überlebt und dringt in das Grab ein, in dem ein Orden haust und die Geheimnisse des Grabes erforscht. Königen, die sie unterstützen, gewährt der Orden die Technologien des Grabes. Nausicaä folgt ihm mit den Insektenbändigern, die bezeugen und weitererzählen sollen, was geschieht. Beim Herrn des Grabes angekommen erfahren sie, dass dieser zur Zeit der Sieben Tage des Feuers erschaffen wurde. Er soll die Menschheit nach der Reinigung neu zu schöpfen. Doch Nausicaä hat erkannt, dass zum Leben neben Reinheit auch Unreinheit, neben Licht auch Schatten gehört, und sich das Leben stets verändert. Das Grab und dessen Plan aber sind starr und wollen die Menschen nur für ihren Zweck einspannen. So ruft sie den Titanen und zerstört mit ihm das Grab, wobei der Titan stirbt. Als das Grab einstürzt, rettet Asbel Nausicaä. Zugleich treffen die restlichen Dorumekianer unter Chalka und die Torumekier unter Kushana ein. Der torumekische König stirbt, nachdem er Nausicaä vor dem letzten Angriff des Grabes geschützt hat. So übernimmt nun Kushana die Regentschaft über Torumekia und die Dorukianer bauen ein neues Land auf.

Entstehung und Stil[Bearbeiten]

Die Zusammenarbeit Miyazakis mit dem Magazin Animage, in dem der Manga veröffentlicht wurde, ergab sich nach seiner Arbeit am Film Das Schloss des Cagliostro 1979, über den das neu gegründete Magazin intensiv berichtet hatte. So bot Redakteur Toshio Suzuki Miyazaki an, eine Mangaserie für das Magazin zu entwickeln.[3] Die Entstehung des Mangas zog sich von 1982 bis 1994 vergleichsweise lange hin, da Miyazaki die Arbeit immer wieder für Filmprojekte ruhen lassen musste.[4] Durch diese Pausen und die zunehmende Komplexität der Handlung wurde es auch für Miyazaki selbst immer schwieriger, die Serie fortzusetzen. Nach deren Abschluss sagte er in einem Interview mit dem Magazin Comic Box: „Es war sehr schwer, Nausicaä auch nur ein Jahr fortzusetzen. Ich weiß nicht genau warum, außer dass es schwer ist Dinge zu zeichnen, die man nicht wirklich versteht.“[5]

Die Zeichnungen sind filigran und detailliert, dabei nicht in Schwarz-Weiß, sondern einem Braunton gehalten. Der Erzählstil ist wenig filmisch, sondern eher textlastig und der Seitenaufbau und die Panelformen sind einfach. Damit entspricht der Manga eher der europäischen als der japanischen Comictradition. Frederik L. Schodt führt diesen Unterschied auch darauf zurück, dass Miyazaki kein Comiczeichner sondern Animator sei und damit eine andere Arbeitsweise gewohnt. Miyazaki sagte selbst in einem Interview im Magazin Comic Box, dass er keinen Manga schaffen wollte, der „von den Leuten gelesen wird während sie Soba-Nudeln essen“.[2][6]

Einflüsse und Analyse[Bearbeiten]

Ein Motiv des Mangas ist die Zähigkeit und Belastbarkeit der Natur, die die Gifte der Menschen absorbiert und weiter gedeihen kann. In einer Unterhaltung mit Ernest Callenbach, dem Autor von Ökotopia, sagte Hayao Miyazaki 1985: „Es gab ein großes Ereignis, das zur Erschaffung Nausicaäs führte: die Verschmutzung der japanischen Küste vor Minamata mit Quecksilber. Wegen der Verschmutzungswerte hörten die Menschen in dieser Gegend auf, Fische zu fangen – wenige Jahre später lebten dort wieder Fische, und das weit über dem Maß der üblichen Fischverbreitung. Diese Neuigkeit verursachte mir eine Gänsehaut.

Die gezeigten Lebensweisen entsprechen am ehesten denen des mittelalterlichen Europa oder der asiatischen Steppen, es gibt aber auch einige moderne Technologie wie Flugapparate. Neben der griechischen Mythologie sind auch Elemente aus christlicher und Nordischer Mythologie eingeflossen. Elemente der japanischen Kultur kommen nicht offen vor. Die riesigen Insekten und die Thematisierung von Kriegszerstörung, alternativen Energien, Windkraft und fortschrittlicher Keramik-Technologien, die in der Handlung von Nausicaä als Teil der Vergangenheit vorkommen, sind Verweise auf aktuelle Interessen und Sorgen in Japan. Miyazaki selbst hat in Interviews immer wieder Zweifel am modernen Lebensstil und Individualismus geäußert.[6]

