Naveta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rekonstruktion der basalen Region einer Naveta

Naveta bezeichnet einen vorgeschichtlichen Großsteinbau auf den zu Spanien gehörenden Balearischen Inseln. Die Navetes von Mallorca und Menorca sind besonders durch die besser erhaltenen Reste auf Menorca bekannt, die einer Phase der Inselkultur in der beginnenden Bronzezeit zugeordnet werden.

Die Bauwerke gehören zu den semi-megalithischen Kultanlagen, obwohl sie sehr viel später als kontinentale Äquivalente entstanden. Grabungen an der Naveta von Clariana ermöglichen es die Navetas als Mittelpunkt der Wohnplätze der Pretalayotischen Einwohner zu definieren. Dies wurde durch die Resultate an der Naveta bei Son Mercer de Baix und an der Gala Bianca bestätigt. Sie haben Ähnlichkeit mit Bauten der Kultur von Fontbuisse im östlichen Languedoc.

Zu den heute noch vollständigeren gehören die von Rafal Rubí bei Alaior und die Naveta von de Biniac (auch L’Argentina). Herausragend ist die aus Sandsteinquadern errichtete Naveta des Tudons bei Ciutadella im Westen der Insel Menorca. Sie wurde um 1400 v.Chr. oder sogar früher errichtet und diente bis um 750 v.Chr. als Grabkammer. Sie misst außen 14,5 x 6,5 Meter und ist über vier Meter hoch. Die ursprüngliche Höhe betrug wohl 6 Meter. Die Naveta ist der Nachfolger der Cueva, einer in den Felsen geschabten Höhle mit ähnlichem Grundriss. Sie bildet auf beiden Inseln den Vorläufer unterschiedlicher Typen von Talayots, Hypostyloi und Taulas.

Form[Bearbeiten]

Die Naveta hat die Form eines umgekippten Schiffes. Sie ist an der Bugseite apsidenförmig gerundet und an der Heckseite, wo ihr einziger Zugang liegt, stumpf. Das schmale flache Dach endet nicht in einem spitzen Kiel, sondern ist durch große Platten geschlossen. Es verjüngt sich vom Boden ausgehend in tholosartiger Manier wie ein Kraggewölbe. Navetes können Einbauten haben und im Inneren horizontal unterteilt sein; in eine untere und eine obere Kammer. Die Kammern der Naveta des Tudons enthielten die Skelettreste von ca. 100 Menschen, darunter einen trepanieren Schädel. Die Begleitfunde wie z. B. Bronzearmreifen sind im Museum von Mahon ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Chapman, Annie Grant, Annie: Prehistoric subsistence and monuments in Mallorca. In: Mirian S. Balmuth: . Encounters and transformations: The archaeology of Iberia in transition. Sheffield: Sheffield Academy Press. ISBN 978-1-85075-593-7.
  • Sibylle von Reden: Die Megalithkulturen. DuMont, Köln 1978, 1982, ISBN 3-7701-1055-2.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultstätten der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Band 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.

Weblinks[Bearbeiten]