Vorbild für den Charakter Nausicaäs war die phaiakische Prinzessin Nausikaa, so wie sie Bernard Evslin in seinem Lexikon der griechischen Mythologie beschreibt. Sie sei „ein flinkes, fantasiebegabtes, schönes Mädchen“, das sensibel sei und sich mehr für Harfe und Gesang, als für irdisches Glück interessiere. Daher wusch und pflegte sie Odysseus ohne Zögern, als sie ihn blutverschmiert antraf. In der Originalfassung von Homer ist die Figur jedoch anders beschrieben als bei Evslin. Das zweite Vorbild war die Mushi Mezuru Himegimi, „die Insekten liebende Prinzessin“, eine alte japanische Erzählung aus dem Tsutsumi Chūnagon Monogatari, die im 12. Jahrhundert (späte Heian-Zeit) spielt. Diese Prinzessin folgte ihren eigenen Interessen, dem an Insekten, und kümmerte sich nicht um Konventionen und das was andere von ihr dachten. Miyazaki verschmolz schließlich beide Figuren zu einer, als er mit Nausicaä begann.[7]

Das Ende, weniger hoffnungsvoll als in der Verfilmung, mache Nausicaä laut Schodt zur endgültigen Zerstörerin der alten Menschheit, um die Menschen ihrer Zeit zu retten. Es sei zudem eine Desillusionierung, dass die Natur des Pilz- und Insektenwaldes wie auch die überlebenden Menschen allesamt von der früheren Menschheit mit Gentechnik erschaffen wurden.[5]

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Der Manga von Miyazaki Hayao erschien zuerst in den Ausgaben 2/1982 (Januar 1982) bis 3/1994 (Februar 1994) im Magazin Animage des Verlags Tokuma Shoten in Japan. Die Kapitel wurden in sieben Sammelbänden (Tankōbon) zusammengefasst, von denen der erste Juli 1983 erschien. Die weiteren Bände wurden in unregelmäßigen Abständen bis Dezember 1994 veröffentlicht.[8] Die Sammelbände erschienen dabei im größeren Wideban-Format, d.h. hier mit JIS B5,[9] in einem doppelt so großen Format wie für Manga üblich. 1996 erschien eine Neuveröffentlichung als noch einmal größere (DIN A4) Hardcover-Sammlerausgabe (Aizōban) in zwei Bänden.[10]

Die Serie erschien auf Deutsch bei Carlsen von 2001 bis 2002 unter dem Titel Nausicaä aus dem Tal der Winde. Dabei wurde der Druck wie im japanischen Original in einem Braunton ausgeführt, außerdem wurden die originalen japanischen Lautmalereien und die japanische Leserichtung (von rechts nach links) beibehalten. Die Bände eins bis sechs haben Ausklapp-Poster mit Illustrationen und Karten. 2010 folgte eine Neuauflage. Der Manga erschien außerdem unter anderem auf Englisch bei Viz Media, Französisch bei Glénat, Spanisch bei Planeta DeAgostini Comics und Italienisch bei Planet Manga. Auch eine Niederländische, Portugiesische, Koreanische, Kantonesische und Chinesische Übersetzung existiert.

Weitere Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Bald nach Veröffentlichung der Serie im Animage fragten viele Leser nach, wann der Manga als Film umgesetzt werden würde. Da die Nachfrage so groß war, finanzierte der Verlag Tokuma Publishing eine Verfilmung unter Regie Hayao Miyazakis.[3] Nausicaä aus dem Tal der Winde kam 1984 in die japanischen Kinos. Da die Handlung des Mangas noch nicht weit fortgeschritten war, wurde für diesen ein eigenes Ende entwickelt. Nausicaä wurde in Japan erfolgreich und erhielt auch Aufmerksamkeit außerhalb des Landes. Die Beteiligten an der Produktion des Films gründeten daraufhin das Studio Ghibli.

Artbook[Bearbeiten]

1995 erschien unter dem Titel Kaze no tani no Naushika Miyazaki Hayao Suisaiga-shū (風の谷のナウシカ 宮崎駿水彩画集) bei Tokuma Shoten ein erstes Artbook zum Manga, das Illustrationen in Aquarell, Material zum Film und Interviews enthält. Es wurde auch ins Englische und Französische übersetzt. Es folgten weitere Artbooks zu der Film-Adaption.

Gleiter[Bearbeiten]

Die Protagonistin, Nausicaä, besitzt einen Ein-Personen-Gleiter mit Jet-Motor namens Möwe (メーヴェ Mēve). 2003 wurde das OpenSky Aircraft Project iniziiert, das sich zum Ziel gesetzt hat einen flugfähigen Nachbau des Gleiters anzufertigen.[11] Zwei Gleiter ohne eigenen Antrieb mit den Kodenamen M01 und M02 wurden gebaut. Der erste erfolgreiche Testflug mit einem düsengetriebenen Gleiter (Registrierungsnummer JX0122) fand am 3. September 2013 statt.[12]

Rezeption[Bearbeiten]

Nausicaä war seit Beginn der Veröffentlichung im Animage ein großer Erfolg.[3] 1994 wurde der Manga mit dem Preis der Japan Manga Artists Association ausgezeichnet,[4] und 1995 mit dem Seiun-Preis, wie schon der Film zehn Jahre zuvor, hier jedoch in der Kategorie Bester Comic. Bis 2008 verkauften sich die Sammelbände mehr als 12 Millionen mal.[13]

Im englischsprachigen Raum, insbesondere den USA, war der Manga erfolgreich, sodass er mehrfach neu aufgelegt wurde. Auch von der Kritik wurde er allgemein positiv aufgenommen.[5] Das Werk wird als einzigartiger Klassiker bezeichnet, der sich vor allem durch den eher europäischen Erzählstil von anderen Mangas abhebt. Auch die Vielschichtigkeit und Komplexität der Handlung wird gelobt. Stephen Betts hebt die Abwechslung von dramatischer Action und hintergründigen Szenen hervor,[2] Paul Gravett nennt das Werk eine „ökologische und spirituelle Science-Fiction-Story“, die als eindringliche Warnung an die Menschen konzipiert sei,[14] und Jason Thompson beschreibt Nausicaä als ähnlich düster wie der später entstandene Ghibli-Film Die letzten Glühwürmchen.[15] Frederik L. Schodt sieht die Ungewöhnlichkeit des Mangas auch darin, dass er von einem Animator gestaltet sei, keinem Comiczeichner.[6] Alle Elemente der Handlung seien nahtlos miteinander verwoben: eine zukünftige Welt, die an das Mittelalter erinnert, aber deren Themen relevant für die heutige Welt sind. Als Epos sei die Serie vergleichbar mit Phoenix, Herr der Ringe oder Star Wars.[5]

Auch deutsche Kritiker sehen sich bei Nausicaä mit ihrem filigranen, detailverliebten Zeichnungen eher an das Werk Moebius' erinnert als an typische Manga-Stile. Komplexität und Durchdachtheit der Handlung werden gelobt sowie die ökologische Botschaft des Werkes betont. Die AnimaniA schreibt von einem „epischen Meisterwerk“ und „epochalen Öko-Fantasy-Werk“[4] und Christian Gasser hebt in der taz hervor, dass der Manga trotz „geradezu unerträglicher Reinheit“ der Hauptfigur ein düster, pessimistisch und vielschichtig sei. Andreas C. Knigge scheut in der Frankfurter Rundschau, wie Schodt, auch den Vergleich mit dem Herr der Ringe nicht.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hrsg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom. Henschel Verlag, 2008, S. 99.
  2. a b c Paul Gravett (Hrsg.), Andreas C. Knigge (Übers.): 1001 Comics, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Zürich 2012, Edition Olms, S. 447.
  3. a b c Fred Patten: Watching Anime, Reading Manga - 25 Years of Essays and Reviews. Stone Bridge Press, 2004, S. 210 f.
  4. a b c AnimaniA 10/2005, S. 20.
  5. a b c d Schodt, 2011, S. 280–282.
  6. a b c Schodt, 2011, S. 276–279.
  7. Nausicaä aus dem Tal der Winde. Band 1: Über Nausicaä. Carlsen Comics, 2010.
  8. 【特集】コミックスで一気読み! アニメージュ・コミックス・ワイド判『風の谷のナウシカ』. In: 絵本ナビ. Abgerufen am 12. Januar 2013 (japanisch).
  9. 風の谷のナウシカ 1. Tokuma Shoten, abgerufen am 12. Januar 2013 (japanisch).
  10. 風の谷のナウシカ 上巻. Tokuma Shoten, abgerufen am 12. Januar 2013 (japanisch).
  11. OpenSky. Abgerufen am 9. September 2013 (japanisch).
  12. ナウシカの飛行機、飛んだ ネット上で動画人気. 3. September 2013, abgerufen am 9. September 2013 (japanisch).
  13. 本屋さんもジブリでいっぱい! 「崖の上のポニョ」公開記念フェア開催中. Tokuma Shoten, 17. Juli 2008, abgerufen am 22. Januar 2013 (japanisch).
  14. Paul Gravett: Manga - Sechzig Jahre Japanische Comics. Egmont Manga und Anime, 2004, S. 115.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJason Thompson: Jason Thompson's House of 1000 Manga. Anime News Network, abgerufen am 11-15-12.
  16. Nausicaä im Tal der Winde (Pressespiegel). perlentaucher.de, abgerufen am 21. Januar 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederik L. Schodt: Dreamland Japan. Writings On Modern Manga. (Collector Edition). Stone Bridge Press, Berkeley 2011, ISBN 978-1-880656-23-5, S. 275–282. (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nausicaä aus dem Tal der Winde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien